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Die Stimme · 1935-06-04 · Heft 455 (4.6.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 455 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ferü» üfiMr Ntxmttter 20 g V.b.% Die nächste Nummer der „Stimme" erscheint als Schewuoth - Festnummer mit einer Reihe von Fest« beitragen und Artikeln in besonders verstärktem Umfange JÜDISCHE ZEITUNG Klassenzionismus oder Volkszionismus, das ist die Schicksalsfrage des nächsten Kongresses — Palästina für das ganze Jüdische Volk, das ist das Programm des Allgemeinen Zionismus Nr. 455 I Wien, 4* Juni 1935 I Redaktion und Administration: Wien, i, Mare-Aurel-StraBa 8. Tel.: U 22*3-91. .ledaktionsschluB Montag und Mittwoch vorm. I (3. Siwan $695) | 8. Jahrgang Der Mann mit der neuen Fahne VH . KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 Dr• Oskar Grünbaum - Listenführer der Allgemeinen Zionisten in Österreich Das von der Leitung des Landesverbandes der Allgemeinen Zionisten eingesetzte Nominierungskomitee für die Aufstellung der Wahlkandidaten zum bevorstehenden Zionistenkongreß hat beschlossen, den Präsidenten des Landesverbandes, Dr. Oskar G r ü nbaum, zum Listenführer vorzuschlagen. An zweiter Stelle kandidiert die Präsidentin der „Wizo“, Frau Dr. Sophie Löwen herz. An dritter Stelle Dr. Nachman Frey. Als Wahltag wurde der 4. Juni angesetzt. 11.356 Einwanderer im März und April Jerusalem, 2. Juni. (t. T. A.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß im Monat A p r i 1 1935 4556 Juden, von denen 273 zur Kategorie A (Einwanderer mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund) gehörten, sowie 57 Araber in Palästina eingewandert sind. , Die jüdische Einwanderung im März ,wujde offiziell mit 6800 Personen, unter ihnen 558 Kapitalisten, angegeben. Die neuen 7600 Zertifikate Jizchak Grünba u m, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency und Leiter des E in wand e rimgs-Depar t om.cn t.s der Exekutive, gab auf einer Pressekonferenz den Modus der Verteilung der laufenden Sehedule von 7600 Zertifikaten wie folgt an: 4283 Zertifikate werden a n C h a 1 u z i m und ungelernte Arbeiter, 917 Zertifikate an gelernte Arbeiter und 1750 Zertifikate an Angehörige von Palästina-Einwohnern abgegeben. Die verhältnismäßig hohe Ziffer der Angehörigen-Zertifikate begründete Grünbaum damit, daß seit 1933 15.000 Bewerbungen für Angehörige von Palästina-Einwohnern vorliegen. Woprozentiger Boykott deutscher Waren im Staate Kalifornien Der antideutsche Boykott in Kalifornien umfaßt nahezu 100% der Bevölkerung. Der Verband der Importeure in San Diego, der größten Hafenstadt Kaliforniens, beschloß den Boykott deutscher Waren; die Hafenarbeiter weigern sich, die Ladung deutscher Schiffe zu löschen. Der Industrieverband Kaliforniens annullierte alle Abmachungen mit dem Norddeutschen Lloyd. (Die Juden in Kalifornien machen weniger als 3% der Bevölkerung aus.) Wladimir Jabotinsky hat auf seiner Propagandatournee auch Wien berührt und hier in einer Massenversammlung für den Revisionismus geworben. Die Revisionisten haben, wie man weiß, die zionistische Organisation verlassen. Jabotinsky hatte die Aufgabe, diesen Beschluß in öffentlicher Darstellung zu rechtfertigen und dann.klarzulegen, wie er oder seine Richtung sieh den weiteren Gang der Dinge denken. Er hatte als Titel seiner Rede in Wien angegeben : „Die Schicksalßstunde des jüdischen Volkes — Palästina ein jüdisches Lan d?“ Die Themasetzung stand nicht ganz im Einklang mit dem Inhalt der Rede. Der Schüler, der den Elefanten gelernt hat und über den Löwen geprüft wird, kommt unbedingt zum Elefanten zurück. Jabotinsky sprach also über den Revisionismus; darüber aber, was nun werden soll, ob neben der einen zionistischen . Organisation eine, zweitebestehen kann, ob also zwei Organisationen . nebeneinander besteben und gleichwertige Anerkennung finden können, darüber wußte Jabotinsky nichts Verwertbares zu sagen. Und das ist doch die Frage, über diie ein Politiker, ein Führer, sich schon eine feste Meinung gebildet, haben müßte, noch ehe er das Signal zum Abmarsch gibt.. Man kann nicht behaupten, daß Jabotinsky grundsätzlich anderes will als der organisierte Zionismus. Im Gegenteil: wa.s er fordert, ist Punkt für Punkt Programm aller Zionisten. Wir alle wollen den Judenstaat — wobei wir aber dessen ununterbrochene Proklamienuxg für einen schweren politischen Fehler ansehen — wir alle wollen die Öffnung Transjordahiens, wir alle wollen den Primat der landwirtschaftlichen Siedlung. Es ist richtig, diaß die sozialdemokratische Arbeiterschaft oder, um dies deutlicher zu sagen, ihre Führung den Kiiassenkampf betont und so die Aufbau rieb tung iu einem Grad bestimmt, der den heutigsten Widerspruch aller iiichtso'zialistischen Zionisten hervorgerufen hat. Der Revisionismus hätte diie Reihen dieser Opposition verstärken müssen, um endlich eine klare Mehrheit zu schaffen, die den unleugbaren Übergriffen der Linken ein Ende setzt. Aber Jabotiusky hat sich bestimmen lassen, aus der Organisation auszutreten. Die Folge ist eine weitere Schwächung’ der nationalpolitisohen Richtung, der eine weitere Stärkung der Mehrheit entspricht, was sich wahrschtmlicih auf dem kommenden Kongreß noch deutlicher zeigen muß, wenn nicht die Wählerschaft der Allgemeinen Zionisten dies vereitelt. Es besteht die Gefahr, daß auch die kommende Exekutive vou der sozialdemokratischen Richtung beherrscht sein wird, was wieder der weiteren Arbeit das Geleise vorzeichnen müßte. Und so hätte Jabotinsky das erreicht und wieder für mindestens zwei Jahre festgelegt, was er bekämpft und was der Allgemeine Zionismus ablehnt. Wie sieht nun die Sache außenpolitisch aus, nämlich im Verhältnis zur Mandatsmacht und zum Völkerbund? Die Exekutive ist ein Organ des Aktionskomitees und sie bildet gemeinsam mit den „herangezogenen.“ Nichtzionisten die Jewish Agency, die nach dem Wortlaut des Mandates der Mandatsmaoht in allen auf das Nationalsein bezüglichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite steht. Der Artikel 4, der dies ausspricht, ist von Herrn Jabotinsky zitiert worden, der meinte, die zionistische Organisation besitze nicht das Monopol 'auf Vertretung der jüdischen Interessen. «Jabotinsky sagte hier wörtlich: ,4m Gegenteil, es wind ausdrücklich auf das Vorhandensein von anderen am Palästina-Aufbau beteiligten jüdischen Gruppierungen, die außerhalb der zionistischen Organisation stöhen, vörausgesetz t.“ Nirgends ist dies ausdrücklich vorausgesetzt, und wir stellen' fest, daß Jabotinsky den Artikel 4 nicht ganz zitiert und daß er die entscheidende Stelle weggelassen hat. Sie lautet: „Die zionistische O r g a n i s ation soll, solange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werd e n. Sie soll im Einvernehmen mit der englischen Regierung Schritte unternehmen,- um die Mitarbeit aller Juden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen Heimstätte zu helfen.“ Das ist genau das Gegenteil von dem, was J a b 0 t i n s k y b e h a u p t e t. Allerdings ist die Anschauung, daß die zionistische Organisation kein Monopol auf Palästina besitzt, nicht erst von Jabotinsky erfunden. Dasselbe behaupten heute, wo in Palästina bereits materielle und politische Werte geschaffen worden sind, die Assimiilanteai, die Agudisten und alle anderen Nichtzlonisten. In dieser Gesellschaft .ist nun auch der Führer der Revisionisten anzutreffen. Es ist bekannt, daß auch die Agudah wiederholt den Weg zur englischen Regierung gesucht hat. Daß sie nichts verderben konnte, dankt man dem entschlossenen Nein der zionistischen Exekutive und der Korrektheit der Mandatsregderung. Wenn nun aber eine zionistische Gruppe sich selbständig macht und eine Teilung des Monopols ahstrebt, welches Bild wird da wohl erstehen? Jabotinsky kann sieh leider mit Recht auf das Präjudiz berufen, das durch die Fifty-Fifty-Teilungder Agency geschaffen wurde. Es wurde damals davor gewarnt, die Autorität, der zionistischen Organisation auch nur theoretisch in Frage zu stellen. Das Die Kleider, welche „Exquisit" geputzt, Die sehen aus wie un* benutzt Abholung und Zustellung kostenlos R 20-3-34 liehe Folgen geblieben. Die Zionisten halben die Arbeit fortgesetzt, diie Nichtzionisten, sind inaktiv geblieben. Aber der Revisionismus kann sich jetzt darauf berufen, daß die zionistische Organisation selbst es in einem kritischen Moment an Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein hatte fehlen lassen.... Die zionistische Organisation steht, wie man weiß, in einem ununterbrochenen Kampf um die. Verbreiterung der Ein warn deirimg, uni die Erweiterung des Sdedlungsterritoriumis; sie muß auch an Transjordar nien denken und läßt es nicht aus den Augen. Einstweilen gibt es im Westjördäfiland noch genügend Raum und Tramsjordanien ist ein heikler Punkt. Das ist jedem bekannt und trptzdem wird immer wieder Transjordanien aus dem. Arsenal herausgeholt. Das ist nicht mehr politische Kritik, sondern schwerste Demagogie, die wissentlich verschweigt, wie schwer der Kampf der Exekutive hier ist und daß ergefiihrt wird. Jabotinsky ist es bekannt, daß es Dinge gibt, die sich nicht auf dem Markt abspielen und die in Versammlungen nicht vorgetragen werden können, weil wir bei solchen Fragen nicht allein sind und weil auch der Gegenspieler mit Hemmungen zu tun hat. Trotzdem wird in der Jabotinsky- Versammlung ein Flugblatt verbreitet, in dem zu lesen steht: „Sind Sie der Ansicht, daß wir erst durch zielbewußte Politik die Tore Palästinas für die bedrängten Juden öffnen müssen, statt uns die Köpfe über klassenkämpferische Experimente zu zerbre*. dien?“ Wem sagt man das? Ja, wir sind der Ansicht, und nicht nur das, wir arbeiten auch daran. Nicht der Revisionismus hat die Anleihe erhalten, nicht der Revisionismus hat das Hule-La.nd erworben, nicht der Revisionismus kauft die Ländereien und baut, sondern die zionistische Organisation, die seit 30 Jahren an der Maschine steht und die die Grundlagen geschaffen hat für diie Entwicklung des jüdischen Lebens in Palästina, die Grundlagen aber auch für die Kritiker und für die, die sich jetzt, wo die ersten Mauern stehen, als selbstständige Organisation auftun und sich stolz in die Brust werfen und die nicht einmal vorhanden wären, hätte nicht die alte zionistische Organisation vorgearbeitet. Das Judentum in Palästina hat heute die Stärke von 300.000 überschritten und geht der halben Million entgegen. Soweit wir wissen, ist diese Steige• Zionistischer Landesverband für Österreich (Filmstelle), Wien, l„ Marc-Aurel-Straße 5 Dir große PnlöStllW-FIlm SEGEN DER ARBEIT Mall) Ein Tonfilm aus dom neuen Palästina. Bild; H. lerskl, Musik: P. Oessau. Eine Produktion der Palatino Pletures Ltd’ im KRUQER-KINO« I-, Krugerstraße Ab 11. Juni ««glich: >/,4, 5, y,7, g und */,10 Uhr Bin Heisterwerk der Filmkunst-Eli uterzeugender Bericht Uber Palästina nmg der zionistischen Organisation zuzu- Experiment ist glücklicherweise ohne schäd- 'schreiben und ohne den Revisionismus er- Gesinnungsgenossen zeichnet Österreichische Arbeüianl^he 1935 durch die KKL-VersicherungsabteSiung des „Phämx" (Cg. Geuon Wittlin), II-, Aspernbrückengasse 2, Telephon R 43-500 P</fc XQUISIT 'ONlo Gi’

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