Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 450 (17.5.1935)
- Date
- 1935-05-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile Z DIE STIMME Nr. '4M — 17. ’Mtll 1981» 1 hm HOTEL BELLEVUE um PÖRTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehme* Haus unter itreng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9‘- Hauptsaison....... S 12‘> Seebad und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / VerlangenSie Prospekte Jen konnte. Wir wollen mit Nachdruck die folgenden Stellen, die in don „Protokollen“, in Jolys Schrift und — in der nationalsozialistischen Politik Uborcinsfcimmen. hervorheben: „Unser Recht liegt in der Gewalt.“ „Laßt uns bei unseren Planen unsere Aufmerksamkeit nicht so sehr darauf richten, was gut und moralisch, als darauf, was notwendig und nützlich ist.“ „Reine einzige Ankündigung wird ohne unsere Kontrolle in dio Öffentlichkeit gelangen.“ „Schrifttum und Zeitungwesen sind zwei cler wichtigsten Erziehungsmittel, und unsere Regierung wird darum die Eigentümerin der meisten Zeitschriften werden. Das wird den schädlichen Einfluß der privaten Presse auf heben und uns die Vorherrschaft in der öffentlichen Meinung sichern.“ „Unter dem Namen „Hauptpresseamt“ werden wir literarische Versammlungen veranstalten, bei denen unsere Agenten, ohne Aufsehen zu erregen, die Befehle und Losungen des Tages ausgeben.“ „Dank diesen Methoden werden wir in der Lage sein, die Öffentlichkeit von Zeit zu Zeit wegen politischer Fragen zu erregen oder zu beruhigen, sie zu überreden oder zu verwirren, bald Wahrheit, bald Lüge, Tatsachen oder deren Gegenteil zu ' veröffentlichen, je nachdem sie gut oder schlecht aufgenommen werden.“ „Wir werden einen sicheren Sieg über unsere Gegner erringen, wenn sie keine Zeitungen mehr zu ihrer Verfügung haben werden, mit denen sie ihre Ansichten verfechten können. Wir werden sie nicht einmal zu widerlegen brauchen, oder höchstens ganz oberflächlich.“ „Wir werden jede Lehrfreiheit abschaffen.“ Ist das nicht der deutsche, integrale Nationalsozialismus, wie er leibt und lebt? Ist nicht jeder dieser Punkte, so wie wir ihn hier nach lus, der russische Amtsscbreibcr, behauptet.: Die Geheimnisse stammen aus einem ganzen Buch mit Protokollen von französischem Territorium, ln der nächsten Ausgäbe (1013): Die Protokolle sind aus der Wohnung Herzls gestohlen worden. 1917: Die Protokolle sind dem Rat. der Älteste® in Basel 1807 von Herzl vorgelögt worden. Gottfried z u r B e e k, der deutsche Übersetzer des Fritsch sagt: Die Urschrift iist. französisch. Fritsch (selbst: die Urschrift ist. hebräisch. J o u i n, der französische Autor: Die russischen Übersetzer versichern, dais französische Original vor sich gehabt zu haben. Die Protokolle, sagt er ein Jahr später, sind zusammengestellt aus Vorträgen, die in Paris vor jüdischen Studenten gelullten wurden. Im Jahre 1923 sagt Gottfried zur Beck: Eine Polin sagte mir kürzlich, 0 s t. j u d e n hätten H 6 r z 1 ermordet, weil er nach ihrer Ansicht dio zionistische Bewegung in eine falsche Richtung geleitet hätte. Gaston Ritter, der fromme Pfarrer aus Graz, geht dann her und streicht Rosenbergs Kommentar zusammen, ändert, hier und dort ein Wort und gibt — o ahnungsvoller Engel! — an: „Aus diesem Aufbauplan (den der zweite Teil der Protokolle darstellen soll) könnten allo Politiker wahre Regierungskunst lernen.“ Er weiß auch, daß ein jüdischer Exilaroli seine drei Weisen und der Rat der 300 Eingeweihten die Geschicke der Völker lenken. Gottfried zur Beek sclireibt: „Wir Völkischen müssen aus dem Kriegsplau, den die Geheimnisse der Weisen von Zion enthalten, lernen.“ Hie haben gelernt. Diese Regierungskunut und dieser Kricg&pla® hat das deutsche Volk dorthin geführt, wo es heute steht. „Gespräche in der Hölle“ Juxt. Joly seine Schrift, genannt.. Eine Hölle sind die „Protokolle“ für das jüdische Volk geworden. Aber os leidet, nicht a-llein. Eine Hölle hat der Nationalsozialismus an der Hand dieser Broschüre für das deutsche Volk geschaffen, das er mit satanischer Phantasie quillt, eine Hölle will er der ganzen Menschheit bereite®. Das Schweizor Gericht hat — wenigstens für dio nichtdoutsolio Welt. —- diese Hölle enthüllt. Plagiat, Fälschung, Schundliteratur. Außerhalb Deutschlands steht dies von nun ab fest. Wir danken der Schweizer Judenschaft dafür, daß sie diesen Prozeß angestrengt hat, Dank dem Schweizer Ge rieht, daß es diesen Prozeß öffentlich durchgeführt hat. Dank auch dem Erfurter Fleischhauer, der das seine dazu beigeträgen hat, daß die „Protokolle“ als Plagiat-, als Fälschung, als Schundliteratur, als Unsinn erkannt wurden. n Original SCHWEIZER Qualtat wiederzuhaben: BERNA-KÄSE Ausdrücklich verlangen: „SCHWEIZER VERNA“ PalasUueusiscUes itaUidotkoft Ing. Eugen und Margit Buchbinder teilen allen Freunden und Gesinnungsgenossen mit, daß die ihres Sohnes Michael, Samstag, 18. Mai, Vs9 Uhr vormittags, im Tempel, 1., Seitenstettengasse, stattfindet. den Ausgaben von Fritsch, zur Beek und Rosenberg zitieren, in Deutschland Wirklichkeit geworden? Und ist es so von der Hand zu weisen, daß derjenige, der das nationalsozialistische Tun und Handeln bestimmt, diese Vorschriften des Macohiavell-Joly genau gelesen und dunstig in sich iiineingetrunken hat? Die Jolysche Schrift ist im Oktober 1864 zum erstenmal erschienen. Wer sie damals las, empfand sie als eine amüsante Persiflage der Regierungsmethoden Napoleon III. Wer sie heute liest, empfindet sie als Vorahnung der braunen Flut von Unflat, vor der die Welt schaudert, gegen die die ganze Welt sich zuftammenscliart in der Angst, daß sie einmal von dieser Gesellschaft niodergetrampolt werden könnte, von dieser Ideologie überrannt, als deren glänzendsten Vertreter sie den Erfurter Fleischhauer kn Gerichtssaal hat kennenlernen können. Diesen Gutachter, der sein Elaborat als „aufsehenerregend“ schon am 3. April, einen Monat vor dem Prozeß, in zehntausend Exemplaren verhöckert und darin eine neue Verfälschung des Fritscksehe» Kompendiums vornimmt! So sehen diese Welterlöser alle aus, die mit dem Blut des jüdischen Volkes ihre Geschäfte machen. Ein Ritualmord von kaum Übersoll ba r o n Dimension e n! Und daneben fälschen sie an- und umeinander herum. Nicht einmal Uber die 0 r isteatoig, Nh llllll! Von David Roth bl um Zum wievielten Male eigentlich müßte man den Boden dieses Landes betreten, um nicht mehr erregt, ergriffen, erschüttert zu werden? Palästina ist doch bereits eine Realität geworden! Das Traumland unserer Phantasie, Begeisterung und Liebe, hat sich doch längst in Wirklichkeit gewandelt, in die Wirklichkeit, die mitunter phantasie- und lieblos ist. Und doch... ein verborgener Herzenswinkel öffnet sich angesichts dieser Erde, wo das Allerheiligste aüfgespeiohert liegt, die Tränen. Und ein Motor, dessen Sitz in uns wir ja nicht kennen, bringt sie in Bewegung und treibt sie in die Augen. Irgend eine Stimme aus dem All ertönt in unserer Seele und verwirrt uns: „... Und dieses Land werde ich dei nen Kindern geben...“ „Auf dieser Erde werdet ihr euch mehren, wie der Sand am Meer und die Sterne am Himmel...“ „Und wenn ihr am Ende der Tage in diesem Lande wohnen werdet...“ Israels Gott hält sein Versprechen! H* Jerusalem ist nicht mehr Altstadt allein. „Rings um Jerusalem sind Berge“, heißt es in der Bibel. Rings um Jerusalem sind Gartenstädte, wird man heute sagen. Vom Allerheiligsten bis zum Allerschönsten ist dort nur ein Schritt. Diese örtliche Nähe zwischen Geschichte und Gegenwart, Mystik und Alltag, Grab und Wiege, ewiger Ruhe und täglicher Unrast, zwischen Gottes Verheißung und Erfüllung ist ein ze i 11 i c h e s Symptom für das, was in Jerusalem geschieht. Diese Entwicklung ist ebenso natürlich wie erstrebenswert. Denn diese Stadt muß Wahrzeichen bleiben und Wahrzeichen werden. Bleiben als stummer Zeuge unserer historischen Rechte, werden als laut kündender Herold unseres Willens. So gesehen, wird Jerusalem die Hauptstadt Palästinas sein in aller Ewigkeit. Nicht nur im geographischen, sondern im geistigen, im symbolischen Sinne. Gleich wie der Mann eiu Symbol ist, der dort sitzt, den jüdischen Boden mehrt und seine tiefblauen, schwärmerischen Augen traurig auf jene Landstriche richtet, die noch immer in fremden Händen liegen .. 3 * Im jemenischen Viertel tuiumelu sich zahllose Kinder am Sabbatnachmittag auf der Straße. Vorwiegend Mädchen. Sonnengebräunto, schwarzhaarige, sehnige Geschöpfe. Sio lassen sich zutraulich in Gespräche oin, werden übermütig und keck und unterhaltend mit ihren kindlichen Einfällen und drolligen Bewegungen. Sio sprechen mangelhaft französisch und schlecht lebräisch. Offenbar sind sie nicht lange im Lande, denn man sieht cs ihnen an, daß sie Augen leuchten, wenn sie über Jerusalem sprechen, und werden ernst und traurig, wenn sie ihrer Heimat gedenken. Jemens Hölle erscheint ihnen noch furchtbarer in der Erinnerung. Für sie und ihre Eltern ist Messias bereits gekommen. * Berauschend, berückend, beklemmend verwirrend ist Tel-Aviv. 0 du schöne, verführerische, himmelwärtsstrebende, liebende siedende, titanisch sich gebärdende Stadt Du bist wie eine Gazelle, voll Kraft und Grazie, die auf Gipfeln klettert, Schluch ten überspringt, spottend jeder Gefahr, nur den Augenblick genießend! Du sündhafte und doch gottergebene Stadt! Du geldgierige und Geld verachtende, den Leidenschaften ergebene und dem Volke dienende du vielumstrittene, aufgewühlte, sonnen geküßte und meernmspiilte Stadt! Dir ver fällt, der dich nur einmal gesehen, zu dir Herzu. Frauenheilbad Tatzmannsdorf Burgenland Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure-Sprudelbädcr. Kurbeginn 7. April. Zeitgemäße Peniloniprelia. Auskünfte und Prospekte bei der Kurdirektion od. bei der Generalvertretung, Wien, I., Kohlmarkt ß, Tel. U-26-104. Neu: Moorpackungen, Moorkompressen ln allen Apotheken erhültllch. kehrt zurück, der nur einmal in deinen Mauern geweilt hat. Dizengoff. Er ist gottlob wiedor gesund. Als er in Todesgefahr war, lag Tel-Aviv hilfsbereit und schmorzerfüllt zu seinen Füßen. Es lauschte dem Schlage seines Herzens, dom Atem seiner Lungen. Als er genas, war’s als ob die ganze Stadt mit ilim genäse. Nun ist er wieder im Besitze seiner Kräfte und brütet Über das Problem, Tol-Avlv zur Hauptstadt der Welt zu machen. Er ist heute der erste Mann der Tat in Israel. Augenblicklich liegt ihm die Erweiterung des Stadtmuseums, das er wie dio Stadt selbst, aus Nichts geschaffen hat, am Herzen. Juden allor Wolt! Unterstützt ihn in der Verwirklichung dieses Zieles und verschönt seinen Lebensabend. Denn er ist einer in seiner Art, sitzen keinen zweiten. wir bc- Tol-Aviv stand einen Samstag lang im Zeichen einer Idee. Ein Wiener Industrieller feierte den Bar-Mizwalx-Tag seines Sohnes in der großen Synagogo der ersten jüdischen Stadt. Die Feier war eindrucksvoll, was Namen hatte war an ihr beteiligt. Sie wurde als Einführung eines neuen Brauches '(-wertet, den DizengolT in einer herzlichen sich noch immer über das Glück ihrer Frei-1 Ansprache zur Nachahmung empfohlen hat. heä Dielt Uma sfibs&rgeai&bet gen religiöses miä profanen EekrM-,( neue regelmäßige Luxus-Eillinie nach Griechenland! Aegypten, Palästina mit der S/S. ..PRINCESA OLGA“ 14ARO t, des Jugoslavenski-Lloyd. Erstlingsfahrt 31. Mai. Wlen-Haifa-Wlen II. Klasse S 470*- I. Klasse S «73. - Auskünfte, Prospekte und Anmeldungen durch Offizielles Verkehrsbitro des Königreiches Jugoslawien, Wien, I., AugusUtterslfaRo 3, und alle größeren Reisebüros. keiten schwebte der Geist, des unvergeßlichen nationalen Dichters. Denn die Idee, Familienfeste in Palästina zu feiern, stammt, von Bialik und der Industrielle, der dem Dichter ihre erste Verwirklichung versprochen hatte, hielt Wort. Hiefür wurde ihm im ganzen Lande Dank und Anerken-i nung gezollt. 3: Die künstlerisch vollendete Aufführung des „Massa Bialik“ im Rahmen der Bialik- Tage, Unterließ tiefsten Eindruck. Die Dramatisierung einer Reihe von Gedichten des großen Poeten und die Massendarstellung durch Berufskünstler und Laien unter nächtlichem Himmel im Freilufttheater auf dem Ausstellungsplatz gewährte erschütternden Eindruck in Bialiks gigantische Empfindungswelt. Die Leiden der Galuth wurden von vielen hunderten Gestalten rührend interpretiert. Bialiks Geist beherrscht überhaupt das Kulturleben des jüdischen Palästina. Sein Name schwebt auf allen Lippen. Sein Abgang ist überall fühlbar. Noch ist der Ver-i lust unbegriffen, unermessen „ „, * Die Kolonien in Emek blühen. Die Abwanderung in die Städte dauert immerhin fort. Die aber dem Boden treubledben, erfüllen voll und ganz ihre Pflicht. Sie kommen jedoch dem Bedarf des Landes nicht nach: Daher die Einführung auch von Lebensmitteln aus Nah und Fern, Caveant conßulos! * Andächtig etand unsere Gesellschaft am Grabe des Wundermannes Meier in Tiberi-ae. Etwa 1800 Jahre verstrichen seit dem Tode des Wundertäters und noch immer ist setin Name Amulett. Ihm gelten die Wallfahrten von fernen und fernsten Landen. Iu sein Grab werden die Wünsche geflüstert, von denen, die gebrochenen Herzens sind. Er trocknete manche Träne und linderte so: manchen Schmerz. Der safardischo Scliamasch stört durch sein lautes Benehmen die Stimmung. Sein aseihkenasisoher Kollege sticht angenehm von ihm ab. Der Enste Et ganz bakschisch, dor Zweite gefällig und angenehm. * Nacht am Kmeneth. Schwüle, schwer drückende, atemlose Nacht. Ohne Regung liegt der See vor uns. Kein Laut in den Lüften, keine Bewegung im All. Die Stille ringsumher ißt wie ein großes Geheimnis, mit dom »ich die ganze Natur in dieser Nacht umgeben hat. Die Frauen fächeln sich kühle Luft zu und seufzen tief. Nur vom Firmament her geben die winkenden Sterne ein Lebenszeichen von sich. Der eine leuchtet rot, der andere blau und dor dritte weiß. Ein Freund will sie deuten: Dor rote ist Edom, das blauweißo Paar Israel. Kaum waren die Worte gesprochen, als der roto zu erblassen und langsam zu entschwinden Belm „Heurigen“ (WreMnuer üerlctuae auih ttöciu I 1 4 VVIWHvV auabrUrtlitf) r Sauerfcrumt begann. Der blaue und der weiße aber leuchteten noch lange am Himmel und spiegelten sich friedlich nebeneinander in don Fluten des Kiiieroth. ln Haifa feierte dio Arbeiterschaft den 1. Mai. Ungeheures Gedränge auf der Horzl-Straße bis in die späte Nacht hinein. Überlustigo Stimmung — von der englischen Polizei scharf kontrolliert. Leuchtende Aufschriften, transparente Botschaften an dio Arbeiter, im Geiste der Dritten Internationale. Und rote Fahnen, natürlich nur roto Fahnen, die in der schwülen heißen Athmosphüre bewegungslos wie müde Fetzen von den Dächern horahhingen. Dio blau-weiße Fahne fehlte trotz der gegenteiligen Weisung der Organisationsleitung überall. Arheiterschaf.tj idjig Rührung wicht gq*