Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 452 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054207--5067-3060758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 452 - 24. Mai .1035 DIE STIMME Seit® 7 PALÄSTINA-TR ANSPORTE IH>6 tHUDB)*® BRODER & FENYO Wien, 1., Franz-Josefs-Kai 7-9, Telephon R 26-0-67 und R 26-1-67, übernehmen zu kulantesten Be dinsungen Übersledlungen! Warentransporte via Galati« Triest und Consfama nach Palästina tan. Eine Studienreise führender Wizo- Frauen nach den Ländern Osteuropa« hat mit aller Deutlichkeit ergehen, daß eine stets wachsende Zahl jüdischer Mädchen und Frauen für Hach- « c h a r a h zu erfassen ist und heute bereits Zchnt.au seDde von ihnen von dem Wunsch beseelt sind, zur praktischen Aufbauarbeit in Palästina eingesetzt zu [werden. Es war eine Selbstverständlichkeit, daß die Konferenz bestrebt war, Mittel und Wege zu suchen, um die ton Mängel in der Müdehen-Hachscharah abzustellen unjl nach Möglichkeit neue und verbesserte Organisationsformen zu finden. Eine besondere Kommission befaßtesich mit den einschlägigen Berichten und Anträgen. Sie fußte eine Reihe grundlegender Beschlüsse, die darin gipfelten: a) die bestehenden Verhältnisse in den Hachscharah- Zentren zu verbessern; b) den durch die Verhältnisse in Erez Israel diktierten Anforderungen zu entsprechen; c) die Ausbildung von Mädchen innerhalb der Chaluz-Bewegung speziell zu berücksichtigen. Diese Programmpunkte sollen zusammen mit dem Merkas Hechaluz endgültig ausgearbeitet .werden. Im Sinne der seinerzeit von der tschechoslowakischen Föderation durchgeführten Schaffung einer M a c h l a k a h, einer besonderen Abteilung für Chaluzoth, in der die Wizo und der Hechaluz paritätisch vertreten sind, wurde die Gründung einer solchen Abteilung in jedem Lande angeregt. Des .weiteren wurden Beschlüsse dahingehend gefaßt, daß noch mehr Gewicht als bisher auf die Notwendigkeit landwirtschaftlicher Ausbildung von Frauen und Mädchen zu legen ist, *%*»***%»%*%*%*%*»**#******* Dr. für. 37 Jahre alt, repräsentative Erscheinung, Besitzer von Zertifikat und Stellung ab Herbst in Palästina, sucht zwecks Ehe feines Mädchen (bis 30) aus gut jüdischem Haus, mit in Erez praktisch verwertbaren Kenntnissen und zeitgemäßem Barvermögen. Unter „Gediegener Charakter“ an die Expedition des Blattes. daß die Chaluzoth durch intensive Kurse zu den verschiedenen ländlichen und städtischen Berufen vorzubereiten sind, daß ihnen, gleichgültig, aus welchem Lande sie kommen, die erforderliche Fachausbildung zu vermitteln ist. Die kulturelle Vorschulung der Frauen und Mädchen in Klubs und Vereinen wird für die Eingliederung in das Leben des Jischuw unerläßlich sein und im Programm der Hachscharah entsprechende Berücksichtigung finden müssen. Als ein ganz wesentlicher Teil des Haehscharah-Programms wurde die Ausgestaltung und Intensivierung des Unterrichtes in hebräischer Sprache für einwandernde Frauen und Mädchen anerkannt. Daß dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichbar ist, bewiesen die Beratungen cler Konferenz selbst. Sie fanden bereits zu gut 50 Prozent in hebräischer Sprache statt, so daß man sich der Erwartung hingeben kann, daß die nächste Konferenz zur Gänze hebräisch abgewickelt werden wird. Einen energischen Vorstoß unternahm die VIII. Wizo-Konferenz in der so überaus wichtigen Frage der Einwanderer- Zertifikate für Frauen und M ä d- >c h e n. Sie trat an das gleichzeitig in Jerusalem tagendo Aktionskomitee mit der Forderung heran, eine gleichmäßige Verteilung der Zertifikate für Arbeiter an Frauen und Männer PALÄSTINA Glänzende Existenz nach Er- lernung eines leichten Bauhandwerkes durch tüchtigen Fachmann. Unter „4 Wochen Lehrzeit“ an die Administration d. Bl. durchzusetzen. Hier vertrat der Delegierte der Wizo den Standpunkt, daß angesichts der gewaltigen organisatorischen Leistungen der Wizo und der Größe ihrer Aufgaben ihr auch eine viel weitergehende Berücksichtigung zuteil werden müsse. Es geht nicht an, daß die EinwaiTderuugsorgaue der Agency sich den auf Wizo-Zertifikate kommenden Chaluzoth gegenüber ander« verhalten als zu den übrigen. Eine Beseitigung dieses Übelstandes, wie überhaupt ein einvernehmliches Z u samraenwi rk e n aller zionistischen P a rt e i e n müsse sich doch ermöglichen lassen. Voraussetzung hiefiir sei Eintracht und Frieden der ganzen Bewegung, ohne die ein Gelingen des begonnenen Aufbauwerkes unmöglich sei. Mit ihren Beschlüssen und Forderungen in Hachscharah-Fragen hat die VIII. Weltkonferenz das im Augenblick wohl wuchtigste der sie bewegenden Probleme in neue Bahnen gelenkt. Sic hat. dabei selbst verständlich in allen anderen Fragen, die der Morgen werde ich meine Schreibmaschine vor mich hersohieben und die Couch hinter mir herziehen; auch der Koffer mit den Manuskripten und Zeitungen bekommt Räder, mit ihm wird sich Sonja amüsieren... Aber ich will die Geschichte unseres Wohnens von vorn anfangen. Daß es eine traurige Geschichte ist, könnt ihr euch schon denken, nachdem ich bereits angedeutet habe, daß es sich um die Geschichte eines Schriftstellers und seiner Frau in Jerusalem handelt. In goldenen Zeiten hat Sonja Chemie studiert, was war das doch für eine Dummheit, viel besser hätte sie sich als Gymnastiklehrerin ausbilden lassen, damit sie gelernt hätte, sich durch unsere Wohnung hindurchzuwinden. Aber auch so erfuhr sie, daß wir uns in unserem Zimmer nicht gleichzeitig herumdrehen dürfen, weil dann vor innerer und äußerer Erschütterung die Blumenvase in den Primuskocher und die Butterdose in den Petroleumofen stürzt. Trotzdem bleiben noch Probleme zu lösen. Wo soll man beispielsweise seine Gäste einquartieren? Sollen sie sich nachts in der Schreibmaschine herumdrücken? Ein Ammenmärchen, daß die Juden ein literarisch interessiertes Volk seien. In Betten wollen sie schlafen! Das nach der Maschine wichtigste Möbel ist der Schrank — nicht, weil man in ihm einiges verstauen, sondern weil man auf sein Dach alles hinaufwerfen kann, wofür man sonst keinen Platz hat. Die Aufnahmefähigkeit dieses Schranfcda/chs ist schrankenlos, es ist schon ein kleines Warenhaus, aber Sonja haßt meine Dachorganisation, von Volkswirtschaft hat eie eben keine Ahnung. Sie sehnt sich nach Ordnung, die Kleinbürgern!, was soll man machen? Um sich in unserem Zimmer wohlzufnhlon, muß man eine Neigung zur Anarcliio haben-. Aber auch der Anarchist lieht den Fortschritt. Nachdem das Schrankdach seinen zusnmmongestürzton und abgerutsohton Segen zweimal über uns ausgesoliüttet hatte und nachdem eine Reportage über die Unendlichkeit der Wüste vor Platzangst in die Bratkartoffeln und ein Feuilleton über die Reize des Primuskochers sehuurrstrcicks in dessen offene Flamme gefallen war, nahmen wir uns ein Herz und einen freien Nachmittag und gingen auf die Suche nach einer Zweizinvmenvohnung. Die eine hatte ein herrlich gekacheltes Bad, aber die Wohuimg selbst lag unter der Erde, zum Fenster konnte man nur hinausßohon, wenn man eine Leiter an die Wand zionistischen Frauenwelt nahegehen, wichtige Entscheidungen gefällt und neue Pionierarbeit geleistet. Sie weiß aber auch, daß Beschlüsse und Resolutionen allein den Enderfolg nicht herbeiführen können. A n d c n j ü d i s o h c ri F r n u e n u n d M ä do h e n s eibst liegt, cs, de in Ruf (I c r S t u u d e zu folge n, den ihnen gewiesenen Weg zu beschreiten und jede für sich das ihre zu tun, um unserem Programme und Forderungen die Tat folgen zu lassen. Dann erst wird die VIII. Weltkonfereuz der Wizo ihren Zweck erfüllt und sich des Heimatbodens, auf dem sie zum erstenmal tagte, würdig erwiesen haben. stellte — dann doch lieber gleich ins Gefängnis. Eine zweite Wohnung bot eine herrliche Aussicht, aber sollte 67 Pfund im Jahr kosten, ohne Steuer, Licht und Wasser. Die dritte Wohnung war mit 32 Pfund billig, aber überall regnete es herein. Vorzüglich geeignet fürs Training der Sohwimmwettkämpfer bei der nächsten Makkabdade. Nichts dagegen zu sagen. Wohnung Nummer vier vereinigte allerhand Vorzüge, aber der Wärtf „Was sind Sie? Schriftsteller sind Sie? Was ist das für ein mieser Beruf, junger Mann, was kann man dabei schon verdienen -. Meine Frau hat ganz recht: am besten ist immer noch ein Bauarbeiter. Bringen Sie uns einen Bauarbeiter, junger Mann-“ „Und einen unverheirateten!“, rief er uns noch nach, als wir schon auf der Treppe waren. Wir suchten weiter. Nichts Wohnliches blieb uns fremd-. Man gab uns auch freundliche Ratschläge: „In Liberias sollen die Wohnungen billiger sein.“ „In der Nähe von Reclioboth wird demnächst eine neue Stadt gebaut.“ Pension Eckstein - Suis „Warum stellen Sie sich kein Zelt auf die Jaffastraße? Im Sommer ist das gar nicht schlecht. Und wer wird gleich an den Winter denken —“, worauf eich der freundliche Ratgeber in die zwanzig Wände seiner Fiinfzimmerwohnung zuriiokzog... Schließlich schien uns das Glück zu lächeln. Zwei Zimmer, Ivücbc, Bad, schöne Aussicht — alles für 38 Pfund im Jahr. Noch etwas mehr Komfort wurde für 42 Pfund geboten. Aber als wir den Vertrag mit der Aelitunddreißiger machen wollten, sagte der junge Herr des Hauses, der anscheinend der juristische Beirat seiner les- und schrcibunkundigen Eltern war: „Mein Vater hat sich geirrt, die Wohnung kostet nicht 38, sondern 45 Pfund.“ Na, wir sind doch nicht, ganz und gar verrückt. Dann natürlich die Zwoiundvierziger. Wir laufen nicht schlecht, und — wie wir abschließen möchten, kostet sie 47. Also doch die Fiinfundvierziger? Kommen Irin, machen auf, is aus: 48 —. Wieder zurück. Sonja. Dann die Siebenimdvierzigcr. Kuchen — jetzt 50. Ein gütiger Menschenschlag, diese neureichen Hausherren der Stadt Jerusalem ... Ganz hoch hinaus wollen sic mit uns, unbezahlbar hoch —• —. Aber der Soff von der Geschichte ist, daß wir immer noch keine Wohnung haben. Nun, unserer moraUscben Entrüstung haben wir ganz energisch Ausdruck gegeben: Neulich wurde gegen den Wohnungswnchcr in der ganzen Stadt gestreikt. Alle Läden und Restaurants waren geschlossen. Wir haben demonstrativ gehungert. Was die Hausbesitzer kolossal geärgert haben wird. Jüdisches Kinderheim „Atid" In Seebenstein (Pittental), herrlich gelegen, eig. Waldbestand, ständige ärztliche Aulsicht, individuelle pädagogische Beeinflußung, vorzügliche rituelle Verpflegung, Sport, Gymnastik, Schwimmen, Nachhilfe. Auskünfte, Prospekte, Photoeinsicht u. Anmeldung: Wiener Sekretariat: IX., Schwarzspanierstraße 12, Mezzanin, täglich außer Sa. und So. von 3 bis 6 Uhr. Tel. A 26-3-73. Blut und Eros im jüdischen Schrifttum und Leben Unter diesem Titel erschien kürzlich im Seusen-Verlag in Wien eine sehr beachtenswerte Schrift von C h a j i m Bloch mit einem Nachwort, von Dr. Max Grünwald. Es ist eine Antwort auf das Buch eines protestantischen Theologen Dr. Erich Bise h o f f: „Das Blut im jüdischen Schrifttum und Brauch“. Bischoff hatte in diesem Buche unter Verleugnung seiner bisherigen Abhandlungen ins antisemitische Horn gestoßen und gegen die Juden so ziemlich alle antisemitischen Behauptungen über Ritualmord, Blutschande, erlaubte Kinderschändung usw. „wissenschaftlich“ bewiesen. Bloch hat sich nun der Mühe unterzogen, jede einzelne, von Bischoff angegebene Quelle (Talmud, Sohulchan Aruch, Sohar usw.) zu überprüfen und dabei fentstellt, daß Bischoff, eine Leuchte der christlichen Theologie, oft bewußt falsch übersetzt, Worte hinzufügt oder ausläßt und so die Texte so lange ummodelt, bis sie den von ihm gewünschten Sinn erhalten. Die Demaskierung Öisehoffs ist Bloch ausgezeichnet gelungen. Darüber hinaus aber ist das von Bloch gesammelte Material überaus interessant und reichhaltig, auch für den Laien, dem hier eine ausgezeichnete Auslese aus unserem alten Schrifttum geboten wird, die sonst unzugänglich ist. Deswegen ist die Schrift Blocks, die eine mutige Apologetik des Judentums ist, besonders wertvoll. Bloch hat mit dieser Schrift, obwohl sie sich bewußt von jeder politischen Stellungnahme fernhält, einen bemerkenswerten Beitrag zur Geschichte unserer Zeit geliefert. Das mutige Buch verdient weite Verbreitung. Gastspiele Sevilla Pastor Jüdische Iv ii n s 11 e r s p i e 1 e (n., Praterstraße 34). Freitag*, den 24. d., „Goldene Glücken“, Samstag „Ohne Zertifikat nach Palästina“, Sonntag, Ya 4 Uhr nachmittags (bei ermäßigten Preisen), „Die Schickerte“, Sonntagabends „Süße Chalojaiee“, Montag- Hulie Kaibtzen“, Dienstag „Der Babes Jenißche“, Mittwoch „Ohne Zertifikat nach Palästina“, Donnerstag „Die Schickerte“. JÜDISCHER KALENDER 24.-30. Mai 1935 21.-27. IJar 5695 Freitag (24.) Sabbath-Elngang.7 Uhr 35 Samstag (25.) Sabbath-Ausgang ..... 8 Uhr 35 Wodienabsdmltt; BechlkotaJ Jüdische Kulturstelle. Zentrale: II., Aspernhrückengasse 2, Tel. R 48-2-91; Zweigstelle: VI., Loquaiplatz 11, Tel. B 20-0-81; Zweigstelle: IX., Währingerstraße 48, Tel. A 14-400. Unseren Mitgliedern stehen für sämtliche Theater Wiens ermäßigte Karten zur Verfügung. Wir machen besonders aufmerksam: „Servus! Servus!'1, die reizende Scala-Revue, nur noch bis Sonntag, 26. Mai. Konzert: Artur Schnabel, 28. Mai, Gr. Mußikvereinssaal. bisher festgestell-j Für einen starken Weltverband der Allgemeinen Zionisten! Gegen die Kritikaster, Streber und Trabanten volksfremder Weltanschauungen! Erich Gottgetreu: Eine Wohnung suchen in Jerusalem...