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Die Stimme · 1935-05-24 · Heft 452 (24.5.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 452 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 452 - 24. Mai 1935 OIE STIMMI Seite 3 BL ED Jugoslavien Hotel-Pension Olympi< Streng orth. UTS Wiener Küche Am Ufer des Sees, an der Hauptallee, mit allem Komfort, fließendes Kalt- und Warmwasser Aufenthalt in den prachtvollen Julischen Alpen Prospekt auf Wunsch mit den dazu notwendigen Geldausgaben energisch widersetzte, wurde die erste Möglichkeit ausgeschaltet. Es blieb übrig, Abdullah durch Überredung zum Stillhalten zu bringen. Wäre er weitermarschiert, hätten die Fanzosen nicht aufgehalten werden können, Transjordanien zu okkupieren. Darum erschien es als beste Lösung, einen „britischen Abdullah“ in Transjordanien zu haben. Damals, im Frühjahr 1921, gab es keine andere Wahl. Lawrence sagte damals noch: Mit 400 richtigen britischen Polizisten in Palästina gäbe es dort kein Problem. Lawrence sprach auch viel über die Zukunft der Juden i n Pal äs tina. Land im Werden Von unserem nach Palästina entsandten Sonderberidhiterstatter Dr. Jakob Bosen thal Oberst Lawrence gestorben Wie aus London gemeldet wird, ist dort der berühmte Geheimagent Oberst T. E. Lawrence, der bekanntlich vor kurzem einen schweren Motorradunfall erlitten hat, seinen Verletzungen erlegen. * „Lawrenze of Arabia" war Pro-Zionist Professor L. B. N a m i e r, früherer politischer Sekretär der Jewish Agency, veröffentlicht im „Manchester Guardian“ persönliche Erinnerungen an den Oberst Lawrence, den in England und im Orient populären „Lawrence of Arabia“. Obwohl Freund der Araber, denen er Führer in ihrer Befreiung vom türkischen Joch war und denen er im Namen Englands große staatspolitische Versprechungen gemacht hat, war Lawrence durchaus Pro-Zionist und gehörte nicht zu denen, die die Araber als Kute gebrauchen wollen, um mit ihr die Juden zu züchtigen. „Das Problem des Zionismus“, sagte einmal Lawrence zu Professor Namier, „ist das Problemder dritten Generation. Die Enkel eurer jetzigen Einwanderer werden über Erfolg oder Mißerfolg des Experimentes entscheiden. Aber die Chancen stehen so gün-stig, daß es sich verlohnt, auf dieses Experiment zu setzen, und icih setze darauf nicht wegen der Juden, sondern weil ein regeneriertes Palästina den moralischen und materiellen Status aller seiner mittelöstlichen Nachbarn heben wird.“ Lawrence, erzählt. Professor Namier, war bereit, vor das englische Kabinett zu treten und für den Zionismus zu zeugen. Ich übermittelte damals das Angebot Herrn Malcolm MacDonald, es kam aber nichts dabei heraus. EPHRUSSI &(o. Gegr. 1856 ★ Zeichnungsstelle für die ARBEITSANLEIHE Wien, IX., Wasagasse 2 Wie Transfordanlen von Palästina losgelöst wurde Professor Namier schreibt weiter: Lawrence berichtete mir eingehend über den Verlauf der Konferenz in Kairo 1921, auf der es zu einer Abtrennung Transjordaniens von Palästina gekommen ist. Die Beschlüsse der Kairoer Konferenz, erzählte Lawrence, wurden von uns in London ausgearbeitet. Damals stand fest, daß Transjordanien zu Palästina gehört, von dem es nie zu trennen sei, und daß Transjordanien jüdischer Einwanderung offensteken soll. Als man dann in Kairo zusoimmentrat, wurden die Londoner Beschlüsse im allgemeinen übernommen, einzig der Punkt betreffend Transjordanien wurde abgeändert. Inzwischen war folgendes eingetreten: Während die Konferenz tagte, marschierte Prinz Abdullah des Hedsebas auf Trattsjordanien zu, mit dem Ziele, die Franzosen in Syrien anzugreifen. Seinen Marsch aufzuhalten, hätte Truppen und Geld erfordert. Man beschloß darum, mit fillim zu verhandeln. Es g/aib drei Möglichkeiten: 1. eine britische Garnison in Transjordanien zu halten; 2. dort einen Eingebornenstaat unter englischer Oberhoheit zu errichten; 8. Transjordanien den Franzosen zu überlassen. Da das Kabinett sich der Entsendung von Truppen über den Jordan Jerusalem, Ende April 1935. Erste Eindrücke vom Lande Israel Erste Palästinafahrt — das ist und bleibt wohl für jeden ein einmaliges, unauslöschliches Erlebnis. Von den in nervöser Spannung verlebten Stunden und Minuten, da sich der Dampfer Palästinas Küste zu nähert, die Zipfel des langgestreckten Streifens — Palästinas — sichtbar werden, die ersten Silhouetten Jaffas aus dem Glutrot der Frühmorgensonne aufsteigen, bis zum Wandern durch die Täler und Berge des Landes, durch diese einzigartig schöne Landschaft Palästinas, ißt eine einzige Erlebnißkette. Die ersten acht Tage im Lande — welch bunte Fülle von Eindrücken und Bildern, welche Vielfalt und Farbigkeit! Landung in Haifa — wir sind das fünfte Schiff, das innerhalb 48 Stunden den entzückend schönen Haifaer Hafen anläuft. Der Hafen von Haifa, heute der größte Mittelmeerhafen des Vorderen Orients, sieht von der Ferne, etwa vom Karmel, wie ein reizvolles Spielzeug aus, in dem die Riesendampfer gleich Kinderschifflein, die in zwei Tagen an die 3000 Juden ins Land brachten, eingeschachtelt liegen. Der Vertreter des Immigrationsdepartements der Jewish Agency, der an Bord erscheint, meint mit sichtlichem Stolz, in den letzten Wochen habe die Frequenz des. jungen Haifaer Hafens die der Hansastadt Hamburg um 75% überstiegen. Haifa — die Stadt der Zukunft Gleich der erste Eindruck von Haifa, wenn man entlang dem noch unverbauten und unfertigen Schiffskai dem Karmel zuströmt, verrät dem Neuankommenden den unaufhaltsamen Expansionsdrang des aufstrebenden Landes. Mehr noch: man fühlt und sieht schon in den ersten Stunden und Tagen die oft gehörte Phrase wahr, die von Haifa als der Stadt der Zukunft des Landes spricht. Der Haifaer Hafen, vom jüdischen Kapitän des Lloyd Triestino, Umberto S t e i n d 1 e r, vor VA Jahren eröffnet, wird sich morgen oder übermorgen schon bis nach — A k k o erstrecken. Akko, diese in die Haifabucht springende Landzunge, 15 Minuten Autofahrt etwa von Haifa entfernt, das wird Haifas Zentrum sein. Die Expansion ißt organisch und unaufhaltsam. Mifraz Haifa — das wird der neue Merkas sein. Es wird eine Stadt entstehen, die ihresgleichen in der Welt suchen wird. Diese ersten Eindrücke von der Expansion in Stadt und Land werden mit jeder Stunde befestigter und überzeugender. Will man den ersten Eindruck vom Lande, wie man ihn in Haifa, aber auch in Tel-Aviv und Jerusalem gewinnt, auf eine einzige Formel bringen, so muß man sagen: Palästina ist ein einziger Bauplatz. Es ist einfach unvorstellbar, in welchem Maße in Haifa, Tel-Aviv, in etwas geringerem Abstande auch in Jerusalem, heute gebaut wird. Ganze Stadtteile und Straßenzüge entstehen förmlich über Nacht. Selbst Einheimische erkennen häufig nicht noch vor wenigen Wochen gekannte Plätze, in solchem Tempo geht die Entwicklung vor sich. Das Straßen- und Stadtbild ändert sich von Woche zu Woche! Alles ist im Entstehen, von einer ungeheuren, stets weitertreibenden Dynamik erfüllt. Alles ist im Werden. Ein Land im Werden! Ein kurzer nächtlicher Bummel durch das von orientalischer Lebhaftigkeit erfüllte neue jüdische Geschäfts- und Wohnviertel Hadar Hakarmel in Haifa vermittelt dem Neuankommenden das erste Bild freier jüdischer Menschen, die die breite Herzl-Straße füllen, das erste Bild jüdischen Fleißes und jüdischer Emsigkeit. Es ißt 11 Uhr abendß, alle Geschäfte sind offen, eine Anzahl von Rasierläden dicht gefüllt mit Kunden, in den Schuhläden drängt sich das Volk, in den Kaffeehäusern ist kein Platz zu finden, die Eis- und Gasos-Stellen von Menschen umlagert, alles bis lange nach Mitternacht. Wenn man dann mit dem geschickten jüdischen Chauffeur, der natürlich zwölf Sprachen spricht, durch die wunderschönen grünen Gärten die Serpentinenwege auf den Karmel hmauffährt, erscheint einem alles wie ein Märchen. Klare, ozonreiche Luft weht von den Karmelabhängen. Diese Luft — sie hat etwas von dem süßen und herben Karmelwein. Der Karmel selbst, dieses palästinensische Dorado, ist wohl einer der schönsten Flecke auf Erden. Karmel, das ist etwa der Kobenzl mit der überwältigenden Aussicht auf — Neapel. Die landschaftliche Schönheit des Landes — Haifa vermittelt so richtig die ersten Bilder dieser Schönheit — gehört wohl zu den überraschendsten und stärksten Impressionen des Neuankommenden. Was wissen wir schon von dieser in ihrem Zauber so einzigartigen Landschaft? Noch ungesungen ist das Lied von ihr. Keine Literatur und keine journalistische Schliderung, die Palästinas Landschaft in den Kreis ihrer Betrachtungen zogen, haben es je vermocht, uns etwas von diesem Zauber zu vermitteln. Erst das eigene Auge vermag es. Und gar erst in diesen Frühlingstagen, da das Land überall blüht und von einer Kette grüner Gärten umgeben ist. Man glaubt kaum seinen Augen. Ist Palästina nicht ein kahles Land? Hat es auch grüne Wälder mit Baumbestand und Berge, die vom Grün ihrer Büsche leuchten? Ja, das alles hat es und — noch viel mehr. Pessacfotage im Emek Diese Tage in Erez Israel, von der Fülle der Feiern und Feste, die den diesmaligen Pessach besonders glanzvoll machten, nicht zu reden, sie erscheinen wie eine einzige Fahrt durch ein Märchenland. So unwirklich wirklich ist alles. Diese Pessachtage im Emek! Wie oft haben wir von dem Fortschritt, von dem kraftvollen Erschließen des blühenden Emek gesprochen, geschrieben und gelesen — hier ist er nun, liegt er vor dir in seiner ganzen, unfaßbaren Schönheit ausgebreitet. Du schreitest auf dem braunen, frisch betauten Landsteg, Ejn Charod, dem Stolz und Symbol des Emek, zu, links und rechts ausgedehnte Felder und Wiesen, alles im herrlichen Frühlingsgrün, sogar die weite Kette des sandgrauen G i 1 b o agebirges nimmt das satte Grün seiner fruchtbaren Täler in sich auf. Du wanderst durch die Zaubergärten von Beth-Alpha und H e f z i b a h und Rosen, palästinensische Rosen blühen auf deinem Weg«, du staunst und bewunderst Tel-Jossef und den Moschaw E j n - T i w o n, das nach seinem großen Gönner auch Kfar Jecheskiel genannt wird, Gewah und Afu 1 eh und all die vielen großen und kleineren Kibbuzzim. Eine zweistündige Eisenbahnfahrt führt dich in das arabische Zemach, an Naharajim und G e s c h e r vorbei, wo Ruthenberg sein neues Wasserkraftwerk erstehen ließ und bald befindest du dich wohl in dem schönsten Teil des Landes. Auf prächtig asphaltierter Chaussee gleitet das Auto, immer entlang dem Ufer des herrlichen Kinereth-Sees, T i b e r i a s zu. Man glaubt sieh an die Gestade des Genfer Sees versetzt mit der Aussicht auf den ständig weißen Montblanc. Hier ist es der Hermon, dessen Schneegipfel in der Sonne glitzern. Dag an iah, dem 25jährigen Jubiläumskinde, gilt der Besuch. Eingebettet in einen Zypressenwald, am Ufer des blauen Kiner e t h - Sees, ist Daganiah ein wundersames, lebendiggewordenes Märchen. Zu stark und intensiv ißt daß Erlebnis Pflegen Sie Ihre Zähne mit ODOL- Zahnpasta und Sie erhalten sich gesunde Zähne bis ins hohe Alter. Kleine Tube S —.90 Große Tube 8 1.40 dieser Tage im Emek, als daß es möglich wäre, mehr als in bloß hingeworfenen Strichen vom Antlitz und Sein dieser jüdischen Arbeitersiedlungen zu berichten. Von ihrem täglichen schweren Leben, von ihrer Liebe zum Boden Jesreels, ihren Freuden und Leiden soll ein anderes Mal erzählt werden. Die ersten acht Tage im Lande — ich habe das Schönste, das Edelste im Lande gesehen. Vergessen ist der Karmel mit seinen überwiegend deutschsprachigen Menschen, vergessen auch seine schöne Aussicht auf — Neapel, fast vergessen auch, daß es noch ein Tel-Aviv gibt, das mit seinen breiten, großstädtischen Boulevards, mit seiner 130.000 Köpfe zählenden Bevölkerung, mit seinem unvorstellbaren Lebens- und Arbeitstempo, seinem Rhythmus, so etwas wie der Pulsschlag des Landes genannt werden kann. Vergessen alles vor der stolzen, erhabenen Stadt Jerusalem. Der „I j r Hak od e s c h“. HOTEL SMETANA Ban uihiicovice. C.S.R. 50 gut e;ngerichtete mit kaltem und fliessenden Wasser. Erstklassige streng Küche, vorteilhafte arrangements« Zimmer w armem rituelle Pension- Vihtor Tschernow über die Jüdischen Aufbauerfolge in Palästina Der Führer der russischen Sozialisten- Revolutionäre, Vikt-or Tschernow, Präsident der ersten russischen Nationalversammlung nach der Revolution und Mitglied der Regierung Kerenski, hat nach mehrmonatiger Anwesenheit in Palästina das Land verlassen, um nach seinem jetzigen Aufenthalt, Prag, zurückzukehren. In der Arbeitertageszeitung „D a v a r“ veröffentlicht er einen Abschiedsbrief an die palästinensischen Arbeiter, in dem er schreibt: „Wohl habe ich große Erfolge der chaluzischen und Arbeiterjugend in Palästina erwartet, was ich aber gesehen habe, überstieg alle meine Erwartungen. Euer kleines Land ist gegenüber dem großen Europa wie eine Oase in der Wüste. In Europa — Dr. Bachrach, Badgastein I hat seine kurärztliche Tätigkeit wieder aufgenommen. Ruin der Demokratie, Entweihung jeder menschlichen und sozialen Freiheit, Vernichtung der Arbeiterorganisationen und ihrer Presse, Fortschritt der Diktatur und über allem die Gefahr des Krieges, — hier aber Aufbau eines wirklich neuen Lebens, einer Arbeiterwirklichkeit, einer sozialen Moral, einer neuen sozialen Erziehung und einer Erziehung des neuen Menschen. Der Wert Eures Aufbauversuchs ist um so größer, als er vielen Arbeitern in deu verschiedenen Ländern als Muster dienen wird, wie man auf der sozialen Arena kämpfen muß, um einen neuen Lebensstandard zu erreichen. Ihr aber seid mit Euren Erfolgen noch nicht zufrieden, und Eure Unzufriedenheit führt zu neuen Aspekten, neuen Plänen und neuen Mitteln. Eure Losung: ,Nicht zum Gestern, sondern zum Morgen* ist eine der schönsten, und wird Euch helfen, alle Hindernisse zu besiegen^

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