Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 454 (31.5.1935)
- Date
- 1935-05-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 454. — 31. Mat 1933. 1 Ferienfahrt der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung mit Sammelpaß nach am 7. und 28. Juli 11)35 fUr vier lind acht Wochen Technische Durchführung, Anmeldung u. Auskunft österreichische Verkehrsbtlro, Wien, I., Friedrichstr. 7 Tel. B 27-500. österreichisches VerkehrsbUro, Wien, I.' Graben 20. Tel. U 29-0-35. Polnisches Reisebüro „Orbis“ Wien, l„ Kärntners». 41. Tel. R 21-5-78. ReisebUr „Marienbrücke", Wien, I., Rotenturmstr. 26. Tel. R 24-2-Sti Iris 8 erste Wiener Kliniker der Kinderkrankheiten war Ludwig Wilhelm Mauthner: um (licscs Fach hahen sich dann Leopold Politzer, Lazarus Fürth, Ignaz löifteiiftchit.z, Max Kassowitz, Paul Moser. Leopold Moll und Karl Leiner verdient gemacht, — Die moderne Otologie ruht auf den Arbeiten von Adam Politzer und Josef Umber, denen Albert Bin?. Gustav Alexander, Benjamin Gomperz und Ferdinand Alt als würdige Schüler zur Seite traten. — Pie Wiener Laryngologie weist, die Namen eines Carl Störck und Johann Schnitzler, in der späteren Generation die von Leopold Retbi, Wilhelm Roth und Johann Fein auf. — Hervorragende Vertreter der Augenheilkunde waren Ludwig Mauthner und Isidor Schnabel, ferner Jakob Hock und Leopold Königstein. — Als Lehrer der Zahlheilkunde wirkten Philipp Steinherger, Michael und Julius Schelf, welch letzterer der erste Vorstand des Universitäts-Instituts für Zahnheilkunde wurde. — Die Balneologie verdankt Josef Seegen, die Hydrotherapie Wilhelm Wintemitz ihre wissenschaftliche Grundlegung. — Der erste Lehrer der Geschichte der Medizin in Wien war der Konvertit Franz Romeo Seligmann, der schon 1833 mit Vorlesungen aus diesem Fach betraut worden war. Die Wiener medizinische Journalistik, verdankt ihren Aushau ebenfalls Juden; ich ■nenne nur die „Wiener medizinische Wochenschrift“ (Wittelshöfer, Adle.r), die „Österreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde“ (Winternitz und Goldschmied), die „Medizinischen Jahrbücher“ (S. Stricker), die „Wiener Allgemeine medizinische Zeitung“ (Kraus, Pichler), die „Wiener medizinische Presse“ (Markbreiter, Johann Schnitzler, Bum), die „Wiener medizinischen Blätter“ (Wilhelm Schlesinger), „GentralhlaU für die gesamte Therapie“ (Heitler), hie „Internationale klinische Rundschau“ (Arthur Schnitzler, Bela Weiß, Kuno) und die „Klinisch - therapeutische Wochenschrift“ (Schürer) und andere. In der vorangegangenen Liste scheinen nur die Kamen bereits Verstorbener auf, die mit Ausnahme Gersunys und der letztgenannten Zeitschriftenredakteuro zugleich auch Mitglieder der Wiener medizinischen Fakultät waren. Hiebei soll aber keineswegs verkannt werden, daß eich auch eine Reihe von Nichtakademikern um die praktische und wissenschaftliche Medizin Verdienste erwarben, von denen zum Beispiel Karl Koller (lebt noch heute in New York), Salomon Federn und Emil Pins genannt seien. Überaus groß wäre die Liste der noch heute unter uns wirkenden jüdischen Ärzte oder Ärzte jüdischer Abstammung, die sich internationalen Rufes erfreuen und die medizinische Forschung reichlich befruchteten. "Wer denkt hier nicht in erster Linie an .Sigmund Freud, an den hochverdienten Gustav Gärtner, an Ernst Pick, Markus Hajek, Leopold Freund, Heinrich Neumann, Bfda Schick, Jakob Erdheim und andere. Zwei der drei Nobelpreisträger Wiener Abstammung, Robert Barany und Karl Landsteiner, können wir ebenfalls für uns reklamieren. Es ist wirklich eine stolze Reihe von Namen, auf die wir Wiener jüdischen Ärzte ih Ln. weiten können, wenn von den 'Leistungen der Wiener mndiziilisch'1 n Schule gesprochen wird; wir hoffen, daß trotz der Ungunst der Zeiten, trotz der uns allen bokanten Vcrliältubse der jüngsten Gegenwart die allgemein und selbst von unseren Gegnern anerkannte Befähigung der Juden zum praktischen ärztlichen Beruf und zur medizinischen Forschung auch fernerhin der Wiener Medizin und der Wiener medizinischen Schule zum putzen gereichen möge, RABENSTEIG3 JIMMELPFORTfl. 5 4—11,1 | K0LINERHOFG.1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN (von S 6'80 aufw.) Boardof Deputies über die Lage in Deutschland Aus London, 28. Mai, wird uns berichtet: In der Sitzung der Vertreterschaft der jüdischen Gemeinden Englands führte Leonard G. Montefiore aus: Wie sich jeder erinnert, wurde in der Anfangszeit des Hitler-Regimes behauptet, die antijüdischen Maßnahmen hätten das einzige Ziel, das Uberhandnehmen des jüdischen Einflusses und das jüdische Übergewicht in gewissen Berufen zu beschränken. Ungeheuerlich klingende Mitteilungen wurden in die Welt gesetzt, wonach Horden von Juden aus Osteuropa Deutschland überschwemmten. Alle diese Mitteilungen sollten die Illusion erwecken, als ob die gegenüber den Juden verfolgte Politik lediglich eine Verteidigungsmaßnahme sei. Ausländische Beobachter wurden aufgefordert, sich zu überzeugen, mit welcher Mäßigung und Zurückhaltung die deutsche Regierung hierin vorgeht und wie großmütig die Bestimmungen des Arierparagraphen angewendet würden. Diese deutsche Propaganda hatte zweifellos eine gewisse Wirkung; viele Menschen auch in England glaubten, daß das öffentliche und Berufsleben in Deutschland wirklich durch eine jüdische Invasion ernstlich bedroht war. In Deutschland selbst schlossen sich Tausende der Nationalsozialistischen Partei nur deshalb an, weil sie hofften, die durch Depossedierung von Juden vakant gewordenen Posten besetzen zu können. Diese Hoffnungen mußten natürlich enttäuscht werden. Auch nach den ungeheuerlichen Judenaustreibungen haben sich die Aussichten, in den freien Berufen unterzukommen, nicht wesentlich gebessert. Es waren nicht viele jüdische Posten zu besetzen, dagegen Posten demokratischer Beamter, die sofort von den Gauleitern eingenommen wurden. Zu diesen Revolutionsgewinnlern sind auch die 669 Reichstagsmitglieder zu zählen, die je 500 Pfund jährlich und ständige freie Fahrt I. Klasse in ganz Deutschland haben, nur well sie jährlich einmal Zusammenkommen, um zwei Stunden zwanzig Minuten lang eine Rede Hitlers anzuhören. Nach zwei Jahren Hitler-Herrschaft ist es nun klar geworden, daß die Nationalsozialistische Partei sich keineswegs damit zufrieden gibt, den jüdischen Einfluß, der kaum <**« Soöfii:ennen<3Veblattet hilft auhecläffig SauerBrunn vorhanden war, zu beschränken. Sie verfolgt das klare Ziel, aus allen denjenigen, die jüdisches Blut in den Adern haben, eine Klasse von Parias zu schaffen. Diese im 20. Jahrhundert durch die Regierung eines sozusagen zivilisierten Landes geschaffene Paria-Kiasse genießt weit weniger Rechte als sogar die Parias in Indien. Das einzige, was sie mit den übrigen Einwohnern verbindet, ist die Steuerleistung. Sie sind aus allen öffentlichen Diensten einschließlich des Heeres- und Marinedienstes ausgeschlossen. Sie haben nicht einmal die Möglichkeit, die Welt über das ihnen zugefügte Unrecht zu unterrichten. Bei Erwägung des zukünftigen Kurses der englischen Außenpolitik ist es durchaus nicht unvernünftig zu verlangen, dieses Merkmal der deutschen Innenpolitik sorgfältig zu studieren; denn diese deutsche Innenpolitik zeigt, wie aus einer angeblichen Defensivmaßnahnie sich die unbarmherzige Degradierung einer halben Million Juden und einer weiteren Viertelmillion Halbjuden entwickelt hat. Hitler hat in seiner letzten Reichstagsrede die Emigranten beschuldigt, daß sie im Auslande eine antideutsche Stimmung schaffen. Ebenso hätte König Ferdinand der beiden Sizilien von M a z z i n i und den italienischen Verbannten sprechen können. Patriotismus ist nicht Vorrecht einer politischen Partei oder einer Rasse; sein Atem inspiriert Juden wie Nichtjuden, Sozialisten und Konservative. Das meinte auch Herr B a 1 d w i n, als er unlängst im Parlament den Führern der Arbeiter-Opposition so hohen Tribut zollte. Hoffen wir, daß bald der Tag kommen wird, da eine solche Rede auch im Deutschen Reichstag gehalten werden kann. Montefiore sprach seine Genugtuung über das Urteil im Berner Prozeß aus und ehrte das Andenken des Marschalls Pilsudski, der seinen jüdischen Mitstreitern Treue gehalten hat und für Gleichberechtigung der Juden im Krieg und im Frieden eingetreten ist. Neville Laski teilte mit, daß er die Vizepräsidentschaft des Komitees für den König- Georg-V.-Jubiläumswald angenommen habe. Den Plan zur Anlegung des Waldes auf den Hügeln von Nazareth habe Seine Majestät gnädig akzeptiert. Deutschland verhindert die Hilfe für die Flüchtlinge Kopenhagen, (Z. T. A.) Auf der Rochen. in Kopnnhage u Begonnene» Konferenz des „Großen Rates“ des Internationalen Gewerkschaltsbiimles behandelte K y p p e r k (Holland) die Frage des wirtsohaftliciben und rechtlichen Schutzes für die Flüchtlinge und bezeichnete es als einen Skandal, daß so wenig für die Regelung der Fliichtlingsfragen (Paßfrage, Aufenthalts- und Arbeitsrecht usw.) getan wird, und forderte zu einem Protest an d e n V ö 1 k e r b u n d r a t wegen der von diesem bewiesenen Passivität auf. Der Völkerbund soll zur Durchführung von effektiv ein Schutzmaßnahmen aufgefordert werden. Der Generalsekretär des Gevverköcliaifbsbundes, S c h e v o n e 1 s (Belgien), fand scharfe Worte für die Haltung des Völkerbundes in der FlUchtlingsfrage und sagte, unter dem Druck der deutschen Regierung habe es bisher keine Regierung in Europa gewagt, die Flüclitlingsl'rage effektiv zu lösen. Daß dje Beratungen des Völkerbundes in der Flüchtlingsfrage zu keinem Resultat, geführt haben, sei ebenfalls auf „unsichtbare Wirkungen“ zurückzuführen. Schevenols kündigte oine vom Büro des Internationalen . Gewerkschaft«- bun.des in Gemeinschaft mit den an der Flüchtlingsfrage in tere&sierton 0 ngianisationen «in Genf zu unternehmende Aktion an, mm eine permanente Institution beim Völkerbund zur Wahrung der Interessen der Flüchtlinge zu schaffen. J o u li a u x (Frankreich) glaubt nicht an einen Erfolg einer Protestaktion beim Völkerbund, der zmin Beispiel auch in der Frage der Saar- Fliichlinge versagt habe, so daß alle Lasten für diese Flüchtlinge allein Frankreich tragen muß. * James MacDonald bleibt Der augenblicklich in Genf weilende Sekretär des Hochkommissars für die deutsche» Flüchtlinge Jame« MacDonald, Herr Wurfbaj», dementierte auf das entschiedenste die Mitteilung einer englisch-jüdischen Zeitung, wonach Hochkommissar Mac- Donald wegen mangelnder Unterstützung seiner Aufgabe seitens des Völkerbundes demnäciliftt zu d e m i s « i o n i e r e n gedenke. MacDonald befindet «ich augenblicklich in »Südamerika und verhandelt mit der brasilianischen Regierung uml anderen Regierungen über diu M Ö g 1 i c li k eite n der A u ft i e d 1 u n g v o n F! ii e li 11 i ng e n a/uä Deutschland in den eUdamerikani- Bad Sdialierbach, der Jungbrunnen Beste Heilquelle für Gicht, Rheuma, Ischias. 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In Betracht kommen 3000 bis 5000 Bäume für Palästina anzubauen. Zuschriften an die „Stimme“ ———"Unter „Erez Jisroel“. ——— T tüchtig, verläßlich, werden gesucht im Radio- HnAam Wien, XX,,Staudingergasse Id Elektrohaus llU^Kr Telephon A 43-4-25. Koschere Küche auf Cunard• Von Frederick TI. Samuel, London Nach meiner Ansicht gibt cs keine Schiffl'ahrtsgcRellsdia.l't, die den religiösen Gebräuchen ihrer großen jüdischen Kundschaft mehr Rechnung trägt als die Cunard-Li nie. Bestimmt i«st, keine Organisation ernsthafter bestrebt, dem jüdischen Ritus mul den Gebräuchen bei der Verproviantierung und der Zubereitung der Speisen durch das Küchenpersonal zu entsprechen. Wenn die Cunard-Linie es übernimmt, auf ihren Schilfen koschere Mahlzeiten zu servieren, dann besteht kein Zweifel daran, daß dies im vollkommenen Finklang mit den streng orthodoxen Überlieferungen der jüdischen Religion geschieht. Allo Lebensmittel unterliegen der Aufsicht der zuständigen Schomerim an den verschiedenen Häfen, und diese haben die ausschließliche Kontrolle über allo Lebensmittel bis zur Ablieferung an die jüdische Küche der Dampfer. Diese Küchen liegen getrennt von anderen Gesellschaftsräumcn und sind verschlossen, wenn sie nicht benutzt werden. Der Schlüssel wird entweder von dem jüdischen Koch oder von dem Obersteward verwahrt. Alle, koscheren Vorräte werden in besonderen Kiihlräuirien gelagert, auch wird alles für jüdische Passagiere benutzte Geschirr getronnfc gowaftchcu und aufbewahrt. Für Milchspeisen und Fleischgerichte wird besonderes Geschirr benutzt. Diese Trennung ist nicht auf dan Geschirr beschränkt, sondern erstreckt, sieh auch auf die Tischwäsche, die getrennt für Flcisehuiul Milchspeisen gekennzeieli.net ist. Am Sahbath wird in den jüdischen Küchen nicht gekocht. Es erübrigt sich, den Weltruf, den die Gunard-Liiiio unter Reisenden jeder Klasse in Bezug auf Sicherheit, Komfort und Güte der Bedienung genießt, noch besonders hervorzulieben, es sei jedoeh betont, daß die Cunard- Linie stets bereit ist, ihre jüdischen Passagiere bei der Abhaltung ihrer Gottesdienste durch die Bereithallung besonderer Räumlichkeiten zu unterstützen. Neueröffnetes Hotel in 'Pol-Aviv, El Jarkon-St raße7d. Herrliche Lage. I D i r e k I am Strande.! Schöne Zimmer, alle mit flie-l ßondem Wasser und Balkon.! A u b s i c h t aufs Meer.l Mäßige Preise. Konziliante Bedienung.!