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Die Stimme · 1935-05-03 · Heft 446 (3.5.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 446 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 446 — 3. Mai 1935 DU STIMME Seit« 3 Bad Hai! Jodbrombad gegen Arterienverkalkung/ Rheuma/ Gicht/ Augen- und Frauenleiden. Skrofulöse. Kurzeit: ttitte April bis Mitte Oktober* Auskünfte: Kurdirektion und Kurkommlssion. Die deutschen Arier in Wien Im zweiten Wiener Bezirk, dem Zentrum jüdischer Massensiedlung, kleben große Plakate, die zu einer Veranstaltung der Ostmark ischen Sturmscharen (Führer Bundeskanzler Schuschnigg) am Donnerstag, den 2. Mai, im Restaurant Kadermann einladen und mitteilen, daß als Referenten die Herren Reichsführer Bundeskanzler Schuschnigg und Reichsführer-Stellvertreter Gendarmeriemajor Dr. Josef Kimmei das Wort ergreifen werden. Die Einladung schließt mit einem auffallend großgedruckten Aufruf: „Arier, erscheint in Massen!“ Der Verband deutsch-arischer Hechtsanwälte Österreichs richtet neuerliche Eingaben an die Regierung, in welchen unter anderem verlangt wird, daß die Frage des Numerus clausus nur im Sinne einer beschränkten Zulassung nichtarischer Anwärter gelöst werde. Das „Deutsche Volksblatt“ veröffentlicht auf der ersten Seite seiner Ausgabe Nr. 11 einen zweispaltigen Aufruf: „Arier! Heraus aus Eurer Gleichgültigkeit! Denkt daran, daß jeder verausgabte Groschen einem arischen Kaufmann zugute kommen soll. Daher kauft nur bei Ariern!“ PHRUSSI&CO. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilungen für Wertpapiere u. Devisen WIEN, IX., WASAGASSE 2 Der österreichische Film unter Berliner Diktat Die Verträge der österreichischen Filmindustrie mit den entsprechenden Stellen Deutschlands, wonach sich die Österreicher verpflichtet haben, bei der Herstellung deutschsprachiger Filme alle jene Künstler und Komparsen auszuschließen, die dem Arierparagraphen des Dritten Reiches nicht entsprechen, erregen immer größere Empörung. Die Vertreter der jungen österreichischen Filmindustrie wurden eingeschüchtert, indem man ihnen vorhielt, daß sie den großen deutschen Markt verlieren würden, wenn sie sich den Geboten des Dritten Reiches nicht fügen. Dasselbe Manöver konnte auch bei den österreichischen Verlegern mit Erfolg aufgeführt werden: sie schließen nun in sehr auffallender Weise die jüdischen Autoren aus. Dieses Vorgeheu ist aber weit entfernt davon, der österreichischen Wirtschaft zu nützen; es verursacht im Gegenteil einen immer stärker zutagetretenden Schaden. TAPETEN DIEMODERNEGESCHMAQMDLIE U BILLIGE WANDBEKLEIDUNG ERHÄLTLICH DURCH JEDEN TAPEZIERER ODER DIREKT BEI DER /JAWIG" A*.G. WIEN I,SCHOTTENBASTE110 Auch Zsolnay gleichgeschaltet Ähnlich steht es um den Kampf um die „Reinrassigkeit“ des österreichischen Verlagswesens. Unter den österreichischen Verlegern nimmt unbestreitbar der bekannte Zsolnay-Vorlag eine führendo Position oin. Nach Beginn der Hit Icr-Herrschaft wurde der Verlag „Bibliothek zeitgenössischer Autoren“ in Zürich gegründet, in welchen plötzlich fast alle jüdischen Autoren bis auf Werfel und Salten hinübergeleitet wurden. Dieser Verlag erhielt denn auch bald die Bezeichnung „G h o 11 o - V e r 1 a g“, während der österreichische Zsolnay-Verlag jüdische Autoren wie Schalom Asch, Paul Frischauer, Robert N e u m a n n und Viktor W o 1 f, die poch in seinem Katalog des Jahres 1932 fungierten, nicht mehr erscheinen läßt. Man munkelt allerdings von irgend welchen geheimen Verbindungen zwischen dem Zsolnay- Verlag und der Züricher „Bibliothek zeitgenössischer Autoren“, dies kann jedoch die Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß ein großer österreichischer Verlag, wie Zsolnay, offenbar unter Bedachtnahme auf die ..Moral“ des Dritten Reiches, sich von I den jüdischen Autoren fernzuhalten beginnt. Appell an die Vernunft Das Exekutivkomitee der Weltunion der Zionisten-Revisionisten hat das Fernbleiboa vom Zionistenkongreß beschlossen und den Revisionisten unter Androhung des Ausschlusses aus der Partei die Ausübung des Wahlrechtes zum Kongreß verboten. Weiters hat das Exekutivkomitee der Zionisten- Revisionisten für den 19. Mai ein Plebiszit angeorduet, das über die Frage des Austrit tes der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation einen Beschluß fassen soll. Das revisionistische Lager befindet sich augenblicklich in starker Erregung und es bleibt abzuwarten, ob Jabotinsky seinen Willen durchsetzen wird oder nicht, oder ob es zu einer Spaltung der Revisionisten kommen wird. Wenn wir trotzdem schon jetzt zu diesen Dingen Stellung nehmen, so tun wir das aus Sorge um Theodor Herzls größte Schöpfung, die Zionistische Weltorganisation. Diese Sorge berechtigt uns, an die Revisionisten, ungefragt und auf die Gefahr der Ablehnung eines urierbetenen Ratschlages, der. Appell zu richten, sich ihre Entschließung^ reiflich zu überlegen. Die Revisionisten tragen eine ungeheure Verantwortung vor dem ganzen jüdischen Volk, das derz.-it unter der Last der Schicksalsschläge zusammenzubrechen droht. Auch wir sind der Meinung, daß die Zionistische Exekutive die Round-table-Konferenz nicht hätte ablehnen dürfen. Wir glauben aber, daß die Revisionisten den Kampf innerhalb der Organisation ausfechten müssen. Einmal außerhalb der Organisation, werden die Re visionisten das Schicksal der Territorialsten nach Herzls Tod teilen. Niemand wird davon einen Gewinn haben. Auch die internationale Rechtslage läßt das Unterfangen der Revisionisten als verfehlt erscheinen. Die Rechtsgrundlage ist hier der Mandatsvertrag, der einzig und allein die J e w i s h Agency als Vertretung dos jüdischen Volkes ' in den Angelegenheit^ n der Nationalen Heimstätte anerkennt. W eder England noch der Völkerbund wird den Revisionisten zuliebe in eine Revision des Mandatsvertrages einwillige n. Außerhalb der Zionistischen Organisation können die Revisionisten Petitionen machen. Dessen werden sie bald überdrüssig werden. Ohne Jewish Agency aber gibt es keine reelle politische Tätigkeit. Die Frage des Zerfalls der revisionistischen Union ist für den Fall ihres endgültigen Bruches mit der Zionistischen Organisation unseres Erachtens nur eine Frage der Zeit. Deshalb und weil es sich um viele Tausende jugendliche Zionisten handelt, sind wir besorgt. Die Revisionisten sind dabei, dem jüdischen Volke und damit sich selbst unabsehbaren Schaden zuzufügen. Die Zionistische Organisation wird auch ohne die Revisionisten bestehen. Von der revisionistischen Organisation kann das nicht behauptet werden. Die Revisionisten müssen sich auch die Frage vorlegen, ob ihnen das Verbleiben in der Zionistischen Organisation wirklich unmöglich gemacht wurde. Sie müssen rieh fragen, ob sie wirklich Disziplin gehalten haben. Da aber die Revisionisten über Disziplin ihre eigenen Ansichten haben, muß man die Frage so formulieren: Haben die Revisionisten bis zum heutigen Tage der Zionistischen Organisation jene Disziplin gewahrt, die sie ihrem Führer Jabotinsky gegenüber gewahrt haben? Hat es kein Calais, kein Kattowitz, keinen Primat der revisionistischen Disziplin, keine Sabotage der Fonds gegeben, keine eigenmächtigen diplomatischen Aktionen und keine Petitionen? Dio Revisionisten hätten allen Amaß über diese Fragen nachzudenken. Allo Revisionisten hätten dazu begründeten Anlaß, nicht nur Herr Jabotinsky. Wir haben keinen Anlaß, den Richter zu spielen. Das wird einmal die Geschichto besorgen. Unsere Meinung ist, daß die Rovi- Monisten schwer gesündigt babeu, und daß sich Herr Jabotinsky in eine Sackgasse verrannt, hat. Aus dieser Sackgasse gibt es aber einen ehrenvollen Rückweg — in die Zionistische Organisation. Das ist der einzige Weg, jeder andere ist abzulehnen. Die von den Revisionisten beabsichtigten Schritte können auch mit dem Vorgehen der Linken nicht entschuldigt werden. Gewiß, auch die Linke hat gesündigt und weite Kreise der Arbeiterschaft sind syste matisch darauf ausgegangen, die Revisionisten aus der Organisation hinauszudrängen. Die Führer der Arbeiterschaft waren, so scheint es uns, geschicktere Taktiker als die Revisionisten, die nun daran sind, sich vollends ins Unrecht zu setzen. Auch wir glauben, daß der Aufdruck der Disziplinklausel überflüssig war und viel spricht dafür, daß man damit JYYYYYYVVVVYVVVYYYVVVVYYYYYYV'RS E DIE WERKE VON j \ JOSEF KASIEIN j Theodor Herzl Das Erlebnis des jüdischen Menschen < Kartoniert.S 1*26 4 Juden in Deutschland Steif kartoniert . . . . S 6*— in Ganzleinen . . . . S 7*35 Jüdische Neuorientierung Karton et.. S 1*26 Sab&atai Zewi Der Messias von Ismir 365 Seiten mit 12 Kupfertiefdrücken Ganzleinen.S 12*60 BUCHHANDLUNG MEJSTRIK IENf I., W0LLZE9LE 6 : ^aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaI die Revisionisten hinausdrängen wollte. Deswegen trägt die Exekutive der Zionistischen Organisation auch die V er ant wortung für die jetzt geschaffene Lage, die zu begründeten Besorgnissen Anlaß gibt. Unsere Stellung zur Situation ergibt sich aus dem Programm des Allgemeinen Zionismus. Wir löhnen die Politik der Flügelparteien und damit jeden Klassenkampf, ob er nun von links oder rechts kommt, bedingungslos ab. Wir sind entschiedene Gegner der Politik der Linken in Palästina, die das Land für sich monopolisiert, mit. Zuckerbrot und Peitsche die Jugend in ihr Lager treibt und einen sozialistischen Staat marxistischer Prägung in Palästina schaffen will. Ebenso lehnen wir die revisionistischen Kampfmethoden und ihre Taktik als auf uie Dauer untragbar ab. Wir meinen, und die Zukunft wird dem rechtgeben, daß nur der Allgemeine Zionismus dazu berufen sein wird, Palästina geistig und soziologisch zu gestalten. Als zionistisches Zentrum meinen wir aber schon jetzt das Recht und die Pflicht zu haben, einen Appell zur Mäßigung an die Revisionisten und an die Linken zu richten und an alle verantwortungsbewußten und besonnenen Männer in der Zionistischen Organisation, ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung, daß sie jede Verschärfung der Lage vermeiden und alles zur Rettung des F r,i e d e n s unternehmen mögen. ln dieser tragischen Situation kann nur der Allgemeine Zionismus eine Befriedung hurbeiführen. Bestünde nicht der Allgemeine Zionismus, jetzt m ii ß t e er g e s c h a f f e n w erde n. Da er aber besteht, muß er der Größe der Stunde gewachsen sein. Die Splitterparteien zählen nicht. Ohne Allgemeinen Zionismus wäre die Zionistische Organisation schon 55e r f a 1 < Vor lästigen Verfärbungen e c h 01 z t ODOL-Zahnpasta Ihre Zähne. ODOL- Zahnpasta reinigt gründlich, ODOL- Zahnpaata macht Zähne wie Perlen I Kleine Tube S —.90 Große Tube S 1.40 l e n. Nur der Allgemeine Zionismus kann ein Chaos verhindern. Auf dem Allgemeinen Zionismus beruht die Zukunft des Zionismus. Samuel Finbergh gestorben London, 30. April. (Z. T. A.) Samuel Finbergh, das frühere konservative Unterhausmitglied und einstiger Bürgermeister von Salford, ist in diesen Tagen verstorben. Im Unterhaus war Finbergh energisch für eine gerechte Behandlung der Ausländer eingetreten. 1925 trat er im Parlament scharf gegen den damaligen Innenminister Sir William Joynson- H i c k s wegen 6 ein er Haltung gegenüber den jüdischen Ausländern auf. Der alte Wilnaer Judenfriedhof gefährdet Warschau, 30. April. (Z. T. A.) Die Wilnaer Stadtverwaltung beabsichtigt, den historischen Judenfriedhof, auf dem sich die Gräber zahlreicher Thoragrößen und Geonim befinden, unter anderem die Gräber des Wilnaer Gaons und des „Ger Z e d e k“ (des seinerzeit zum Judentum übergetretenen Grafen Valentin Potocki, der 1749 den Märtyrertod auf dem Scheiterhaufen erlitt), zwecks Erbauung eines großen Stadions aufzulassen. Dieser Plan hat die jüdische Bevölkerung Wilnas in starke Erregung versetzt. Die Jüdische Gemeinde hat Schritte unternommen, um die Erhaltung des alten Judenfriedhofes zu sichern. Eine Beratung von Vertretern der Jüdischen Gemeinde und der Stadtgemeinde wurde anberanmt. Generalgouverneur Sir Isaacs erkrankt Melbourne, 30. April. (Z. T. A.) Der im 80. Lebensjahre stehende Generalgouverneur von Australien, Sir Isaac Isaacs, ist erkrankt. Sir Isaac ist der erste australische Generalgouverneur, der in Australien selbst geboren ist. Schon im Jahre 1882 war er zum Mitglied der gesetzgebenden Versammlung des Staates Victoria gewählt worden. 1897 verwaltete er zeitweilig das Amt des Ministerpräsidenten dieses Staates. An der Ausarbeitung der Verfassung des australischen Staatenbundes war Sir Isaac in hervorragendem Maße beteiligt. 1906 wurde er Mitglied des australischen Obersten Gerichtshofes, am 3. Dezember 1930 Generalgouverneur. Er ist Jude, aber im jüdischen Gemeindeleben nicht tätig. **» HOTEL BELLEVUE “"03 PORTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/Herrliche Lage, direkt am See / Schöne, sonnige Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension; Vor- und Nachsaison . . S 9*- Hauptsaison.S 12- Seebad und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / Verlangen Sie Prospekte Eintragung Kasteins ins Goldene Buch Das Präsidium dos L a n d c skomitees hat beschlossen, Dr. Josef Käst ein ins Goldene Buch des Nationalfonds eintragen zu lassen. Die Gesinnungsgenossen werden ersucht, sich an dieser Eintragung zu beteiligen.

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