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Die Stimme · 1935-05-03 · Heft 446 (3.5.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 446 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Satt« 4 DIB STIMMI Nr. 446 - 8. Mal 1088 RABENSTEIG3 HjMMELPFORTö^ KOLLNERHOFO. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 680 aulw.) m Präsident Masaryk an Nahum Soholow Der Präsident der Jewish Agency, Nahum S o k o l o w, erhielt ein in warmen Worten abgefaßtes Schreiben des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Thomas G. M a s a r y k, in welchem Präsident Masaryk sehr bedauert, daß es ihm im Zusammenhang mit seiner nunmehr überstande- Den Kraukheit nicht möglich gewesen war, ■wie beabsichtigt, ein Vorwort zu Sokolows Buch „Chibat Zionu (Liebe zu Zion) zu schreiben. „Sie wissen“, schreibt Präsident Masaryk an Sokolow, „mit welchem Interesse ich Ihre Arbeit und das, was in Palästina geschaffen wird, verfolge. Sie haben eine der wichtigsten Rollen beim Gewinn der Weltöffentlichkeit für den Gedanken des Jüdischen Nationalheims gespielt. In dem jetzigen Moment, wo das jüdische Volk wiederum eine schwere und traurige Periode durchmacht, wird Ihr Buch eine nützliche Aufgabe erfüllen, indem es eine wissenschaftliche Formulierung derPhilosophie des Zionismus gibt. Ich sende Ihnen meine besten Wünsche, — Ihnen und allen, die Ihnen nahestehen und teuer sind.“ gegen denke man nicht daran. Das liege an der bürgerlichen Erziehung der Vergangenheit. Auf der Welt gibt es mindestens 15 Millionen Juden. Sie sind das einzige Volk, das kein Vaterland hat. Aber die Stärke des jüdischen Volkes liegt gerade in seiner Zerstreuung, während das deutsche Volk durch die Zerstreuung zugrunde zu gehen vermag. Deutschlands geistige Erneuerungen zu bringen, gleichzeitig die vorsiohtigo Weißung ausgaben, diese Aktion möglichst u nauffällig durohzuführen. Sie entlarven sich bloß als Nachfolger jenes Herostratos, der aus Mangel an positiver Schöpfungsbegabung einen vielbewunderten Tempel anzündete, um unsterblich zu werden. Dr. Hugo S p i o g 1 e r. 1 The I 1 ASHRAI BANK Coop. Soc. Ltd. 1 m P. O.B. 119, Telephone 963-964 gj I (able address; „ASHRAIBANK" Tel-AVIV 1 I TEL-AVIV g iijmiutiimmHmtmmmiuutmtuuiiiomimmimmiiti'MmiiiimiiiiHuiimniimmmtniimmuiimto | Ausführung sämtl. Bankgeschäfte J m Spezictlabteüung für palästinensische ü | und ausländische WERTPAPIERE I £5 immHumuiuiimntmuttumumiiiniimMiMiimntunuiuünuNuiminrmmtiimiiimmitHUimmtn* 1 The I | PALESTINEASHRAIBANK LTD. 1 i Hadar Hacarmel I P. 0. B. 950, Telephone 344 B (able address: „ASHRAIBANK" HAIFA 1 HAIFA Streicher spricht vor Offizieren der Luftwaffe Berlin, 30. April. (2. T. A.) Gauleiter Streicher sprach im Preußenhaus in Berlin vor den Offizieren der Luftwaffe und den Beamten des Reichsluftfahrtministeriums über die Judenfrage. Er betonte eingangs, daß er noch im Kriege ein ausgesprochener Judenfreund gewesen sei. Erst ein sonderbares Geschick habe ihn auf das jüdische Problem aufmerksam gemacht und ihn auf den Umstand hingewiesen, daß der Weltkrieg nicht von Koni gen und Fürsten, sondern allein von Juden gemacht worden sei. Unter Anführung eines Satzes von Disraeli „Die Rassenfrage ist der Schlüssel zur Weltge schichte“ erklärte Streicher, der Jude wolle, daß man glaube, er sei Deutscher, der lediglich nur eine andere Religion habe. Bei fast jedem Tier sehe man auf Abstammung, Stammbaum und Ra-se, beim Menschen hin- Voraus muß man denken/ sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Versicherung*» Ges., Wien, IX., Alaerplatx 3 „Ee ist eine Lust zu leben!“ rief Ulrich von Hutten. Sein überschwenglicher Gruß galt einer Zeit, da sich das Deutschtiun auf sich selbst zu beginnen begann und daß übenströmonde Glücksgefüiil individueller Geißtosfre-iheit für deai Herdengeist dos mittelalterlichen Denkens eintausohte. Gleichzeitig begann die deutsche Sprache, von dem damaligen deutschen Kaiser, Karl V., eine „Sprache für Pferde“ genannt, aus der Verwahrlosung unwissender Jahrhunderte durch liebevolle Erweckung ihrer schöpferischen Selbst,gestaltungskraft zu neuem Formenreichtum, m künstlerisch gepflegter Eigenart emporzublühen. Daß Wunder dießer Wiedergeburt war das Werk Martin Luthers. Luther wurzelte wie Hutten geißtig in der lateinischen Bildung des Humanismus. Hutten hatte eich schon in lateinischer Sprache als Sprachreiniger bewährt. Der von ihm verfaßte zweite Teil der „Dunkelmännerbriefe“ ißt in klassischem Latein gehalten, während der von Crotus Rufaianus gedichtete erste Teil daß schlechte Küchenlatein des mittelalterlichen Klerus so meisterhaft kopierte, daß viele Leser die persiflierenden Briefe für mönchische Originaibekenntnisse hielten. Und was war der Inhalt der gesara ten Dunkelmännerbriefe? Antwort: Eine geniale Polemik gegen die von dem jüdischen Proselyt-en Pfefferkorn genährte Ab sicht der Kölner Dominikaner, das jüdische Schrifttum zu vernichten. Von den beiden repräsentativen Porsön lichkeiten sprachschöpferischer Erneuerung des Deutschtums an der Pforte der Neuzeit. Luther und Hutten, hat der eine da.s klas sische Schrifttum vor dem Untergang gerettet, der andere durch Übertragung der Bibel ins Deutsche den germanischen Geist mit neuen, wie sich zeigte, wertvollen Impulsen erfüllt. Die Antworten dieser beiden Männer auf die Behauptung, daß der jüdische Geist der Todfeind des Deutschen und von diesem unbedingt femzuhalten sei, ist nicht zweifelhaft. Hutten hat eie in dien „Dunkelmännerbriefen“ ausgesprochen, von Luther ist eine kraftvolle Abwobrgeste gegen den Teufel, der die Verdeutschung der Judenbibel verhindern wollte, durch die Sage überliefert. Noch heute zeigt man auf der Wartburg einen gewaltigen Tintenklecks auf der Zimmerwand als an gebliohe Spur der Wut, mit der Luther dem höllischen Feind der jüdischen Heilsbot sc.haft daß Tintenfaß nachwarf. Luther hat, wie gesagt, mit Hilfeder von ihm verdeutschten Judenbibel daß Christentum von der katholischen Scholastik emanzipiert. Aber auch diese Scholastik, das den Katholizismus noch heute beherrschende Werk des Thomas von Acjuino, ist nur mit jüdischer Hilfe zustandegekommen. Denn es enthält in wörtlicher Abschrift Gedanken de« großen Maimonides, dessen 800. Geburtstag wir jüngst feierten. Sein Hauptverdienst um die Befruchtung der katholischen Theologie beruht auf der Erschließung de« Aristoteles. Der Ramtaam erweckte dadurch das Bedürfnis, die Werke des antiken Philosophen aus dem Arabischen, in dein eie damals allein bekannt waren, in die Sprache der abendländischen Wissenschaft, des Lateinischen, zu übertragen. Zu dieser Arbeit zog der Hohenstaufenkaiser Friedrich II. vor allem jüdische Gelehrte heran. Friedrich war kein Judenfreund. Er hat, allerdings weniger eigenem Triebe als politischen Forderungen der damaligen Zeit nachgebtMid, den Juden den gelben Fleck aufgenötigt. Doch ging er nicht so weit, ihre geistige Regsamkeit und die Nützlichkeit dieser jüdischen Tugond für die allgemeine Kultur zu verkennen oder gar zu unterbinden. Wenn ihn jemand gewarnt hätte, die Früchte des jüdischen Spiritualismus den wisßonschaftlichen Be stre.bungen seiner Zeit nutzbar zu machen so hätte er diesem Ratgeber kaum dit Fähigkeit zugebilligt, in die Kulturpolitik des Deutschen Reiches drein zu reden. Bei seinen Bemühungen um die Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus war und blieb ihm jeder Mitarbeiter willkommen. So hat er, in seiner weltlichen Politik nicht immer erfolgreich, auf kulturellem Gebiet einen jener Höhepunkte der deutschen Literatur mitbegründet, der nach Wilhelm Scherers Ausspruch nur alle 600 Jahre zu verzeichnen ist: Um 1200 und um 1800. Um 1800 herrschte wohl eine literarische Hochblüte in Deutschland, aber die deutsche Politik erlebte damals wieder einen Tiefstand. Das Land, in dem gerade Goethe und Schiller schufen, seufzte unter dem Joche Napoleons. Gegen dieses Joch erhob «ich eine geistige Bewegung schwungvoller na tionaler Erneuerung unter den Deutschen die Romantik, die in betontem Gegensatz zur Klassik Goethes und Schillers deutschchristlich orientiert war. Trotzdem hatte sie ihre Hauptpflegeetätten in den jüdischen Salons der Rachel Levin und der Henriette Herz. Die theoretischen Begründer der romantischen Literatur waren die beiden Brüder Schlegel. Der jüngere, Friedrich, wurde der Entdecker der arischen und der semitischen Rasse, doch war diese Unterscheidung eine rein sprach wissenschaftliche. Wie weit Friedrich Schlegel von der zoologisch bestimmten Rassenlehre von heute entfernt war, erhellt schon aus der Tatsache, daß er eine Jüdin, Moses Mendelssohn? Tochter Dorothea, zur Frau nahm. An dieser „jüdischen Versippung“ hat weder seine äußere Karriere am Wiener Kadserhofe, noch seine innere Entwicklung zu eitlem nationalen Wortführer des Deutschtums Schaden genommen. Die Angst vor solchem Sohadennahmen charakterisiert erst die national-deutsche Erneuerungsbewcgung unserer Tage. Es ist da ein merkwürdiger Kreislauf festzustellen: Die nationale Erneuerungs tat Martin Luthers war die Erhebung der deutschen Spraohe aus einer „Sprache für Pferde“ zu einem literarischen Ausdruc.ks/mittol. Die nationale Ernouerungstat der Deutschvölkischen von heute ist die Umrieutung des sprachwissenschaftlichen Rassebegriffs unter den Menschen zu einem Wertmesser, der früher bloß auf Pferde angewmdet wurde. Wird diese Roßkur das Deutschtum ebenso zu neuer Höhe emporführen wie die nationaldeutschen Erneuerungen der Vergangenheit, die von entgegengesetzten Impulsen bewegt waren? Die bisherigen „Erfolge“ des Dritten Reiches auf kulturellem Gebiete ermutigen kaum zur Bejahung dieser Fra,ge. Ein indirektes Eingeständnis ihres Fiasko bei der Gleichschaltung der Kunst liefern die Führer, die im April 1933 die ganze Welt zum staunenden Zeugen beim Entflammen der die Werke jüdischer Literaten vernichtenden Scheiterhaufen gemacht hatten, jetzt aber mit der Parole, auch den spärlichen Rest der Deutschland noch immer schaffenden niohtarischoii Schriftsteller zum Schweigen Die Zionistische Bezirkssektion „Prater \ //., Jungstraße 8, gratuliert herzlidist ihrem Vorstandsmitglied Lazar Rokach zur Veilobung seiner Kinder Lotte und Benjamin und wünscht ans ria Die Not der Saloniker Juden Das Mazzoth-Amt der Jüdischen Gemeinde Saloniki hat zum verflossenen Pessachfest an 11.000 arme Familien unentgeltlich Mazzotb verteilt. Es haben somit drei Viertel der etwa 15.000 Familien zählenden jüdischen Bevölkerung Salonikis Pessach-Unterstützung erhalten. Die Gemeinde war nicht in der Lage, außer der Mazzoth-Verteilung den Bedürftigen auch Geldunterstützung zu gewähren, sie bat nur die von der Regierung und der Stadtgemeinde Saloniki zur Verfügung gestellten Summen an die Armen in bar verteilt. Der Minister für öffentliche Wohlfahrt, Kyrkos, hat der jüdischen Gemeinde 100.000 Drachmen für Pessach-Hilfe gewährt; für den gleichen Zweck stellte die Stadt Saloniki 60.000 Drachmen der Jüdischen Gemeinde zur Verfügung. Bürgermeister Nikoias Manos von Saloniki hat nachträglich noch 100.000 Drachmen den jüdischen philantropischen Institutionen zur Verfügung gestellt. ln den Provinzstädten ist die Lage der jüdischen Bevölkerung noch schlimmer. In manchen Orten hatten die jüdischen Armen kaum genug Mazzoth für die Seder-Nächte. KaufstDu Kfis', dann kauf' den delikaten echten Schweizer-Käse, Marke 44 Eine jüdische Zentral- Volksbank in Rumänien In Czernowitz fand eine Konferenz von Bevollmächtigten der jüdischen Leih- und Sparkassen aus allen Teilen Rumäniens statt. Es wurde beschlossen, in Bukarest eine jüdische Zentral-Volksbank zu schaffen, der 80 Filialen in den Provinzstädten angeschlossen sein sollen. Die Gründung der Volksbank bedeutet eine neue Etappe in der Entwicklung der jüdischen Kooperativbewegung in Rumänien. Bisher bestanden in den vier Hauptgebieten Großrumäniens — Altrumänien, Transsylvanien, Bukowina und Bessarabien — voneinander unabhängige jüdische Kreditorganisationen. 16 Monate Gefängnis für Schächten von Hühnern Köln, 29. April. (2. T. A.) In Köln wurde ein ostjüdischer GefJügelhändler wegen Schächtens von Hühnern zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Nach dem „Westdeutschen Beobachter“ soll auch gegen seine Abnehmer vorgogangen werden. Berliner Begebenheit. Eine Hausfrau nimmt eine neue Hausgebilün auf. Nachdem alles besprochen ist, sagt sie zu dem christlichen Mädchen noch: „Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß wir Juden sind.“ , Och“, erwiderte das Mädchen, „ob Jud oder Christ, das ist mir alles eins, wenn Sie bloß keine Nichtarior sind.“ Verlangen Sie im Restaurant wie auch m Kaffeehaus ausdrücklich „P r e b 1 a u e r S a u e r b r u u n“ das geMindhuitsfördHi nde, erfrischende ö8ter»oiohnche Mineralwasser Meldet euch für die Sehekel-Arbeit!

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