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Die Stimme · 1935-05-10 · Heft 448 (10.5.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 448 (10.5.1935)
Date
1935-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 148 - 10. Mal 1985 Dil STIMM! Kindergärtnerin gesucht Erfordernisse: Oesterr. Staatsbürgerschaft, zweijährige anerkannte Praxis nach Befähigungszeugnis. hebräische Kenntnisse, Alter unter 30 Jahre. Ausführliche Offerte an die Administration unter „Kindergärtnerin“. aus dem Vorwort des deutschen Übersetzers seiner ..Dialoge“. An Hand einer Wandkarte zeigt Loosli, wie weitgehend in den „Protokollen“ die „Dialoge“ einfach abgeschrieben wurden Auf dieser Karte sind nämlich alle Selten der Fritschschen „Protokolle“ aufgeklebt und die abgeschriebenen Steilen rot unterstrichen, wobei sich ein wahres Blutbad ergibt. Die „Protokolle“ sind das Werk eines be wußten und dazu noc-h oberflächlichen Fälschers, und die Übersetzer zur B e e k Fritsch und andere haben, wie Loosli an ■Beispielen naohweist, diese Fälschung durch Zusätze, die die Juden verächtlich machen sollten, noch weiter verfälscht. „Welche der verschiedenen, voneinander abweichenden Fassungen“, fragt Loosli mit erhobener Stimme, „hat denn eigentlich als die richtige zu gelten?“ Bisher sei nie eine Antwort darauf erteilt worden. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich der Experte des Berner Richtens auch mit Hitler und Rosenberg. Alles, was Hitler in seinem „Mein Kampf“ für die Echtheit der „Protokolle“ vorzubringen vermag, ist seine Bemerkung, die „Frankfurter Zeitung“ stöhne, die „Protokolle“ seien gefälscht-, und das beweise ihre — Echtheit! Alfred Rosenberg aber, der Kulturminister des Dritten Reiches, den die Antisemiten als wissenschaftliche Größe hinstellen, hat ein von Entstellungen und Fälschungen wimmelndes Buch über die „Protokolle“ herausgegeben und überdies, wie von katholischer Seite nachgewiesen wurde, in seinem „Mythos des 20. Jahrhunderts“ die geistige Arbeit eines Mannes plagiiert, der bereits im Irrenhaus war, als sein Werk erschien! So sehe das geistige Fundament des Nationalsozialismus aus. Achad Haam komme schon aus dem Grunde als der Verfasser der „Protokolle“ nicht in Frage, weil er, der doch auch von den Antisemiten als ein sehr kluger Mensch, „Jüdische Ueberhebltchkeit“ Fachschulen für Mieder, Wäsche, Damen* und Kinderkleidung, Schnitt!eichnen und Zuschneiden. Kurze Spezialkurse Pollak -Schalling er VI., Mariahilferstr. 45, 4. Hof. Tel. B 25-7-41 gewissermaßen als der Weiseste der Weisen von Zion hingestellt wird, unmöglich ein so erbärmliches und so plump plagiiertes Machwerk hat schreiben können. Zum Schlusse des ersten Tages seiner Ausführungen weist Loosli noch einige schwere Mängel und Unmöglichkeiten im Gutachten Fleischhauers nach. So habe sich Fleischhauer wiederholt auf Aussagen von notorischen Lügnern und Fälschern wie Taxi! und Professor Rohling berufen. Zur Beek, Fritsch, Dinter und andere antisemitische Schriftsteller seien von Professor Strack als Fälscher angeprangert w'orden, ohne darauf zu reagieren. Und diese Ehrenmänner schreiben einander ab und einer beruft sich auf den andern. Der von Fleischhauer zitierte J o u in habe erklärt, er verlange von seinen Freunden nicht, das sie an die Echtheit der von ihm verbreiteten „Protokolle“ glauben! So sehen die Kronzeugen Fleischhauers aus, so aber auch das Gutachten Fleischhauers. Für die Zuverlässigkeit seiner Angaben spricht die Tatsache, daß er Joly als ein Mitglied der „Loge de Paris“ bezeichnet, während diese Loge erst im Jahre 1926, also viele Dezennien nach dem Tode Jolys, begründet worden ist... Der heranwacheenden Jugend reicht man morgens ein Gläschen natürliches „Franz-Josef“- Bitterwasser, das infolge seiner magen-, darm- und blutreinigenden Wirkung bei Mädchen und Knaben recht beachten« Herta Erfolg« enftalfc, „Jüdische Überheblichkeit!“ schreien die Wiener antisemitischen Blätter in bezug auf die Rede, die der Bundesführer dos BundesjüdischerFrontsoldaten bei dem Generalappell aan letzten Sonntag gehalten hat. Die Überheblichkeit soll darin liegen, daß in der Rede darauf hingewiesen wurde, daß für Österreich auch Tau sende von Juden auf dem Schlachtfeld gefallen sind, und daß sich aus der Tatsache der Gleichheit vor dem Tode auch die Gleichheit im Recht als Bürger und Bewohner des Staates als Tatsache ergibt Das mag denen, die der Bundeskanzler kürzlich als. die „ewig Gestrigen“ bezeichnet hat, unangenehm in die Ohren klingen. Aber das ändert nichts daran, daß der Bundesführer, Hauptmann Friedmann, das ausgesprochen hat, was. jeder anständige Mensch empfindet, und es ist nur selbstverständliches Gebot, daß wir uns gegen Angriffe mit ganzer Kraft wehren und nie Diskriminierungen des Judentums zulassen werden. Auf antisemitischer Seite wird darauf sofort geantwortet, daß die Juden nur eine geringe Minderheit — 3% gegen 96% Christen — bilden. Folgt daraus etwa, daß sich, diese Minderheit von jedem, der nur will oder in sich die Bestimmung dazu fühlt, b eschimpfen lassen muß oder daß sie auf legalem oder illegalem Weg außer Recht gestellt wird? Daraus kann auch nicht gefolgert werden, daß zum Zweck des Konkurrenzkampfes gegen den Nationalsozialismus der Judenhaß hier in Österreich verstärkt werden kann. Der Nationalsozialismus des Dritten Reiches ist gerade wegen seiner antijüdischen Praxis, wegen seiner Mißhandlung Wehrloser zum Abscheu der Welt geworden, und dies hat, wie man aus der letzten Rede Brinkmanns in Berlin ersehen kann, sehr fühlbare. Folgen gehabt.. Wenn Österreich den Nationalsozialismus ab lehnt, so muß es dies im ganzen tun. Dies auch aus Gründen der außenpolitischen Zweckmäßigkeit. Frankreich, England, Italien, die für Österreich maßgebenden Mächte, sind auch Garanten des Staatsvertrages von St. Germa-m, in welchem sich Artikel befinden, die auch in die neue österreichische Verfassung übernommen werden mußten.,Diese Artikel beziehen sich auf die jüdische Minderheit und stellen das gleiche Recht des jüdischen Einwohners in Österreich außer Diskussion. Es mag sein, daß der Überschwang des Raissfcgefühls den oder jenen zur Mißachtung der Verfassung veranlaßt. Dann ist es eben Sache der Regierung und den von ihr eingesetzten Behörden, naoh dem Rechten zu sehen. Der Staat darf nicht der üblichen Nachrede des Vertrags- oder Verfassungsbruches ausgesetzt werden. Hinter diesen Attentaten auf Recht unid Gesetz steht eine organisierte Garde. Die Wiener Zeitungen haben am 7. d. eine Rede des gewesenen Ministers Dr. M a t a j a in einem christlichen Frauenbund veröffentlicht, in der gesagt wurde: „Es ißt kränkend, wenn man bei uns sieht, daß überall die Nationalsozialisten hineingeschoben werden. Nazi sitzen in allen höheren Ämtern der Bureaukratie. Sie stecken in den Verwaltungskörpem, und je höher das Einkommen, desto unverläßlicher ist der Patriot. Im Knopfloch trägt man das rot-weiß-rote Band und in der Hosentasche das Hakenkreuz. Aufpassen in den eigenen Reihen und aufräumen mit den Versöhnungsmeiern!“ Diese Äußerung erklärt vieles an den Vorgängen in Österreich. Es ist ein Wissender, der da vor der Öffentlichkeit tritt. Die „Versöhnung“ mit den Nationalsozialisten würde so ausfallen, daß einerseits d i e k a-* tholische Kirche, anderseits d i e Juden die Rechnung bezahlen. Die katholische Kirche ist sich der Gefahr bereits bewußt, die ihr unmittelbar drohen würde. Aber aie übersieht die Lücke, die in das Verteidigungssystem durch die antisemitische Agitation gerissen wird. Auch katholische Kreise, die über das Schwinden ihres Rechtes im Dritten Reich Beschwerde führen, stimmen in die „Überheblichkeit“ ein. Wenn die Juden ihre Gleichberechtigung dies a 1.s, Überheblichkeit einer v e r s c h wi n d e n d e n Minderheit ab getan;, wenn aber die Ansprüche dor zu „Versöhnenden“ hervorkommen, dann han delt es sich um Stellen,, die angeblich von einer jüdischen Überzahl besetzt sind und den Ariern gut schmecken würden. Weil ,es Advokaten gibt, die keine Klienten bekommen, Ärzte, die keine Patienten haben, Geschäftsleute, denen die Kundschaft ausbleibt, sind die. jüdischen Anwälte, Ärzte, Kaufleute daran schuld. Die das behaupten, sollen sich an Goethe er innern: „Laßt uns selber besser worden, gleich wird es besser sein!“ Was die. jüdische Bevölkerung verlangt, ist die Wahrung des Gesetzes. Die jüdische Bevölkerung betreibt keine dout-des-Politik, für sie ist die loyale Arbeit für den. Staat eine Selbstverständlichkeit. Sie tut das Rechte um seiner selbst willen und verlangt keine Kompensation. Eine Diskussion über das Verhältnis der Minder heit zum Staat oder zur Mehrheit ist u nnötig, auch in der Art, in der jetzt viel von einer „Verständigung von Volk zu Volk“ gesprochen wird. Das ist ein Wort, das sich in Versammlungen sehr hübsch an hört, aber doch leer und schal ist. Verständigung heißt Bereitschaft auf etwas zu verzichten. Wir haben nichts, was wir aufgeben könnten. Wir sind durch die gegen uns betriebene Praxis auf allen Gebieten in, der Hinterhand und müssen uns um primitive Dinge wehren. „Von Volk zu Volk“ klingt schön, besagt aber überhaupt nichts. Die verantwortungsvolle Vertretung des Judentums ist die Leitung der Kultusgemeinde, die wir selbst gewählt haben und die unser Vertrauen besitzt. Ihre Autorität muß gestärkt werden, damit sie jederzeit, wenn sie im Interesse des gesamten Juden tumß auf- .trftt, das volle Gewicht der Vertretung von .180,000 Menschen in die Waagschale werfen : kann. Dies müssen vor allem '.die, nationalen Juden einschen und verstehen. Je geschlossener das bewußte Judentum hinter der Führung steht,- um so leichter wird es die „Überheblichkeiten“ auf das richtige Maß zurückführen und die Überzeugung schaffen, daß die wirtschaftliche Kraft und die ehrliche Arbeit der Juden keine quantite negligeable ist, und daß jeder Angriff auf unser Recht entschlossen abgewehrt wird. Wir stehen auf dem Boden der Verfassung und des Friedens vertrage«. Über unser Recht debattieren wir nicht, und wir müssen uns darüber auch mit niemandem verständigen. uw HOTEL BELLEVUE n» PÖRTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehmes Heus unter streng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwaiser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . $ 9a- Hauptsalson.S12'- Seebad und Garage frei / Geöffnet von Mai bis Oktober / Verlangen Sie Prospekte ln Original SCHWEIZE«-Qualität wiederzu haben: BERNA-KÄSE Anadrüokllch verlangen: „SCHWEIZER BERNA“ Die Zionisten in der Berliner Jüdischen Gemeinde Berlin, 6. Mai. (2. T. A.) , Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird die folgende Erklärung übermittelt: Die Fraktionen des Jüdischen Volkstundes und der Zionistischen Vereinigung in ,1er Berliner Jüdischen Gemeinde erachten es im Interesse der jüdischen Gesamtheit für untragbar, daß der Vorstand der Jüdischen Gemeinde in einer Zusammensetzung be stehen bleibt, die dem wirklichen Sinn der jüdischen Bevölkerung nicht mehr entspricht. Die beiden Fraktionen, sich dessen bewußt, daß hinter ihnen die überwiegende Mohrheit der Berliner Juden steht, fordern eine unverzügliche Veränderung in der Zusammensetzung der Geraeindegremien unter stärkster Berücksichtigung der von ihnen vertretenen Anschauung auch durch entsprechende Umbesetzung der Dezernate, i In dem Kampf um die Erfüllung der Jüdischen Gemeinde mit dem lebendigen Geist dos Judentums erwarten sio die volle Unterstützung der gesamten jüdischen Öffentlichkeit. gemäß der Vertagung verlangen, eo wW;güte 8.) “ verwei8en Einem wiederholt geäußorten Wunsche Rechnung tragend, wurde in Pörtschaoh am Wörthersee eine erstklassige, mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtete Pension eröffnet. Die Zimmer haben durchwegs Seeaussioht, die Speisen werden streng rituell zabereitet, dabei sind die Preise zeitgemäß niedrig gehalten. (Wir verweisen hiezu auf das Inserat Das Regierungsjubttäum des englischen Königspaares Die englische Judcnheit hat anläßlich des 25jährigen Regierung« jubiläum® des englischen Königspaares eine vom Präsidenten de« Board of Deputies of British Jews, Neville Laski, und dem Präsidenten der Angio Jewish Association, Leonard Montefiore, Unterzeichnete Ergebenheitsadresse an den König gerichtet. Die Zionisten und das Jubiläum „New Judea“, das offizielle Organ der Zionistischen Weltorganisation, führt aus: Der zukünftige — hebräisch schreibende — Historiker unseres Volkes wird die ergreD fende Darstellung der jüdischen Restauration etwa in der folgenden biblischen Form beginnen können: „Und es geschah in den Tagen des Königs Georg V„ im siebenten Jahre seiner Regierung, daß in seinem ganzen Königreich verkündet wurde, daß die Regierung beschlossen hat, die Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina zu fördern.“ Aus Anlaß des silbernen Jubiläums des Königs Georg V. gedenken die Zionisten in der ganzen Welt voll Dankbarkeit, daß während der Regierungszeifc dieses Königs Großbritannien die Initiative zum Wiederäufbau des jüdischen Nationalleims ergriffen hat und daß in der gleichen Zeit auch schon die Grundlagen für dieses Nationalheim gelegt wurden. Die Zionisten in der ganzen Welt werden dabei auch mit Dankbarkeit des persönlichen Interesses gedenken, das der König an der zionistischen Politik seiner Regierung genommen hat. Als sich im März 1918 die erste zionistische Kommission nach Palästina begab, wurde eine Deputation, bestehend aus Dr. Weizmann, Dr. Sokolow und dem verstorbenen Dr. Tschlenow, vom König in einer 35 Minuten dauernden Audienz empfangen, wobei die verschiedenen Aspekte der jüdischen nationalen Frage erörtert wurden. Der König zeigte dabei eine eingehende Kenntnis des Zionismus und ein tiefes Interesse an den zionistischen Zielen und an der Aufgabe der zionistischen Kommission. Dies hat die Mitglieder der Deputation gar nicht überrascht, denn ihnen war es bekannt, daß zur Zeit der Kabinettsberatungen, die der Verkündung der historischen Deklaration durch Balfour vorangingen, der König die ganze Angelegenheit persönlich studiert hatte. Die der von Dr. Weizmann geführten Deputation gewährte Audienz kennzeichnete dio hohe politische Bedeutung, die die englische Regierung der Wiederaufrichtung des jüdischen Nationalheimes in Palästina beimaß. Seit jenem denkwürdigen Tage hat sich vieles ereignet. Das Werk des Wiederaufbaues der alten Heimat ging nicht ohne trübe Momente vor sich. Die friedlichen Anstrengungen der Juden wurden häufig gehemmt. Die Pioniere hatten unsagbare Leidon zu erdulden. Aber die Ära der Hoffnung', die die Regierung mit der Verkündung der Deklaration oröffnet hatte, Hielt an, und der Glaube an den schließliehen Sieg der Gerechtigkeit der zionistischen Sache, dor zuweilen durch dio Ereignisse erschüttert wurde, wurde immer neu gekräftigt. Indem das jüdische Volk zum silbernen Jubiläum gratuliert, ist es tief eingedenk des historischen Aktes der Regierung vom Jahre 1917, der drei Jahre später — am 5. Mai 1920 — zu dem Beschluß von San Remo führte, daß Großbritannien Palästina unter einem Mandat verwalten und dio Verantwortung für die Verwirklichung' der Balfour-Deklaration übernehmen solle,

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