Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 453 (28.5.1935)
- Date
- 1935-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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•fffv, m — S8. Mal tm. DIE STIMME S&ite B Spiele ßCthon Ii a ß c r f ü 111, e t Anti- 4 a an i fc i s m u s gepredigt. Mit ähnlichen Schlagworten arbeiten alle Gegner der Demokratie auch in jenen chauvinistischen und reaktionären Parteien der Tschcchoftlowaket, welche eich schon bei der letzten Präsidentenwahl gegen den größten Mann unseres Staates, gegen Thomas Masaryk, verbündet haben. Es ist also die höchste Zeit, alle Kräfte zu vereinigen, um die Tschechoslowakei vor jenem Unglück zu bewahren, welches mfolgo Schwächung der Sozialdemokratie andere betroffen hat.“ Pension Eckstein - Mm deutsche Jiüstecwibze Die politische Satire ist im „Dritten Reich“ auf den Wortwitz beschränkt, der trotz polizeilicher Verfolgung der Witzeverbreiter alle Gegensätze überspringt und auch die „Deutschen Volksgenossen“ im Banne seiner Lacihwirkung vereint. Mit Genehmigung der „Verlagsanstalt Grajpbia“ in Karlsbad entnehmen wir der soeben erschienenen Sammlung „Deutsche Flüsterwitze“ von Jörg W.illenbacher die folgenden Proben. Am Sitz der SA.-Feldpolizei, der SA.- Kaserne in der General-Pape-Straße, die der Schauplatz fürchterlicher Mißhandlungen an verhafteten Juden gewesen ist, hat jemand folgende Verfügung angeschlagen: „\Um Mißverständnissen vorzubeugen, wird ausdrücklich darauf hingevnesen, daß das gesetzliche Sch ächtverbot sich lediglich auf das Sc hl achten von Tieren bezieht“ # Einmal hätte Goebbels um ein llaar vergessen, daß er am selben Abend, noch auf einer Kundgebung in einem Vorort Berlins zu sprechen hatte. Er wirft sich also in aller Eile in ein Taxi und saust, ohne jede Begleitung, dem V ersammlungslokal zu. Kaum aber hat er die ersten Schritte in den überfüllten Kaum getan, als sich ihm die Pranke eines SA-Mannes auf die Schulter legt und eine Stimme Hmi m die Ohren brüllt: ,JZannst du, ltzig, nicht lesen, daß hier Juden der Eintritt verboten Ist?!“ e Her verstorbene Max Lieb er mann •war von einem ausländischen Verehrer gefragt worden, wie er sich im Britten Kelch So fühle. Darauf Liebermann: „Ach, man \kriegt gar nicht so viel zu essen, als man "kotzen möchte.** * 'tm D-Zug nach Frankfurt am Main sucht ein SA.-Führer einen Nichtarier zu provozieren: „Na, Jude, wer trägt denn Schuld 'daran, daß wir den Krieg verloren haben?“ — „Die jüdischen Generäle, Herr Sturmführer!“ — „Hm. Aber wir hatten doch gar keine jüdischen Generäle?“ — „W i r nicht, Herr Stur m führ er, aber Hie andern!“ * ln einer deutschen Stadt ist aus einem \'dort gastierenden Zirkus ein Bär ausgebrochen. Tagelang entrinnt er allen Nachstellungen. Der Schaden, den er anrichtet, wird immer größer. Schließlich setzt die Behörde demjenigen eine ansehnliche Belohnung aus, der den gefährlichen Bären niederschießt. Zwei Juden lesen diese Bekanntmachung. Erschrocken sagt der eine: „Es in das beste, wir fliehen!“ „Warum?“ frägt der andere, „du bist kein Bär, Ich bin kein Bär“ Worauf er die Antwort erhält: „Nu, wenn schon, aber geh! du hin und beweise es ihnen!“ * „Was ist ein Arier?“ — Das Gegenteil von Proletarier. Goebbels wird eines Tages zufällig unerkannter Zeuge einer SA.-Razzia. Tief befriedigt sieht er dem Schauspiel zu. Endlich erfüllt sich sein Wort: Die Rache ist ein Gericht, das man kalt genießen muß. Plötzlich zupft ihn jemand verstohlen am Rock und flüstert: „Mensch, Jude, mach* Beenc, hier ist dicke Luft!“ Darauf entrüstet sich Goebbels: „Erlauben Sie mal, ich bin Doktor Goebbels!“ Da fängt der andere an zu lachen: „Dat ist doch zu toll! Eben hat die SA. schon einen andern Juden laufen lassen. Der sagte ooch, er wäre Uo^hhaW Pilsudski für eine jüdische Legion im Weltkrieg ln der Warschauer Zeitung „Nasz Preglad“ veröffentlicht der bekannte jüdische Historiker Prof. t)r. M. Bai ab an Erinnerungen aus der Zeit des Weltkrieges. Er erzählt, daß im Jahre 1914 von jüdischer und polnischer Seite Vorbereitungen getroffen worden waren, um in Galizien eine jüdische Legion zu bilden, die der Führung Joseph P j 1 s u d s k i s hätte unterstellt sein sollen. Im Sitzungssaal der Lemberger Jüdischen Gemeinde bildete sich ein Komitee, bestehend ans dem Gemeindepräsidenten Dr. Dia m a n t, Prof. Mandel, Dr. S i 1b e r s t e i n, dem jetzigen polnischen Konsul in Tel-Aviv, Dr. Bernhard H a u s n e r u. v. a., um eine Legion der nationalen jüdischen Jugend zu schaffen, die in der Front der polnischen Legionen kämpfen sollte. Dr. Hausner übernahm die Aufgabe, mit der österreichischen Heeresleitung und mit den Führern der polnischen Legionen zu verhandeln. Pilsudski und die übrigen Legionsluhrcr begrüßten den Plan mit großer Wärm e, dagegen verhielt sich die österreichische Heeresleitung zögernd. Schließlich erklärte auch sie sich mit dem Plan einverstanden und stellte den jüdischem Soldaten, die sich in sehr großer Zahl für den Dienst in der Legion meldeten, Montur und Waffen zur Verfügung. Durch die ii b e rr a sehe n d e 0 k k u p i e r u n g 0 s tgaliziens mit der Hauptstadt Lemberg durch die russischen Truppen wurde der Plan vereitelt. Die Juden, die Geh für den Dienst in der Legion meldelen. beeilten sich, nach dem Westen zu entkommen, um dann in di e ö s < e r r e i e h i s c h e A r m e e einzuf roten. Palästina*Aktion auf den Namen PUsudsMs Auf einer bei der Keren-Kajemeth-Zentrale in Polen abgehaltenen Beratung wurde beschlossen, die gesamte jüdische. Bevölkerung'Polens dazu aufzurul'en, das Andenken des verstorbenen Schöpfers des neuen Polen, Joseph Pilsudski, durch mehrfache Eintragung seines Namens in das G o 1 d c n e B u c h d c s J ii d i s c h e n N a t i o n a 1fonds und durch Pflanzung möglichst vieler Bäume auf Keren-Kajemeth- Bodon in Palästina zu ehren. Entsprechende Weisungen sind an alle zionistischen Ortsgruppen in Polen ergangen und haben bereits erfolgreiche lokale Aktionen ausgclöst. ftlases Ua*Mne& Der 80. Geburtstag Moses Hammers ist in mehr als einer Beziehung ein über das Familieriinteresse hinausragendes Ereignis. Wenn auch der Jubilar in seinem langen Leben niemals eine führende Rolle imienhaJib der zionistischen Bewegung gespielt hat, lebt er doch unter uns als ein Sinnbild dieser Bewegung selbst. Geboren am 30. Mai 1855 in Zlöozow, lebt Moses Hammer nach einem längeren Aufenthalt in Rußland seit 1890 in Wien. Schon der ganz junge Hammer suchte und fand Anschluß an das damals neu sich regende jüdische Bewußtwerden. Er war so fähig, mit einer bereits festbegriinidieten ‘lind selbstverständlichen national-jüdischen Überzeugung sich in den Dienst der Judenbeit zu stellen. Schon in seiner frühesten Jugend schloß sich der Jubilar noch vor Horzl der zionistischen Bewegung an und gehörte seit dem Auftreten Herzig zu dessen treuesten Jüngern. Zu Beginn unseres Jahrhunderts war er Obmann des Vereines „Zion“ in Wien und einer der rührigsten Organisatoren der Heirzl-Versammlungen. Trotz dieser intensiven. Beschäftigungmit den weiterreichenden Bestrebungen des Zionismus verlor Hammer niemals dien Kontakt, mit seinem östlichen, kulturellen Wurzelbodein. Von bestimmendem Einfluß war für ihn die tiefe Freundschaft mit Nathan Birnbaum, dem Autor der „Sclbstemanzipation“, mit dem er gemeinsam mit B ub e r und den) so früh verstorbenen Dpktor Hau s mann die seinerzeit so berühmten „j ii dis clien Ahende“ ins Leben rief. Diese Abende, die vielen im Westen erst das reiche Gebiet der jiddischen Literatur vermittelten, brachten dem Jubilar auch die herzliche Freundschaft Soiialom Ale jc. h e m s ein. Ein von Hammer vorbereiteter und geleiteter Vorlesungsabend von Schülern Alechom zugunsten der jüdischen Pogroinfltichtlinge war die wirkungsvollste ■und erfolgreichste Veranstaltung dieser Gruppe unter Hammers Mitwirkung. Im politischen Leben trat Moses Hammer inaner in Sinne der jüdischen Nationnlbowogitng hervor, insbesondere sei. hier erwähnt, daß er als Mitbegründer und Vorstand des Jüdischen Nationalvereincs zu einer Zeit wirkte, als es erstmalig den .nationalen Juden gelang, vier Abgeordnete in den österreichischen Reicherat zu entsenden. Im Jahre 1906 kandidierte Moses Hammer auch auf cler Wahllisto des vereinigten zionistischen Wahlkomitees bei den Wahlen in die Wiener Kultusgeaneindc. Hier führte Hammer einen männlichen, mutigen Kampf gegen die assimilatorische Oberherrschaft im Wiener Kultusvorstand und ins- * - &0 oU> besondere brach er eine Lanze für die gerade damals' vom Präsidenten Stern .immer wieder angeriffeneu Ostjuden Wien. Auf kulturellem Gebiet ist hervonheibenswort, daß er im Jahre 1907 die erste hebräische Schule in Wien ins Lebens rief. Aber auch auf dein Felde der sozialen Fürsorge entfaltete dev Jubilar ein segensreiches Wirken. Es sei nur -daran erinnert, daß Moses Hammer der Gründer und erste Obmann des Vereines „Aha.ua“ ist, und da ß er den Verein „J ti d I s c h e S p c is e h a 11 c“ in der Herminengasse ins Leben gerufen hat. Immer enger hatte sich Hammer in die zionistische Arbeitsfront cingegliedert, immer vertrauter wurde iluu die innere Leitung cler zionistischen Angelegenheiten, immer größer wurde das Vertrauen, . das man in den führenden Kreisen des Zionismus diesem unermüdlichen Mitarbeiter am großen Werke entgegunbraohtc. Enge Gesinnungsfreundschaft verkettet ihn auch heute noch mit führenden Persönlichkeiten des Zionismus, aber auch nicht zionistischer Kreise. An seinem Gehurtstage (den der Jubilar außerhalb Wiens verbringt) wird Moses Hammer nicht nur im Kreise seiner persönlichen Freunde gefeiert, werden. Die Wiener Zionisten beglückwünschen in ihm den Nestor der Bewegung, aber auch die Wünsche des gesamten Wiener Judentums gelten heute, dem Mann, cler für alles Jüdische stets ein warmes Herz und ein tatkräftiges Interesse bekundete. Wir Zionisten Willst du für deine Kinder einen Platz an der Sonne Palästinas? Erwirb und verbreite den Schekel, wähle Allgemein-Zionistisch! gedenken dankbarst einer Zeit, die su viAo Ideale des jungen Hammer verwirklich^ sieht zwischen Erfolgen und neuen Kämpfen dieses in dein so wichtigen Klcinkampf unserer Bewegung beharrlichen, tapfer u und erfolgreichen Pioniers Moses Hamm r. Agudisten und Christen Die „Reichspost“ zitiert aus einem Artikel der agndistisclien „Jüdischen Prest" 4 die folgende Stelle: „Wir halten an imseri ms Standpunkt lest, daß die Parallelklasse ns Verordnung als Vorstufe zur konfessionelle;* Scliule zu begrüßen ist. Wir sehen in cl.-t* Absonderung auch keine Diskriminierung und wir würden cs vom religiösen Er-: ziehungsstandpunkt aus sogar begrüßen, wenn es möglich wäre, unsere Kinder von jenen jüdischen Kindern zu scheiden, deren Erziehung vom Elternhause areligiös ist.“ Dazu bemerkt die „Reichspost“: „Mit großer Entschiedenheit wendet sich das orthodoxe Organ gegen die Errichtung .jüdißchnationaleE Schulen, weil darunter! keineswegs auch schon jüdischreligiöse Schulen zu verstehen seien. Das Schulideal der gläubigen Juden sei die jüdischkonfessionelle Schule. — Es bedarf kaum noch der Hervorhebung, daß diese Forderung dem Geiste dgr neuen Verfassurig durchaus konform ist.“ Die Agudah entwickelt sich immer mehr! nach cler katholischen Seite. Sie begrüßt} die Aussonderung der jüdischen Kindel unter nichtjüdischen Lehrern, si4 s c h w e ig t über die Brotlosmachung de? jüdischen Ärzte, über die Aussonderung der; jüdischen Gewerbetreibenden, über den schleichenden Boykott der jüdischen Kauf* leute. Die Agudah begrüßt und wird begrüßt. Die österreichische Arbeite anleihe Durch die Anleihezeichnung treten, wisi verlautbart worden ist, auch wichtige Amnestiebestimmungen in Kraft. Wer gegen die Devisenverordnung oder gegen die Gte a r i n g v e r o r d n u h g durch Handlungen oder Unterlassungen verstoßen hat,- auf die der'Verfall von Gegenständen odetf die Verhängung einer Zusatzgeldstrafe angedroht ist, wird einer Amnestie teilhaftig, wenn er die Anleihe in einem Betrage zeichnet, der den Wert des Gegenstandes erreicht* der für verfallen erklärt werden könnte. Hat er den Ertrag dieser Vermögenswertei zu den direkten Steuern überhaupt nicht oder nur unvollständig einbekannt, so er-< wirkt er durch die Zeichnung neben der! Devisenamnestie auch eine vollständige’ Steuer-, Straf- und Nachbemessungsamnestie. Die Erwerbung der Amnestien ist davon abhängig, daß der Zeichner die erworbenen Anleihestücke einer einjährigen Sperre unterwirft. Die Arbeitsanleihe hat zwei Zwecke: außer der Förderung der Arbeitsbeschaffung eine weitreichende Konsolidierung der schwebenden Bimdesschulden. Die Anleihestücke sollen nicht bei den Kreditunternehmungen verbleiben, sondern in weitestem Umfang im großen Publikum untergebraclit werden. Die Geldinstitute erhalten durch diese Operationen einen Zuwachs an flüssigen Mitteln und können dadurch den Anforderungen der Wirtschaft auf Bereitstellung von Mitteln für Investitionszwecke entsprechen. Zertifikatabkommen der Exekutiwe mit den Revisionisten Jerusalem, 24. Mai. (Z. T. A.) Die Palä «t ina-E x eku tlon cler Jewish Agency hat mit den Revisionisten ein Abkommen geschlossen, dem zufolge diese Palästiinaeinwanderungszertiflkate auf G r u n d d e ö bisherigen S c h 1 ii -s ß c U erhalten sollen. Es verlautet, daß die Palastina-Exekutive die Londoner Exekutive über das Abkommen, das einen Kolloktivauspruch des Betliar auf Zertifikate Vorsicht,, mit dem Bemerken informiert hat, die Revisionisten sollten aus den PalüstimaümtcMm und ihren Unterkommißßionen ausgoßchloßsen wurden, wenn eine unabhängige zionistische Organisation durch diie Revisionisten gegründet wird. Doch «olden die Verhandlungen über oin langfristiges' Abkommen, betreffend die Zertilikatevertei- 'lung fortgesetzt werden.