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Die Stimme · 1935-05-10 · Heft 448 (10.5.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 448 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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r gfe lag 1«. Mal 1935 Dl» STIMMI »elf« 3 Die HerzVGedächtnUfeier der Wiener Zionisten Präsident Dr. Grünbaum eröffnet den Abend Photohaus Benedik, Wien, /., Rotcnturmstr. 20 Wir haben berichtet, daß die Palästina- Regierung in Zukunft die Zuteilung von Zertifikaten an solche Touristen nicht mehr bewilligen wird, die im Lande eine Erwerbsmöglichkeit gefunden haben. Die Zionistische Exekutive teilt mit, daß die Palästina-Regierung die Meinung vertrete, daß es „u nfair“ gegenüber den in der Galuth wartenden Bewerbern sei, Personen, die illegal ins Land gekommen seien, ein Zertifikat zu bewilligen. Diese Ansicht der Palästina-Regierung ist absonderlich. Die Einwanderungsbestimmungen gestatten es den Touristen, sich um Erwerbsmöglichkeiten umzusehen und um ein Zertifikat anzusuchen. Wenn die Palästina-Regierung plötzlich ihr Herz für die in der Galuth wartenden Bewerber entdeckt hat, so möge sie dem Drängen ihres Herzens nur nachgeben. Sie kann sich ihr Herz, das in dieser Frage schuldbeladen ist, dadurch erleichtern, daß sie die von der Zionistischen Exekutive verlangten Zertifikate zur Verfügung stellt. Wir meinen, daß dies — um einen Ausdruck der Palästina-Regierung zu gebrauchen — fair wäre. Wir meinen geradezu, daß es unfair wäre, trotz des unleugbaren Mangels an Arbeiterhänden, trotz der Tatsache, daß viele tausende illegale Einwanderer eine gesicherte Existenz gefunden haben, das Märchen aufrecht zu erhalten, daß die von der Palästina-Regierung errechnetem Einwanderungsziffern nicht stichhältig sind. Die Tatsachen beweisen der Palä- Bad Hall .. Jodbrombad gegen Arterienverkalkung/ Rheuma, Gicht, Augen- und Frauenleiden. Skrofulöse. Kurzeit: fcitte April bis Mitte Oktober' Auskünfte: Kurdirektion und Kurkommission. stina-Regierung seit einer Reihe von Jahren, daß die von ihr er rechneten Ziffern unrichtig und die von der Zionistischen Exekutive errechneten Einwanderungsziffern richtig sin d. Es wäre also ein Zeichen von Fairneß seitens der englischen Palästina-Regierung, wenn sie endlich die sachlich unmotivierte Droese- 1 u n g d e r E inwanderun g aufheben würde. Die Zionistische Exekutive stellt in ihrer Mitteilung über diese Sistierung der Zertifikat (> an Touristen resigniert fest, daß sie bei der Palästina-Regierung kein Gehör gefunden habe und macht Andeutungen, daß eine Legalisierung der illegalen Einwanderung bevorstehe. ln eingeweihten lvroisen munkelt mau schon seit, langer Zeit, daß eine Amnestie der illegalen Einwanderer bevorstehe. Wir stehen aid dem Standpunkt, daß dio Palästina-Regierung moralisch verpflichtet ist, die illegalen Einwanderer zu legalisieren, weil sie unter Mißachtung der traurigen Lage der Juden in vielen Ländern und durch eine willkürliche Drosselung der Einwanderung es verschuldet hat, daß tausende Menschen, die sonst elend zugrunde gegangen wären, nach Palästina gekommen sind. Diese Menschen können nicht als illegale Einwanderer betrachtet werden, da sie in die Heimat ihrer Väter zurückgekehrt sind. 1 n seiner Heimat kann niemand illegal sein. Wir müssen daher der Palästina-Regierung den Vorwurf zurückgeben, den sie gegen die Touristen erhoben hat. Die englische Regierung möge ihren Verpflichtungen nach dem Wortlaut und nach dem Sinn des Mandates na6h.kom.inen und eie wird keinen Anlaß haben, sich über ein unfaires Vorgehen der Zionisten zu beklagen. Sie möge vielmehr die nach unserer Ansicht illegale Einwanderung von Arabern aus den Nachbarländern unmöglich machen. Wir vertreten die Meinung, daß die Duldung dieser Einwanderung nicht fair ist. Wir fin- An Bord der „Galilea“, vor Cypem, 14. April. „Fahrt nach Palästina.“ — „Sie beginnt schon am Südbahnhof im Angesichte des Triester Schnellzuges.“ Nun denn, diesmal war das nicht der Fall. Ee fuhren keine Chaluzim und die Bahnhofshalle widerhallte auch nicht von den Lieder-1 gesängen des improvisierten Horatanzes. Aber nicht nur bei der Abfahrt von Wien ging es diesmal merklich ruhig zu. Auch in Triest, das in den letzten Wochen tausende Chaluzim abzufertigen hatte, war es verhältnismäßig still. Dr. G o 1 d i n, der Leiter des Triester Palästinaamtes, der stets fürsorgliche Berater der Palästinareisenden, hatte auch diesmal reichlich zu tun, um den immerhin 400 Palästinafahrern an diesem Tage mit Rat und Tat behilflich zu sein; aber alles ging wie am Schnürchen, war ausgezeichnet organisiert, nirgends die geringste Nervosität. In Triest fühlt man sich schon Palästina nahegerückt. Von der Ferne blitzt einem der langgestreckte schneeweiße Palästinadampfer, die „Galilea“, von herrlicher Frühlingssonne umgossen, entgegen — und schon hat man alles vergessen, einen Strich unter das Gestern getan und ist von einem einzigen starken Gefühl berauscht: Palästina. Eine kurze Fahrt durch das frühlingsha.fte Triest mit Triestiner Freunden und die Stunde der Einschiffung ist gekommen. Die weiten freundlichen Schiffshallen des Lloyd Triestino.stehen bereit, die Palästinafahrer aufzunehmen. Aber auch auf dem Schiff ist alles voller Erwartung: als ob es die erste Palästinaausfahrt wäre. Die Gepäcks-, Zoll- und Paßrevision ist —■ unserem Schirmvogt Dr. Goldin sei es gedankt — in wenigen Minuten erledigt und ehe man noch die Größe des Augenblicks erfaßt hat, ist man schon an Bord, umringt von fürsorglichen und dienstbefliessenen Stewards. Unter strahlend blauem Sonnenhimmel verlassen wir Triest. Bald sind auch die letzten Silhouetten des Karstes aus der Sehweite. Die Fahrt nach Erez Israel ist Wirklichkeit geworden. Leben und Menschen an Bord An Bord der „Galilea“ fühlt und erlebt man diese Wirklichkeit in vielfältigster Form. Man hat vor allem das Gefühl, auf einem jüdischen Dampfer zu sein. Juden sind das Hauptkoutingent seiner Passagiere. Der begeisterte Zionist Umberto S t e i n dler ist der sichere Kommandant des Schiffes, der mit besonderem Stolz davon erzählt, daß es diesmal seine 127. Palä- , den aber auch, daß die Zionistische Exekutive mit mehr Energie in d e r Ein w a n d e r u n g s f r a g o v o rg e h e^n sollte. Wenn wir aber schon von fair und unfair reden, dann ist. es ein Gebot der Gerechtigkeit, auch darauf zu verweisen, daß die Au.freehthaltung der von der Zionistischen E r e k u t i v e verfügten E inwand e r u n g s b e s t i m m u n g e n dem jüdischen Volk gegenüber nicht als fair bezeichnet werden kann. Das Einwanderungssystem der Exekutive begünstigt in einseitiger Welse durch die Art seiner Bestimmungen eine Partei. Wir aber wollen haben, daß die Bestimmung darüber, wer einwandern soll, nicht jungen Menschen überlassen bleiben soll, die zufällig die Führer eines chaluzischen Verbandes sind, und daß Verläßlichkeit der parteimäßigen Zugehörigkeit keinen Anspruch auf ein Zertifikat geben sollte. Wir meinen, daß nicht die Parteizugehörigkeit, sondern die menschliche, fachliche und zionistische Qualifikation des Bewerbers für die Erteilung des Zertifikats maßgebend sein soll. Darüber soll ein anderesmal gesprochen werden. stinafahrt ist. Von den stark frequentierten koscheren Abteilungen, insbesondere in der Touristenklasse, nicht zu reden. Es ist ein jüdisches Schiff, nicht vom Standpunkt der Reedereigesellschaft, sondern deshalb, weil es einen heiligen Zweck erfüllt: es führt das kostbarste Gut, das das jüdische Volk in der Golah Palästina darbringt: Jugend. Jugend ' gibt auch dieser Fahrt den Stempel. Es ist keine ehaluzische — mit wenig Ausnahmen —, aber doch Jugend; aus Deutschland, aus dem Saarland, auch aus Wien, dazwischen . vereinzelt Familien aus Lettland und Polen, aus Mähren und Böhmen. Diese 450 jüdischen Mädchen und Burschen sind wohl ein Element, dessen Schichtung zu de- GUTSCHEINE IN AUEN FILIALEN ODER U-35-5-65 HEINE MUTTER WIRD SICH FREUEN, DENN SIE ERSPART DEN WASCHTAG linieren eigentlich schwer fällt — der letzte Rest der zu Ende gehenden Zertifikatsschedule, aber das Ziel, dem ihr Streben gilt, wird sicherlich auch diesen jungen Menschen Wegweiser sein. In der ersten Klasse wieder sieht man Engländer, Elsässer, weniger Deutsche, Amerikaner. Auch hier der allergrößte Teil mit dem jüdischen Ziel: Palästina. Letzter Grul} aus der alten Heimat Brindisi: Bei gleichbleibendem Sommerwetter erreichen wir Brindisi. Eiu- Schon Kinder sollen die Zähne mit O DOL- Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund Kleine Tube S — 90 Große Tube S 1.40 zelne Palästiuafahrer besteigeu hier unser Schiff. An der hängenden Landungsbrücke entsteht plötzlich ein Menschenknäuel: ein italienischer Zeitungsjunge hat die Situation erfaßt und die letzte Nummer der „Stimm e“ an Bord gebracht. Im Nu sind ihm sämtliche Exemplare aus der Hand gerissen. Die untergehende Sonne sendet ihre letzten, schillernden Strahlen auf die blaue Adria, die „Galilea“ lichtet die Anker und rauscht auf das Mittelmeer hinaus. 450 Menschen aber halten vor sich ein Zeitungsblatt als letzten Gruß aus der alten Heimat, als Wegweiser in die neue. Ledio^Daudi am Mittelmeer Wir haben die Gewässer der Adria längst verlassen. Das Auge berauscht sich nunmehr an der unfaßbaren Schönheit des tiefblauen Mittelmeeres. Und man ist stolz, unsagbar stolz, einem Volke anzugehören, das einmal an der Küste dieses Meeres gelebt hat und nun wieder an diese Gestade zurückkehrt: Ein Gedanke, der einen während der ganzen Fahrt umkreist: Fahrt in die Heimat. Es ist alles so selbstverständlich, auch diese wundersame, märchenhaft schöne Fahrt auf dem Mittelmeer — es ist so gar keine exotische Reise, sie ist so natürlich, unserem Fühlen und Erleben, unserem Sehnen und. unseren Träumen entsprungen. Wir sind doch ein Mittelmeervolk! Zu den angenehmen Dingen auf dieser Fahrt zählt auch der gänzliche Verlust des Zeitgefühls. Kaum daß man sich in der Tagzählung mehr zurechtfindet. Aber man wird daran erinnert und ist diesmal darob auch gar nicht böse. Es ist Freitag nachmittags: die letzten Vorbereitungen zum Gottesdienst sind getroffen. Und ehe der Gottesdienst noch angefangen, ist die schön ausgestattete Schiffssynagoge von Menschen, jung und alt, überfüllt. Die Frauen und Mädchen bilden im Umkreis eine recht große Schar, die, mit den Gebetbüchern in den Händen, unter freiem Himmel mit innigster Andacht dem Gottesdienst folgt. Hier, im Schiffsbefchaus, vereinigen sich erste und Touristen-Klasse, fallen sämtliche gesell-i schaftlichen Unterschiede, gehen alle ge-' meinsam der Königin Sabbath entgegen. Aus dem kühlen Tea-room der ersten Klasse klingen jetzt die ersten Jazztöne, aber der Lecho-Daudi-Gesang aus der Schiffssynagoge übertönt sie und lockt immer mehr Menschen an. Es ist etwas Ergreifendes, diese jungen betenden Menschen zu sehen. Ihr Gebet ist Symbol und Sinngebung. Sonne und Meer, Himmel und Wasser geben ein Panorama von überwältigender Schönheit, eine einzige Symphonie von Farben. . . . und Oneg Sdiabbath auf Rhodos In gleichbleibendem Fahrttempo nähern wir uns der romantischen kleinen Insel Rhodos. Stundenlang fahren wir an dieser lieblichen und herben Küste, immer dio grünen Bergkämme im Auge. Es ist Samstag nachmittags. Die Tradition des auf Palästinas Boden entstandenen „Oneg TAPET MN NI MODERN! GESCHMACKVOLLE U8HIK5E WANWEKLEIDUNG ERHÄLTLICH DURCH JEDEN TAPEZIERER ODER DIREKT BEI DER JAWIG" A-.G. WIEN I, SCHOTTEN BASTE110 Erez Israel entgegen Von unserem nadi Palästina entsandten Sonderberichterstatter Dr. Jakob Rosenthal Der Allgemeine Zionismus reitet die Jugend vor der Assimilation der Flügelparteien Jüdische Jugend: Wähle Allgemein-Zionistisch!

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