Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 453 (28.5.1935)
- Date
- 1935-05-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 453. - 28. Mal 1235. 0» 8TIMMI Seite 3 Senator King gegen Bitter• Deutschland Bei der Konvention der jüdischen orthodoxen Verbände Amerikas in Washington hielt der Senator des Staates Utah. King, eine Ansprache, in der er erklärte, er werde im Senat der Vereinigten Staaten einen Antrag auf Abbruch der diplomatischen Beziehungen Amerikas zu Deutschland stellen. Die Beziehungen sollen erst wieder aufgenommen werden, wenn Deutschland die rassischen und religiösen Verfolgungen einstellfc. Die Konvention nahm eine Resolution an, in der die rassische Verfolgung der Juden und die religiösen Verfolgungen in Deutschland überhaupt scharf verurteilt werden. In einer zweiten Resolution werden die Mitglieder der Kongregationen aufgefordert, den antideutschen Boykott zu unterstützen, solange diese Verfolgungen andauern. Nansen-Pässe für die Saar- Flüchtlinge Genf, 26. Mai (Tficheobos.lw. Preß-Biiro). Im Völkerbundrat wurde auf Antrag des Delegierten G o m e z (Mexiko) beschlossen, für die Flüchtlinge aus dem Saargebiet sogenannte Nansen-Pässe auszugeben. Der französische Delegierte M a s s i g 1 i verlangte, daß die einzelnen Regierungen Mittel zur Verfügung stellen, um das Schicksal der Saarflüchtlinge zu erleichtern. Das englische Katholiken1 organ „The Tablet“, das offizielle Organ der katholischen Kirche in England, teilt mit, es habe im Anschluß an einen am 27. April veröffentlichtem Artikel über die Gesetzgebung des Staates Manitoba, gegen KoUektivbeleidigimg im Zusammenhang mit den sogenannten „Protokollen der Weisen von Zion“ zahlreiche Zuschriften erhalten, in denen daß Blatt aufgefordert wurde, nachzuweisen, daß die „Protokolle“ nicht echt sind. Demgegenüber weist die Zeitung darauf him, daß die Beweißlast jenen Antisemiten zufallen müsse, die diese „wunderliche Schrift“ benützen, um gegen die Juden böses Blut zu erregen. Immerhin aber solle den An« fragern in Erinnerung gerufen werden, daß die „Protokolle“ bereits in Manitoba, wo die Rechtssprechung Anspruch auf höchste Wertschätzung erheben könne, keinen Glauibeu gefunden haben, und daß in Bern die Verbreiter der „Protokolle“ in der Schweiz a,uf Grund eines Gesetzen, das die Benützamg des gedruckten Wortes zur yajrvsn J, tPügrcangasse <5. Aufreizung eine« Teile« der Bevölkerung gegen einen anderen verbietet, bestraft wurden. Unter Anspielung auf den Prozeß in Südafrika erklärt das Blatt zum Schluß, die Fälschung sei nunmehr bereits in drei Kontinenten gerichtlich untersucht worden und könne als eine Kompilation von Materialien des Viktorianischen Zeitalters endgültig verworfen werden. Br. J. Schwarzbart: Eine eigene Arbeiterorganisation der Allgemeinen .II[IIII[II!1III]!!!11|M^^^^^^^ .. rachi und der Hisfcadrufch. Ich bin Mehrzahl ist willens, in Palästina neu zu siedeln, doch sind die finanziellen Voraussetzungen hiefiir noch ungelöst. Festzustellen ist nur, daß die 24 Familien jetzt zerstreut in kleineren und größeren Gemeinden wohnen.“ Aus dieser sehr vorsichtigen Darstellung geht hervor, daß man die 24 jüdischen Bauern fa/m LI ion von ihrem Boden vert r i e b e n und ihnen a lies g o n o m m e n hat. Groß-Gmglow war übrigens auch als S c h u 1 f a r m gedarbt. wo zahlreiche ledige junge Leute ihre landwirtschaftliche Ausbildung genossen. Kur- und Badehaus VI Dr. (talng, Hüsteln Steigerung der jüdischen Gemeindesteuern in Deutschland Im „Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt“ nimmt Dr. Franz W o 1 f im Anschluß an die beabsichtigte Senkung der christlichen Kirchensteuern zu der Frage Stellung, weshalb die jüdischen Gemeindesteuern seit einigen Jahren in einer beträchtlichen Steigerung begriffen sind und welches die Gründe sind, die einem Vergleich der jüdischen Gemeindesteuern mit den Kirchensteuern entgegenstehen. Man glaube offenbar, so sagt Dr. Wolf, bei den Kirchensteuern die bisherigen Steuerbeträge mit niedrigeren Zuschlägen erreichen zu können. Es beständen aber leider triftige Gründe zu der Annahme, daß in dieser Hinsicht die Entwicklung bei den jüdischen Steuerpflichtigen nicht mit der allgemeinen Schritt halte. Den noch leistungsfähigen jüdischen Steuerzahlern stünden andere gegenüber, die starke Beeinträchtigung ihres Einkommens erfahren öder ihre wirtschaftliche Existenz verloren hätten. Auch sei die Auswande r u n g leistungsfähiger Steuerzahler zu berücksichtigen. Bei den Kirchengemeinden sind die Ausgaben niedriger, die Einnahmen dagegen höher als bei den jüdischen Gemeinden. Entscheidend sei, daß die Kirchengemeinden erhebliche Staatszuschüsse zu den Gehältern ihrer Pfarrer und Beamten erhalten, die jüdischen Gemeinden aber nicht. Anderseits benützen die Mitglieder der Kirchengemeinden staatliche Einrichtungen in einer Reihe von Fällen, in denen die Juden auf Sondereinrichtungen ihrer Gemeinden angewiesen sind (Schulen, Krankenhäuser, Friedhöfe usw.). So sei von jeher der Steuerbedarf der jüdischen Gemeinden im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl beträchtlich höher gewesen, als bei den Kirchengemeinden. Gerade in den letzten zwei Jahren sei zum Beispiel in Frankfurt eine Erhöhung der Zuschläge zur Reichseinkoramensfceuer, die als Steuer bet rag von der jüdischen Gemeinde erhoben werden, von 15 auf 22%%, in Berlin von 13 auf 25%, Breslau von 16 auf 25%, Köln von 20 auf 30%, Halle von 20 auf 36%, erfolgt. In vielen kleinen jüdischen Gemeinden stiegen die Zuschlagsätze bis zu 150%. Die Wandlung der Lage des deutschen Judentums, die erhöhten Lasten zur Erhaltung jüdischer Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen fänden hierin ihren Ausdruck. BESUCHS II., A$pornbrüokengas$e4~6 Telephon R 48-0-25 Soft k«r* *om untor neuer Führung Mittwoch, den 29. Mai 1935, um 20*0 Uhr I. RUMMY* TURNIER 1. l’roiB H 50-—, 2. Preis S 30-—, 3. Preis S 20 -, 12 schöne Trostpreise. — IVonnoelft 8 H*—. Uw zahlreichen Besuch bitten Alice Krelmüer, Spielleiter»!. Betty Thaller, Cuföpliehlerin, Die jüdischen Schulkinder in Deutschland Aus B o r 1 i n wird gemeldet: ln der Zeitschrift, des nationalsozialistischen Lehrorbundes wird auf Gnmd einer Anfrage zur 8 o h u 1 p f 1 i c h t der jüdischen Kinder in Preußen Stollung genommen. Die Kinder jüdischer Staatsangehöriger, so schreibt das Blatt, sind auf Grund bestehender Gesotze gezw'ungon, in Ermanglung oinor eigenen oino deutscho Volksschule zu besuchen. Es sei anzunehmen, daß sowohl wegen des jüdischen Religionsunterrichtes von Reichs wegen eine g r u n d s ii, I z liehe N e u- JJflgelung erfolge. Die Frage der Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation (Irgun) wird ein Hauptproblem der nächsten Konferenz des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten bilden. Ich möchte sofort betonen, daß ich mich hier über diese Frage als Privatmann äußere und nicht als Vorsitzender des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten. Ich beabsichtige damit eine Diskussionsbasis für die kommende Konferenz des Weltverbandes zu schaffen. Ich habe schon seinerzeit erwähnt,' daß die Schaffung einer Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation formell in Widerspruch zu den provisorischen Beschlüssen der Krakauer Konferenz stehe. Aber die formelle Seite der Frage ist zur Zeit nicht von Wichtigkeit. Die Konferenz wird diese Frage meritorisch entscheiden müssen, ob die Schaffung einer selbständigen Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation als eines selbständigen, sozialpolitischen und nationalen Instrumentes für die Entwicklung des Allgemeinen Zionismus notwendig und zweckmäßig ist. Deshalb werde ich diese Angelegenheit nur von diesem Standpunkt aus behandeln. Meine Antwort auf diese Frage ist: J a, dieser Irgun ist zweckmäßig und notwendig. Eigentlich sind in dieser Frage fünf verschiedene Anschauungen vorhanden. 1. Die absolute Gegnerschaft gegen eine selbständige Allgemein-zionistische Arbeiterorganisation. Diese Anschauung verlangt, daß die Allgemein-zionistischen Arbeiter in der jetzigen Histadruth verbleiben sollen; 2. Die unbedingte Forderung nach einer selbständigen Allgemein-zionistischen Arbeiterorganisation, ohne jegliche Verbindung mit der jetzigen Histadruth, die selbstverständlich nach dem Austritt der Allgemein’ zionistischen Arbeiter eine rein linke Organisation sein wird; 3. Das Verbleiben in der jetzigen Histadruth, aber als eine autonome Gruppe innerhalb der Histadruth; 4. Der Weltverband soll einen selbständigen Irgun jener Allgemein-zionistischen Arbeiter anerkennen, die ihm beitreten wollen. Jene Allgemein-zionistischen Arbeiter aber, die in der jetzigen Histadruth verbleiben, oder aus dieser austreten wollen, sollen dazu das Recht besitzen; 5. eine Allgemein-zionistische Organisation mit einer Kooperation in gewissen ökonomischen Fragen, welche die Interessen des Arbeiterstandes betreffen, in einem Dachverb a n d mit anderen Arbeiterorganisationen, vor allem mit der stärksten Organisation — der Histadruth — nach dem Vorbild des Übereinkommens asriach en Hapoel Ham Uein Anhänger der letztgenannten Form. Heute will ich nicht gegen die ersten vier Vorschläge polemisieren, ich will nur hier meinen positiven Standpunkt in dieser Sache zum Ausdruck bringen. Es war ein ungeheuer Fehler seitens der Allgemein-zionistischen chaluzischen Jugendorganisation, und zwar des „Hanoar Hazioni“, der „Akiba“, der „Achwa“ u. a., daß diese nicht schon am Anbeginn ihrer Ent- Zeichnung der ARBEITS ANLEIHE SICHERT Zinsnutzen *j q j ~ von rund * / '•' und GOLDWERT des Kapitals sowie des Zinseneinkommens. Devisen- und Steueramnestie Wicklung und beim Beginn ihrer chaluzi* sehen Alijah nach Erez die Ideologie von einer eigenen Arbeiterorganisation entwickelt haben. Die schwache Stellung der organisierten Allgemeinen Zionisten in Erez, ihre Zersplitterung und ihr unbedeutender Einfluß auf die Alijahelemente in den letzton Jahron, die Passivität und Gleichgültigkeit des älteren Elements der Allgemeinen Zionisten in den Galutbländern zu den nationalen und sozialen Problemen des Aufbaues in Erez — dies ist die zweite Ursache. Beide Faktoren haben zur Folge gehabt, daß der Allgemeine Zionismus jetzt eine Krise durchwacht. Beide Ursachen müssen durch einen energischen Beschluß und durch entschlossene Taten beseitigt werden. Die Haupfcbedingung für die' Beseitigung der inneren Krise ist, daß die Allgemein-zionistischen Jugendorganisationen und deren Kibbuzim in Erez noch vor. der Weltkonfernz sich durch eine „revolutio-i näre“ Tat, sei es ideologisch, sei es praktisch, auf den Boden eines selbständigen; Irguns entsprechend dem Vorschlag „5“ stellen. Wenn diese Organisationen di« s nicht tun werden, so werden sie damit ihr eigenes Todesurteil aussprechen. Dies wird ein Aufgehen der Allgemein-zionistischen Arbeiterelemente in der jetzigen Histadruth zur Folge haben. Der Allgemeine Zionismus wird dem Untergang geweiht sein und schließlich wird seine Entwicklung ohne; eine eigene Arbeiterbewegung den Charakter einer kapitalistischen K lasse n b e w* e g u n g annehmen, das heißt der Allgemeine Zionismus wird aufhören allgemein-zionistisch zu sein. Nureine selbständige Allgemein-zionistische Arbeiterbewegung, die sich in den ideologischen Gedankengängen des Allgemeinen Zionismus bewegt (entsprechend dem Programm des Weltverbandes) und die diese ideologische Verwirklichung frei vom Druck der linken Majorität der heutigen Histadruth und frei von disziplinären Verpflichtungen ihr gegenüber erfüllen kann, ist allein imstande, den Überklassenstandpunkt und den nationalen Charakter des Allgemeinen Zionismus im Aufbau des Landes zu wahren. * Die Allgemein-zionistischen Arbeiter, die sich heute in der Histadruth befinden, kommen aus lauter Allgemein-zionistischen Chaluzorganisationen, z. B. „Ilanoar Hazioni“, „Akiba“, „Achwa“, „Ben Zion“ und dev „Histadruth Akademim Zionim“. Warum sind eigentlich unsere Jugendorganisationen jahrelang auf dem Standpunkt der Zugehörigkeit zur Histadruth gestanden? Es lassen sich hiefiir hauptsächlich zwei ideologische Motive angeben: 1. Die Schaffung einer gemeinsamen Arbeiterfront. — dies gehört nicht zur Allgemein-zionistischen Ideologie. 2. Die Hoffnung, die linken Mitglieder der Histadruth durch die Anwesenheit der Allgemein-zionistischen Arbeiter zu beeinflussen. Dieser Grund ist aber kein ideologischer. weil bei ihm die materielle Abhängigkeit der Arbeiter von der Histadruth mitspielt, ferner weil diese Abhängigkeit noch durch den Mangel an Allgemein-zionistischen ökonomischen Positionen und Institutionen im Land verstärkt wird. Der große Einfluß der Histadruth auf die ExislenzmöglUTkeit unserer Chaluzim wirkt sich natürlich auch ideologisch auf unsere Jugend aus. Die Hoffnung, durch unsere Elemente auf RON