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Die Stimme · 1935-05-31 · Heft 454 (31.5.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 454 (31.5.1935)
Date
1935-05-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile Z DIE STIMME Nr. fnl. vom 31. August bis 15. September ' Große Begünstigungen, Zollerlcichterungen, einfnnrfreie Kontingente. Generalrepräsentanz: Ing. K. Brunak VI., Millergasse Nr. 37 Telephon: B 27-9-69 und B 27-0-18. Sonderbeilage mit dem Titel ..Juda — Der Nationalsozialist ist Antisemit1, herausgegeben. Unter der Überschrift „J itden s e h e n Die h a n‘‘ werden Namen und ChnrakterLtika von Juden und Judenstämmlragen aufgefillirt, die bisher in Politik und Wirtschaft eine Rolle gespielt haben. Ein weiterer Aufsatz behandelt „D as Treiben der Juden in Sachse n“. Die Lif|uidierung der deutschen Judenfrage durch Auswanderung und Aussterben behandelt. Dr. Otto Heuer. Ein weiterer Artikel behandelt die Zionistischen Protokolle, wobei als Zeugen für die Echtheit der Protokolle der in Zürich lebende Schriftsteller Alfred N o ss i g und der Oberabbiner Ehrenpreis angegeben werden. Weitere Aufsätze behandeln die Stellung der Juden in Wirtschaft, bildender und darstellender Kunst. Unter dem Titel „W eit-front gegen das Judentum1, werden die antijüdischen Strömungen in Europa besprochen. Der Sonderbeilage ist ein Verzeichnis arisc-her Handwerker und Gewerbetreibender beigefügt. Zum Schlüsse der liebliche Streicher. Im ..Stürmer’4 steht letzthin die folgende Notiz: „Zeitgemäße Anzeigen..« Damit die Schickse in der Mischpoche bleibt, gebe ich .wegen beginnender Impotenz meine altbewährte Freundin an jüngere Glaubensgenossen gegen geringen Unkostenbeitrag leihweise ab. Dieselbe ist mit allen jüdischen ,Bräuchen4 bestens vertraut und vielseitig verwendbar. Für ältere Jahrgänge stehen erprobte ,Aktbilder4 zur Verfügung. Anfragen unter ,Frieda4 an Kommerzienrat Sigi Weißenberger.44 An anderer Stelle der gleichen Nummer wird stolz verkündet: „Da beobachteten nachts um 2 Uhr zwei Mannheimer SA.- Leute durch die Ritzen der Rolläden am Bürofenster der Firma Marum, wde der Jude Erlanger ein deutsches Mädchen sich gefügig machte.44 So sieht die deutsche Sittlichkeit von heute aus. Sie hat diesen hohen Grad nach einer langjährigen geduldigen Vorarbeit erreicht und sieht jetzt stolz auf die halbe Million Sklaven-Juden herab, die aller Gemeinheit dieser braunen Revolution preisgegeben bleiben, weil sie keine Gewehre haben ... Und diese Beherrscher Deutschlands tragen ihre schmutzige Phantasie in alle W’elt hinaus, nehmen kein Gerichtsurteil zur Kenntnis und haben es verlernt, die Verachtung, die ihnen überall entgegenschlägt, auch nur zu sehen. Sie haben Deutschland erniedrigt und arm gemacht. Aber sie glauben, mit ihrer Eisenfresserei die Menschheit für die Dauer einschüchtern zu können. Aber einmal wird’s reißen. den 7. und 8. Juni, PFINGSTEN, den 9. und 10. Juni 1935 im schönen Baden bei Wien in der gutrenommierten jüdischen Restauration DAVID SCHEY ANNAGASSE 23 Pension, bestehend aus Frühstüdc: Kaffee, Topfenbäckerei / Mittagmahl: Suppe, Fleischspeise (eventuell */4 Huhn), Beilage, Mehlspeise / Nachtmahl : Fleischspeise (eventuell ,/i Huhn) Beilage, für 4 Tage S 28'- pro Person Einbettige Zimmer von S 2-50 aufw., zweibettige von S 4’- pro Tag aufw. Speisen ä la carte zu mäBigen Preisen. Schöne Speisesäle / Herrlicher Garten / Anmeldung erwünscht / Telephon 319 In Dachau zu Tode gefoltert Aus B ins e 1 wird uns geunoldet: Irn Konzentrationslager Dachau wurde vor wenigen Tagen der 25jäliriige Referendar II a n s Kohn aus Nürnberg nach einer Schutzhaft von 26 Monaten d u roh SS.-L e u t e ermordet. Kolms seincTzcltige Verhaftung geschah unter dem Vorwand, daß er Mitglied de« Republikanischen Studentenbundes war. Die unter Streichens Einfluß «teilenden Studenten der Universität Erlangen hatten es (im März 1933 durehgesetzt, daß Kohri ins Konzentrationslager Dachau gebracht. wurde, wo er unmenschlich gemartert .wurde und so entstellt warz daß dio Gestapo darauf bedacht wa.r. ihn den Blicken, selbst, denen der Häftlinge, zu entziehen. Kohn ist d a s zwölfte Opfer unter den Nürnberger Juden, die unter dein Einfluß Streichers .mich Dachau gebracht und dort langsam zu Tode gemartert wurden. Noch immer aber befinden sich Juden a u e N ii r über g in T> a c li a u, wo sie schwersten Mißhandlungen a-usgosetzt rund. Zwei Großtaten der jüdischen Gemeinde IlllllM Die Plenarsitzung des Kultusvorstandes am 27. Mai war aus mehr als einem Grunde denkwürdig. Einmal deswegen, weil die Reden der Opposition so recht den politischen Bankerott dieser Reste der Assimilationsperiode vor Augen führten. Anderseits deswegen, weil bei dieser Sitzung die zionistische Mehrheit in der Erfüllung ihres Programms einen bedeutsamen Schritt nach vorwärts tat: Durch die Beschlüsse, ein Kinder-Erholungsheim anzukaufen und die erste Klasse einer jüdischen Gemeinde- Volksschule in der Leopoldstadt zu eröffnen. Die zionistische Mehrheit vertritt das Programm der Volksgcmeinde. Die Israelitische Kultusgemeinde in Wien war Jahrzehnte hindurch in den Händen der „Union“ und verstand nicht die Zeichen der Zeit, die wir Zionisten verstanden. Die „Union44 degradierte die jüdische Gemeinde zu einem Institut für Matrikenführung, Hochzeiten, Begräbnisse und Maskierandacbten. Die „Union“ verblieb bei diesem verknöcherten System, obwohl zur gleichen Zeit ihre Gesinnungsgenossen in anderen Gemeinden aus einem richtigen Instinkt heraus ihren Aufgabenkreis durch die Sorge um eine jüdische Erziehung der Jugend vergrößerten. Zu einer Zeit, wo das Wiener Judentum noch wohlhabend war, wo zum Beispiel die jüdische Gemeinde in Graz eine Volksschule für ihre Jugend errichtete, wo die antizionistische Budapester Kultusgemeinde ein ganzes Schulwerk aufbaute, tat die Wiener Kultusgemeinde nichts. Die Folgen sind verheerend. Sie wurden noch verstärkt durch die Vernachlässigung des Religionsunterrichtes. So ist in Wien eine Generation herangewachsen, von deren Majorität man leider sagen muß, daß sie dem Judentum entfremdet und oft nicht einmal in der Lage ist, dem Gottesdienst zu folgen. Hier wurde gründliche Aufbauarbeit erst geleistet, als eine zionißtischeMehrheit in die Kultußgeineindestube e i n z o g. Tausende Kinder genießen auf Kosten der Gemeinde einen zusät zlichen Hebräisch-Unter rieht. Damit begnügen sich aber die Zionisten nicht. Sie verlangen ein eigenes jüdisches Schulwerk. Diese Forderung wurde nach dem Parallelklassenerlaß, durch den ein Schulghetto ohne jüdischen Inhalt geschaffen wurde, für jedermann klar — nur nicht für die „Union“. Sio stimmte ein gewaltiges Lamento an. Sie tat so, als oh alle jüdischen Kinder in die jüdische Schule gehen mußten, während wir Zionisten — schon aus finanziellen Gründen und weil wir keinen Gewissenszwang ausübon wollen — eine fakultative jüdische Schule wollten. Es ist bezeichnend: Als der Präsident der Kultusgemeiude die Opposition in offener Sitzung aufforderte, ihre prinzipiellen Einwendungen gegen die Errichtung einer jüdischen Volksschule zu äußern, da bekam man nur das verlege,ne Gestammel zu hören, die zu errichtende Schule sei z u nahe der bestehenden T a 1 m u d- Thora-Schule gelegen, und ob es nicht besser sei, a,uf die Errichtung einer neuen Volksschule in der Leopoldstadt zu verzichten und dafür dio — unter agudis 11 s c h e r K o n t r ö11 o stehende — Talmud'-Thora-Sch ule in der, HOTEL BELLEVUE^ PÖRTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9- Hauptsalson.S12'- Seebad und Garage frei / Geöffnet von Mai bis Oktober / Verlangen Sie Prospekte M a 1 z g a s s c — zu vergrößern. Die zionistische Mehrheit denkt natürlich nicht daran, die Erziehung der jüdischen Jugend Menschen auszuliefern, die ihre Wünsche in einer sehr penetranten Art in der „R e i c h s p o s t“ äußern und den Au s- Schluß der Kinder n i c h t r el ig i ö s e r Eltern vom Unterricht, in jüdischen Schulklassen fordern. Der Präsident Dr. F r i e d mann hat der Opposition erwidert, daß dio neue Volksschule, die eine unabwoislicho Forderung weiter Kreise ist, von der jüdischen Ge- Das Feinste echter Schweizer- BEQN fl vom Feinen: Emmentaler-Käse OCKllM mcinde errichtet wird, daß sie daher religiös einwandfrei geführt werden wird, daß sie nur in der G a s t e 11 e zgasse errichtet werden kann, weil dort das Schulgebäude des Ghajes-Gymnußiums frei wird, und daß sie in dem Geiste geführt werden wird, der der zionistischen Mehrheit genehm ist. Er lehnte es auch ab, nach dem Verlangen der Opposition zuziigesteheai, daß die a.guclisti- »sche Talmud-Thora-Schule etä.ndig eine Subvention erhalten werde, die in einem bestimmten Verhältnisse zu den Aufwendungen der Gemeinde für die neue Volksschule etehen werde. Er erklärte, daß die Talirmd- Thora-Sckule, die einem Verein gehöre, ohnehin mit S 29.000.— jährlich von der Kultusgemeinde subventioniert werde. Es sei Sache der Mitglieder dieses Vereines, zumindest in jenem Maße wie die Mitglieder des Vereines „Chajes-Realgymnasium“' Opfer zu bringen. Der Antrag der Mehrheit wurde angenommen und die jüdische Volksschule wird im September ihre erste Klasse eröffnen. Die Sitzung des Kultusvorstandes vom 27. Mai hat aber noch in einem weiteren wesentlichen Punkte zur Durchführung des zionistischen Kultusgemcindeprogrammes beigetragen. War schon bisher das von unserem Gesinnungsgenossen D r. K1 a b e r in mustergültiger Weise geleitete F ti rsorgewesen der Israelitischen Kultusgemeinde hervorragend, so wurde es in dieser Sitzung um ein weiteres Werk verbessert. Es ist der Kultusgemeinde möglich gewesen, eine große Villa in Payerbach mit 56.000 Quadratmeter Grund in prachtvoller Lage um S 77.000.— zu erwerben. Die Villa wird als Kindererholungsheim eingerichtet und wird jeweils 400 Kindern die Wohltaten eines Landaufenthaltes gewähren. Wer die große Not der jüdischön Bevölkerung kennt, wird der Kultusgemeinde und ihrem vorbildlichen Finanzreferenten D r. Löwen herz Dank dafür wissen, daß es in dieser schwierigen wirtschaftlichen Zeit nicht nur möglich war, das Gleichgewicht im Budget zu erhalten, sondern darüber hinaus ein so segensreiches Werk für die armen jüdischen Kinder zu (begründen. Alß die zionistische Mehrheit Im Dezember 1932 in die Kultiisgemeinde- «tubc elnzog, erklärte der Führe r der Opposition bei der Budgctberatung, er hoffe zu Gott, d a ß es de n Z i o ni s te n nicht gelingen werde, ihr Programm durch z uführen. Wir wollen es nicht weiter untersuchen, ob die Anrufung des Beistandes Gottes dafür, daß die Finanzen der Gemeinde in Unordnung geraten sollen, nicht Zahlender Kindergast wird zur Sommerfrische bei israelitischer Advokatenfamilie in Budapest, am herrlichen Rosenhügel, gerne gesehen. Luft-, Sonnen- und Schwimmbad, englischer Unterricht Zuschriften an die Administration unter „Budapest". 31. Mai 1935. Neue regelmäßige Luxus-Eillinie nach Griechenland, Aegypten, Palästina mit der S/S. „PRINCESA OLGA“ 11.350 t, des Jugoslavenski-Lloyd. Krsllingefubrt 31. Mal, Wlen-Haifa-Wlen II. Klasse S 470.— I. Klasse S 073.— Auskünfte, Prospekte und Anmeldungen durch Offizielles Verkchrsbüro des Königreiches Jugoslawien, Wien, I., Augustinerstraßo .'!, und alle grillieren Reisebüros. oino Blasphemie war. Wir wollen nur mit Stolz und Freude fcststellcn, daß die zionistische Mehrheit der Kultusgenieiude ihre Versprechungen an die Wählerschaft eingelöst, daß sie die Gemeinde nicht nur in mustergültiger Weise führt, allen Bedürfnissen, auch der orthodoxesten Kreise Rechnung trägt, sondern darüber hinaus das jüdische Leben in Wien neu belebt. Die zionistische Mehrheit, die diesmal wieder durch die Gründung einer jüdischen Volksschule und die Schaffung des Kinderheims hervorragende Leistungen geboten hat, kann des Dankes der jüdischen Bevölkerung Wiens gewiß sein. \ ,, v. BAD VÖSLAU HOTEL-RESTAUR. SCHWEIZERHOF streng orthodox *1^5 Unter Leitung des bewährten Restaurateurs AUERBACH Reizender viertägiger PFINGST-Aufenthalt PENSION 5 7"- aufwärts Zertifihatsbewerbungen Allgemeiner Zionisten Die Aiijahkommission der Allgemeinen Zionisten gibt bekannt, daß Ansuchen um Zuweisung von chaiuzischen Zertifikaten für Allgemeine Zionisten an den Hechaluz Haklal Zioni, Wien, II., Innstraße 6, zu richten sind. Ansuchen um andere Zertifikate (HancU werkerzertifikate usw.) sind von Allgemeinen Zionisten ausschließlich im Wege der Zionistischen Bezirkssektionen^ beziehungsweise Ortsgruppen an die Aiijahkommission der Allgemeinen Zionisten, I., Marc-Aurel- Straße 5, zu richten. ganztligig, ganzo Saison S 35'—, Nur vormittags S 25-—. Kurse alleB inbegriffen 10 Stunden S K— pro Person. Schllne Parkplätze, 3 Minuten Endstation D-Wagen und G 2. ISlAlf#lfu XIX., KahlcnbergcrstraDe 46 liöbSKj Telephon ü 12-6-35. Was die „Reichspost“ bewegt Ziu der Münchener Bekanntmachung schreibt die „Reichspost44: ..Es ist auffallend, daß sich das deutsch© Nachrichtenbüro bemüßigt sieht, das Be-t stehen ciines nationalsozialistischen Straßen-i torrors in München, über clen von katholD scher Seile während der Gharitassanimlung erfolglos Beschwerde geführt wurde, nunmehr offiziell zuzugehen. Allerdings erhält dieser Terror jetzt ein antisemitischen Mäntelchen und dio Gewalttätern gegen Katholiken werden nur nebenbei erwähnt. E s heißt, daß erst die Mißhandlung „prominenter“ ausländischer — englischer oder amerikanischer — Juden dio Behörden in München veranlaßt habe, gegen die nationalsozialistischen Terrorbanden ©inzuschreL ten. Als es nur gegen diie katholisch© Charitas ging, r ii h r t o s i cli keine Hund und alle Klagen und Beschwerden blieben unberücksichtigt. Ja, gerade die l’olizeidlrektion München kaut den Terroristen in der Weise entgegen, daß sio die Fort-« Setzung der Charitasisanmilung im Widert Spruch zu den von der Berliner Zentralbehörde aufgos teilten Sammln,tigskalemler verbot, und zwar mit einer Begründung, dio sielt auf die „Erregung“ der Terroristen berief. Das Münchener Exonipei beweist, daß heute im Dritten Reich o i n J u d o n p r otest weit mehr vermag als alle Proteste der katholischen Bevölkerung und der kirchlichen Autorität, daß das Judentum weit mächtiger und einflußreicher ist als das bodenständige katholische Volk. V o r d e r M a c h l, des ,1 u d e n t ii m s kapituliert, die iiatioiii'ailso/äaliisLiscäior Münchener Polizeidi rektion “ So ist cs. Die Juden sind in Deutschland dio Herren. Das ist, dio Art, in der das Tagesorgan der Agudali sich über die Juden lustig macht. H'

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