Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 452 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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treli dieser Nummer SO g V. be b. %'■ ■_ ' ’ssb ie Zukunft des Zionismus liegt im Allgemeinen Zionismus. Meldet Euch zur Schekelarbeit in den Bezirkssektionen! JÜDISCHE ZEITUNG tloth Amerika m Kanada Koschere Küche auf der Maiestic 56.000 t Berengaria 52.000 t Aquitanla 46.000 t Cunard White Star Repräsentanz: Wien, L, Kärntnerring 4 Tel. Ü 46-0-48 U 42-0-43 Nr. 452 I Wien, 24« Mat 1935 I Redaktion und Administration; Wien, i., Mare-Aurol-StriBe 6. Tel.: U 22-3-91. .TedaktlonsschluB Montag und Mittwoch vorm. I (21. IJar 5695) I 8. Jahrgang Die Juden In Deutschland vom aktiven Militärdienst ausgeschlossen Vor der Sitzung des deutschen Reichstages, in der Hitler seine dreizehn Punkte für die deutsche Außenpolitik, entwickelte, fand unter dem Vorsitz Hitlers eine Mini sterbesprechung statt, in der das vom Reichswehrminister eingebrachte Wehrgesetz beschlossen wurde. Der § 15 des Wehrgesetzes besagt: 1. Arische Abstammung ist eine Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst. 2. Ob und in welchem Umfang Ausnahmen zugelassen werden können, bestimmt ein Prüfungsausschuß nach Richtlinien, die der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Reichskriegsminister aufstellt. 3. Nur Personen arischer Abstammung können Vorgesetzte in der Weht macht werden. 4. Den Angehörigen arischer Abstammung in der Wehrmacht und des Beurlaubtenstandes ist das Eingehen der Ehe mit Personen nicht arisch er Abstammung verboten. Zuwiderhandlungen haben den Verlust jedes gehobenen militärischen Dienstgrades zur Folge. 5. Die Dienstleistung der Nichtarier im Kriege bleibt besonderer Regelung Vorbehalten. Durch diese letztere Bestimmung ist eine Handhabe gegeben, aus den Juden im Kriege eine Art Paria - Truppe für gefahrvolle Aufgaben zu machen. Es ist wahrscheinlich, daß sie im Falle des Krieges zu Erdarbeiten und Anlegung von Schützengräben an der Front gezwungen werden und dabei unbewaffnet bleiben. Hitlers Pläne und Wegbereiter Die Ledigen-Zertifikate In einem Communique der Zionistischen Exekutive wird die Meldung bestätigt, daß in der neuen Schedule eine Anzahl von Zertifikaten ausschließlich für Ledige beiderlei Geschlechtes reserviert ist. Als Grund dieser Neuerung wird in dem Communiquö der Wunsch der Regierung angegeben, der Schließung von Scheinehen zwecks Ermöglichung der Palästina einwanderung entgegenzuwirken. Von den 7600 Netto-Zertifikaten der Schedule für das Halbjahr April—September 1935 sind bekanntlich 3570 Zertifikate für Familienoberhäupter bestimmt, so daß auf jedes Zertifikat eine ganze Familie einreisen kann; 2165 Zertifikate gelten ausschließlich für alleinstehende Frauen und 1865 Zertifikate für alleinstehende Männer. Herzl-Grabgang Der diesjährige Gang zum Grab Herzls wird nicht, wie ursprünglich in Aussicht genommen war, am 26. Mai, sondern am Sonntag, den 16. Juni, stattfinden. Die näheren Weisungen werden rechtzeitig erfolgen. | Für unsere Leser nur: Neudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudcggerg. 18 Tel. B 46-5-J'i und Inxersdorf (Nieder-Österreich) ■ Prüfungserleicht^rung durch:. f! Laufendes Auto im Lehrsaal!! 4 Der Reklameapparat des Goebbels hatte zwei Wochen lang für die Hitler-Rede vorgearbeitet. Die Rede wurde zweimal angekündigt, verschoben, wieder fixiert. Sie werde — hieß es in der neu deutschen Superlativ-Diktion — Kolossales, noch nie Dage weeenes, Sensationelles bringen. Und ob' zwar man nachgerade diese propagandistischen Vorbereitungen schon gewöhnt sein sollte, fiel doch alles auf den Lärm. hinein und lauschte der Rede. Ihre Sensation war, daß sie keine Sensation brachte. Es waren deutlich drei Teile festzustellen: der erste, in dem Hitler als Hitler auftrat. Er philosophierte über daß Problem des Krieges und erzählte der Welt, daß der Nationalsozialismus aus tiefinnersten weltanschaulichen Überzeugungen den Frieden will. Für gewöhnliche Menschen würde die Überzeugung im Singular genügen. Der Führer und Reichskanzler beklagt, daß die Welt sich noch immer so wenig Mühe nimmt, eine objektive Prüfung dessen, was in Deutschland in den letzten zwei Jahren geschehen ist, vorzunehmen. Man darf hier einwerfen, daß an objektiver Prüfung sehr viel geleistet worden, ist .und daß die übrige Welt die Leistungen dieser Weltanschauung — ohne Weltanschauung geht’s nun einmal nicht — sehr genau erkannt hat. Es gibt drei Anhaltspunkte für ein objektives Studium: die Konzentrationslager, die Rechtloserklärung und Behandlung der Juden und den 30. Juni. Es besteht auch das Recht, den 25. Juli in Österreich zu dieser Überprüfung zu benützen. Man kann aber auch Hitlers Mairede heranziehen, die aus zwei Jahren Diktatur oder nationalsozialistischer Demokratie die Bilanz gezogen hat: „Gemessen am Reichtum anderer Länder haben wir nur unser Volk. Hundertsiebenunddreißig Menschen auf dem Quadratkilometer, keine Kolonien, keine Rohstoffe,, keine Devisen, kein Kapital, keine Auslandguthaben mehr, nur schwere Lasten, Opfer, Steuern und kleine Löhne. Wir haben nur etwas allein: unser Volk. Es ist entweder alles oder es ist nichts. Nur mit ihm allein können wir rechnen.“ Im zweiten und dritten Teil redeten das Auswärtige Amt und das Kriegsministerium, immer wieder durch Hitler unterbrochen der einige Grobheiten an die Adresse Mus solinis und Englands richtete, Drohungen gegen Österreich und. die Tschechoslowakei — zwei Tage nach dem Wahlsieg Henleins! — einfließen ließ, die Terrormethoden des Bolschewismus kritisierte und sich schließlich mit Litauen befaßte, dessen Rechts- Übung er mit dem ganzen Stolz des obersten Gerichtsherrn behandelte. Man weiß daß in Kownö einige Nationalsozialisten wegen versuchten Menschenraubes, Atten tatBvorbereitungen und Putschplänen nach einem ordentlichen öffentlichen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden sind. Der Präsident von Litauen hat die Todesurteile kassiert. Am Montag. Am Dienstag sagt Hitler, er könne nicht politische Verträge init einem Staat eingehen, der die primitivsten Gesetze des menschlichen Zusammenlebens' mißachtet. Man vergißt, sagt Hitler, daß 140,000 Menschen — die Deutschen im Memelgebiet — ja auch ein eige nes Lebensrecht besitzen. „Was würde man in England oder in Frankreich sagen, wenn ein solch trauriges Schicksal Angehörigen dieser Nationen zu6toßen würde, wenn das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Volke als strafwürdiges Verbrechen gilt...“ Man würde in Frankreich oder England sagen, daß es sehr gewagt vom Führer und Reichskanzler ist, die Welt daran zu erinnern, was er den 500.000 Juden in Deutschland angetan hat und noch antun will, die er für VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTBASSE 6 Der Vatikan über den Berner Prozeß Rom, 21. Mai. (Z. T. A.) Das offizielle Organ des Vatikans „0 sservatore Romano“ befaßt sich in einem Artikel mit dem Urteil des Berner Gerichtes über die „Protokolle der Weisen von Zion“ und führt aus, die „Protokolle“ seien ein lächerliches und böswilliges Falsifikat und es sei traurig, daß. es noch heute törichte und böswillige Menschen, gibt, die an deren Echtheit glauben. Das Organ des Vatikans erinnert daran, daß auch die. Jesuiten Gegenstand von Angriffen mit Hilfe von Falsifikaten waren. (Leider nimmt „Osservatore Romano“ keine Kenntnis davon, daß in Österreich der katholische Pater Gaston Ritter eine der bösartigsten antijüdischen Sudelsehriften an der Hand der „Protokolle“ geschrieben hat, die von den kirchlichen Behörden der Steiermark approbiert worden ist.) Ein Artikel über die „Protokolle“ ln der amtlichen „Wiener Zeitung“ Die letzte Sonntagsausgabe der amtlichen „Wiener Zeitung“ bringt einen sehr informativen Artikel zum Berner Urteil über die „Protokolle der Weisen von Zion“ aus der Feder des jüdischen Vertreters im Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich. Dr. Ehrlich schildert in sehr klarer und knapper Darstellung den Verlauf des Prozesses sowie die eigentümliche Geschichte der. „Protokolle“. Häuserverwaltungen Reparaturkredite Geldbesdia ffungen Tel. A 48-9-22 —SENSAL_ R. TAUBMANN WIEN, II., NORDPOLSTRASSE t/3 Kauf- und Verkaufs- Vermittlungen kulantest nichts anderes als für ihr Judentum straft, quält und martert, die er außerhalb des primitivsten Rechtes gestellt hat und jedem Schimpf preisgibt. Der Schimpf kann allerdings die Mißhandelten nicht treffen. Er konzentriert sich in der Meinung, die die ganze nichtdeutsche Welt vom Nationalsozialismus hat. Ein System, das sich auf der Maxime aufbaut „Recht ist, was uns nützt“^ muß nicht erst „objektiv studiert“ werden« Es schafft schon von sich aus daß Urteil. ~ Geradezu grotesk aber mutet die Rede in den Stellen an, die ßich auf die Nichteinmischung, auf Österreich und die Schweiz, beziehen. Aus dem einfachen Solidaritätsgefühl gemeinsamer nationaler Herkunft habe das deutsche Volk und . die deutsche Regierung den begreiflichen Wunsch, daß dem deutschen Volk überall das Selbstbestimmungsrecht gewährleistet wird! Aus diesem Solidaritätsgefühl sind in Österreich Morde und Attentate sonder Zahl begangen worden, ist der Kanzler erschlagen worden, ist ein Landesinspekteoir ernannt worden, ist in Deutschland eine österreichische Legion aufgestellt worden! Hitler glaubt, „daß auf die Dauer kein Regime, das nicht ini Volk verankert, vom Volk getragen und vom Volk gewünscht ist, Bestand haben kann.“ Wenn er das glaubt, dann lasse er nur einmal sein deutsches Volk frei wählen ohne S. A. und S. S.! Das wird er aber wohlweislich unterlassen, denn es könnte 60 enden, wie in Danzig! Österreich ist klein und schwäch. Da kann das Solidaritätsgefühl ■ und das demokratische Empfinden ungehemmt sich zeigen. Aber die Schweiz! Deren Land wimmelt von Gestapo- Agenten und Spitzeln, deutsche Schweizer sind auf Hitler vereidigt worden; aber in der Schweiz leben auch Italiener und Franzosen, deren Stammnationen bewaffnet sind. Da leugnet Hitler die Sch wierigk eiten. Denn drüben glänzen Bajonette... Es ist gut, daß man in Österreich die Rede genau gelesen hat und alles erfaßt, was Hitler ankündigt. Auch in Rom und in Paris ist diese Stelle Hitlerscher Rhetorik gewürdigt worden. Ebenso bedroht ist die Tschechoslowakei, in der jetzt kund geworden ist, wie der Nationalsozialismus die Demokratie mit ihren eigenen Mitteln auszuhöhlen versteht. Die notwendige Erkenntnis aus dieser Situation ißt wohl zunächst eine sehr enge Annäherung der beiden Staaten aneinander und die Konferenz zwischen Berger-Waldonegg und Benes war dieser Angelegenheit gewidmet. Dann aber Unter den allerbesten Putzerelen Steht „Exquisit" in den ersten Reihen Abholung und Zu ♦ollung kostenlo R 20.3*34