Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 453 (28.5.1935)
- Date
- 1935-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054208--5073-3060765- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seit« 4 Dil ST1MMI Nr. 453. ~ 2?. Mal 1935. die linken Mitglieder der Histadruth wirken zn können, stellte sich aber als illusorisch heraus. Gewiß hat die Mapai eine Reihe älterer Führer gemäßigter Richtung, diese werden aber durch ihre radikalen Genossen an die Wand gedrückt. So kam es, daß die allgemein-zionistischen Mitglieder der Histadruth keinen Einfluß auf diese nehmen konnten. Im Gegenteil: Unsere Arbeiter paßten Geh infolge ihrer materiellen Abhängigkeit. der Weltanschauung der Linken au und dies nur, weil unsere Arbeiter keine Unterstützung seitens der Allgemeinen Zionisten gefunden haben. Die Radikalisierung der H i s t. ad r u t h ist beim letzten Plebiszit zum Ausdruck gekommen. Der Friedenss c h 1 u ß zwischen den Revisionisten und den Linken liegt auf der Linie der allgemein-zionistischen Ideologie, weil er eine Befriedung in Erez zur Folge hätte. Die allgemein-zionistischen Arbeiter in der Histadruth, welche gezwungen sind, das negative Ergebnis des Plebiszit anzuerkennen. müssen nun die Folgen des abgelehnten Friedensschlusses tragen. Dies bedeuteteinen ideologischen Selbstmord für unsere Arbeiter in der gemeinsamen Histadruth. Die Beobachtungen. welche ich in den letzten Jahren und auch heuer gemacht habe, haben mich in meiner Überzeugung gestärkt, daß die Schaffung einer selbständigen Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation in einem gemeinsamen Dach verband eine Lebensfrage für unsere B e wr eg u n g darstellt.. Die soziale Ideologie des Allgemeinen Zionismus ist nicht sozialistisch, genau so wie wir nicht Anhänger des kapitalistischen Klassenegoismus sind. Beide Gedanken sind klar im Programm des Weltverbandes. welches auf der Krakauer Weltkonferenz im Monat August 1934 be schlossen worden war, zum Ausdruck gekommen. Unsere soziale Ideologie ist die Ideologie von der Zusammenarbeit aller Volksschichten und von ihrer Unterordnung unter die nationalen Interessen. ..A r b e i t un d K a p i t a I” — heißt es im Programm des Weltverbandes — ..sollen dem Primat der g e s a m t n a t i o n a- 1 e n Interessen auf allen G e b i et e n des jüdischen Lebens unte rw o r f e n sein. V o n beiden Fakt or e n sollen gleichmäßige Opfer au dem Dienste der Nation verlangt werden. Beide sollen unter der Kontrolle der nationalen Instanzen stehen und von ihnen geregelt, werden. Für den Arbeitgeber muß die Sicherung eines menschlichen, würdigen Daseins des Arbeiters, für den Arbeiter die Prorluktionsbeding u n g e n des Landes m i t b e s t i mni e n d. für beide stets die S t ä rk u n g der n a tio n a1e n W i r t s c h a f t m a ß g e b e n d sei n.“ Das sind klare Worte und ein klares Proehi nicht den Strebern auf den Leim, v/ die nur vor dem Kongreß zu eudi kommen, um Mandate zu ergatternl gramm. Wenn wir wollen, daß dieses Programm nicht in der Luft hängen bleibe wie bisnnn. dann müssen wir die notwendigen organisatorischen Konsequenzen ziehen und eine genaue Trennung zwischen unserem Programme und den sozialistischen und kapitalistischen Anschauungen durchführen. an moA&en — p&mion tc&üfyt vx>\ I. bei BcrufsurUählskeli IMVAUOITÄTI.RIHTIM I. Im Ablebenifalle HIHTERBllEBEMCHRINTtN AvGÄUSSMEINE vebhcwwungs a.-c. PENSIONS-VEREIN EMf? I., SCHELLINGGASSE 1 Unsere Forderung nach einem selbständigen Irgiin mit einem Dachverband hat nichts Gemeinsames mit der Forderung nach „Zerschlagung der H i s t, a d r u t h“, Unsere Forderung bedeutet nur einen Akt der Selbstverteidigung und wir wollen Mittel und Wege finden, damit unsere soziale, Ideologie ihren Stempel auf die neue Gesellschaftsordnung in Erez aufdrücke. Entsprechend unserem freien Beschlüsse können wir ein selbständiger Kontrahent in den gemeinsamen Fragen mit den anderen Arbeiterorganisationen unter einem Dachverbande werden. Wir dürfen aber nicht Anhängsel fremder Weltanschauungen und Weltorganisationen bleiben. Demzufolge kann jeder Programmpunkt der Krakauer Konferenz, welcher besagt, daß ..Wir fordern eine N e u Ordnung in dem Gewerkschaftswesen, um dieses zu entpolitisieren“. nur so verstanden werden, daß nur ein selbständiger Irgun mit einem Dachverband. in dem gemeinsam und einvernelunlich die Probleme behandelt werden, die Gewähr für die Befreiung der allgemeinzionistischen Arbeiter von der politischen Knechtschaft bietet. Wenn der obengenannte Programmpunkt anders gedeutet werden sollte, dann soll ebeu die nächste Weltkonferenz Klarheit in diese Angelegenheit bringen. Die Forderung nach einem selbständigen Irgun mit einem Dachverband bildet nur inen Bestandteil des Planes der W iederauflebung des Allgemeinen Zion i s m u s. Heute aber ist das der wichtigste Bestandteil. Der zweite Programmpunkt, den wir so rasch als möglich realisieren müssen, ist die Bildung eines Verbandes der Arbeitgeber der A 11 g e rn e i n e n Zionisten. Der Avbeitgeber soll die Durchführung unsere* sozialen Programmes ermöglichen und sieh dabei nicht vom egoistischen Geist leiten lassen. Der Arbeitgeber soll die Lebensforderungen unseres zionistischen Arbeiterstandes als eines schöpferischen Elementes des Landes besonders berücksichtigen. Der linke Flügel ist gegen unsere Forderung und ein Teil der Allgemeinen Zionisten steht unter dem Einfluß der Linken. Der linke Flügel stempeltunsere Förderung zu einem arbeiterfeindlichen Akt. Die Linken tun dies aus propagandistischen Zwecken, damit die Widerstandskraft unserer Bewegung geschwächt werde und damit, in unser chaluzisches Element Uneinigkeit hineingebracht werde. Weiters wollen die Linken verhindern, daß unser Irgun als selbständiger Faktor sowohl mit den - revisionistischen als auch mit den linken Irgun in ökonomischen Fragen verhandle, wobei er ideologisch nichts Gemeinsames weder mit den Linken noch mit den Revisionisten hat. Unsere Stellungnahme wird wahrscheinlich eine II e t, z k a mpa-gne, sei es von linke, ee.i es von rechte, hervorrufen, aber wir müssen starke Nerven behalten und wir müssen unseren Weg des Allgemeinen Zionismus als eines Erneuerers der nationalen Bewegung gehen. Für uns ist der Kampf um die Klärung innerhalb unserer eigenen Reihen lebenswichtig. Wenn wir uns von den fremden Ideologien befreien wollen, dann müssen wir eine gemeinsame Ausdrucksform der allgemein-zionistischen Weltanschauung finden. Eine solche Form ist nach meiner tiefsten Überzeugung vorhanden. Der Streit im a 11 g e m e i n - z i o n i s t isehen Lager ist der Kampf z w jc-hen den fremden Einfliiss n unserem Lager, aber nicht zwischen allgemein-zionistischen Weltanschamtn ge n. D i e Linke und die Revisionisten wollen ihren Streit auf unsere in Rücken austragen. Der Allgemeine Zionismus und sein Verband belinden sich in einer Zeit, wo sein Schicksal entschieden wird. Er wird nicht Selbstmord begehen. Unsere Jugend hat das Wort! Weltkonierenz des Weltverbemdes der Allgemeinen Zionisten Die nächste Weltkonferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten findet am 16. und 17. Juni in Krakau statt. :|: Der Irgun der Allgemeinzionistischen Arbeiter Wie uns aus Palästina berichtet wird, zählt der neue Irgun der Allgemein-zionistischen Arbeiter in Palästina schon 700 Mitglieder und ist für seine Angehörigen erfolgreich bei der Arbeitsbeschaffung usw. tätig. Die nächste Alijah wird eine Verstärkung des Irgun um mindestens 500 Mitglieder bringen. Die Linken haben sich bereits veranlaßt gesehen, mit dem neuen Irgun der Allgemein-zionistischen Arbeiter in inoffizielle Verhandlungen wegen einer V e r s t än d i g u n g über gemeinsame Fragen einzutreten. Man sieht also, daß die bedauerlicherweise von einzelnen Allgemeinen Zionisten geförderten Quertreibereien der Linken wirkungslos sind. Der Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation Palästinas kommt eine große Bedeutung bei der Normalisierung der durch len Klassenkampfgeistder Histadruth vergifteten politischen Athmosphäre Palästinas zu. gefördert. Der frühere Deputierte Doktoü S. Singer führte aus: In allen Teilen des Landes werden durch die Kommissionen des Handelsministeriums jüdische Angestellte' ans den von Juden geschaffenen u n d g e 1 e li t r t e n U n t. e r n e h m u ngen entfernt. Die Versammlung faßte die folgende. Resolution: Die jüdische Bevölkerung der Hauptstadt, stellt fest-: 1. Mit jedem Tag nimmt, die antisemitische Bewegung größeren Umfang an, täglich wird die jüdische Bevölkerung bedroht, beleidigt, ohne da.ß die Regierung1 ein sch reitet. 2. Trotz Belagerung 6z u s t a n d u n cl Z e n s u r läßt die Regierung gerade den antisemitischen Presseorganen vollste Freiheit, ihre Aktion der Aufreizung zum Haß zwischen den Bürgern dos Landes durchzuführen. 3. Die Art, wie das Gesetz für die Förderung des rumänischen Elements in den Unternehmungen angewendetwird, verletzt die vitalsten Interessen der jüdischen Bevölkerung, die Organe für die Durchführung diesen Gesetzes begehen alle möglichen Schikanen, um jüdische Angestellte auf die Straße zu .setzen, und lassen sie Opfer der Arbeitslosigkeit und Verzweiflung werden. 4. Die jüdischen Studenten werden permanent daran gehindert, den Vorlesungen an der Universität beizuwohnen, , sie. werden bedroht, insultiert und geschlagen, wodurch das legitime Recht der jüdischen Bevölkerung, auf Unterricht und Studium verletzt ward. 5. Dieser schädliche Geist, und diese' Atmosphäre des Hasses und der Hetze können nicht länger an dauern, ohne schwere irreparable Folgen für die höheren Interessen des Staates. Es wird daher mit aller Entschiedenheit: dagegen Protest erhoben, daß die Regierung die schwerwiegenden Ereignisse unbeachtet läßt und eine Haltung einnimmt, die den allgemeinen politischen und ökonomischen Interessen des Landes, sowie jenen der jüdischen Bevölkerung zuwiderläuft. Die jüdische Bevölkerung de* Hauptstadt fordert die verantwortungsvolle, öffentliche Meinung de9 Landes auf, auf die Regierung dahin einzuwirken, daß sie energische und entschiedene Maßnahn men zum Sehutze des jüdischen Elements und zur Eindämmung der gefährlichen Manifestationen, deren Folgen unabsehbar sind, ergreift. Die jüdische Bevölkerung erklärt ihre Solidarität im Kampf um die Verteidigung ihrer Rechte und ihrer Würde, spricht der Parteileitung das Ver* trauen aus und fordert sie auf, die begonnene Aktion zu Ende zu führen. Die Vorgänge in Rumänien Der tschechische Justizminister an die Jüdische Partei In Bukarest fand am 24. Mai eine Massenversammlung der Jüdischen Reichepartei statt, zu deren Beginn der Vorsitzende, Adv. L. Mizrac.hi, erklärte, die .Versammlung wurde einberufen zum Protest gegen die überhandnehmende antisemitische Hetzpropaganda und gegen die Duldung derselben. Adv. M. B e n e v e n i s t i wies darauf hin, wie die Boulevards und Fakultäten zu Kampfplätzen de« Antisemitismus geworden sind, ohne daß dagegen ernstliche Maßnahmen ergriffen würden. Das Gesetz für die Verwendung rumänischen Personals in Unternehmungen kann nach dem Wortlaute und dem Sinne des Gesetzes nur auf Ausländer angewendet werden, keinesfalls aber gegen rumänische Staatsbürger jüdischer Nationalität oder gegen rumänische Untertanen. Trotzdem versuchen die Kommissionen des Handelsministeriums in falscher Interpretierung des Gesetzes J u den aus P r i v a l u n t e r n e h m u ng e.n z u e n t f e r n e n. Die jüdischen Studenten werden daran gehindert, ihro Studien fortzusetzen und keine Behörde schreitet dagegen ein. Dr. Theodor Fischer, Präsident der Jüdischen Reichspartei, führte u. a. aus: „Die von Hitlor-Deutschland aus unterstützte rassistische Hetzpresse macht sich im ganzen Lande breit. Wir wollen uns unsere durch Opfer, Blut und mühevolle Arbeit erworbenen Rechte nicht, schmälern lassen. Es wird uns konstant die Möglichkeit verweigert, der zuständigen Stelle die Wünsche und Beschwerden der jüdischen Bevöl- Der tschechoslowakische Sozialdemokrat; Dr. Ivan Derer hat im Zusammenhang mit, den Parlaments-wahlen an die J ü dische Partei einen Brief gerichtet, in welchem er über die antisemitische G e f a h r n. a. schreibt: „... Jede Bewegung, welche die Demokratie abschaffen oder einschränken will, bedroht nicht nur die Arbeiterschaft, sondern, und vielleicht auch in erster Linie, das Judentum. Die Ereignisse der letzten Jahre in unserer Nachbarschaft, die Vorgänge in kulturell und technisch höchstentwickelten Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland, Maßnahmen und Verfügungen, weiche nach bisher unter Kulturmenschen geltenden Ansichten in unserer Zeit nicht mehr für möglich gehalten wurden, sind in unserer nächstliegenden Nachbarschaft Tatsachen geworden. Die Ansteckungsgefahr ist groß. Nur durch kompromißlose und unter allen Umständen feste und entschlossene Ablehnung und Bekämpfung dieser gefährlichen fremden Beispiele kann bei uns da« demokratische Regime erhalten werden. B’ei uns wird in diesen Fragen kein Kompromiß geschlossen, denn das ist, für uns ebenso wie für Sie eine Fra g e des Lebens oder des Todes. Schon haben diese gefährlichen Bestrebungen die Grenzen unseres Staates überschritten. In den deutschbewohnten Gegenkernng bekanntzugeben. In manchen Städten wird Herr Vaida von den Behörden direkt den der Republik wird nach fremdem Bei- Die Fonds werden durct> die Allgemeinen Zionisten dotiert. Die All~ gemeinen Zionisten verlangen für ißre Kinder Alijat) wind Ansiedlung