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Die Stimme · 1935-05-24 · Heft 452 (24.5.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 452 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z DIE STIMME Nr. '452 — 24. Mai 1935 uw HOTEL BELLEVUE PÖRTSCHACH *h WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/HerrlicheLage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Yor- und Nadisalson . . S 9*- Hauptsalson.S12- Seebad und Garage frei / Geöffnet von Mai bis Oktober / Verlangen Sie Prospekte muß sich in Österreich selbst zeigen, daß und wie es sich wehren will. Es muß liier dem nationalsozialistischen Ungeist entgegengearbeitet werden und die.s vor allem auf dem Gebiet, auf dem die stärksten Provokativ-Injektionen erfolgen, in der antisemitischen Praxis. Der gewesene Minister Mataja hat vor kurzem erklärt, daß der Nationalsozialismus bis hoch hinauf sich eingenistet hat. Das verspüren die Juden 'Österreichs sehr wohl; die jüdischen Intellektuellen, die auf die Straße gesetzt oder durch eine geduldete Numerus-clausus- Hetze bedroht werden; die jüdischen Kaufleute, die von einer Boykottbe wegung ver- , folgt sind; die jüdischen Gewerbetreibenden,! die von einem „Antisemitismus auf Gummisohlen“ langsam abgeschaltet werden. Das sind die ersten Äußerungen des heimisch gewordenen Hitlersehen Nationalsozialismus, die den Weg ebnen, auf dem die braunen Solidaritätsbekenner zur Donau Vordringen und dann von hier aus in Ungarn und Jugoslawien, in der Schweiz und Südtirol, in Rumänien und Tschechoslowakei Insurrektionsherde auftun wolle®. Hitlers Rede war wieder ein Signal. Hoffentlich wird es in Österreich und überall, wo dies nötig ist. verstanden werden! Nicht nachgeben, ROVIfff ausdrücklich verlangen: DvillMnluSB Viele tausende Ausge-; bfirgerter in Deutschland sammens teil ungern über dio Zahl der in Deutschland lebenden Staatenlosen. Nach der Volkszählung von 1925 hat es in Deutschland 25.227 Staatenlose gegeben, nach der letzten Volkszählung von 1933 betrug ihre Zahl dagegen 88.612. Die Zahl der Staatenlosen in Deutschland ist deshalb so gewachsen, weil 1925 sich noch zahlreiche Personen irrigerweise für Angehörige der österreichisch-ungarischen Nachfolgestaaten oder für Russen hielten, während sie in Wirklichkeit staatenlos waren. In dieser Zahl von 88.612 sind dio durch das Widerrufsgesetz vom 14. Juli 1933 staatenlos gewordenen Personen noch nicht inbegriffen. jfSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSST Die Wahlen in der Tschechoslowakei Die Wahlen in der Tschechoslowakei haben letzten Sonntag stattgefunden. Auf der tschechischen Seite ist ein Erstarken der Fliigclpa-rteien, der nationalistischen Kramar-Gruppe, der Gajda-Faschisten und der Kommunisten eingetreten. Die deutschen Parteien sind fast vernichtet. Ihre Wählerschaft ist von der Heiilein-Partei, einer getarnten Hakenkreuzorganisation, aufgesogen worden. Dieser Erfolg der früheren Sudetendeutschen Front geht über alle Erwartungen hinaus. Er war in Berlin erhofft worden und Hitler hat seine Reichstagsrede bis nach den Wahlen verschoben. Ob das Ereignis schwerere politische Folgen haben wird, ist einstweilen noch unklar. Die tschechische Regierung tritt jedenfalls zurück. An eine Aufnahme der Heulein-Gruppe iu die Regierung wird zur Zeit nicht gedacht. Die Juden haben nicht als eigene Partei an dem Wahlkampf teilgenommen. Die jüdische Partei ist infolge der Wählerzahl- Bestimmung des Reformgesetzes in eine aussichtslose Situation gedrängt worden. Sie hat es vorgezogen, ein Wahlbündnis mit rler tschechischen Sozialdemokratie abzuschließen, die zwei jüdischnationalen Kandidaten, den bisherigen Abgeordneten Doktor Angelo Goldstein und den Direktor des jüdischen Gymnasiums in Munkacewo, Doktor Kugler, in ihre Liste aufgenommen und auch ein Senatsmandat zugesichert hat. Bis zur Stunde liegt noch keine Meldung aus Prag über die weitere Gestaltung dieser Angelegenheit vor. Wir haben es während der ganzen Dauer der Wahlkampagne unterlassen, zu diesem Entschluß der Jüdischnationalen in der Tschechoslowakei Stellung zu nehmen. Wir wußten os zu würdigen, daß es den jüdischen Führern sich vor allem darum handeln mußte, in der gegenwärtigen bedrohten Situation den Juden eine jüdische Vertretung zu sichern. Trotzdem bleibt ihr Verzicht und das daraus resultierende Walilabkommen eine bedenkliche Sache. Es ist für alle Fälle bedauerlich, daß die Jüdische Partei es unterlassen hat, ihre Stärke zu prüfen und daß infolgedessen ihre Anhänger in den nichtjüdiscbon Parteienstreit hineingezogen wurden. Dies widerspricht jeder zionistischen Grundanschauung. Darüber wird grundsätzlich noch ein Mehr zu sagen sein. * Eine Falschmeldung der „Reichspost“ Die „Reichspost“ hat am 18. d. gemeldet, daß während der Abstimmung im Prager Stadtrat über die Aufstellung eines R i esenkreuzes auf dem Wenzelsplatz zu Prag anläßlich des Katholikentages die jüdischen Stadträte gegen die Aufstellung gestimmt haben. Wie uns hiezu aus Prag berichtet wird, beruht diese Mitteilung auf Erfindung. Weder der Stadtrat der Jüdischen Partei Norbert Adler noch Stadtrat Wiesmayer (Deutsche demokratische Partei) haben der betreffenden Sitzung überhaupt beigewohnt. Es hat also kein jüdischer Stadtoat gegen die Aufstellung des Kreuzes gestimmt noch sich an einer solchen Debatte oder Abstimmung beteiligt. AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER STOBERLPREISE O.K Alt-Wien im Grinzinger Keiler. Täglidb Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend: Stimmungssänger Hans Blasdhek und Violinvirtuose R. Ohlenscbläger Die Berliner „Jüdische Rundschau“ teilt mit: In der Öffentlichkeit herrscht vielfach die irrige Annahme, nur diejenigen Personen seien ausgebürgert, deren Namen im „Reichsanzeiger“ während der letzten zwei Jahre veröffentlicht wurden. (Es handelt sich um etwa 1500 Namen aus ganz Deutschland.) Diese Annahme ist deshalb falsch, weil die Veröffentlichung im „Reichsanzeiger“ allgemein nur daun stattfindet, wenn eine Zustellung oder persönliche Aushändigung der Ausbürgerungsverfügung nicht erfolgen kann, also vornehmlich bei solchen Personen, die im Ausland leben, beziehungsweise im Inland posta-1 lisch oder durch die Reviere nicht zu erreichen sind. Dies ist aber nur ein geringer Prozentsatz, denn der weitaus überwiegende Teil der Ausgebürgerten, die aus rassepolitisohen Gründen die deutsche Staatsangehörigkeit verloren haben, lebt weiter in Deutschland und ist für polizeiliche Verfügungen jederzeit erreichbar. Schließlich sei erwähnt, daß das sogenannte Ausbürgerungsgesetz (Widerrufsgesetz) am 15. Juli 1935 abläuft. Es besteht keine Frist, die es dem Ausgebürgerten möglich macht, wegen besonderer Umstände seines Falles, wie zum Beispiel nachträglicher Beibringung von amtlichen Frontkämpferbescbeinigungen, die nochmalige Überprüfung seiner Ausbürgerungsangelegenheit zu erbitten. Durch das neue Staatsbürgorgo s e t z vom 7. Mai ist auch der Einbürgerungsanspruch derjenigen Ausländer weggefallen, die mindestens ein Jahr lang wie ein Deutscher im Heer oder in der Marine aktiv gedient haben. Für Juden ist diese Bestimmung deshalb wichtig, weil sich noch immer ab und zu heraussfcellt, daß Personen, dio sich selbst jahrelang für deutsche Staatsangehörige gehalten und auch Militärdienst geleistet haben, in Wahrheit staatenlos sind. Dies ergibt sich auch aus den neuesten Zu- Saarbrückner Oberrabbiner Dr* Rothschild in der Haft der Gestapo? Genf, 21. Mai. (2. T. A.) Aus Saarbrücken hier eingetroffene Nachrichten besagen, daß der Oberrabbiner des Saarlandes Dr. Rothschild von der Geheimen Staatspolizei verhaftet worden ist. Eine offizielle Bestätigung dieser Nachricht war bisher nicht zu erlangen. Oberrabbiner Dr. Rothschild ißt ein aus Deutschland stammender junger jüdischer 1 Gelehrter, der bis vor kurzem daß Rabbineramt in einer jüdischen Gemeinde i n d e r Schweiz bekleidete und, als der saarländische Oberrabbiner Dr. R ü 1 f kurz nach der Abstimmung das Saarland verlassen mußte, um nach Palästina zu gehen, sich bereit gefunden hat, seinen bequemeren Posten in der Schweiz mit dem schwierigen Amt eines Rabbiners in dem nun zu einein Teil des Dritten Reiches gewordenen Saarland zu vertauschen. Wie sein Vorgänger Dr. Riilf hat sich auch Dr. Rothschild nicht iu politische Angelegenheiten gemischt, sondern war darauf bedacht, in sehr maßvoller Weiso das angegriffene Judentum iu den Spalten dos Gemeindeblattes der saarländischen Juden zu verteidigen. .—I,...—. ii, i Unter dem Terror Streichers Der Münchner „Times“ - Korrespondent meldet: Seit der Eröffnung eines Filialbüros von Streichers Wochenschrift „Der Stürmer“ , werden in München an Brücken, Tramway-, * Stationen oder anderen auffälligen Stellen Herrn Streichers Lieblingsschlagworte tausenfach plakatiert, etwa „Sterilisiert die Juden!“ und „Die Juden hetzen das Volk in den Krieg hinein und profitieren davon!“ ln dem Büro einer jüdischen Firma, deren Leiter im Krjeg in der deutschen Armee diente und dreimal verwundet wurde, sind die Fenster zweimal eingeschlagon worden, und in einer Hauptstraße wurden große Schaufenster durch Beschmieren ruiniert. Daß all dies mit der Billigung der Behörden geschieht, geht aus einer Rede des bayrischen Ministers des Innern hervor, der auf einer Bauernversammlung am letzten Sonntag sagte, er freue sich, die Plakate zu sehen. Inland PiisudskvTrauerfeier in Wien Im Tempol in der Seitenstcttengas«e hat am 18. d. auf Veranlassung der jüdische n Mitglieder der polnischen Kolonie in Wien eine Trauerandacht für Marschall Jozef Pilsudski stattgefunden. Der polnische Gosandte Jan G avv r o n s k i war in Begleitung aller Herren der polnischen Gesandtschaft und des Konsulats, und zwar der Herren Legatiiinsrat Lalicki, Legationssekretär Bialokur, Konsul Kiesianicki, Pressechef Gruzeski, Konsul Neumanu, Legationssekretär Dr. Berger und anderer erschienen. Außerdem fand sich der Billige Frühlings- und Ferienfahrten noch Polen Abfahrten s 25. Mal 4. Juni 16. Juni 7., 14. und 28. Juli Auskünfte und Anmeldungen: »»Francopol“, Wien, III., Rennweg I Telephon U 16-4-90 Mahrwöchiger Aufenthalt In Polen nach Wunsch Präsident der österreichisch-polnischen Handelskammer Minister a. D. Dr. v. T w a rd o w s k i mit den Kammersekretäreu L. K. A p r i 11 und A. G c r z a b e k ein. Die Gäste wurden vom Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde und Vertretern der jüdischen Kolonie empfangen. Die Feier wurde mit der polnischen Nationalhymne eingeleitet. Oberrabbincr Doktor F e u c h t w a n g hielt dann die Trauerrede, in welcher er vor allem die tiefe Trauer der gesamten Judenschaft sowie die Teilnahme an dem Schmerz der polnischen Nation zum Ausdruck brachte. Er hob die Verdienste des verschiedenen Marschalls um die Sicherheit, den Frieden anu die Gerechtigkeit hervor. Der Tempel war überfüllt, und viele Hunderte konnten keinen Einlaß finden. Der Bund jüdischer Frontsoldaten hatte eine Abordnung entsendet. Die österreichische Arbeits* anleihe Wie wir bereits mitgeteilt haben, stellt sich die Effektivverzinsung der Österreichischen Arbeitsanleihe auf etwas über 7 Prozent, auch die sonstigen Bedingungen sind so günstig, daß anzunehmen ist, daß ganz weite Kreise des Publikums von dieser Möglichkeit einer Kapitalsanlage Gebrauch machen. Die Anleihe wird an der Wiener Börse kotiert werden. Sie ist münde 1 s i c h e r. Bei der Zeichnung ist keine Effektenumsatzsteuer zu entrichten. Die Einlösung fälliger Zinsscheine und Schuldverschreibungen geschieht ohne Abzüge abgabej rechtlicher Natur. Um auch die Verwendung gebundener Einlagen zur Anleihezeichnung zu ermöglichen, ist das Verbot der vorzeitigen Rückzahlung solcher Einlagen für den Fall außer Kraft gesetzt wor-* den, daß der Betrag immittelbar zur Ein-* Zahlung des Zeichnungspreises durch den Einleger bei der Kreditunternehmung verwendet wird, bei der die Einlage besteht. Der Zeichnungstermin läuft bis zum 4. Juni, da am 1. Juni die österreichische und die amerikanische Teilausgabe der Völkerbundanleihe zur Einlösung gelangen. Die Zeichnungsstellen übernehmen diese Schuldverschreibungen zur unentgeltlichen Besorgung des Inkassos, wenn der einkassierte Betrag zur Zeichnung der Arbeitsanleihe ver-i wendet wird. Der Arische Presseverein aufgelöst Der Sicherheitsdirektor der Stadt Wien hat den Arischen Prosseverein aufgelöst. Export nach Palästina Der österreichische Export nach Palästina hat iim Jahre 1934 rund 10 Millionen Schilling betragen, kann jedoch noch um vieles gesteigert werden, da Österreich in der Einfuhrtabelle Palästinas noch immer an vierzehnter Stelle stellt. Die österreichischpalästinensißchen Handelskammern in Tel- Aviv und Wien sind derzeit damit beschäftigt, eine Liste derjenigen österreichischen Firmen anzulegen, welche bereite in Palästina vertreten sind, beziehungsweise nach Palästina exportieren. Das österreichische Generalkonsulat in Jerusalem hat seine Mithilfe bei der Anlegung eines derartigen Archivs bereits zugesagt, nunmehr werden alle offiziellen Stellen, welche sich mit Fragen des Außenhandels beschäftigen, gebeten, in ihren Voröffentlichungen sämtliche Firmen, welche bereits nach Palästina exportieren oder den Export aufzunehmen beabsichtigen, ihre Anschrift unter Bekanntgabe dor Artikel an dio österreichisch-palästinensische Wirtschaft«- und Handelskammer, Wien, IX., Alserplatz 3, bekanntzugoben. Unsere Parole Verdoppelung der Allgemein-Zionistischen Schekalim I

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