Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 447 (7.5.1935)
- Date
- 1935-05-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 447 — 7. Mai 1935 DIE STIMME Seite 3 Bauer, sei wohl Talmudkenner. Aus den langen und ermüdenden Ausführungen Fleischhauers über Talmud und Schulchan Aruch geht aber hervor, daß Fleischhauer die antisemitischen Schriften über Talmud, deren Fragwürdigkeit die Wissenschaft festgestellt hat, benützt, während Prof. Baumgarten sich auf einwandfreie wissenschaftliche Abhandlungen gestützt hat. Der Gutachter wendet sich sodann einer Reihe von Einzelheiten und Zitaten zu, die mehr oder minder die geheimen Umtriebe des Judentums zur Erlangung der Weltherrschaft beweisen sollten. Eine besondere Rolle spielte dabei ein Bericht der jiddischen Zeitung „Moment“ aus Warschau (der Gutachter sagt dabei dem Präsidenten: „Die Lektüre ist nicht schwer, Herr Präsident, wenn man die hebräischen Buchstaben kennt.“), die über Besprechungen, die das französisch-englische Abkommen über den Luftpakt angehen, berichtet hat. Der Verfasser des Planes sei nun ein internationaler Journalist namens Poljak o w („ein Glied der berühmten Poljakow-Mischpoohe“, sagt Fleischhauer), der mit diesem Abkommen einen Schlag gegen Adolf Hitler herbeigeführt habe. Auch der Autor des Kellog- Paktes sei Jude gewesen. Fleischhauer kommt schließlich auf den Lieblingsplan des Erfurter Kreises ausführlich zu sprechen, die Insel Madagaskar als Judenland anzukaufen. Dieser Plan wurde zum erstenmal von dem holländischen Antisemiten Winghene in einem im U. Bodung-Verlag in Erfurt erschienenen Buche, „Vollzionismus“, ausführlich propagiert. Fleischhauer meint, die Juden haben genug Geld, sich eine große Insel zu kaufen, zum Beispiel Madagaskar. Dort könnten sie ungestört und ohne andere zu stören, leben. Der Gedanke panarischer Natur, sagt Fleischhauer weiter, lasse sich sehr wohl mit der schweizerischen Demokratie vereinigen. Die richtige Demokratie, die gebundene Demokratie, sei den Germanen allein eigentümlich. Heiterkeit erregt Fleischhauers Behauptung, daß bei der gestrigen Auseinandersetzung zwischen den Anwälten der Unterschied zwischen arischem und semitischem Geist ihm mit einem Schlage sichtbar geworden sei. Die Denkweise des ihm übrigens sympathischen jüdischen Anwalts Brunschvig und die des arischen Anwaltes Ruef seien ihm schlagende Beweise für die unüberbrückbaren Unterschiede der beiden Geistesrichtungen gewesen. Maurice Joly, der Verfasser der „Dialogues“, aus denen die „Protokolle“ abgeschrieben wurden, muß nach des Gutachters unbeirrbarer Meinung unbedingteinJude gewesen sein. Der Protokolle-Herausgeber Gottfried zur Beek irre sich, wenn er behaupte, Maurice Joly habe eigentlich Moses Joel geheißen. Dafür aber gehe die jüdische Abstammung Jolys aus seiner Photographie hervor. Er wies eine Photographie Jolys vor sowie Photographien von Karl Marx und behauptete, daß Joly merkwürdige Ähnlichkeit mit Marx habe. In der Nachmittagsitzung setzt Ulrich Fleischhauer den mündlichen Vortrag seines Gutachtens fort. Man merkt vielen nichtjüdischen Zuhörern die Verwunderung an, die bei den Ausführungen Fleischhauers mehr und mehr ansteigt, in welcher Weise der Gutachter die Weltgeschichte erklärt. Jolys Buch habe, erklärt Fleischhauer, einen höhoren Zweck verfolgt. Es bringe die Richtlinie für die von der jüdischen Freimaurerei aufgestellten W e 11 h e r rschaftspläne. Joly habe nicht gegen die Diktaturgelüste Napoleon in. (er erhielt dafür bekanntlich eine mehrmonatige Gefängnisstrafe) geschrieben, sondern Pläne zur Beherrschung der Welt aufgezeichnet. Adolf C r 6 m i e u x habe Joly die Abfassung der „Dialogues“ als Leitfaden der jüdischen Weltherrschaft der Freimaurerei in Auftrag gegeben. Zwar könne er das nicht gerichtsnotorisch machen, aber Anhaltspunkte besitze er dafür. Der Gutachter wiederholt sodann die hundertmal widerlegten Behauptungen von dem Manifest Crömieux', von den Zielen der Alliance Israöiite Universelle und ähnlichen antisemitischen Legenden. Er wiederholt, daß Joly nicht die Quelle der „Protokolle“, sondern ein „gleichberechtigter Vorläufer“ sei. Das Honorar für die „Protokolle“ sei Joly durch ein jüdisches Bankhaus in Basel ausgezahlt worden. Die Entdeckung des seinerzeitigen „Times“-Korrespondenten in Konstantinopel, Graves, der heute noch dem Mitarbeiterstand der „Times“ ln London angehört, bezeichnet Fleischhauer als eine Lüge. Graves ist bekanntlich derjenige, der entdeckte, daß im Buche Jolys die einwandfrei zu beweisende Quellenschrift für die Fälschung der „Protokolle“ vorliege. Die „Protokolle“, sagt Fleischhauer, sind echt, weil die Geschichte der letzten Jahrzehnte ihren Inhalt bestätigt hat. Er weist eine Photographie vor, die Achad Haam angeblich unter den Teilnehmern des Basler Zionistenkongresses 1897 zeigt. Fleischhauer greift scharf den verstorbenen Kenner des jüdischen Schrifttums, Geheimrat Prof. Dr. Strack, an und wendet sich einer früheren Schrift des Obergutachters Loosli, „Die schlimmen Juden“, zu, an der er Kritik übt. Unter allgemeiner Heiterkeit stellt Fleischhauer die Behauptung auf, die Tatsache des Bestehens einer „Jüdischen Preßzentrale“ in der Schweiz beweise eindeutig die Verjudung derPresse. („Jüdische Preßzentrale“ ist bekanntlich der Titel eines Schweizer jüdischen Wochenblattes, dem nichts ferner liegt, als etwa die nichtjüdische Presse der Schweiz zu beeinflussen.) Der Gutachter behauptet zum Schluß, daß die wesentlichen Teile der Weltpresse, der Nachrichtenbüros usw. im Dienste des Weltjudentums stehen. Von der Schweizer Presse wolle er hier nichts aussagen. Fleischhauer glaubt, Herzl habe die „Protokolle“ verfaßt In der Mittwochverhandlung versuchte Fleischhauer den Nachweis der semitischen Urheberschaft der „Protokolle“ mit der Begründung zu erbringen, daß die „Protokolle“ aufbauende und destruktive Artikel enthielten. Ein antisemitischer Fälscher würde sich auf die destruktiven Artikel beschränkt haben. Die russische Geheimpolizei könne die Fälschung nicht begangen haben, da die „Protokolle“ für jene Behörde nachteilige Stellen enthalten. Tatsächlich seien die „Protokolle“ jüdisches Geistesgut, und es dürfe angenommen werden, daß Achad Haam der Verfasser sei. Als solcher komme aber auch Theodor Herzl in Betracht. Im weiteren Verlaufe seiner Darlegungen erklärte Fleischhauer, er wolle „dem sittlich hochstehenden, für sein Volk arbeitenden Herzl“ die Achtung keinesfalls versagen. Er befaßt sich mit dem bekannten Zukunftsroman Theodor Herzls „A1t- N e u 1 a n d“. In einer tragenden Persönlichkeit dieses Romans will nun der Gutachter zum allgemeinen Erstaunen der Anwesenden keinen anderen als Maurice Joly entdeckt haben. Der Gutachter erklärt diese „Entdeckung“ folgendermaßen: Joe L e v y spielt eine entscheidende Rolle in „Alt-Neuland“. Man lasse im Vornamen Joe das „e“, im Hauptmann Levy das „ev“ a,us und man hat aus Joe Levy den Verfasser der „Dialogues“: Joly. Ausführlich kommt der Gutachter sodann auf die sogenannten internationalen Bibelforscher und deren angeblichen Zusammenhang mit den „Protokollen“ und Herzl zu sprechen. In der bekannten Art wird sodann die Weltgeschichte weiter erklärt. Eine bekannte satyrische Zeichnung von englischer Seite aus dem Jahre 1897: „Des Kaisers Trau m“, bildet dabei die Grundlage für seine Ausführungen. Erhebliche Heiterkeit entsteht, als Fleischhauer allen Ernstes die Frage aufwirft: „W o ist das geheime Staatsarchiv der Juden?“ Und als er weiter fragt: „Wollen die Juden alle Dokumente sofort herausgeben?“ „Wer ist heute der oberste, offizielle Weise?“ „Wer ist heute der Kanzler des Judentums?“ Kopfschüttelnd setzt er hinzu: „Das Judentum wird diese Fragen hier nicht beantworten.“ (Anhaltende Heiterkeit.) Ausführlich befaßt sich Fleischhauer mit der Entstehung der sogenannten Prager Friedhofsrede. (Ein Schundromanautor namens Goedsche hat vor Jahrzehnten in einem Roman „Biarritz“ die ältesten der Stämme Israels zu mitternächtlicher; Stunde auf dem Prager Judenfriedhof sich 1 versammeln lassen. Diese „Weisen Israels“ bestimmen die Geschichte der Welt.) Mit vollem Ernst versucht der Gutachter tatsächlich diesen Friedhofsversammlungen, die sich wiederholen, historische Wahrheit zuzuerkennen, indem er behauptet, daß Goedsche nach geschichtlichen Vorlagen gej arbeitet habe. Er zitiert dann eine Reihe j bekannter Renegaten, so Brafmann, j Briman, Weininger, Trebitsch,! sie sozusagen die Echtheit der „Protokolle“ i ideell bestätigt hätten. I Sodann geht Fleischhauer ausführlich auf den jüdischen humanen Orden „B‘nei B‘rith“ und dessen angebliche Verfasserschaft der „Protokolle“ ein. Der B‘nei B‘rith-Orden habe unbedingt während des Zionistenkongresses 1897 in Basel, eine Besprechung abgehalten. Der Orden B‘nei B‘rith sei der I jüdische Freimaurerorden. Da die führen-' den Zionisten Mitglieder des Ordens B‘nei B'rith seien, sei die Gleichung: B'nei Bkrith Freimauerei Zionisten zionistische Protokolle erfüllt. Es fanden ein öffentlicher und ein geheimer Zionistenkongreß 1897 statt. Daß selbst Juden in unkontrollierbaren Augenblicken zugestehen, die „Protokolle“ seien echt, erweise das Zeugnis eines gewissen Schächters Fleischmann im Posenischen. Dieser habe einem polnischen Vize-Staatsanwalt Nosk o w i c z ein solches Zugeständnis gemacht. Nach den Veröffentlichungen des la^E5asscnlose W1 vom 1 Bankhaus© 1 Schelhammer Sk &5chatiem WienL SIcphATispl« yjß Ziehung am21.u23.Mal d.J. wmmT, nationalsozialistischen „Westdeutschen Beobachters“ in Köln, kam Fleischmann tiefbedrückt zu dem Antisemiten Noskowicz, um ihm zu beichten, der Oberrabbiner Veilchenfeld habe seine Braut geschändet. Es kann sich dabei nur um den Posener Oberrabbiner Doktor Veilchenfeld handeln, der, nach der Jahreszahl, die Noskowicz angibt, zur Zeit der „Schändung“ bereits das 73. Lebensjahr überschritten hatte. (Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, daß der verstorbene Rabbiner Dr. Veilchenfeld in Posen, sich des größten Ansehens bei Juden und Nichtjuden erfreute. Die Red.) Der Kairoer Prozeß Bekanntlich haben die deutschen Berichterstatter den Ausgang des Prozesses in Kairo als einen deutschen Weltsieg über das Judentum ausposaunt, obwohl die Zurückweisung der Klage des Juden Umberto J a b e s gegen den Deutschen Verein in Kairo lediglich aus formalen Gründen — infolge Absprochung der Klagelegitimation f— erfolgt ist. Die deutsche Berichterstattung hatte aber auch die R e d e d e s Genera 1 s t a a t s a n w a 11 s, die außerordentlich objektiv war und im übrigen die jüdische Rasse gegen Verdächtigungen in Schutz nahm, antisemitisch umgefälscht und die Person des Generalstaatsanwalts für die antisemitische Front reklamiert. Nunmehr liegt das stenographische Protokoll dieser Rede vor; danach hat der Generaistaatsanwalt, Justice Hugh 0. Heimes, King’s Council, indem er die Abweisung der Klage von Jabos beantragte, wörtlich angeführt: Die Sache der jüdischen Rasse dauert bereits zwanzig Jahrhunderte, und man kann heute sagen, daß die Geschichte definitiv ihr Urteil hierüber gesprochen hat. Während all dieser Zeit war diese Rasse Diffamierungen aller Art, sogar noch schwereren Prüfungen, unterworfen. Aber nicht dadurch, daß sie Klagen bei den Gerichten einbrachte, sondern indem sie alle diese Diffamierungen verachtete und sich auf die Leistungen ihrer Mitglieder in der ganzen Welt beschränkte, hat sie vor dem allein zuständigen Tribunal, dem Tribunal der Geschichte, ein günstiges Urteil erlangt. Dieses Urteil kann nicht berührt werden durch das Pamphlet, welches zu dem Gerichtsfall hier geführt hat, auch nicht durch den Entscheid eines Tribunals von drei oder vier Friedensrichtern, gleichgültig, wie hoch ihre Autorität ist Kur- und Badehaus fiüa Dr. Mn$, BatMein Arabisch-jüdische Zusammenstöße Jerusalem, 5. Mai. (Z. T. A.) Jüdische Arbeiter in A i n V e r e d in der Nähe von Tel-Mond, wurden von Arabern angegriffen, wobei vier Juden verletzt wurden. Zwei von ihnen, Rindman und Britantschik, mußten ins Hadassah- Hospital transportiert werden. In Kfar Hakowesch in der Nähe von Nahalal wurde ein jüdischer Wächter durch einen Beduinenhirten, der widerrechtlich jüdischen Boden betreten hatte, schwer verletzt. Der Beduine wurde verhaftet. Iin Haifa wurde die Jüdin Helena V it o s, als sie mit einer Bekannten spazieren ging, von einem arabischen Jungen, der Pension EcKsjejn - Semmering sich in Begleitung zweier erwachsener Araber befand, angeschossen undj verletzt. Der Junge und seine beiden, Begleiter wurden verhaftet. Der 18jährige JNF.-Wächter Solomon Jacobson, der im November 1934 einen [ Araber, der aus dem von Jacobson bewachten Steinbruch Steine stahl, erschossen hat, wurde zu Jahren Gefängnis ver-< urteilt. Von zwei Arabern erstochen Jerusalem, 4. Mai. Der Sohn des Führers der orthodoxen Zionisten Isai Schapira, Karlmann S c h apira, ist in der Nacht zum Samstag von zwei Arabern erstochen worden. Die Polizei hat sofort die Verfolgung der Mörder aufgenommen. Obwohl Polizeihunde eingesetzt wurden, fehlt von den Tätern bisher noch jede Spur. Todesfall Vergangenen Sonntag wurde Gesinnungsgenosse Dr. Markus Kostmann unter starker Beteiligung zu Grabe getragen. Wohltätig und hilfsbereit, erfreute er sich als Arzt und Mensch allgemeiner Beliebtheit. Er war ein aufrechter Jude und Zionist, und als solcher ein Förderer unserer Sache. Wir betrauern in Dr. Kostmann einen guten Gesinnungsgenossen. flilgemeine Zionisten! Per Schekel ist Eure Waffe für gerechte Alijah! Verbreitet den Schekel!