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Die Stimme · 1935-05-10 · Heft 448 (10.5.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 448 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 448 - 10. Mai 1035 01« STIMME Seit« 5 BBiL i setzen gewesen wäre. muß dem entlegengehalten werden, daß die Bestellung des Bibliothekare sehr dringend war, ein Ausländer hiefiir nicht in Betracht kommen konnte und daß auch die unionistiische Majorität wiederholt von Ausschreibungen Abstand genommen hat, wie hei Besetzung der S t, e 1 I e d c s C h e f s d e s S c li u 1 a m t e s, des Rechnungsdircktors und des L o i t e r s d e <s Stenora m t e s. Auch für die Berufung eines Kn Itusvor Stehers m einem besoldeten Amte gibt es einen Präzedenzfall. I)a aber dieser Fall einen u n i o n i s ( i s c h e n Kultusvorsteher betrifft, war natürlich damals alles in .schönster Ordnung. Wir haben der Besprechung der Angelegenheit mehr Raum gewidmet, als ihrer Bedeutung angemessen ist. Aber es war notwendig zu zeigen, in welch henimnu r.-loser Weise die „Union“ an dem kiin-dlYl) angefachten Fcucrchen einer „Affäre" ihre armselige politische Bettel suppe zu wärmen versucht. Oder hängt dieses Verhalten mit dern „Kampfgeist“ des neuen Chefs der ..Union“ zusammen, der zur unliebsamen Überraschung der weitesten jüdischen Kreise ohne Unterschied ihrer sonstigen Einstellung aus jener Versenkung wieder aufgetaucht ist, die er bei etwa« mehr Geschmack und weniger Überheblichkeit nie hätte verlassen dürfen? Mit dem Treiben dieses Herrn werden wir uns allerdings zufolge seiner unerträglich gewordenen Provokationen sehr bald und sehr ausführlich beschäftigen müssen. Kur- und Badehaus Villa Dr. (Dnssins, Badsostein Arnolt Bronnen Die Blätter haben berichtet, daß der Romanschriftsteller Arnolt Bronnen in Berlin zum Reichis-Fernseh-Dramaturgen ernannt worden ist. Dieser Bronnen gehört schon 6 eit Jahren zum Troß der Kämpfer für deutsche Ehre und Moral und er hat sich auch den neuen guten Posten erfochten, obzwar er in keiner Weise rassisch einwandfrei ist. Er ist der Sohn des Wiener Mittelsohulprofessors Ferdinand Brenner, hat sich also den Namen getarnt. Dieser Professor Brenner, unter dem Namen Franz Adamus bekannt als der Autor des Theaterstückes „Familie Wawroch“, ist von Geburt Jude, allerdings im Jahre 1886 ausgetreten. Da aber auch die Taufe im Dritten Reich nicht gilt, hat Arnolt Bronnen öffentlich erklärt, er stamme aus einem Verhältnis seiner Mutter mit einem Bauernsohn. Wir haben darüber schon vor Jahren berichtet. Es ist also ein Mann, der aus Karrieregründen die Frauenehre der Mutter beschmutzt. Dieser Bronnen gehört mit Recht ins Dritte Reich. RESTAURANT HOTEL STEFANIE (vorm. ü., Taborstraße 12 Operer) Telephon K 46-5-67 Ausgiebige Braten-Menüs S l*MO ■**»!••» ISi7J Geflügel ,. S 2.30 WJ Vorzügliche Zubereitung 'Schwechater Biere-Natu» weine Großer Saal mit Bühne lür Veranstaltungen und Hochzeiten abzugeben Die Geschäftsweiser Im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 5. Mai linden wir die folgende Anzeige: Inseratenvertreter für christl. Geschäftsweiser geg. hohe Provision aufgen. 10—12 Uhr 7., Schottenfeldgasse 83, 1. Stock, Tür rechts. Wir nehmen an, daß sich die Polizei und iVe Steuerbehörde für diese Adresse interessieren werden. Abrechnungstag für die Schekelaktion 5695. Die Landesschekelkommission teilt mit: Die Landosschekelkommission hat in ihrer letzten Sitzung den Abrechnungstag für östereich mit dem 31. Mai d. J. festgesetzt. Adle Schekelroferenton und Einzelpersonen von Wien und alle Ortsgruppen, die Schokelhefte zum Vertrieb übernommen haben, werden ersucht, die Abrechnung unbedingt bis zum obgenannten Tag bei Herrn Kaiser, Wien, I., Marc-Auro!- Strußo 5, vorzunehmen. Der Berner Prozeß Fast vier Tage lang hat der nationalsozialistische „Experte“ Fleischhauer für sein Gutachten gebraucht, das er zu den „Protokollen“ zu erstatten hatte. Er ist weit über den ihm gesteckten Rahmen hinausgegangen, hat sich mit den Freimaurern, den Bibelforschern usw. beschäftigt und hat, was immerhin von gewissem Wert ist, eine vollständige Zusammenfassung des gesamten Materials gegeben. Den Schluß bildete der Ritualmord. Für Fleischhauer sei es sicher, daß Angehörige der c h a s s i d ischen Sekte ihren Söhnen „geheime Lehren“ übermitteln. Achad Haam war Angehöriger einer solchen chassidischen Sekte. Der Bolschewismus war ein Erzeugnis talmudischen Geistes. Stalin, der führende Mann der Sowjetrepublik, sei der „Schabbesgoi“ des Judentums. Fleischhauer greift die während der Verhandlungen im Oktober 1934 einvernommenen Zeugen an und erklärt, die Aussagen dieser Zeugen seien objektiv unrichtig gewesen. Der Gerichtspräsident weist Fleischhauers Äußerungen zurück und erklärt, er sei damit bis zur äußersten Grenze des vor einem Berner Gericht Erlaubten gegangen. Fleischhauer erklärt, der „H ebräer“ Paul S c h e f f e r, gegenwärtig Chefredakteur des „Berliner Tageblatt“ (S c h e f f e r ist Arier und hat sich vom D e in okratenzum Hitler-Journalisten entwickelt, die Red.), habe in einem Artikel den Beweis erbracht, daß zwischen Judentum und Bolschewismus ein enger Zusammenhang bestehe. Er, Fleischhauer, habe nichts gegen einzelne Juden, nur möchte er gerne jedem den Laufpaß geben. Er würde zum Beispiel einer jüdischen Dame, wenn er gleichzeitig mit. ihr durch eine Tür trete den Vortritt lassen, aber die Gesamtheit der Juden müsse er für ihre Führung verantwortlich machen. Nicht die „Protokolle1 seien „Schundliteratur“, sondern die Schriften eines Rousseau, Vo taire, Wedekind, Schnitzler Marx, Börne und Heine seien „Schundliteratur“. Die in den „Pro tokollen“ enthaltene Losung, die Stollen der Untergrundbahnen mit Dy namit zu füllen und damit die Städte in die Luft zu sprengen, sei durchaus glaubhaft. Fleischhauer verweist auf die Sprengung der Sofioter Kathedrale, in der er ein Werk 4er Juden gesehen hat. Es sei von den Juden Kühnheit, wegen der „Protokolle“ Klage zu erheben. Fleischhauer erklärt, die „Protokolle seien zur wirklichen Bedeutung erst durch den vom Judentum unvorsichtigerweise angezettelten Berner Prozeß gelangt. Fleischhauer zitiert katholische Geist liehe, die sich für die Echtheit der „Protokolle“ ausgesprochen haben sollen. Eine Erklärung Baumgartners Am 6. Verhandlungstag (4. Mai) ergriff der von der jüdischen Seite gestellte Gutachter, Professor der Rechtsphilosophie an der Universität Basel Dr. Baumgart e n, das Wort zu folgenden Ausführungen: Es gibt keine jüdische Geheiniregierung. Wir alle spüren, daß in der Welt nicht alles in Ordnung ist. Aber alle Krisen dadurch zu erklären, daß dahinter eine jüdische Geheimregierung stehe, sei der denkbar untauglichste Versuch, eine Lösung zu gewinnen. Wie bei allen üblen Erscheinungen des Mittelalters wolle man auch heute das Judentum für die Krisen dieser Zeit verantwortlich machen. Aber die Judenverfolgungen, die wir erleben, helfen auch nicht um ein Jota über die Not hinweg. Das jüdische Volk soll diese abscheulichen „Protokolle« fabriziert haben? Ich studiere die Kulturleistungen des jüdischen Volkes seit grauer Vorzeit. J a, d a s jüdische Volk hat „Protokolle“ h e r v o r g e b r a c h t: die „Bibel“. Das Volk, das die Bibel geschaffen hat, kann nicht das Volk sein, das mit Theodor Fritschs „Protokollen“ etwas zu tun hat. Fleischhauer sieht die Weltgeschichte nur durch die Brille des Mißtrauens gegen die Juden. Er wendet sich gegen alles, was jüdisch ist. Ich muß an die Juden denken, denen ich im Leben begegnet bin: es waren wunderbare Menschen unter ihnen, die herrliche Beispiele von Selbstlosigkeit gegeben haben. Diese meine persönlichen Erfahrungen sind beweiskräftiger als noch so viele Zitate aus Schriftstellern des Mittelalters und der neueren Zeit. Wollten wir uns nach Zitaten richten, dann könnten wir jedes Volk moralisch in Grund und Boden verurteilen; denn über alle Völker ist viel Schlechtes gesagt worden. Theodor Fritsch, Frau Fry und die anderen von Fleischhauer zitierten Quellen haben sich vollkommen unwissenschaftlich a n den Talmud herangemacht. Sie haben sich einzig und allein an Schriften gehalten, die von kompetenter wissenschaftlicher Seite scharf angegriffen wurden. Frau Fry besonders versteht schon gar nichts von dem, was sie spricht. Die Methoden, Aussprüche aus dem Zusammenhang zu reißen, um die „Unmoral“ des Talmud zu erweisen, müssen verworfen werden. Es ist dies eine unsittliche Methode. Baumgarten wendet sich nochmals der Entstehung der gefälschten „Protokolle“ zu. Hinreichend belegt sei der Schluß, daß die russische Geheimpolizei an der Fälschung entscheidend mitgewirkt hat. Es sei nicht zu widerlegen, daß Jolys „Les Dialogues“ der Fälschung als Unterlage dienten; zahlreiche Dialogstellen sind wortwörtlich wiedergegeben. Dies ist der wichtigste, wenn auch nicht der einzige, Beweis für die Fälschung. Es sei absurd, zu behaupten — wie dies Fleischhauer tut —, daß sich Jolys Schrift nicht mit Napoleon III. befasse, sondern auf eine jüdische Weltverschwörung Bezug habe. Achad Haam war ein hervorragender Denker und edler Mann; nie könne er etwas mit den gefälschten Protokollen zu tun gehabt haben. Alle Versuche Fleischhauers, die Person Achad Haams heranzuzieben, zeugen von unwissenschaftlicher Arbeit und kindlichen Methoden, die mehr dem Wunsch entspringen als dem Wissen. Baumgarten schloß: Dem Judentum ist der Vorwurf gemacht worden, es betrachte sich als das auserwählte Volk. Gewiß habe das jüdische Volk einen stark religiös fundierten nationalen Stolz. Aber gäbe es nicht anderswo ähnliche Erscheinungen, zum Beispiel in Deutschland? Dort stellt man heute den nordischen Menschen allen anderen voran. Vielfach wird behauptet, daß der nicht-nordische Mensch auf einer Mittelstufe zwischen Mensch und Tier stehe. Prof. Baumgarten fragt Fleischhauer: „Sind das etwa Greuelmärchen?“ Fleischhauer sagt laut: „Ja!“ (Allgemeine Heiterkeit.) Neue jüdische Bücher! Scholem Alechem: Marienbad. 2. Auflage. Leinen S 7'35. Alex Bein: Theodor Herzl. Biographie, 736 Seiten, mit 63 Bildern und einer Ahnentafel, Halbleinen S 21, Ganzleinen S 25-20. F. M. Kaufmann: Die schönsten Lieder der Oßtjndcn. 47 ausgewählte Volkslieder mit Singnoten. Geibunden S 4'40. M. Naor: Neues Lehrbuch der hebräischen Sprache. Vollständig umgearbeitete Neuausgabe 1935. Karton S 10-50, Leinen S 12-60. Z. Vilnay - A. Bonne: Steimatzkys Palästina-Führer 1935, Leinen S 14*—. Buchfiandlung A. Hejstrik (Dr. Präger) Wien, I.. Wolizelle 6-8 Telefon R 25-4-53 Warum das alles ...? Ein Kind schreibt der „Stimme“: Eines Abends sagte mein Vater miÜ ernster Stimme: „Packe deine Bücher, morgen fahren wir für immer fort von hier.** Ich glaubte, ich sähe ein Traumbild vor mir, ich tastete nach den Stühlen, nun hatte ich den Tisch erreicht,. Es war also doch keine Vorstellung, nein, es war die wahre, traurige Wirklichkeit. Oh! Wie glücklich wäre ich gewesen, wenn sich mein Bild in ein Nichts aufgelöst hätte. Ich dürfte für immer zu Hause bleiben, nie die liebe Heimat verlassen! Ich wollte nicht mehr naohdenken. Schnell raffte ich mich auf und ging auf mein Zimmer. Leise öffnete ich eine Schublade. Hier lagen alle meine Bücher. Noch nie waren sie mir so kostbar erschienen wie in diesem einzigen Augenblick. Ich legte sie in eine tiefe Mappe. Immer wieder bäumten sich in mir neue Gefühle auf. Auch meinen Büchern sollte das Heim, die alte Lade entrissen wer- Maturaschule „Universum“ Wien, IX., Garnisongasse Nr. 3 Telephon A 20-4-48 I KASTEINS VORTRAG: iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiim THEODOR HERZL - DAS ERLEBNIS iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiniii DES JÜDISCHEN MENSCHEN ist soeben in einer vornehm ausgestatteten Broschüre im Verlag R. Löwit erschienen. Der Vortrag hat nicht nur in der jüdischen Öffentlichkeit, sondern in .allen politischen Kreisen Österreichs größtes Interesse gefunden. Die knappo und dabei doch Iebenswarme Diktion machte den Vortrag zu einem Ereignis, an das die eben erschienene Broschüre die Erinnerung festhält. Die Broschüre ist im Büro des Zion. Landesverbandee, Wien, I., Marc-Aurel-Straße 5, zum Preise von S 1.26 erhältlich und wird über Wunsch auch per Post zugeeendet. den? Wie grausam war daß! Mit einem Ruck wollte ich alles wieder hineinlegen, mich frei machen von den düsteren Gedanken und mir sagen: Nie verlasse ich diesen Ort! Doch das Schicksal wollte es anders. Bald waren die Schränke leer. Von draußen her hörte ich das Knarren der Koffer. Ich konnte nichts mehr ändern. Spät legte ich mich zu Bett, doch ich konnte keinen Schlaf finden. Im Zauber der Nacht betrachtete ich mein kleines Zimmer, zum letztenmal. Die Faeerung des Möbels prägte ich mir genau ein und das Tapetenrauster zeichnete ich in der Luft nach, denn ich wollte mein ganzes Stübchen im Geiste mit in das ferne Land nehmen. Dann stiegen Bilder der Vergangenheit vor mir auf. Wie man eine Perlenkette durch die Hand gleiten läßt, so ließ ich mein ganzes Loben noch einmal an mir vortiberziehen. Hier lag ich einst in der Wiege, an diesem Ort lernte ich sprechen, hier ging ich zur Schule. Mit dieser Stadt teilte ich Lust und Leid, Freude und Schmerz, und nun sollte ich dieses heilige Stückchen Erde, an daß sich alle meine Erinnerungen knüpften, nimmer-Wiedersehen-— Mittlerweile war ee hell geworden und ich zog mich an. Mein Herz pochte heftig, ich glaubte, ich könnte das Scheiden nicht überwinden, doch eine leise Stimme sagte: Du mußt! Mit neuer Kraft rannte ich aus dem Haus, und es war mir, als ob ein Dämon mich verfolgen würde. Ohne mich umzuschauen lief ich immer weiter und weiter. Endlich war ich im Freien. Ich atmete tief. Warum war das alles, warum?... Sigrid Läufer (14 Jahre alt, geh. in Wiesbaden). VERDOPPELUNG DER ALLGEMEIN¬ ZIONISTISCHEN SCHEKALIMI

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