Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 454 (31.5.1935)
- Date
- 1935-05-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 454. — 31. Mai 1955. DIE STIMME Sette 3 BL ED Jugoslavien Hotel-Pension Olympic Streng orth. Wiener Küche Am Ufer des Sees, an der Hauptallee, mit allem Komfort, fließendes Kalt- und Warmwasser Aufenthalt in den prachtvollen Julischen Alpen Prospekt auf Wunsch Jüdische Vertretung im polnischen Sejm Warschau, 28. Mai. (2. T. A.) Durch die soeben in der n e u e n Wahlordnung vorgenommene Änderung haben sich die Aussichten für eine jüdische Vertretung im polnischen Sejm gebessert. In den Stadtkreisen Krakau, Wilna, Posen und Kattowitz werden statt je eines Abgeordneten je zwei Abgeordnete gewählt werden. In Wilna und in Krakau werden auf diese Weise die Juden die Möglichkeit haben, je einen ihrer Kandidaten durchzubringen. Gleiche Aussichten bestehen für die Juden in Warschau, Lodz und Lemberg. Erleichtert wird die Aufstellung jüdischer Kandidaturen durch die neue Bestimmung, daß je 500 Wahlberechtigte das Recht haben, einen Kandidaten aufzustellen. Im großen Saal des Theaters Nowosci veranstaltete der Zentralrat der polnischen Agudah eine Trauerfeier für Pilsudski, die stark besucht war und der auch Vertreter der Regierung beiwohnten. Der Agudah-Führer M i n z b e r g erklärte, die Agudah werde auch mit dem Nachfolger Pilsudskis mitarbeiten und den bisherigen Regierungskurs stützen. Besudlet das sdiöne das österreichische Seenparadies BAD ISCHL größtes und meistbesuchtestes Solbad Österreichs Hotel-Pension TI S S E RAN D herrl. staubfreie Lage, gutbürgerliche Pension von S 8.— aufw. Park-Sanatorium Dr. H0R0WITZ GOISERN Tel. 12. SÄSÄ»,»«« SEEBAD ST. WOLFGANG 550 m ü. d. M., am FuBe des Schafbarges GRAN D-HOTEL I. Rani», ieder Komfort, eigenes Strandbad, berühmte Küche, Bar. Tennis, Wassersport. — Geöffnet 8. Juni- September. Juni, September billige Arrangements. GRUNDLiEE Pension ab S ö'BO, Bett ab S 2'— Gasthöfe, Wohnungen mit Küchen. Einzelzimmer. Prospekte duroh Verkohrsverein Die Petition der Danziger Juden vor dem Völkerbund Genf, 27. Mai. Die Prüfung der Petition der Danziger Juden, ebenso einiger anderer Petitionen der Danziger Bevölkerung ist einem Juristenkomitee überwiesen worden, welches dem Berichterstatter des Rates, Lordsiegelbowahrcr Eden, darüber einen besonderen Bericht erstatten wird. Erst auf Grund diesor Ausarbeitungen wird die endgültige Behandlung dieser Petitionen durch den Rat anläßlich seiner nächsten Tagung im September d. J. erfolgen. Der diesbezügliche Antrag des Berichterstatters Eden lautet: „Im Hinblick auf die fundamentale Verschiedenheit in der Interpretation der Danzigor Verfassung, die durch die jetzt dem Rat vorliegenden Dokumente enthüllt wird, ist Ihr Berichterstatter zu dem Schluß gekommen, das beste Verfahren zur Erleichterung der Aufgabe des Rates werde das sein, ein aus drei Mitgliedern bestehendes Juristen -Komitee zu ernennen, welches die Aufgabe hätte, diese Petitionen sowie die Bemerkungen dos Dan«. ziger Senats zu ihnen, zu prüfen und dem Rat darüber zu berichten, ob diese Prüfung Beweise dafür erbracht hat, daß die-Verfassung in der Form von legislativen Dekreten oder in der Form von administrativen Akten oder Unterlassungen verletzt worden ist.“ Bei der jüdischen Petition handelt es sich um eine solche des „Vereines jüdischer Akademiker“ und der „Vereinigung selbständiger jüdischer Danziger Gewerbetreibender“ vom 8. April 1935. Die Petition befaßt sich mit der Lage der jüdischen Bevölkerung in Danzig und wird durch eine Petition des „Vereines jüdischer Akademiker“ vom 14. Mai 1935 ergänzt. DleWahlen in derTsdiedioslowakei Das am letzten Sonntag durchgeführte zweite Skrutinium der Wahlen in das tschechoslowakische Parlament hat definitiv die Wahl Dr. Angelo Goldsteins, Prag, und Dr. Chaim K u g e 1 s, Munkacevo, auf der Liste der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Partei auf Grund des technischen Wahlabkommens ergeben. Dr. Goldstein und Dr. Kugel werden im Parlament die Jüdische Partei repräsentieren. — Bei den Wahlen in die Landesvertretungen wurden in Karpathorußland auf der Liste der Jüdischen Partei 9976 (nach privaten Schätzungen sollen es bereits mehr als 10.000 sein) Stimmen gezählt. Die Liste der Jüdischen Agrarier, die dem Munkacevoer Rabbiner Spira nahestehen, hat eine Stimmenanzahl von 18.279 erreicht. — In Brünn hat die Liste der Jüdischen Partei und der Poale Zion 3380 Stimmen (1000 mehr als bei der vorigen Wahl) erzielt; zwei Juden wurden in den Gemeinderat gewählt. In der Slowakei wurden für die Jüdische Partei 36.430 Stimmen abgegeben, die jedoch nicht genügten. Das bisher gehaltene Mandat ging an die Slowaken verloren. : rannnanmrinn '"SC„^DEN'! LriL9l£J L9IaJ platz t «► ER Vor lästigen Verfärbungen schOtzt ODOL-Zahnpast« Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpasta macht Zähne wie Perlen I Kleine Tube S —50 Große Tube S 1AO Verhaftung int Mordfatt Kalman Schapiro Jerusalem, 29. Mai. (2. T. A.) Im Zusammenhang mit der Ermordung des jungen Revisionisten Kalman Schapiro in der Jerusalemer Vorstadt Keren Abraham am 3. Mai wurden am 27. Mai zwei Araber verhaftet. Der eine wurde vom Polizeirichter auf freien Fuß gesetzt, der zweite zwecks weiterer Ausforschungen in Haft behalten. Jüdische Arbeit am Aufbau des Allgemeinen Krankenhauses Der bekannte Medioo-Historiker, Dozent Dr. I. Fischer, stellt uns freundlicherweise diesen Artikel, der in der Mai- Nummer des „Mitteilungsblattes der Vereinigung jüdischer Ärzte“ erscheint, zur Verfügung. In den letzten Tagen haben die österreichische Regierung und die Wiener Ärzteschaft das 150jährige Jubiläum des Allgemeinen Krankenhauses festlich begangen. In zahlreichen Festreden und Festartikeln wurden die Bedeutung und die Geschichte dieses größten Krankenhauses der Welt geschildert und zugleich die Entwicklung der Heilkunde, die in diesen Zeitraum von 150 Jahren fällt, eingehend dargestellt. Da durch das Tolerenzpatent Kaiser Josefs II. vom Jahre 1782, also zwei Jahre vor der Eröffnung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, den Juden das medizinische Studium zugänglich gemacht worden war, mag es wohl angebracht sein, kurz Rückschau zu halten, ob die jüdischen Ärzte sich in dem genannten Zeitraum der großherzigen Tat des großen Kaisers würdig erwiesen haben, und wie sich ihre Beziehungen zum Wiener Allgemeinen Krankenhaus und zur Wiener medizinischen Schule gestalteten. Die fünfjährige Dauer des medizinischen Studiums ließ die ersten Promotionen jüdischer Ärzte nicht vor dem Schuljahr 1787/88 erwarten. Die erste Promotion fand aber erst im Mai 1789 statt. In den ersten zwanzig Jahren nach Erlassung des Poleranzpatentes waren es nach Neuburger aur 14 jüdische Ärzte, die an der Alma mater Rudolphina zur Promotion kamen. Die Beschränkungen, denen der Aufenthalt der Juden in Wien unterworfen war und die erst allmählich gelockert wurden, machen es verständlich, daß sich die Zahl der jüdischen Studenten nur nach und nach vergrößerte and sich erst nach dem Jahre 1848, als diese Beschränkungen aufgehoben wurden, stark vermehrte. Mußten sich ja bis zu diesem Seitpunkt die jüdischen Mediziner, wenn sie lie Wiener Universität besuchten, beim Judenamt registrieren lassen und alljährich um Aufenthaltsbewilligung ansuohen. Da die Kliniken im Allgemeinen Krankeniaus untergebracht waren und sich bis zur jrüudung des Wiedner und Rudolfs-Spitales las ganze Krankenmaterial in diesem Hause conzenfcrierte, so war es natürlich, daß sich Studium und Spitalsaufenthalt der Wiener jüdischen Mediziner innerhalb der Mauern les Allgemeinen Krankenhauses abspielten. Schon vor dem Jahre 1848 war es ihnen iwar möglich, zu Sekunidararztenisstellen vormrücken; aber noch das Dekret der nieder- Jsterreichischen Landesregierung vom 10. Oktober 1847 schärfte es neuerlich ein, laß jüdische Ärzte nur „bei entschiedenem Vorzug vor christlichen Ärzten“ zu Sekunliarärzten ernannt werden dürfen. Als Konrertiten war ihnen jlej Aufstieg wesentlich Zum 150jährigen Jubiläum Von Dozent Dr. I. Fischer leichter gemacht; so sehen wir zum Beispiel, daß bereits 1828 Elias Löbisch die Erlaubnis erhielt, Vorlesungen über Frauen- und Kinderkrankheiten zu halten, und Andreas Jeitteles, der Enkel des berühmten Prager Arztes Jonas Jeitteles, zum Prosektor der Anatomie ernannt wurde. Der erste Primararzt ursprünglich jüdischen Glaubens im Wiener Allgemeinen Krankenhaus wurde 1861 Leopold (später Ritter v. Dittel, der schon als Assistent Dumreiohers sich wissenschaftlich hochverdient gemacht und sich später durch den Aushau der Urologie, be sonders als Steinoperateur, Weltruf erworben hatte. Der 1869 mm Primararzt der neuerriehteten Abteilung für Geschlechtskrankheiten ernannte Hermann (v. Zeissl, ein Schüler Hebras, war — inzwischen hatten die Verhältnisse durch die liberale Verfassung eine Wandlung erfahren — dem Glauben seiner Väter treu geblieben. Beide genannten Primarärzte stammten aus Mähren, Dittel aus Fulnek und Zeissl aus Vierzighuben bei Zwittau. Eduard Lang, der sich insbesondere der operativen Behandlung des Lupus in unermüdlicher Arbeit hingab, und Salomon Ehrmann, der auf dem Gebiet der dermatologischen Histologie Hervorragendes leistete, wurden erst in den Achtziger-, beziehungsweise Neunzigerjahren Primarärzte des Allgemeinen Krankenhauses. Wie bereits erwähnt, wuchs die Zahl der jüdischen Medizinstudenten, die aus der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie nach Wien, dem Mekka der Heilkunde, pilgerten, nach dem Jahre 1848 immer mehr an und sie waren es auch, die dann, im weiten Reiche oder im Ausland sich niederlassend, den Ruhm der Wiener medizinischen Schule verbreiten halfen und auch durch Zuweisung ihrer schweren und insbesondere operativen $TAN &OtlVjgRi AtfREL 0tQdo£#a Opern-Klno, I. Rotenturm-Kino, I. Lustspieltheater- Kino, II. Kammerlichtspiele, III. Löwen-Klno, III. Marla-Thereslen- Kino, VII. Flieger-Garten- Kirto, IX. Votivpark-Kino, IX. Fälle aus allen Kronländern in das Wiener Allgemeine Krankenhaus dazu beitrugen, das Krankenmaterial dieser Anstalt zu seiner imposanten Fülle zu gestalten. Es ist begreiflich, daß das Jubiläum des Wiener Allgemeinen Krankenhauses, das durch die in seinen Mauern befindlichen Kliniken mit der Medizinischen Fakultät so eng verbunden ist, auch Anlaß gab, die Entwicklung der Wiener Medizin in dem Zeitraum dieser 150 Jahre zu überblicken, zumal es ja dieser Zeitraum war, in welchem die Heilkunde nie dagewesene und nie geahnte Fortschritte zu verzeichnen hatte. Sind diese Fortschritte wohl an die inter* nationale Zusammenarbeit geknüpft, so hatte die Wiener medizinische Schule doch reichen Anteil an ihnen, und auch hier waren jüdische Ärzte in vollem Maße an dem Aufbau und Ausbau der modernen Heilkunde tätig. Allzu groß wäre die Liste der Namen, die hier zu nennen wären, weshalb ich mich auf die Aufzählung der bedeutendsten Vertreter der einzelnen Fächer beschränken muß, von denen manche freilich ihrer Karriere zuliebe dem Judentum den Rücken wandten, die aber ihre Anlagen, ihre Talente und ihr Genie dem Volke — heute sagt man auch gern der Rasse — schuldeten, dem sie entstammten. Der Anatom Emil Zuckerkandl, der Embryologe Samuel Schenk, die Physiologen Emst Fleischl v. Marxow und Alois Kreidl, der erste Vertreter der experimentellen Pathologie Salomon Stricker und der medizinische Chemiker Julius Mauthner seien als Vertreter der theoretischen Fächer genannt. — Heinrich v. Bamberger, Samuel Basch, Moritz Heitler, Leopold Oser, Maximilian Sternberg und Hermann Schlesinger erwarben sich auf dem Gebiet der internen Medizin ruhmvolle Namen. — Die Wiener Chirurgie verdankt den Billroth-Schülern Anton Wölfler, Alexander Fraenkel und Robert Gersuny, die Urologie Josef Grünfeld und Otto Zuckerkandl, die Heilgymnastik Anton Bum mächtige Förderung. —- Um die Wiener Neurologie machten sich Moriz Benedikt, Moritz Rosenthal, der vielversprechende, aber früh verstorbene Nathan Wei-ss, Josef Adolf Hirschl, Emil Redlich und Alfred Fuchs verdient. — Der erste Wiener jüdische Dozent der Gynäkologie war Markus Funk, dem Wilhelm Schlesinger, Julius Neumann, Fritz Hitschmann, Arthur Foges und Edmund Herrmann folgten, während die operative Gynäkologie besonders von Karl August Herzfeld und Ernst Wertheim, der einer alten Wiener jüdischen Familie entstammte, bereichert wurde. — Gustav Wertheim, Moritz Kaposi, Isidor Neumann, Heinrich Auspitz, Heinrich Paschkis, Maximilian v. Zeissl, Siegfried Grosz schufen grundlegende Arbeiten zur Dermatolt^ie und Syphuidologie. Der