Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 448 (10.5.1935)
- Date
- 1935-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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frdi dieser Nummer 20 g V. b. b. Die Zukunft des Zionismus liegt im Allgemeinen Zionismus Wählt Allgemein-Zionistisch! JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 448 I Wim, lo. Mal INS I fledaktion und Administration; Wien, Mira-Aursl-8tri8e 6. Tel.: U 22-3-91 ^edaktionssohluB Montag und Mittwoch vorm. DER WEG NACH EREZ ISRAEL führt über die PALÄSTINA—EILLINIE des LLOYD TRIESTINO TRIEST—JAFFA-HAIFA nur S 250’— in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder vietbettigen Außenkabinen mit reichlicher u.schmadchafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Luxusschiffe .OALILEA*, .OERUSALEMME', .PALESTINA* (je 12.500 Tonnen Deplacement) Verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Ägypten und via Athen- Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer FOr Reisegesellschaften Sonderpreise Lloyd Trlestlno, Wien, I., Kärntnerring 6. Tel. U 47-5-60 (7, Ijar S695) | 8. Jahrgang Sensationelles Gutachten Im Berner Prozeß Im Berner Prozeß wegen der Fälschung der „Protokolle der Weisen von Zion“ kam am Dienstag der vom Gericht bestellte Gutachter, der Berner Schriftsteller C. A. L 0 0 s 1 i, zu Wort. Seine Darlegungen, die den Höhepunkt des Prozesses bildeten, wuchsen sich zu einer Abrechnung mit den nationalsozialistischen Fälschern, zu einem Gericht über den nationalsozialistischen Sachverständigen Fleischhauer aus. Loosli ist der Sohn eines heroischen Bauerngeschlechtes. Er ist von den Nationalsozialisten als Jude und Freimaurer bezeichnet worden. Damit sollte er in den Augen der Hakenkreuzler diffamiert werden. Grund genug für Loosli zu einer persönlichen Attacke gegen die Nationalsozialisten, die zu einer wuchtigen Abrechnung wurde. ¥ * * Loosli begann mit einer Verwahrung gegen idie „Banditenjournalißtik“ des „Völkischen Beobachters“ und dessen über seine Person absichtlich vorgeifcragene Unwahrheiten, „die ein durchaus amzweideutigee Licht über den derzeitigen Information«- und Nachrichtendienst der offiziellen deutschen Presse verbreiten“, einer Presse, „die eich nicht wehleidig und entrüstet genug über die angeblich im Ausland [verbreiteten Schauermären über Deutschland m beklagen weiß, auch wenn deren iWahrhedt einwandfrei erwiesen ist“. Dem Experten Fleischhauer wirft Loosli tvor, däese Falschmeldungen mithel- VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE 6 oder unmittelbar verursacht zu haben. Er weist ferner auf die höchst auffallende Tatsache hiu, daß der Inhalt des Gutachtens Fleischhauers heute schon, also bevor noch ein Urteil ergangen ist, Bestandteil einer bereits erschienenen Neuauflage der „Protokolle“ in Deutschland ist! Dies zeige wiederum, daß dieses Gutachten von allem Anbeginn an als antisemitische Werbeschrift sowohl gedacht und auch a b g e f a ß t war. Entgegen der Darstellung im „Völkischen Beobachter“ erklärte. A. Loosli, kein Freimaurer zu sein; er wolle aber lieber einer noch so hochgradigen Freimaurerei angehören als „der wohl ein wenig allzu warmen Brüderschaftnationalsozialistischer Prägung“. Den Experten Fleischhauer hält der Experte des Richters für einen „ito seiner Art“ durchaus ehrlichen Experten, bezeichnet ihn aber sachlich als unbedingt unfähig, sich in Anschauungen, die den »einigen zuwiderlaufen, einzufühlen. Er erachte eß daher als seine Pflicht, die „arisch-nordischen“ Auffassungen Fleischhauers, die mit der abendländischen Kultur unvereinbar seien, um des Schweizertums und um der Menschlichkeit willen, unerbittlich zu bekämpfen, denn wenn es Wissenschaft heißen solle, „daß jeder Sternickel, Hahrmann, Denke, Julius Streicher Vermögens seiner nordisch-arischen Abkunft edleren Blutes ist als unsere Juden, unsere Freimaurer, unsere Sozialisten, unsere Freisinnigen“, dann bitte er um einen wohlgezielten Gnadenschuß. Damit geht C. A. Loosli ziur Ergänzung seines schriftlichen Gutachtens, das er auch nach den. bisherigen Verhandlungen in vollem Umfang aufrechterhält, über, wobei er versichert, sich einzig von den Worten Emile Z 01 a s leiten zu lassen: „La veritö cst en marche, et rien ne l’arretera plus!“ Eine Erklärung des Redakteurs Graves Starken Eindruck macht die Verlesung einer beeideten Erklärung des „Times“- Redakteurs Philipp P. Graves, der im Jahre 1921 die Fälschung der „Protokolle“ entlarvt hat. Graves steht auch heute noch voll und ganz zu jenem Artikel und insbesondere aucli zu seiner Ansicht, daß die „Protokolle“ ein plumpes Plagiat sind, „dazu bestimmt, gegen dio Juden und Liberalen Rußlands durch falsche Anklagen Feindseligkeiten zu erregen, und in seinen Übersetzungen dazu bestimmt, Feindseligkeiten gegen die Juden im allgemeinen zu erzeugen“. Bezeichnend für die Kampfesmethoden Fleischhauers ist ein Brief des frühere« russischen Ministerpräsidenten Alexander Kerenski an Loosli, in dem Kerenski verschiedene Behauptungen im Gutachten Fleischhauers Lügenstraft, und feetstellt, daß er entgegen diesem Gutachten kein Jude sei, obwohl er die jüdische Abstammung für ebenso ehrenvoll halte wie jede andere, sondern dem rechtgläubigen Bekenntnis angehöre. Endlich verliest Loosli ein Schreiben von Poliakoff-Litowtzeff, der die Darstellung, als »ei er der geheimnisvolle Verfasser des französisch-englischen Abkommens von diesem Jahr, zurückweißt. Weiter stellt Loosli an Hand eines Fragebogens des „W e 11 d i e n s t e s“ fest, daß die Antisemiten selber, die Identität von Maurice Joly und seine Zugehörigkeit zu Judentum und Freimaurerei für zweifelhaft halten, nachdem sie diese während 15 Jahren mit apodiktischer Sicherheit behauptet haben. Loosli widerlegt auch die Behauptung des Zeugen - der Angeklagten Df. Z a n der, der für. die angebliche Echtheit der „Protokolle“ den Umstand ins 'Feld führte, daß die Juden noch nie einen Prozeß dieserthalben geführt hätten. Er erinnert unter anderem an die Klage Achad Haaras gegen Reventlow, die mit der Revozierung der Beschuldigungen durch letzteren endete. Es sei sonderbar: Klagen die Juden, so erklärt man dies als Frechheit und „T h e a t. e r“, klagen sie nicht, so erblickt man darin ein stillschweigendes Schuldbekenntnis. Hierauf geht Loosli zur Ergänzung seines Gutachtens über, wobei er feststellt, in den wesentlichen Punkten, wenn auch zum Teil auf anderem Wege, zum selben Ergebnis gekommen zu sein wie Prof. B auingarten. Dieses Ergebnis vorwegnehmend, bezeichnet er das Gutaohten Fleischhauers als ein verworrenes Pamphlet gegen Juden und Freimaurer, das, atatt die objektive Wahr: heit zu erforschen, blindem Haß folge und die demokratischen Einrichtungen verächtlich zu machen suche. Scharf wendet sich Loosli gegen die von Fleischhauer angewandten Methoden. MitZitaten könne man auch den anständigsten Menschen ins Zuchthaus und jedes Volk in Verruf bringen. Einer wissenschaftlichen Prüfung halte dieso Methode auch nicht im geringsten Stand, Das Gutachten Fleischhauers, das die „Protokolle“ nun plötzlich einem Freimaurerkongreß zuschreibt, beweise allein schon, daß der Zionistenkongreß in der antisemitischen Literatur grundlos verleumdet worden sei. Aber auch für seine neue These vermöge Fleischhauer nicht den Schimmer eines Beweises zu erbringen. Der Echtheitsbeweis liege aber den Angeklagten auf und nicht den Klägern. Mit ebenso viel Grund könne Fleischhauer nachfonschen, ob nicht im Jahre 1887 ein schweizerischer Kaminfegerkongreß in Basel getagt habe, um nötigenfalls diesem die Urheberschaft der „Protokolle“ zuzuschieben. (Heiterkeit, Kein arabiscMtalienisches Palästina-Abkommen Das italienische Auswärtige Amt ermächtigte den Vertreter der Jüdischen Tele. graphen-Agentur zu der Mitteilung, daß die italienische Regierung kategorisch die kürzlich in der arabischen Presse Palästinas zuerst veröffentlichten und von mehreren jüdischen Zeitungen reproduzierten sensationellen Mitteilungen betreffend ein Übereinkommen zwischen Mussolini und Führern der nationalistischen Araber Palästinas dementiert. Das Auswärtige Amt erklärt, daß diese Mitteilungen jeder Grundlageentbehren. Es handelt sich bei diesen Mitteilungen um ein angebliches Schreiben des Emirs Shakib A r s 1 a n an den Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, des Inhalts, daß Mussolini ein Übereinkommen mit den arabischen nationalistischen Führern dahingehend getroffen habe, daß Italien im Falle eines neuen Weltkrieg es die Sicherung der Unabhängigkeit Palästinas übernimmt, wofür als Gegenleistung die arabischen Führer sich verpflichten, eine proitalienische Propaganda unter den Arabern zu führen. in die schließlich auch Fleischhauer einstiramt.) Loosli weist auf die erheblichen Textunterschiede in den verschiedenen Ausgaben der „Protokolle“ hin, die sich aus den bei den Antisemiten üblichen Methoden der Zitatenfälschung erklären, und wendet sich den hochinteressanten Dokumenten der russischen Geheimpolizei zu, die ihm die Sowjetregiernng zur Verfügung gestellt hat. Da die Oohrana die Zionistenkongresse scliärfstens kontrollierte und 6ie ausnahmslos bespitzeln ließ, bildet die Tatsache, daß ihr von irgendwelchen Geheimkonferenzen auch nicht das geringste bekannt geworden ist, ferner auch die weitere Tatsache, daß der Chef der Oohrana, Gerassimow, wie sich aus dessen kürzlich veröffentlichten Memoiren ergibt, dem Zaren auf dessen ausdrückliches Befragen nichts Derartiges hat mitteilen können, einen schlagenden Beweis dafür, daß die „Protokolle“ eine Fälschung sind. Im weiteren widerlegt Loosli an Hand von völlig einwandfreiem Material die Behauptung, Maurice Joly sei Jude gewesen, die übrigens, selbst wenn sie wahr wäre, an der Tatsache der Fälschung nicht das mindeste ändern würde. Daß Joly lediglich Napoleon bat angreifen wollen, ergebe sich sogar auch Elegant und doch billig durch Abholung und Zustellung kostenlos R 20-3-34 Häuserverwaltungen Tel- **»-9 - tt Kauf- und Verkaufs- Reparaturkredite n taiiduauu Vermittlungen Geldbeschaffungen ■»-. ■" kulantest WIEN, II., NORDPOLSTRASSE 8/3 ii\fc p U?. ö/yjp gO Die Zionistische Organisation ist in Gefahr! Nur ein konsolidierter Allgemeiner Zionismus kann sie retten, Meidet Eud, zur Sehekeiarb.it m den Bezirkssektionen 1