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Die Stimme · 1935-05-24 · Heft 452 (24.5.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 452 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Blätter der jüdisehen Frau L?JLZJLiLi* 1 .L A 6f Df Ä 5 T IMME" * F ®jj™ Dr. Martha Hofmann: Die VIII. Weltkonferenz der Wizo—ein Erfolg der jüdischen Frau Der Haupteindruck: die Frauen wissen, men in Palästina besitzt, war zugegen. Die;ja gerade die Frage der Hachscharab und was <sie wollen, und wollen, was sie können, größten Persönlichkeiten des Landes beider-’ Alijah des Mädchens, der Frau. In neuer Nichts Vages, Spekulatives; wenig — zu lei Geschlechtes begrüßten die Konferenz Form — das alte Problem, in dessen Zeichen wenig — Ideologie — aber praktischer mit solchen Worten, daß der Ernst, mit dem die Wizo vor fünfzehn Jahren mit dem Hin- Wirklichkeitssinn, klug gesteckte, stets im sie diese Tagung aufnahmen, deutlich zutage blick auf Erziehung der Frau zur aufbauentrat. Keine bloße Höflichkeit Frauen gegenden Arbeit für Erez Israel gegründet worüber, keine Festrede. Ernste Erwartungen den war. Daß damals schon zielbewußt und Appelle an ernste Menschen. Es sei auf daran gedacht wurde, Heime für einwandie Worte Professor Weizmanns, Miß Szolds, dernde Mädchen (das alte Hostel!), ferner Ben Gurions ganz besonders verwiesen, die haus- und landwirtschaftliche Schulen und diesen tiefen Ernst zum Ausdruck brachten.1 Mädchenfarmen zu gründen — das gerade ist Gewiß war der äußere Rahmen in Un- ■ es, was die Wizo auszeichnet und was sie Wesentlichkeiten anders als beim Kongreß.1 zu einem so lebensnotwendigen Faktor im Das weibliche Element dominierte natürlich. Lande werden ließ. Auch die Fürsorge für Dadurch ein farbigeres, fröhlicheres Bild, die leidende oder schwerarbeitende Mutter Auch waren mit gutem Frauengeschmack die und ihr Kind stand von Anfang an auf die- Auge behaltene Ziele, die — schon vor fünf zehn Jahren als richtig erkannt — nichts von ihrer Richtigkeit verloren haben, vielmehr in Wachsendem Maße die Voraussicht und Weisheit der ersten Zielsetzung bekunden. Schon die Wahl des Konferenzortes: Tel- Aviv — ein Wagnis. Keine jüdische Weltkonferenz hat es bisher gewagt, Erez Israel als Kongreßland zu bestimmen. Zuviel Imponderabilien schienen dagegen zu sprechen — ganz besonders beim Zionistenkongreß. Doch auch die Wizo hatte ernste Bedenken, mußte sie nach allem Vorangegangenen haben: die Sprachenfrage, die große Entfernung, die Kosten — um nur einige der Bedenken zu nennen. Doch manwar kühn genug, eben zu wagen. Es konnte mißlingen. Und es gelang über Erwartung gut. Am meisten überrascht waren die Frauen selbst. Der Jischuw und die ganze zionistische Bewegung kreditieren der Wizo bereits recht viel. Es ist öffentliche Meinung, daß so ziemlich alles, was die Wizo in die Hand nimmt, Erfolg hat. Sie hat diesen Ruf im allgemeinen verdient. Aber sie selbst ist nicht ganz* fest auf ihr eigenes Renommee. Sie mißtraut sich insgeheim, ob sie nicht überschätzt werde, ob sie ihrem Ruf auch Ehre machen würde. ■ Doch noch eine Spur des vielzitierten — bisweilen mißbrauchten — „weiblichen Minderwertigkeitsgefühles“. Die Frauen also glaubten weniger fest an das Gelingen als die Umwelt. Und trotz dieser psychologischen Achillesferse siegte über die eigenen Zweifel der Elan, die Zionsliebe, die Opferwilligkeit — die organisatorische Disziplin. Der größte Pavillon der Levantemesse „Taaruchah“, der größte Saal des Landes überhaupt, war dicht gefüllt von den dreihundertzwanzig Delegierten nicht nur, der größten Delegation, die je eine Wizo-Konferenz aufzuweisen hatte, ferner den Mitgliedern der drei Exekutiven (Londoner Zentrale, Palästina, Galuth) und den tausenden männlicher und weiblicher Gäste, die dieses große Ereignis, das in Palästina mit Recht als solches empfunden wurde, angezogen hatte. In Palästina, und ganz besonders in Tel- Aviv, noch dazu in der Hauptsaison zwischen Purim und Pessach, jagen die Ereignisse, die großen Festakte, einander so sehr, und gar im Jahre der Makkabiah, der Rambam- und der Universitätefeiem, der Bialik-Feste usw., daß sehr leicht eine Frauenkonferenz von der großen Öffentlichkeit unbeachtet bleiben konnte. Aber das Gegenteil war der Fall. Was Rang und Na- HOSES RATH’S „SFATAHENU“ Lehrbuch der hebräischen Sprache undSelbHtunterricht mit SchlUssel uml Wörterverzeichnis mil deutscher, polnischer, ungarischer, rumänischer oder englischer Unterrichtssprache. Einzige Methode zur vollständigen Krlernunj» der hebräischen Sprache In Wort und Schrift auch ohne L e h r e r. Der Preis dieses gut ausgestatteten, 400 Seiten starken Lehrbuches beträgt nur S S'flO, der englischen Ausgabe Dollar 1‘—. ftuchhündler, Schulen, Organisationen und Lehrer erhalten einen hohen Itahatt. Zu beziehen hei M. RATH, Verlag Wien, II., TaborstraBe 20 a allzu kahlen Betonwände durch anmutiges Grün und Topfgewächse verkleidet. Stark war die Presse vertreten. Die ein heimische zumal, und zwar aller Richtun gen, vom „Dawar“ bis „Hajarden“. Täglich brachten sie spaltenlange Berichte und fast ausnahmslos günstige Beurteilung. Die eng lische „Palestine Post“ brachte auch reiches Photomaterial von der Konferenz. Auch die großen ausländischen jüdischen Zeitungen des deutschen, jiddischen und englischen Sprachkreises hatten ihre Vertreter entsendet. Den moralischen Höhepunkt der Konfe renz bildete zweifellos Ussischkins Rede an die Frauen über die Erlösung des Bodens Sie war hart und unterirdisch grollend, wie von prophetischem Zorn. Nach Ansicht dieses Mannes mit dem ehernen Nacken hat die Wizo bisher die Bedeutung der Bodenfrage nicht genug gewürdigt, der Geulath Haarez nicht gebührend Rechnung getragen. Die Frauen fühlten sich zu hart beurteilt, widersprachen. Namentlich die eine Vorsitzende, Frau Rebekkah Sieff, protestierte leiden schaftlich gegen diesen Vorwurf. Es werde den Frauen lange nicht all das, was sie in Wahrheit für den K. H. L. leisten, als ihre Leistung gebucht. Denn geschähe es, so würde sich zeigen, daß weit mehr als fünfzig Prozent des Gesamtertrages die anonyme Leistung der zionistischen Frau sei. Dies Argument ist sicher richtig. Doch noch weit mehr recht hatte Ussischkin, als er den Frauen zurief, erst über Land zu fahren, die weiten Strecken „unerlöster Erde“ auf sich wirken zu lassen, und dann ihre Antwort zu gehen. In der Tat erhöhte diese Konferenz die K.-K.-L.-Quote der Wizo auf 15.000 Pfund pro Jahr, das ist auf mehr als das Doppelte des früheren Betrages. Der andere große Augenblick der Konferenz war der, als Ada Fishmann den Bericht ihrer Reise durch die osteuropäischen Länder erstattete und die trostlose Lage, in der sich der Chaluz und die Chaluzah in der Zeit des Wartens, während der Vorbereitung, im Hachscharah-Kibbuz befinden, mit schonungslosen Worten, zum Greifen deutlich zeichnete. „Keine Nation der Erde“, sagte diese sicherlich nicht wehleidige, in Erez hart gewordene Arbeiterin, „würde es dulden, daß ihre kämpferische Jugend unter solch erbärmlichen Bedingungen haust, wie die unsere, unsere freiwilligen, unmilitärischen Soldaten, unsere Chaluzim.“ Und sie packte die Konferenz beim weiblichen Verantwortungsgefühl, ebenso wie bei der Mütterlichkeit der Frau. Die Wizo wird sich in Zukunft die Hachscharah, ganz besonders die der Chaluzah, aber nicht dieser allein, in weit höherem Grad angelegen sein lassen als bisher. Und sie wird beim nächsten Zionistenkongreß die Organisation auf ihre entscheidende Verantwortung — denn dies ist Sache der Nation — mit Nachdruck aufmerksam machen. Das Hauptproblem der Konferenz bildete sem Programm, was ja gerade in dem Lande der Neuorientierung und wirtschaftlichen Umschichtung jeder tinwandernden Familie von besonderer Bedeutung war und geblieben ist. Keine Programmänderung also, sondern nur Erweiterung und Ausgestaltung des schon ursprünglich konzipierten, bis heute richtunggebenden Programmes. Nur logisch und konsequent, daß das von einer Seite gestellte Ansinnen, die notleidenden Meschakim (Lehrfarmen) teilweise aufzulassen, um sich einem neuen pädagogischen Programm zuzuwenden, mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde. Dies wäre gerade in der heutigen Zeit der großen Mädchen-Alijah der folgenschwerste Irrtum gewesen. Zum Glück bewährte sich der richtige Sinn der Frau für das Gebot der Stunde. Auch auf dieser Konferenz gab es Meinungsverschiedenheiten, gab es Gruppierungen. Aber die Differenzen wurden in sachlicher und loyaler Weise ausgetragen; hierin tatsächlich wegweisend für die gesamte zionistische Bewegung. Denn die Wizo ist tatsächlich überparteiisch; sie führt dies nicht nur, wie manchmal zionistische Parteien, im Munde. Sie arbeitet tatsächlich mit rechts- und linksstehenden Kreisen und weiß das sachliche über das persönliche Moment zu stellen. Sollten dies wirklich nur die Frauen können? Dann möglichst viel Frauen auf dem nächsten zionistischen Kongreß! Restaurant Milet *>TP3 Bestrenommierte Küche ^3 Reichhaltige Menüs iS 1*90 u. 2*60 SdiwediaterBräa 11.. Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-2J Hachscharah und Alijah Von Dr. Amalie Kantor. Wie jede ihrer Vorgängerinnen hat auch die VIII. Weltkonferenz der Wizo, die in der Zeit vom 24. bis 31. März in T e 1 - A v i v stattfand, ein gewaltiges Pensum an Arbeit zu bewältigen gehabt. Sie gab so recht einen Überblick über das bisher von den Organisationen in der Galuth und in Palästina Geleistete und über den Stand, den die Bewegung heute erreicht hat. Wenn bisher schriftliche und mündliche Berichte das Um und Auf der Wizo-Konferenz ausgemacht hatten, so konnten diesmal die 320 erschienenen Delegierten mit eigenen Augen den gewaltigen Eindruck in sich aufnehmen, den die praktische Seite der Wizo-Tätigkeit in Erez selbst vermittelte. Obendrein war es das erstemal in der Geschichte des Zionismus, daß eine Tagung internationalen Charakters auf dem Boden der alten Heimat anberaumt war, eine Tagung, die von und für die jüdischen Frauen abgehalten wurde. Die Wizo hat sich sohin auch damit als Wegbahnerin erwiesen, wobei den Delegierten und Gästen der Konferenz noch zustatten kam, daß sie zu einer Zeit in Palästina weilen konnten, wo eine Reihe großartiger Ereignisse und Feste stattfand. Zugleich mit den Purim- Feiern wurden die Festveranstaltungen für das Rambam-Gedenken arrangiert und gingen die denkwürdigen Wettkämpfe der Makkabiade vor sich. Dadurch, daß die VIII. Weltkonferenz der Wizo in der alten Heimat und im Brennpunkt des Aufbaues des neuen Judenstaates stattgefunden hat, verband sie sich gleichsam von selbst mit der lebendigen Wirküchxelt, nahm aus ihr die schöpferische Kraft zu neuen Beschlüssen, zu neuer Zukunftsarbeit. Niemals vorher hatten die Delegierten die Möglichkeit gehabt, so unmittelbar mit den Schöpfungen der Wizo-Arbeit n Erez Israel in Kontakt zu kommen wie diesmal. So konnten sie nicht nur die Überzeugung in sich aufnehmen, wie notwendig und zweckentsprechend die Institutionen der Wizo und deren Leistungen sind, sondern sie konnten auch erkennen, daß noch Vieles und Großes zu schaffen übrig ist, um den gewaltigen Zustrom an neuen Einwanderinnen in das Aufbauwerk einzugliedern. Es kam ihnen so recht zum Bewußtsein, daß ohne die Teilnahme der Frau die Wiedergeburt des jüdischen Volkes undenkbar ist und daß die jüdische Frau gerade jetzt eine große und ausschlaggebende Rolle zu spielen hat. Die Begeisterung und den Glauben an das Gelingen des Aufbauwerkes konnten die , Delegierten aus dem Quell lebendiger Kraft schöpfen, den sie, umgeben vom blühenden, pulsierenden Leben immerwährend vor Augen hatten. „In einer Zeit großer Prosperität, aber auch großer moralischer und wirtschaftlicher Gefahr im Lande gehört — so begrüßte Dr. Chaim Weizmann die VIII. Weltkonferenz der Wizo — viel Liebe dazu, besonders viel Liebe zur Erde, um unser Volk zu normalisieren.“ Seit ihrer Gründung hat denn auch die Wizo diesen Ruf der Stunde verstanden und die Liebe zur Hoimaterde, die Liebe zu landwirtschaftlicher Betätigung auf ihr Programm geschrieben. Aus dieser Erwägung heraus wurde das Hachscharah-Problem zum Mittelpunkt der Wizo-Bewegung und in logischer Folge auch zum Gegenstand der wichtigsten Beratungen der VIII. Wizo-Konferenz. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet die Wizo auf das intensivste an der Vorbereitung und Schulung der jüdischen Frau für das zionistische Aufbauwerk in Palästina, sie hat sich von jeher von der Erkenntnis leiten lassen, daß der Weg zurück zur Landwirtschaft hiebei der einzig richtige ist, daß es vor allem gilt, die Chaluzah möglichst innig mit dem jüdischen Boden zu verwurzeln. So hat denn die Hachscharah in der Galuth damit eingesetzt, auch eine gewisse geistige U m s t e 11 u n g in die Wege zu lei- Für die uns anläßlich des Ablebens unserer unvergeßlichen Gattin und Mutter erwiesene Anteilnahme danken wir allen Freunden, Bekannten und Gesinnungsgenossen auf diesem Wege bestens. Familie Teich Wiso den ScJfreRel!

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