Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 446 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 2 Dlf tTIMMI Nr. Lffl — fl. IM lflflff mmmtmmammammammwv wH AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER r\\S STOBERLPREISE Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbach. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkendh Stimmungssänger Hans Blaschek und Violinvirtuose ll. Ohlenschläger Legende von Jolys jüdischer Abkunft findet sich zuerst in Rosenbergs Kommentar zu den ..Protokollen*'. Als Gewährsmann gibt er dort den Lord Alfred Douglas an. den Mann, der in der Literatur als der Denunziant. Oskar Wildes fort loht. Nebenbei sei noch erwähnt, daß sich in Jolys „Dialogen** zwei antisemitische Äußerungen finden. In derselben neuesten Tlainmer-Ausgabo wird die in G n e d s c h e s 8 c h u n dr 0 m a n ..B i a r r i t z" von 1888 erschienen!? ..R*h1p eines Rabbiners auf dem alten Judenfriedhof zu Prag1* als ..gute und authentische Unterlage'* dargestellt.. Vom Verfasser der ..Protokolle“ wird gesagt, daß ..er bis heute unbekannt ist“, aber daß alles darauf binweist, daß eine von A c h a d Haam in Odessa im Jahre 1880 gegründete geheime jüdische Liga“ diese „Protokolle“ als ,,Gegengewicht zu Herzl? RealprogTaimon verfaßt hat“. Man muß. um nationalsozialistische Ritterlichkeit richtig würdigen zu können, daran erinnern, daß Reventlow. der erste Autor der Achad-Haam-Theorie, vor Gericht hat erklären müssen, daß er für die Behauptungen über Achad Haam keinen Beweis zu führen imstande ist. Wir haben schon erwähnt, daß Rosenberg zur Eröffnung der Aprilschlacht. 1933 den Namen Herzl in die Diskussion gestellt hat. Seine Leute aber kehren jetzt zu Reventlow Helene Groß - Benjamin Rokach Wien I. Wien II. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Nissan 5ÖQ5 zurück, unbeschadet seiner Erklärung, dies wohl darum, weil seither Achad Haam gestorben ist. So hat a.uoh der „Sachverständige“ Fleischhauer in Bern nochmals Achad Haam genannt, für alle Fälle aber auch Herzl in Betracht gezogen. Übrigens meinte er, die Person des Urhebers sei unerheblich. Das ist ein Sachverständiger, der sich nach allen Seiten zu salvieren weiß. Die frühere These, wonach die „Proto-, kolle“ anläßlich des ersten ZionLstenkongresses in Basel im Jahre 1897 verfaßt worden wären, wird angesichts der Oktoberverhandlung im Berner Prozeß fallengelassen. An ihre Stelle tritt eine neue These, wonach es in Basel im Jahre 1897 zwei Kongresse gegeben hätte, und zwar einen Zionistenkongreß, der öffentlich war, und einen Kongreß der „B’nai B’rith“-Logen, der „geheim in der Villa des Juden Dreyfus in Basel abgehalten wurde“. Es ergäbe sich daraus der Schluß, daß „alle bisherigen Vermutungen, daß die Protokolle auf dem Zionistenkongreß Herzls beschlossen wurden, hinfällig sind“. Sie wurden vielmehr — behauptet der Nazi-Autor — „von dem unter Leitung Achad Haams freimaurerisch organisierten Bne-Mosche-Orden verfaßt und dem gleichzeitig mit dem Zionistenkongreß in Basel 1897 abgehaltenen geheimen Freimaurerkongreß zur Beschlußfassung vorgelegt...“ Es wäre fast überflüssig, zu sagen, daß auch dies erlögen ist Der Verein „Bne Mosche“ war nie freimaurerisch organisiert und es hat nie einen geheimen Freimaurerkongreß in Basel gegeben. Am Schluß dieser „historisch-wissenschaftlichen“ Argumentation werden die folgenden „Feststellungen“ gemacht: „Alle von den Juden bisher ins Treffen geführten Gründe, daß die Protokolle eine antisemitische Fälschung sind, erwiesen sich also bisher als unstichhältig... Eine Fälschung würde nur dann vorliegea, wenn die Protokolle ein Programm enthielten, das zu den politischen Bestrebungen des Judentum« in Gegensatz stünde. Davon aber kann keine Rede sein. Das in den Protokollen entwickelte Programm steht vielmehr in vollem Einklang mit rler Mission des Judent u m s ... Die Weltgeschichte und insbesondere die Ereignisse um und nach dem Weltkrieg beweisen in nicht zu widerlegender Welse, daß das Judentum die Weltherrschaft für sich in Anspruch nimmt. Das Judentum und seine verschiedenen Hilfs- Bei Magenbeschwerden, Sodbrennen, vermindertem Hungergefühl, Darmverstopfung, Druck gegen die Leber, Beklemmungen bewirkt ein Glas natürliches „Franz-Josef“- Bitterwasser prompte Belebung der darniederliegenden Verdauung und Entgiftung des Darmkanals. Ärztlich bestens empfohlen. truppen wie Freimaurer, Marxisten, Kommunisten. Bolschewiken, die alle unter jüdischer Führung oder doch unter jüdischem Einfluß sfehen, sind Drahtzieher und Organisatoren aller neueren revolutionären Bewegungen. sie alle bekämpfen die christlichen Staaten und Religionen genau nach den Richtlinien der Protokolle. Und nach den gleichen Richtlinien fördern sie dem jüdischen Kapitalismus und haben in der Presse eine Weltmacht zur Täuschung der Völker errichtet. Wenn es irgend eines Echtheitsbeweises der Protokolle bedarf, so sind es die Tatsachen der politischen Entwicklung ...“ Diese Argumentation bekommt einen pikanten Beigeschmack durch die nationalsozialistische Sorge um die christlichen Religionen. Sonst sind die braunen Rassenzüchter nicht gar so christenfreundlioh ... An sich ist diese Gegenbemerkung etwas zu bequem. *Sie ist reinste Rabulistik. Da wird etwas ersonnen, dann ausgelegt und schließlich als anerkannte Wahrheit festgestellt. Darin ha.ben die Herrschaften viel Erfahrung. Haben wir nicht 1914 die französischen Flieger über Nürnberg, die Cholerabazillen in Colmar — um nur einiges zu nennen — erlebt? Die Lüge gehört nun einmal ins Handwerk. Findet sich nichts tatsächlich, nun, so wird es erfunden oder es wird nachträglich in irgend eine Äußerung, die zu diesem Zweck hergestellt worden ist, ein Sinn bin eingelegt. „Im Auslegen seid nur keck und munter; legt Ihr nicht aus, so legt Ihr unter!“ Das Rezept Goethes besteht weiter. Aber das nationalsozialistische Erfindungstalent ergeht sich nicht ohne Nutzen in dem blühenden Garten der Phantasie. Hören wir einige Schweizer Pressestimmen: Die Schweizer Tageszeitung „Le D 6mocrate“ schreibt unter anderem: „Der Prozeß der ßoganannten „Protokolle der Weisen.von Zion“ scheint bei unseren nördlichen Nachbarn eine gewisse Nervosität hervorzurafen... Der die Schweiz beleidigende Artikel im Nürnberger „Stürmer“ — ein Organ des intimen Freundes Hitler6, Julius Streicher — beweist, daß das Dritte Reich nicht ohne eine gewisse Unruhe dem Urteil in diesem Prozeß entgegensieht, wae verständlich ist, wenn man bedenkt, daß die besagten „Protokolle“ als größtes Schlachtroß des deutschen Antisemitismus vorgeführt werden. Es ißt überaus grotesk, von einem jüdischen Bern, 30. April. (2. T. A.) In der ersten Sitzung des Prozesses gegen die Verbreiter der „Protokolle der Weisen von Zion“ .in der Schweiz vor dem Berner Gericht waren von den fünf Angeklagten nur drei erschienen. Diese machten den Versuch, eine neuerliche Vertagung des Prozesses zu erzwingen, indem sie die Vernehmung neuer Zeugen forderten und drohten, der Verhandlung ferozubleiben, wenn ihrem Antrag nicht stattgegeben wird. Das Gericht lehnte diese Forderung ab. Der Vorsitzende erklärte, daß der von dean Anwalt der Beklagten kürzlich gegen verschiedene Zeugen eingeredohten Strafanzeige keine Folge gegeben werden soll. Dem Antrag des Verteidigers der Angeklagten, den Prozeß bis zur endgültigen Klärung der genannten Strafanzeige einzuetellen, beziehungsweise den Sachverständigen der Angeklagten genügend Zeit zum Studium der russischen Akten eimuräumen, wurde ebenfalls nicht entsprochen. Hierauf erstattete der von den Klägern geführte Sachverständige, Professor Baumgarten, Basel, sein Gutachten über das Entstehen der «sogenannten „Protokolle der Einfluß auf die öffentlichen Behörden in der Schweiz zu sprechen. Im ganzen Schweizer Bundesparlament gab es niemals mehr als einen jüdischen Abgeordneten. Wir haben' niemals von der Anwesenheit auch nur eines einzigen Juden in der Bundesregierung oder in der Beamtenßchaft der Bundesverwaltung gehört; wir glauben, daß dem auch so ißt in den Regierungen und Verwaltungen aller Schweizer Kantone. Im übrigen besteht in der Schweiz eine vollkommene Scheidung zwischen den einzelnen Staatsgewalten, die jeden Einfluß der regierenden oder der gesetzgebenden Mächte auf die Gerichtsbarkeit außschließt. Die ganze Schweiz tiat volles Vertrauen zu der Unparteilichkeit des Berner Richters, welches auch immer das von ihm gefällte Urteil sein wird. Unser Volk ist noch fähig, in jeder Sache kaltblütig daß Für und daß Wider zu wägen und das Bestehen eines über die menschlichen Leidenschaften hinausgehendeu Rechtes anzuerkennen. Der vom „Stürmer“ zur Schau gebrachte Zorn läßt uns natürlich nicht« Günstige« vorausahuen, was die persönliche Stimmung Herrn Hitlers für unser Land anbetrifft. Aber ee ißt erlaubt, diese Zeichen der Nervosität, die sich gelegentlich de« Prozesses der „Protokolle“ jenseits des Rheins bemerkbar machen, alß Symptome der Schwäche anzusehen. Sic können uns jedenfalls nicht emschüahtem — im Gegenteil.“ Der Berner „Bund“ charakterisiert die Person de« im Berner Protokoll- Prozeß als „Experten“ auftretenden Herausgebers des antisemitischen „Weltdienstes“, Fleischhauer. Er vermerkt,; daß Fleischhauer Verfasser einer Reihe von antisemitischen Hetzschriften und eines antisemitischen Lexikons, betitelt „Sigilla Veri“ („Siegel der Wahrheit“) ißt. Aus diesem Lexikon zitiert der „Bund“ einige, besonders die Schweiz interessierende Aufzeichnungen, so zum Beispiel, daß Pestalozzi (der berühmte Schweizer Pädagoge) ein Judenstämmling sei, daß Mittelholzer (der bekannte Schweizer Rekordflieger) kurzerhand als „Judengenoßse“ gekennzeichnet wird, daß daß Eisenbahnunglück von Bellinzona, in welchem der frühere deutsche Relchsminister Dt. Hclf Weisen von Zion“. Er erklärte diese Protokolle als eine böswillige Fälschung, als ein Werk der reaktionären Kreise de« zaristischen Rußland, dazu unternommen, um den Zaren gegen die Juden zu beeinflussen und um diie Erregung de« Volkes über die öffentlichen Mißstände auf die Juden abzulenken. Baumgarten wiee nach, daß die Hersteller der Protokolle die angeblichen „Dialoge“ direkt aus dean Pamphlet dee Franzosen J o 1 y gegen Napoleon III. abscih rieben und da« jüdische Moment hineinfälechten. Die Protokolle seien ein Plagiat niedrigster Sorte. In der Nachmittags Verhandlung des Montag entwickelte Professor Baumgarten die Gründe, weshalb e« auch noch heute Laute gibt, diie an die Echtheit der Protokolle glauben- Er kam zu dem Schlüsse, daß die oingoklagte Broschüro zweifellos eine Fälschung darstelle, die geeignet sei, die Judenßobaft in den Augen der übrigen Volksgenossen herabzusetzen und Unfrieden in der Bevölkerung zu stiften. Man brauche deshalb keine Bedenken zu tragen, die Broschüre Fritsch’ß mite r d e n I> e g r i f f der Schundliteratur eiumreihon. f e r i c h um« Leben gekommen ist, ein Werk der Schweizer Freimaurer wa.r und der Prozeß von der Schweizer Regierung „in verhüllter Weise niedergeschlagen wurde“ u. dgl. mehr. „Wie muß es im Gehirn von Menschen außtsahem“, fragt der ..Bund“, „die solche« schreiben und doch wohl selber glauben? .., Herr Fleischhauer hat. schon um die Jahreswende für nötig gefunden, der schweizerischen Presse eine Erklärung zugehen zu lassen, in der cs unter anderem hieß: „Ms Gutachter betrachte ich mich, auch wenn ich nicht vereidigt, werde, nur als unter Gewißsenseid stehender Gehilfe de« Horm Richters, dem ich bei der Urtoil&fü lluug dadurch zu helfen habe, daß ich daß von ilnn geforderte Material liefere.“ Seither hat Herr F. dies anscheinend ein wenig vergessen, denn ß e i n „W e 11- D i e n s t“ s a tnraolt öffentlich —> für die eine Prozeßpartoi, die Angeklagten .... Wenn Informationen deutscher Zeitungen richtig sind, ßo dürfte das Gutachten Fleischhauers dahin lauten: „Gelungen ißt der Beweis, daß die Protokolle auf dom ersten Zionißtenkongreß nicht beschlossen wurden, sondern auf einem gleichzeitig ßta ttgefundonen Frcinia.u rerkongreß, und zwar dee jüdischen Bnai- Brith-Ürdens.“ Diese Entdeckung ßei d e m in Polen lebenden pensionierten Staatsanwalt Noskowicz A—:- Lotte Rokach -Mosdieh Kerzner Wien Wien empfehlen sich als Verlobte Wien, im Nissan 5ÖQ5 - zu verdanken, der Herrn Fleißchhauer von den Äußerungen eines R a bbinerstell Vertreters R. Fleischraann in Skoki a.uß dem Jahre 1900 Mitteilung gemacht habe. Fleischmann ßei von seinem Oberrabbiner Dt. V e i 1 c h e nf e 1 d, der Fleiß oh man ns Braut mißbraucht habe, schwer beleidigt worden und habe deshalb dem Staatsanwalt Noskowitz daß Gahehnniß preisgegeben, daß alle Zionistenkongresse doppelt geführt werden und daß die Protokolle ein echtes jüdißcheß Programm seien.“ „Also eine ganz neue Version“, bemerkt abschließend der „Bund“, boi der man sich nur wundern muß, daß der. Herr Staatsanwalt aus Polen ein ganzes Mensohenalter gebraucht hat, um sich dieses Geheimnis von der Seele zu ringen. Mit den bisherigen Feststellungen im Prozeß iet diese Lesart freilich kaum vereinbar.“ Wehl aber mit der nationalsozialistischen Gepflogenheit, sich nicht allzuweit aus dem Bezirk der Erotik zu entfernen. Vergewaltigung einer Braut — daß setzt alle deutschen, Stürmer in Bewegung, insoweit ßie nicht, durch das Ende Roelnms verschüchtert, sich in anderen Sphären ausleben. Die Art aber, in der der Nationalsozialismus auf den Berner Prozeß reagiert, muß weit über den Kreds der direkt Betroffenen nachdenklich stimmen. Wenn man krampfhaft sich anstrengt, um jämmerliches Falsifikat weiter als echt anzuspreohen, um darauf politische und soziale Maßnahmen zu gründen — bleibt solches Vorgehen nur auf die Judenfrago beschränkt? Ist nicht alles falsch, was von Berlin aus behauptet, versichert, beschworen wird? Gerade jetzt prüfen die Mächte an der Hand des Vevtragßbruobes die Grundlagen der deutschen PENSION ALPENHEIM II SEMMERING g|j Bestbekannte Küche. Anerkannt schönste In Lase. Telephon Nr. 22 §§] Politik, bei der sich das Moralische durchaus nicht mehr von selbst versteht. Der Zustand, in dem sieh Deutschland heute, nach zwei Jahren der Hitler-Herrschaft, befindet, ist von Hitler in seiner Mai rede selbßt gezeichnet worden: „Keine Rohstoffe, keine Devisen, kein Kapital, koine Auslandsguthaben mehr, nur schwere leasten, Opfer, Steuern und kleine Löhne.“ So sieht diese Staatskunst aus, die nur Schande und Schmach und Armut gebracht hat. Insoweit eine Ergänzung dieses Bildes der Verlotterung noch notwendig ist, liefert der Beruor Prozeß und wie sich Deutschland zu Ihm stellt, neues Material. UilllA Verwaltungen Reparatuikredlte,ZinsvorsdrQsse nOllA-?11; “rVwMKtfe Km Kto Oskar Deutsch ■ * BelehniHlSen Wlen,X.,Favoritenstraße95,Tel.R12-606 Der Berner Prozeß