Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 445 (30.4.1935)
- Date
- 1935-04-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 445 — 30. April 1935 DIE STIMME Seit© 7 Protokollprozeß in Bern wieder aufgenommen einfache Arbeitsweise ist von den jüdischen Gärtnern vervollkommnet worden, und heute machen die Terrassennnlagcn einen sehr guten Eindruck. Durch Entsteinung und Bau von Terrassen hat man neuen Boden gewonnen, der sonst unbrauchbar geblieben wäre. In der nächsten Zukunft sollen auf Grund der Erfahrungen, die in Kirjath Anaviin gesammelt wurden, neue »Siedlungen in den Bergen angelegt werden. In Syrien, besonders auf dom Libanon, haben sich manche Ortschaften zu Ausflugs¬ und Erholungsstätten entwickelt. Auch viele Palästinenser verbrachten in den letzten Jahren ihre Ferien dort» Mit der Aufforstung gewisser Bergstriche und der Schaffung von Sanatorien und Herbergen werden die Berge als Frc mdenver kehrsorte Bedeutung erlangen. Ersichtlich ist das auch daraus, daß T a 1p i o t h und ß e t h -II a k e r e m, Vorstädte Jerusalems, im letzten Sommer sehr viele Gäste beherbergten. Die Projekte, die in der Nähe von Kirjath Anavim verwirklicht werden sollen, haben den Vorteil, nicht zu nahe einer Stadt zu liegen, anderseits durch ein gutes Straßennetz von überall rasch erreichbar sind, weiter durch die Nähe der Siedlungen «fündig mit frischen Milch- und Obstprodukten versorgt zu sein. Die ländliche Umgebung mit Pinien- und anderen Nädelbaurawäldern würde einen Aufenthalt in den Bergen angenehm machen. Bei einer Summierung der aufgeworfenen Fragen lassen sich die Vor- und Nachteile leicht umreißen. Hätten sogar die Gegner einer Gebirgskolonisation recht, so müßte eine solche doch betrieben werden, um der Landökonomie, die dann auf Flach- und Hügellandschaftsbebauung basierte, den notwendigen Ausgleich zu geben, der möglicherweise bei außenpolitischen oder anderen •Gründen notwendig wäre. Gibt man Kreisen von Siedlern die Möglichkeit, sich in den Bergen seßhaft zu machen, so zeigt sich damit eine weitere Möglichkeit, neue Alijah aufzunehmen, neue Gelder zu investieren, kolonisatorische Möglichkeiten zu bereiten. Die Rentabilität, die die bestehenden Sieddungeni: in den. Bergen erwiesen haben, nimmt, vom wirtschaftlichen Standpunkt, den Zweiflern jedes Angriffsargument (auch in der Wasserfrage, die bisher schwierig, aber doch gelöst wurde). Hiezu kommt, daß es im Gebirge keine Sümpfe gibt, somit Drainage nicht notwendig und die Bergbewohner von vielen Krankheiten verschont sind. Über sieben Millionen Dunam B e r g b o d e n gibt es in Palästina, wovon in jüdischen Händen nur ein geringer Bruchteil ist. Der größte Teil wird auch heute noch als primitive Weidefläche benützt, die aber einmal in Obst- und Weingärten verwandelt werden wird, wobei auch Geflügelzucht und Milchwirtschaft auf ihren Teil kommen werden. Pension Eckstein - Semmering General Zöld 70 Jahre alt In Budapest begingam 25. April Honvödgeneral Martin Zöld von Sioagard seinen 70. Geburtstag. Er ist der einzige jüdische General der Honvöd. General von Zöld, der die Ludovika-Akademie und die Stabsoffiziersschule in Budapest absolviert hatte, ist bei Ausbruch des Weltkrieges mit einem Landsturmbataillon aus Gyula'nach .Dalmatien eingerückt. Als Verteidiger der sich unterhalb dos Lovcen erstreckenden Halbinsel Crotollo schlug er in viertägigem Gefecht den Ansturm dor montenegrinischen Stroitkräfte überlegen zurück. Später zeichnete er sich in Wolhynien und' in der Bukowina (Jänner 1916) aus. Bei der Verteidigung des Obstgartens bei Raranco warf er, soine Mannschaft durch persönliche Tapferkeit anfeuernd, die in die Schützengräben eiiidringende russische Übermacht heldenmütig zurück. Von Kaiser Franz Josef I. wurde er mit dor Erhebung in den ungarischen Adelsstand und mit dem eisernen Kronenorden ausgezeichnet. Im weiteren Kriegsverlaufo errang Zöld für soino strategischen Leistungen in Ostgalizien, jn der Ukraine und. später an der italienischen Front die höchsten Auszeichnungen. Sein Regiment ftihrto er in voller Ordnung vom italienischen Kriegsschauplatz in die Heimat zurück. Bern. In der Verhandlung vom 29. Oktober hatten die Anigeseliuldiigton den Antrag gestellt, cs seien die bereits vorliegenden Gutachten der Experten Prof. B a u m g a r t c n und Schriftsteller I. o o s 1 i durch dias Gutachten eines von den Beklagten zu bezeichnenden Experten au ergänzen. Der Richter hat diesem Begehren .stattgegeben, worauf die Verhandlungen unterbrochen worden sind. Die Aiigesehuldigten haben in der Folge als ihren Experten den Oberstleutnant Ulrich Fleischhauer iln Erfurt bezeichnet, welcher nunmehr ein Gutachten von 600 Druckseiten eingereicht hat. Fleischhauer ißt Herausgeber der im U. B o d nng-V erlag, Erfurt, ln drei Sprachen erscheinenden an t i ß e m i t i s oh e n Korrespo li d e n z „W elt-D.ienß t“. Sowohl die Kläger wie ■die Aug esc huldigten haben beantragt, es sei als weitere Beweißmaßnahme die Einvern a h ni e v e r s e h iedener a u s 1 ä ud i ß c ih e r Z e ugen a n zuor d n e n. Der Richter hat diese Beweisanträge abgew i o s e u, so daß keine Zeugen veriliöre mehr ßtattfindein wenden. In letzter Kairo. Die Berufungsinstanz hat die Klage des jüdischen Kaufmannes Ja b e s, der italienischer Staatsangehörigkeit ist, gegen den „Deutschen Ver ei n“ i n K a i r o abgowiesen. Gegenstand der Klage war eine Broschüre des Deutschen Vereins, die sich bemühte, die rassenpolitisohen Maßnahmen des Nationalsozialismus in Deutschland zu rechtfertigen und die Behauptungen der „Weisen von Zion“ wiederholte. Jabes wollte als einzelner die Sache des gesamten.J udentums führen. Von den Vertretern des „Deutschen Vereins“ wurde vor Gericht in der Hauptsache geltendgemiaeht, daß e in einzelner Jade nicht für die Gesamtheit auft r e t e n k ö pn e. Im Verlaufe des Prozesses erster TrisfäffiT* wurde1" vörT jifölscfilf' Seite ein Brau n b u C lt. ‘ über Deutschland' veröffentlicht, das mit einer umfangreichen Gegenpropaganda beantwortet wurde. Das Gericht trat in diie Sache selbst nicht ein, Das neue deutsche Staats* Bürgerrecht Aus Berlin wird gemeldet, daß der deutsche Reichs innen minister Dr. F r i c k in einem Zeitungsartikel Mitteilungen über die Vorlage zur Regelung des Staatsbürgerrechtes in Deutschland macht. Er erklärt als Bedingung für die Verleihung des Staatsbürgerrechtes die rassisc li e Z ugehörigkeit zum ' deutschen Volk. Darnach würden also in Zukunft die J u d en in Deutschland nicht m ehr das Staatsbürgerrecht erhalten.' Aue den Darlegungen des -Ministers gebt nicht hervor, ob das Gesetz rückwirkende Kraft haben wird, das heißt ob die halbe Million Juden in Deutschland, die - bisher das StaatsbÜiigerrecht-besaß, es weiter behält. Jedenfalls ist ©in Zustand der Unsicherheit geschaffen, der möglicherweise in ' volle Rechtlosigkeit übergehen wird. Hitlers Krieg gegen die Judenhinder Im Anschluß an die jüngsten Erlässe dos Reichsorziehungsministors veröffentlicht der Leiter des Rassenpolitischeu Amtes Doktor Groß eine Betrachtung, in der es heißt: „Eine wichtige Forderung rassischen Donkens an eine Neurusrichtung des Schulwesens geht dahin, daß die Klassengeinoinschaft selbst eine rassische Einheit, darstello. Fremdrassige Schüler müßten zwangsläufig die Erziehungsmögliohkeit in einer Klussengemeinschaft herabmindern. Deshalb ergebe sich die Forderung, die unter uns noch lebenden frerndrassigen Bevölkorungsgrjuppen, insbesondere also die J u i o n, im Schulunterricht von den Kindern unserer eigenen Art g r u n d s ä t z- 1 i oli abznsondern. Stunde bat der für die Verbreitung der „Protokolle“ speziell verantwortliche Angern1,huldigte durch seinen Anwalt gegen zehn der au.f Antrag der Kläger bereit« einvornommenen Zeugen die »Strafanzeige wogen w i „s is e n 11 i c li f a 1« eher Z o ti g e »- ausßage o Inge reicht und zugleich da« Begehren gestellt, es sei der Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion“ zu vertagen, bis daß Verfahren »gegen dp eingeklagten Zeugen durehgeführt ist. Der Gerichtspräsident bat jedoch verfügt, daß die Verhandlungen nicht vertagt, sondern Montag, den 29. April, 9 Uhr, wieder beginnen werden. Die Verhandlungen worden mit den m ii n d liehen Vorträgen der Experten, beginnen, worauf die P a r t e i a n w ä 11 e da« Wort zu ihren Plädoyers erhalten werden. Anschließend wird der Richter zur Urteilsfällung übergeben und seine Urtoillßerörterungen m ü n d 1 i c h bekanntgeben. Mit Rücksicht auf da« wcitßchichtiige Material und die Vielseitigkeit der angeschnittenen Fragen wird mit einer P r o z e ß d a u e r von einer Wocilne gerech.net. sondern beschränkte sich darauf, die Frage zu untersuchen, o b eine einzelne von der Beleidigung nicht individuell betroffene Person eine derartige Klage führen könne. Diese Frage wurde in zweiter Instanz und damit endgültig verneint, so daß ein Freispruch erfolgte. * Berlin jubelt Der Ausgang dee Prozesses in Kairo wird in der Berliner Presse zum größten Teil als „Niederlage ides Judentums“ und „deutscher Erfolg“ aufgemacht. Der Prozeßverlauf und die Entscheidung bedeute, so wird gesagt, eine Rechtfertig u ng des nat ionalsozi allst i- Vc Ire ii" D e ü tk c h 1 a n .d. Diese Überschriften und Artikel stehen im Widerspruch zu der Tatsache, daß das Gericht der Klage nur aus grundsätzlichen formalen Überlegungen nicht ßtattgab. Sprechverbot für Buher, Woyda und Weil Wie seinerzeit mitgeteilt wurde, hat das deutsche Propagandäministerium ein Verbot des öffentlichen' Auftretens in Versammlungen an Führer jener Gruppen im deutschen Judentum erlassen, die für ein Verbleiben von Juden in der deutschen Heimat Propaganda machen. Von diesem Verbot wurden u. a. der bekannte Führer des religiös-liberalen Judentums Bruno Woyda und der Vizepräsident des Zentralvereineis deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Bruno W e i 1, betroffen. Vor einiger Zeit ist auch Martin Bub er mit einem Sprechverbot belegt worden, das sich auf seine Lehrtätigkeit in dem von ihm geschaffenen und jetzt geleiteten Frankfurter Jüdischen -Lehrhaus erstreckt.' Buber hat in seinen öffentlichen Reden und in seinen Aufsätzen mit keinem Worte den Nationalsozialismus und das herrschende Regime in Deutschland kritisiert, sondern lediglich versucht, den deutschen Juden Trost und Mut zuzusprechen. Rosenberg wirft Papst Pius XL „jüdische Abstammung“ vor Der „Reichspost“ wird aus München u. a. geschrieben: Alfred Rosenberg, den dio vernichtende wissenschaftliche Durchleuchtung seines „Mytlu>s“-Buclies durch die Gegenschrift „Studien“ katholischer Gelehrter arg bloßgestcllt und als schlimmsten Dilettanten entlarvt hat, will nun, wie die „Nationalsozialistischen Monatshefte“ ankündigen, mit einer Schrift „An die Dunkelmänner unserer Zeit“ antworten, in der er u. a. „naclnveisen“ will, daß Papst Pius XI. durch seine, M u 11 e r j ii d i s c li c r A b s t a ui m u n r s c i und daß der Kardmal-Stnatssokn,,..: Pace Ui einen Juden unter seinen - wandten gehabt hat. Dies sei laut Ro.-miberg auch der Grund, warum im neuen ( <>- dex Juri« Can, nichts meinüber die Ju l' n stehe. Rambam-Monat vom Scopus* Berg proklamiert Aus J e r u s a I e m wird uns berichtet: Im Theatcnsaal der hebräischen Universität luvt, wie schon kurz .gemeldet, zur Feier d<‘« «SOO. Geburtstage« des Maitnonidns eine Festvereammluiiig stat.tgefundcn. Ben Zwi sagte in »seiner Eröffnungsansprache, daß die Juden Jerusalem« schon vor vielen Jahrhunderten Versammlung ein au diesen Ort cinzuborufon pflegten, um von hier au« Feiertage, Jahresbeginn und andere besondere EreignisßC auzuktindigen. Von diesem Orte zeige er auch den Juden des Ißchuvs und der ganzen Welt den Beginn des Maimonides-Monateß an. Er proklamierte als Maiinonidos-Monat die Zeit vom 14. Nissan biß 14. Ijar 5695. «■aram Zionistischer Vortragshulender Dienstag, den 30. April 6. Bez., Sektion VI/V1I, VI., Loquaiplatz 11, /V Uhr abends. Dr. Richard Taussig: Kurs für allgemeine Geschichte unter Berücksichtigung der jüdischen Geschichte. 9. Bez.,’ Sektion VIII/IX, IX., Währinge'- straße 6—8, l/,8 Uhr abends: Hebräisches Seminar, Leitung: Prof. Wiesen. — Uhr abends: Ohug lvri Ach ad Ilaain, Prof. Keistenbaum. 18. Bez., Sektion XVIII und Wizo, XVIII., Weimarerstraße 7, VS Uhr abends. Oberrabbiner Dr. David Feuchtivang: „Rabbi Meir von Rottenburg.“ 20. Bez., Sektion XX, Jügerstraße 30, 8 Uhr abends. Generalversammlung. 18. Bez., Sektion und Wizo XVIII/XVIII., Weimarerstraße 7, 8 Uhr abends, Oberrabbiner Dr. D. Feuehtwang: „Der Rabbi vom Rothenburg.“ Donnerstag, den 2. Mai 1. Bez., Zionistischer Landesverband für Österreich, Großer Musikvereinssaal, I., Dumba-1 straße 3, präzise Ri 9 Uhr abends, Herzl-Feier anläßlich des 75. Geburtstages Theodor Herzls. Eröffnung Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich. Festrede: Dr. Josef Kastein: „Theodor HerzI, das Erlebnis des jüdischen Menschen. Kinoprogramme der Woche KREUZ-KINO ferS'ÄiS Uraufführung! Wilde Freiem Frank Buck's Urwald-Reportage Beginn: 4, “/»ß, VJi, V»1Ü Uhr LeopIthtBdier Uolhsklno Tei^>honBR4^0-23 Vom 30. April bis 0. Mai 1935 Alles für die Firma Wochentags V»ß. 7,8, 7,10 Uhr, Sonn- und Feiertag */»4 Uhr RemMt-Kino Telephon* A 44-0-35 Vom 80, April bis 2. Mai 1935 Schlager- Programm Wochentags: 7«ö, Yj8, 7,10 Uhr, Sonntag: 4, 7,6, ’/»8, 7,10 Uhr Uoflopork-Kino lX;fe^phonngAr lS-^-Oß12 Vom 30. April bis 2. Mai 1935 Uraufführung! Ich hin nicht zu haben mit Jean Harfow Täglich: 4. %6. Va8. V,10 Uhr Heimat-Kino ^Telephon A°fs 0-76*9 Von; 30. April bis 2. Mai 1935 Uraufführung! Kleine Mutti mit Franziska Gaal Wochentag; 6, ‘J, 9 Uhr, Sonnu. Feiert, ab 3 Uhr Ein einzelner kann nicht für die Gesamtheit Magen Aus dem Dritten Reich