Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 448 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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5«Itö 4 DII «TIMMI Nr. 348 - lö. MaJ 1935 IaABENSTEIGJ JjlMMELPFORTtt^ | JtöLLHERHOFGjJ SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA-HEMDEN (von S 680 aufw.) Sc-habbath“, die nun auch auf den Palästinaschiffen hochgehalten wird, tritt auch auf der „Galilea“ in ihre Rechte. Signor Umberto Steindler, der um seine Schützlinge stets besorgte Schiffsvater, ist es, der die Anordnungen zum Oneg Schabbath trifft. Kr beehrt mich schon Freitag vormittags mit der Ausarbeitung des Programms, um rechtzeitig die Einladungen und Plakate drucken lassen zu können. Freitag Vorabends prangen bereits an allen frequentierten Stellen des Dampfers die Ankündigungen des Oneg. Für heute ist die Jazz aus dem Promenadendeck, auf dem nun eine Rednertribüne improvisiert ist, verbannt. Im Halbkreis des Mitteldeckes sitzen Kopf an Kopf einige hundert Personen u:i 1 i oischen andächtig den Worten, die von b>r Bedeutung Palästinas für unser Leben und Sein erzählen. Judentum — dem wir zustreben, Judenland, dem unser Herz pochend entgegenschlägt! Judenland, Judenland, bald, bald sehen. fassen wir dich, heiliger Boden! Erez Israel ist uns schon ganz nahe gerückt. C y p e r n bringt uns erste Grüße. Aber wir wollen diese Grüße nicht. Es sind nicht schöne Grüße. Cypern | — sind hier nicht ein paar Juden am Werk, 1 Pardessim in Gold umzuwerten, palästinen-1 sische Arbeiter mit dem verlockenden Gold ihres Jobbertums von Palästinas Boden wegzulocken? — Man hört Dinge, die man lieber nicht gehört und nicht wahr haben .will. All das heißt dann in der Galuth: „Jüdische Siedlung auf Cypern.“ Doch Cypern wird eine Episode bleiben, gleich — Ecuador und wie sonst all diese Eintagsfliegen jüdischer Siedlungen heißen mögen. Ewig bleibt nur Erez Israel. Dorthin fahren wir. Restaurant Rillet "HPD Bestrenommiertc Küche 1^3 Reichhaltige Menüs AS 1'90u.2*60 Schwechater Bräu IL, Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke widerwärtige Hetze Telephon A 41-0-25 Vor einigen Monaten ist der Bibliotheksdirektor der Wiener Kultusgemeinde, Regierungsrat Dr. Wachstein, gestorben und bald nach ihm der bekannte Beamte der Bibliothek, Saul Chajes. Durch das Ableben dieser beiden Männer war die Bibliothek geradezu verwaist, und es trat an die Verwaltung der Kultusgemeinde die Forderung heran, zumindest die Stelle des Bibliotheksleiters so rasch als möglich zu besetzen. Die zionistische Mehrheit des Kultusvorstandes, die vom ersten Tage ihrer Verwaltung an bestrebt war, auf ein reibungsloses Zusammenarbeiten mit den der „Union“ ungehörigen Mitgliedern des Kultusvorstandes hinzuwirken, hat auch in dieser Frage mit der Minorität im Kultusvorstande Fühlung genommen, um nach Möglichkeit auch diese Angelegenheit einverständlich zu ordnen. Unter den zionistischen Mitgliedern des Kultusvorstandes bestand lange die Absicht, den zionistischen Kultusvorsteher Moses Rath, der als Obman der Schulkommission auf dem Gebiete des Schulwesens auf ausgezeichnete Erfolge hinweisen kann, zum Leiter des Schulamtes zu bestellen. Bei den Besprechungen, die zwischen den Klubs des Kultusvorstandes stattfanden, wurden gegen die Eignung Raths zwar von Seite der „Union“ keine Bedenken erhoben, jedoch geltend gemacht, daß auf dem Gebiete des Schulwesens die zionistische Auffassung im Gegensatz zu den Ansichten der „Union“ stehe, daß die Besetzung der Stelle des Leiters des Schulamtes ein Politikum sei und die „Union“ sich deshalb dagegen aussprechen müsse, daß auf diese Beamtenstelle ein ausgesprochener Vertreter des zionistischen Schulprogramms berufen wird. Während diese Frage noch in Schwebe war, traten die Vakanzen in der Gemeindebibliothek ein. Da waren es nun unionistische Kultusvorsteher, die sowohl an Professor Rath Rede Brodetzkys in London London, 7. Mai. (2. T. A.) Am 5. Mai hielt die Zionistische Föderation von Großbritannien und Irland ihre 35. Landeskonferenz ab, in deren Mittelpunkt Ansprachen des Präsidenten der Jewish Agency Nahum Sokolow und des politischen Leiters der Exekutive der Jewish Agency, Prof. Selig Brodetzky, standen. Brodetzky führte unter anderem aus: Die Judenheit vernachlässigt das Bodenproblem. "Während die Juden 26% der Palästina-Bevölkerung bilden, besitzen wir lediglich 6% des Landesbodens. Dies genügt nicht zum Aufbau des Nationalheims. Palästinas Position als Mandatsterritorium ist anormal. Es ist Mitglied und wiederum nicht Mitglied des British Empire. Als Mandatsland ist es nicht im Genüsse gewisser Vorzüge, deren britische Territorien teilhaftig sind. Palästina Jtann nicht ruhig Zusehen, wie seine Ausfuhr sinkt, während andere Länder mit ihren Exporten nach Palästina an htoAfi&t — 1 btl >«ruliun»ähl8fc«li IHVALIDITATf'RIHTIH t. (Ur «in lorglosti Alt«» AITIBI’BIHTIH f. Im AbUb«nil«r * HIHTIRBllIBt'llftfttMTEN ALLGEMEINE VERSICHERUNG* A.-G. PENSIONS-VEREIN WIEN; I., SCHELLINGGASSE 1 einen Dumping treiben. Die Regierung muß einen Ausweg finden. Ee sind nicht genügend entsprechende Maschinen in Palästina vorhanden, um den Anforderungen von Industrie, Transport- und Hafenwesen, Post-, Telegraphen- und Telephonwesen zu entsprechen. Auch hier fordern wir von der Regierung Taten. Wir sind froh, daß die Regierung auf einen hohen Budgetüberschuß hinzuweisen hat, aber der Überschuß darf nicht thesauriert werden, während das Land stagniert. Im Z i v i 1 d i e n s t und in den öffentlichen Arbeiten der Regierung ist die jüdische Position unbefriedigend; nicht nur daß wir hier keino Fortschritte machen, wir gehen rückwärts. Wir müssen die Regierung dazu bringen, den jüdischen Bedürfnissen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, Brodetzky wandte sich der inneren Lage der zionistischen Bewegung zu und sagte, ihm seien die von den Revisionisten für ihren Austritt aus der Zionistischen Organisation angeführten Gründe unverständlich. Wie, muß nicht jeder Schekelzahler die Beschlüsse des Kongresses als für sich verpflichtend ansehen? Keine Organisation könne existieren, wenn die Beschlüsse ihres obersten Organs nicht befolgt werden. Ich bedauere den Austritt der Revisionisten und hoffe, daß .sie schon in naher Zukunft einsehen werden, daß für ihren Entschluß weder in der Logik noch in der zionistischen Politik eine Grundlage vorhanden iöt. In der Zionistischen Organisation ist Raum für jeden, der am Aufbau Palästinas miturbeiteri will. Die Kongreßpolitik führt die fundamentalen Ideen Herzls durch, Nebenwege können nicht geduldet werden. Der Kongreß ist da« Organ, durch welches da« jüdische Volk zu seinem Gliedern in der ganzen Welt sprioht. als auch an zionistische Mitglieder des Kultusvorstandes mit der Anregung herantraten. Rath möge zum Bibliotheksleiter bestellt werden. Bei einer Unterredung zwischen den Obmännern der beiden Klubs de« Kulturvvrstandes, in der unter anderm auch diese Frage erörtert wurde, fiel seitens des Unionklubobmannes nicht die geringste Andeutung, aus der man auf eine Ablehnung Raths hätte schließen können. Bezeichnend ist das Verhalten des unionistischen Kultus Vorstehers Dr. Maier. Dieser hat vor einiger Zeit Rath aufgefordert, sich um den Posten des Bibliotheksleiters zu bewerben, da er durch sein reiches jüdisches Wissen und als Bibliograph und Fachmann im Bibliothekswesen für einen solchen Posten geradezu prädestiniert sei. Und als am 21. April in der Sitzung des Kulturvorstandes über die Ernennung Raths verhandelt wurde, war es derselbe Dr. Maier, der bei vollständig unverändertem Sachverhalt in jener Art losgezogen ist, die ihre Fortsetzung in zwei Artikeln des Unionblättchens gefunden hat. Dieses Blättchen, das sonderbarerweise in der Lage war, in vertraulicher Sitzung mitgeteilte Personaldaten Raths zu v c r ö f f e n 11 i c h e n, und das trotzdem noch immer die Auszeichnung genießt, von der Kultusgemeinde zur Publikition offizieller Verlautbarungen verwendet zu werden, glaubte offenbar seine Bestellung im Sinne der jetzt zu beliebten „Bodenständigkeit“ am besten damit glossieren zu können, daß es den Geburtsort Rath? Horodenka besonders hervorhob. In dieselbe Kerbe schlug in der nächsten Nummer des erwähnten Blattes der Kultusvorsteher Dr. Maximilian Stieglitz, der unter Verschweigung aller für Rath sprechenden Umstände eine gehässige, Herrn Rath kränkende und vollständig schiefe Darstellung der Angelegenheit zum Besten gab. Damit aber auch die heitere Note nicht fehle, hat der in Czernowitz geborene und dort aufgewachsene Dr. S t i e g 1 i t z in seinem Artikel alle jene auf die ostjüdische Abstammung und ostjüdische Erziehung Raths hinweisenden Momente in tendenziöser Weise gruppiert und hat geradezu als Inter essen Vertreter der „W Jener“ Juden das Wort ergriffen. Daß wir niemals zwischen Ost- und Westjuden einen Unterschied gemacht haben, brauchen wir nicht erst zu beweisen. Wir haben auch niemals einen Menschen deshalb geringer geschätzt, weil er gewisse Eigenarten seines heimatlichen Dialektes nicht abgelegt hat. Wenn aber jemand mit der Marke der „Bodenständigkeit“ auftritt und öffentlich ein Urteil darüber abgibt, was sich die „W i e n e r“ Juden werden gefallen oder nicht gefallen lassen, müssen wir doch dem Herrn Dr. Stieglitz, dem wir es ansonsten sicherlich nicht verübeln würden, daß er noch immer so singt, wie ihm auf dem heimatlichen Boden von Czernowitz der Schnabel gewachsen ist, dringend empfehlen, an dem Ausbau von Gegonsätzcn zwischen Ost und West zumindest solange nicht mitzuarbeiten, bis gewisse Eigentümlichkeiten seiner östlichen Redeweise abgeschliffen sein worden. Wir bitten davon überzeugt zu sein, daß es uns außerordentlich widerstrebt, uns mit in der jüdischen Öffentlichkeit unbekannten Persönlichkeiten von der Art dor Herren Dr. Maier und Dr., Stieglitz in unserem Blatte, dessen Raum wir für wichtigere Dingo benötigen, auseinanderznsotzen. Es war dies aber notwendig, um zu zeigen, daß die di« auf Kosten der Reputation des Herrn Rath betrieben wird, durchaus nicht auf sachliche Motive zurückzuführen ist. Denn bei Moses Rath sind tatsächlich alle Voraussetzungen vereinigt, die ihn zur Bekleidung der Stelle des Bibliothekars befähigen. Er konnte nicht bloß Zeugnisse von orthodoxen Rabbinern „aus Horodenka, Kolomea, Bochnia und ähnlichen für Wien bedeutenden Orten vorlegen“ — Orte, die Dr. Stieglitz auf gut Glück nennt, sich über seine eigene ostjüdische Heimat lustigmachend —, sondern er war in der Lage, das Rabbinerdiplom des dein Herrn Dr. Stieglitz sicherlich noch sehr gut bckant gewesenen Czernowitzer Rabbis Benjamin Weiß vorzulegcn, eines der bedeutendsten Gaonim und Religioiisphilosophen des vorigen Jahrhunderts. In diesem Zeugnis wird der damals erst 19jährige Moses Rath schon als „Baki b’schass uphoss’kim“ bezeichnet. Er hat aber auch ein Zeugnis des verstorbenen Wiener Oberrabbiners Chajes vorgelegt, aus dem hervorgeht, daß Rath an dem von Chajes geleiteten Hebräischen Pädagogium, das 400 Lehrer in Österreich, die Nachfolgestaaten, Amerika und Palästina ausgebildet hat, durch sieben .Jahre als Dozeent erfolgreich tätig war. Auch die literarischen Arbeiten Raths werden in diesem Zeugnis rühmend hervorgehoben. Er konnte ferner das Zeugnis des Krakauer Oberrabbiners Dr. Osias Thon vorlegen, eines Gelehrten und Predigers vom Weltruf, der Herrn Rath als „hervorragenden Talmudisten und vorzüglichen Kenner des gesamten jüdischen Schrifttums und namentlich der rabbinischen Literatur“ bezeichnet. Rath ist auch seit 21 Jahren als Lehrer der hebräischen Sprache und Literatur, der Bibel und der Bibelkommentare au Volks-, Mittelschulen und höheren Anstalten tätig, hat während der ganzen Zeit des Bestandes des Religionslehrerseminars in Wien dort als Dozent gewirkt, er ist der Verfasser des bekannten Lehrbuches S f a t h- A m e n u, das in sechs Sprachen erschien und mit seiner Auflage von 145.000 Exemplaren einen unerhörten Erfolg aufzuweisen hat. Dieser Lehrbehelf, der von jüdischen und nichtjüdischen Wissenschaftlern anerkannt ist, wird unter anderem auch an katholischen theologischen Lehranstalten verwendet. Wenn Rath als Buchhändler aus der Taborstraße verspottet und ihm höhnisch nachgesagt wird, daß er erst in vorgerückten Jahren maturiert hat, glauben wir, daß ihm beides zur Ehre gereicht. Wir kennen sehr viele akademisch graduierte H 0 h 1 k ö p f e, die mit Ach und Krach ihro Prüfungen absolviert haben und deren Wissen gleich Null ist, und wir kennen auch viele große Gelehrte, die eben einen andern, viel mühevolleren Ausbildungsweg zuriickgelegt haben. Und wenn sich Rath neben der großen Arbeit, dio er als Lehrer und mit größtem Fleiß tätiger Mandatar geleistet hat, noch aus eigener Kraft einen wissenschaftlichen Verlag und eine Sortimentbuchhandlung mit einem starken Einschlag von J u d a i c a und H e b r a i c a geschaffen hat, kann ihm dies in ßeinem neuen Amt nur von Nutzen sein. Die zionistischen Mitglieder des Kultusvorstandes konnten also Herrn Rath mit gutem Gewissen zum Bibliothekar wählen. Der Umstand, daß er ein bewährter verdienstvoller Zionist, mag in den Augen der Herren von der „Union“ ein Makel soin, bei uns wird aber die vorzügliche Qualifikation Raths durch sein zionistisches Bekenntnis nicht aufgehoben. Und wenn den Zionisten scheinheilig ausgesetzt wird, daß die Stelle im Wego eines Konkurses zu bo- Die Zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt und Klub Erez Israel spricht ihren treuen Mitarbeitern Gesinnungsgenossen Anselm, Moritz und Markus Teich zum Ableben ihrer Mutter Frau Rosa T^iCh ihr innigstes und tiefgefühltes Beileid aus. 5144555