Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 451 (21.5.1935)
- Date
- 1935-05-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m. 451 - 31 Mal tm DII «TtMMl Saite 3 Gfischiehf.fi“ onfkirvt worden. „Daily Herald“ erklärt, d;is Urteil sei ein niederschmetternder Hieb gegen die Antisemiten, der die Wurzeln des internationalen Nazifcldzugs gegen die Juden getroffen hat. •ÄfliJßeriifitgei* jüdischer PerstMichkeiteti Ist Wien Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang äußerte sich gegenüber dein JTA-Vertreter über das Urteil in Bern: „Es ist wohl eine Schmach unserer Zeit und eine Schande der modernen Zivilisation, daß es erst eines Prozesses bedurft hat, um dieses schändliche Pamphlet von autoritativer Stelle aus als das zu brandmarken, was es ist. Ich habe schon wenige Monate, nachdem das erste deutsche Exemplar dieses Schaiulwerkes in die Welt gegangen ist, auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Man hielt jedoch damals in jüdischen Kreisen die Erscheinung dieses Buches für eine Groteske, da man es nicht für möglich hielt, daß dieses Lügengeschwätz jemals geglaubt werden könnte. Die Entwicklung bat mir aber leider recht gegeben. Heute sind die „Protokolle“ ein wesen! lieber Teil des Regierungsprogramms Hitlers und seines Buches „M ein Kamp f“. Das Resultat des Berner Gerichtsprozesses könnte wohl eine kulturpolitische und kulturgeschichtliche Bedeutung im Weltmaßstäbe erlangen, wenn alle zivilisierten Staaten gegen dieses verwerflichste Produkt der Schundliteratur im Sinne des Urteils vorgehen würden. Auf das heutige offizielle Deutschland dürfte das Urteil jedoch keinerlei Eindruck machen, denn hier will man nicht die Wahrheit, sondern man will die Lüge als Wahrheit unterstellen.“ Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde. Staatsrat Dr. Dcsider Friedmann, erklärte: „Für jeden Juden und insbesondere für jeden Zionisten war es von vornherein klar, daß die sogenannten „Protokolle“ eine Fälschung sind, denn wir haben seinerzeit die Verhandlungen des ersten Zionistenkongresses, die ja ein aufsehenerregendes Ereignis waren, mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt und es ist einfach ausgeschlossen, daß irgend welche Geheimprotokolle dabei entstanden wären, von denen wir nichts gewußt hätten. Nun ist auch der literarische und gerichtsordnungsmäßige Nachweis, daß es sich bei den „Protokollen“ um ein Plagiat, eine Fälschung und Sohundschrift handelt, erbracht worden. Fs steht zu befürchten, daß Fleischhauers Rede in Bern im Dritten Reiöh Als neue Hetzschrift berausgegebEn werden wird, fiö daß die antisemitische Schundliteratur vermehrt wird. Nichtsdestoweniger ruft das Urteil des Berner Gerichtes, als wahrheitsgemäße Feststellung einer offiziellen und unparteiischen Instanz, Genugtuung hervor.“ Japan wirbt um jüdische Wissenschaftler Berlin, 17. Mai. (2. T. A.) Zuständigen jüdischen Stellen in Deutschland ist es bekannt, daß sich offizielle japanische Regierungsstellen bereit erklärt haben, einer Anzahl der vom Berufsbeamtengesetz betroffenen jüdischen Universitätsprofessoren Lehrstühle an japanischen Universitäten zu übertragen. Bisher sind aber noch keine jüdischen Lehrkräfte an japanische Hochschulen berufen worden, mit Ausnahme von Klaus Pringsheim, der gegenwärtig an einer Tokioer Musikakademie als Lehrer der Dirigentenklasse Wirkt. Beachtenswert in dieser Beziehung sind die folgenden Ausführungen der japanischen Zeitung „Hokkai Times“ vom 19. April, in denen die Frage der Berufung jüdischer Lehrkräfte behandelt wird: .. Japan braucht die Dienste befähig ter ausländischer Gelehrter. Unter deii jüdischen Emigranten alts Deutschland worden sich viele Persönlichkeiten befinden, deren Dienste zum Fortschritt der japanischen Wissenschaft wesentlich beitragen könnten. Unter normalen Um ständen müßten Erhebliche Geldmittel aufgewandt werden, um sich ihre Dienste zu sichern, aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen wären wahrscheinlich jüdische Gelehrte bereit, zu kommen, wenn man ihnen die Reisekosten ersetzt und ihnen das gleiche Gehalt gibt wie japanischen Professoren. Die japanische Regierung entsendet alljährlich 60 junge Gelehrte auf Studienreisen in fremde Länder. Sofern sie nicht peinlich überwacht werden, können sie leicht in den Wirkung s k r e i s schädlicher Gedanken geraten. Anstatt sie ins Ausland zu schicken, Würde die Regierung gut tun, hervorragende jüdische Gelehrte anzust, eiten, die ihnen in der Heimat ihre Ausbildung geben.“ FE S ER I., SCHWEDEN- PLATZ Patieuropa und Frieden Der vierte Paneuropa-Kongreß war in Wien versammelt, um nochmals seine Leitj idee, die Überwindung der Grenzen durch; die Wirtschaft, vorzutragen. Es war das, Zusammentreffen der wenigen Europäer' guten Willens, die es wagen, Öffentlich ausj zusprechen, was alle Völker denken: daß Jas Nachkriegsleben des Kontinents noch j immer unter dem Druck des Krieges steht und daß die Übel nur durch Zusammenarbeit aller bekämpft werden können. Fs ist weit von diesem Wunsch bis zum Willen, noch weiter vom Willen bis zur Realisierung — aber das beweist nichts gegen die j Wahrheit des Gedankens. Es beweist nichts gegen ihn, daß der Chauvinismus, die Ver-J götterung der eigenen Nation, sich bis zur, Kriegsdrohung ausgeweitet hat und daß in das Zusammenleben der Menschen durch die1 Rassentheorie des Dritten Reiches ein neues zentrifugales Moment hineingetragen worj Jen ist, das alle in Jahrtausenden geleistete, Kulturarbeit, allen sozialen Fortschritt aufj hebt und eine Entsittlichung der ganzen j abendländischen Menschheit anstrebt. Es ist | Jas Ziel der Paneuropa-Union, den Kontinent zu einßr in sich möglichst freien und näch außen geschlossenen Wirtschaftseinheit auszugestalten. Darin liegt freilich angesichts der bestehenden Verhältnisse ein sehr starker innerer Widerspruch, der bisher jede gedeihliche Tätigkeit der Union vereitelt hat. Und es würde eehr viel oder vielmehr alles gegen die Paneuropa- Union beweisen, wenn ihre Vorkämpfer weiter gegenüber den zwei ernstesten Problemen der Zeit blind bleiben: gegen die Minoritätenfrage und gegen die JudenfrägE. Diese beiden Probleme tiberschüeiden sich, sind Zu einem Teil identisch, zu einem anderen Teil aber divergierend. Sie sind vorhanden und siE müssen gelöst werden. Es sind politische, wirtschaftliche und soziale Elemente, aus denen sie sich zusammensetzen, und wer sie nicht sehen will oder geringschätzig beiseite schiebt, wird niemals zu einem wirklichen Paneuropa, nicht einmal in der Vorstellung, gelangen können. Will man den Frieden der Völker, dann muß man alle Aufbauwilligen heranziehen, muß man aber auch die Steine des Anstoßes wegräumen. Alle internationalen Tagungen haben es bisher gut verstanden, die Frage der Juden zu übersehen. Aus einer innerlichen Feigheit heraus, die von schlechtem Gewissen herrührt, gehen sie dieser Quelle der bösesten Vergiftung, aus der alle Seuchen unserer Tage entstehen, aus dem Wege. Es lebt ein Volk in Europa, das von allen anderen Völkern über die Achsel angesehen wird, das in allen Staaten mit der Mission belastet worden ist, für alle inneren Sorgen als Ablenkung zu dienen. Dieses Volk ist seit je Objekt eines Kampfes, der ihm die Ehre, die Existenz und die Lebensmöglichkeit rauben will. Im Dritten Reich ist dies sogar zum Reg ierungsgrun dsatz geworden, der mit aller Konsequenz durchgeführt wird unter don Augen der europäischen Welt, unter den Augeh der Männer, die dem Paneuropa- Gedanken nachhängen, diesem umfassenden Gedanken, dessen einzige, treueste und loyalste Wegbereiter die Juden sind. Aus der jüdischen Lehre, aus der Ethik des Maiimönides, der vor 800 Jahren den Traum Zur Einberufung des Zionistenkongresses London, 19. Mai. Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat Herrn Dr. Franz Kahn zum Leiter und Herrn Dr. Fritz U 1 1 m a n n zum stellvertretenden Leiter des Kongreßbüros ernannt. Das Kongreßbüro wird Mitte Juni seine Arbeiten in Luzern aufnehmen. Bis dahin sind Briefe für das Kongreßbtiro an Dr. Franz Kahn, Puchmajeröva 1, Moravska Ostrava (Tschechoslowakei) zu richten. der Menschheit von Frieden und Arbeit niederschrieb, hat Kant seinen Plan der Vereinigung der Völker entnommen; aus dem jüdischen Gedankengut ist der Völkerbund entstanden und was immer man an richtigen Einwänden gegen seine Tätigkeit er bringen kann — er ist da und er hat durch seine bloße Gegenwart viel Unheil verhütet. Wenn man den Paneuropa-Gedankett fördern will, dann müßte man vor allem die Idee des Völkerbundes propagieren und in die Massen tragen. Daran fehlt es. Seit dem Kriege ist nichts für diesen Zweck getan worden. Mit gutem Grund. Denn wer für den Völkerbund und für das Verständnis-' wirken will, muß von den Feinden der Harmonie reden und klarlegen, wer politisch daran interessiert ist, daß Krieg und Kriegsgeschrei, Hetze gegen wehrlose Minderheiten, Verfemung 'der Juden, fortdauern. Das sind die Feinde der Menschheit und es ist kein Zufall, vielmehr selbstverständlich daß der Nationalsozialismus den Völkerbund und seine Tätigkeit herabsetzt und schmäht. In seiner Kritik fehlt auch niemals der Hinweis auf die Juden. Der Antisemitismus stellt einen Teil der Bevölkerung außer Recht und damit schafft er die ideellen Voraussetzungen für das Vorgehen der sogenannten Staabsnatioüen gegen ihre Minderheiten. Ein Unrecht lebt vom anderen und so entsteht auch die psychische Bereitschaft, die Ausschaltungsteudenzen gegen alle Schwächeren anzuwenden. Ursprung ist immer der Judenhaß, die Verfolgung Wehrloser. Hier wird der Anreiz gegeben. Was gegen die Juden geschehen darf, ohne daß das Gesetz sofort einschreitet, das kann — so denkt sich das der einfache, unkomplizierte Manü voü der Straße — gegen jeden angewendet werden, der aus irgend einem Grunde der Majorität riieht gefällt oder eigenwillig an seinen LebensgeWöhnheiten, an seinem Glauben, seiner Sprache festbält. Es ist eine gerade Linie vom Antisemitismus bis zum chauvinistischen Ansturm gegen die Minderheit an sich und es heißt den Weg zur Gesundung geflissentlich verrammeln, wenn man dies nCgiert oder nicht zur Kenntnis nehmen will. Das Zentrum des ganzen Friedens- und KrisenpröbleniS bleibt der Judenpunkt, und indem die Staaten des Völkerbundes, die idealistischen Bekenner Paneuropas es geduldet haben, daß in Mitteleuropa der Terror des Nationalsozialismus eine Minderheit von einer halben Million Menschen schändet, ohne daß eine europäische Exekution geführt wurde, indem sie alle diesem Treiben nicht entgegengetreten sind, haben sie sich mitschuldig gemacht und verurteilen sie ihre ganze Tätigkeit zur leeren Kongreßlerei, über die die Geschichte hinweggeht. Wie wollen sie in Europa die Zollschranken überwinden, wenn sie die Errichtung von Konzentrationslagern, den Aufbau eines neuen Ghettos nicht verhindern? Wer soll ihren Reden, ihren Beschlüssen glauben, wenn sie zu dem Rogierungesystem gewordenen Haß nichts zu sagen haben? Und wenn sie die Tatsache nicht wahrhaben wollen, daß der Antisemitismus nur das erste Übelgas ist, das aus der Pandorabüchso strömt? Paneuropa, dio Vereinigung der Völker zu einem Wirtschaftsgebiet, ist ein großer Gedanke. Aber er wird nicht erreicht, solange es einen Antisemitismus gibt, solange auch nur ein Volk, ein Mensch, wegen Abstammung, Glauben, Bekenntnis, unter Strafe steht. Nicht wir haben diese Seite des Problems ins Auge zu fassen. Unsere Judenfrage, die eine politische Frage ist, lösen wir selbst im Zionismus. Die europäischen Völker, die vom Untergang bedroht sind, müssen selbst in ihrem eigensten Interesse die Infamie ausrotten. - und Badehaus Dr. Onssins, Badgastein 260.000 nichtjüdische Nicht* arier in Deutschland In der Berliner „C. V.-Zeitüng“ gibt Doktor E. R—z eine Berechnung der Zahl der dem Judentum nicht angehörigen Judenstämmlinge iti Deutschland und kommt zu ungefähr folgenden Schlüssen: 1. Nicht juden voll jüdisch er Abstammung (d. h. solche, die selbst oder deren beiderseitige Eltern aus dem Judentum ausgetreten sind) gibt es heute in Deutschland etwa 35.000. 2. Nichtjuden dreivierteljüdischer Abstammung (d. h. solche, bei denen ein Großeiternteil nichtjüdisch war) dürfte es kaum 2000 geben. 3. Nichtjuden halb jüdischer Abstammung (d. h. solche, von denen ein Elternteil arisch, einer jüdisch ist) dürfte es 70.000 bis 75.000 geben. 4. N i c h tjuden vierteljüdischer Abstammung (d. h. solche, bei denen ein Großvater oder eine Großmutter väterlicher- oder, mütterlicherseits jüdisch war) dürfte es zwischen 125.0ÖÖ und 130.000 geben. Faßt man die durch die Ariergesetzgebung abgegrenzten Stufen der hichtjtidischen Deutschen voll-, dreiviertel-, halb- oder vierteljüdischer Abstammung zusammen, sö kommt man auf eine Gesamtzahl von 250.Ö0Ö bis 260.000. Die Zahl der Männer und Frauen jüdischen Glaubens und der Nichtjuden von teilweise jüdischer Herkunft beträgt etwa 45Ö.0Ö0 (geschätzte Zahl der Juden in Deutschland im Frühjahr 1935) plus 26Ö.0Ö0, d. h. zusammen 71Ö.Ö00 Menschen. 71Ö.00Ö innerhalb einer Gesamtbevölkerung von rund r»6,ÖOO.O0ö, das bedeutet, prozentual gewertet, daß unter tausend in Deutschland lebenden Personen zwölf Menschen voll- oder teiijildischer Abstammung sind oder daß etwa sieben Menschen volljüdischer und weitere vier Menschen teiljüdischer Herkunft 989 Ariern gegenüberstehen. Badeanstalt in Ulm für Juden gesperrt ..Frankfurter Zeitung“ meldet: Da es in den Städtischen Badeanstalten von U1 m wegen der Anwesenheit von Juden verschiedentlich au Mißhelligkeiten gekommen sei, hat die Stadtverwaltung den Zutritt zu den Städtischen Badeanstalten für Juden gesperrt. Eine ältere, ganz alleinstehende Erzieherin, aua Rabbinorhaus stammend,infolge ihrer langoA Krankheit in größter Not und Verzweiflung, aller Mittel entblößt und arbeitsunfähig, bittet vielmals edlo Menschen ihr in ihrer furchtbaren Lage hilfreich beizustehen. Spenden übernimmt und weist ans dio Administration d. Blattes Allgemeine Zionisten! Der Schekel ist Eure Waffe gegen Parteiwillkür! Verbreitet den Schekel!