Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 445 (30.4.1935)
- Date
- 1935-04-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 445 — 30. April 1935 Bergsiedlung in Palästina Von Rubin Robert Horowitz (Jerusalem) Vor lauter Beschäftigung mit Orangenanbau, überhaupt mit Kolonisation in der Ebene, haben große Kreise der Judenheit in Palästina wie auch im Auslande vergessen, daß es wichtig ist, auch in den Bergen jüdische Niederlassungen zu begründen. Dies ist verständlich. Eine Reise durch die Berge zeigt zum weitaus größten Teil unbenutzten Boden, Felsgeröll und Verfallenheit. Dem tiefer Beobachtenden aber werden gewisse Dinge auffallen. Trotz primitiver Bebauung sind die arabischen Dörfer in den Bergen viel öfter anzutreffen als in der Ebene. Die Kuppen und höheren Schichten der Berge zeigen vom Wind und Regen losgewaschenen Felsboden der Regen hat im Laufe der Jahrhunderte den Humus zu Tale getragen. Die Schaf- und Rinderherden umherziehender Nomaden oder seßhafter Araber finden notdürftig ihren Weidegrund. Ihr Aussehen ist danach. Klein, zusammengeschrumpft, degeneriert ist das einheimische Vieh. Eine Auffrischung von außen konnte nicht erfolgen, da ihre Besitzer in demselben patriarchalischen Trott wie ihre Vorväter die Herden und Höfe führen, die von Geschlecht zu Geschlecht weniger Ertrag abwarfen. Die Armut im Gebirge ist allgemein. Dafür ist der Menschenschlag ein besonderer. Wie überall auf der Welt, sind auch hier die Bewohner der Berge den Einheimischen der Ebene überlegen. In der Gestalt, im Blick, im Charakter, in Tatkraft und Gesundheit. Das Klima bildet den Menschen. Der Bergbewohner ist gesünder, kräftiger, zäher al? der Flachlandssiedler. Wer einmal durch die Orangenzone des Schomrons und Jehudas gefahren ist, die Metropolen Rehovoth, Petach-Tikwah, Chederäh gesehen hat, mit ihrem Trubel, ihrer Geschäftigkeit, ihrem Verkehr, und dann plötzlich in die Berge fährt, ist entsetzt über die Kahlheit, Kälte und Leblosigkeit. Dies zusammen mit der gewissen Sicherheit, die man beim Orangenbau hat, macht es er klärlich, daß die meisten Siedler in der Küstengegend blieben. Außer der Erfahrung fünfzigjähriger jüdischer Kolonisation in der Ebene, bestand die Möglichkeit, nach geraumer Zeit die Früchte — zuweilen — harten Arbeitsjahre, einzuheimsen. Und wer wollte gegen eine sichere Zukunft eine unsichere in den Bergen auf sich nehmen? Die Geschichte des jüdischen Volkes berichtet uns, daß seine Stämme in den Bergen siedelten, daß sie Menschen des Berges waren, und auch in ihrer Lebensart, ihrem Sein und Ausdruck sich als solche benahmen. Weiter überliefert uns die Historie die Kunde von Reichtum und Wohlhabenheit, von Weinbergen und Olivenbäumen, kurz, von einer hochstehenden und rentablen Bergbebauung. Ein Grund mehr, daß die Hebräer in den Bergen lebten, war die strategische Überlegenheit, die damit verbunden war. Sie waren in den Bergen schwer angreifbar, indes sie die Ebene beherrschten, che teilweise Durchzugsstraße für die angrenzenden Länder war. Auch hiebei zeigte sich der Unterschied im Typus: der Mensch der Ebene ist friedliebender als der Bergbewohner. Eigentlich hätten diese, bisher aufgezählten Momente für die neue jüdische Kolonisation unserer Tage genügen können, um die Ansiedlung in den Bergen mit in ihr Aufbauprogramm zu nehmen. Dem war aber nicht so. Gründe der Sicherheit, des Wassermangels, der Rentabilität und vielleicht noch andere, ließen die Institutionen von Projekten für Ansiedlungen in den Bergen Abstand nehmen. Dies ist teilweise verständlich, da Vorbilder solcher nicht vorhanden waren (und arabische Dörfer als Vorbilder nicht gelten konnten), ferner Gebirgskolonisation — außer allen anderen Gründen — mit großen Mitteln und Schwierigkeiten verbunden war. Heute, knapp fünfzehn Jahren nach der Gründung der ersten jüdischen Siedlung in den Bergen, weiß man, daß es schade war, vor Jahren, als die Araber ihren Boden zu jedem Preis gerne verkauften, diesen nicht erworben zu haben. Wer hätte auch der jüdischen Kolonisation eine solch große und rasche Entwicklung vorausgesagt? Als Symptom mag hier vermerkt werden, daß die Reorganisationskommissiou des ersten Kongresses nach dem Kriege sich jeder Kolonisation in den Bergen widersetzte, und es nur dem damaligen Direktor des Kolonisationsdepartements der Zionistischen Organisation, Agr. A. E 11 i n g e r, gelang, K i r j a t h A n a v i m als Versuch anlegen zu lassen. Die Entwicklung hat gezeigt, daß Bergsiedlung nicht nur möglich, sondern auch rentabel ist. Kirjath Anavim ist heute eine blühende Kolonie, die, allen Widerständen zum Trotz, sich zu einer bedeutenden und rentablen Wirtschaft entwickelt hat, Zuschüsse seitens der Kolonisationsfonds seit Jahren nicht mehr erhält, im Gegenteil, sie ist heute eine der bestfundiertesten und kommerziell sichergestelltesten Wirtschaften im Lande. Der Begriff Bergsiedlung sei hier etwas verengert. Auch das Galil (Ober- und Untergaliläa) ist eine Berglandsohaft, die aber eine ganz andere Bebauung zuläßt als die Berggegend um Jerusalem, oder, in erweitertem Rahmen, von Jenin (zwischen Nablus und Afuleh gelegen), bis Hebron und noch südlicher. Der markanteste Unterschied liegt wohl darin, daß das Galil Ackerbau, während der zweite Bezirk, von dem gesprochen ist, fast nur Terrassenbau zuläßt. In diesem Artikel sei die Berggegend, die Ackerbau zuläßt, ausgeschlossen, und nur von der Kolonisation auf Grund des Terrassenbaues gesprochen. Früher ist von den Gründen die Rede gewesen, die die Anlage von Bergsiedlungen ausschlossen. Jetzt sei auf Vorzüge und die Art der Bebauung bei solchen eingegangen. Es darf vorausgesetzt werden, daß dem Leser bekannt ist, daß Palästina ein sehr kleines Land ist, und von Gegnern der ,,Jüdischen Heimstätte“ in Palästina in mehr als einem Falle dieses „Zu-klein-sein“ als Argument angeführt wurde und wird. Es würde zu weit führen, hier eine Antwort darauf zu geben, was nicht nur den Rahmen dieses Artikels sprengen, sondern auch im Gegensatz zur nüchternen Klarlegung des gestellten Fragenkomplexes stehen würde. Wenn aber, dürfen wir fragen, von diesem kleinen Palästina die Berge, die einen großen Teil der gesamten Bodenfläche ausmachen, von der Kolonisation ausgeschlossen werden, was bleibt dann übrig? Und für wieviele Siedler wird dieser Rest genügen? Die Antwort kann nur darin liegen, daß eine Beschränkung auf die Ebene nicht in Frage kommen darf. Wirtschaftlich gesehen, hat die Bergsiedlung große Möglichkeiten in bezug auf bestimmte Kulturen, die bedingt sind vor allem durch die günstige Höhenlage und das damit verbundene gesunde Klima. Gesund für Mensch, Tier und Pflanze. Über den Bergbewohner wurde schon gesprochen. Nutztiere halten sich nicht nur besser in den Bergen, sondern geben auch mehr und bessere Milch als in den Ebenen. Als Beispiel für die Milchwirtschaft kann die Schweiz und Tirol genannt werden. Und auch bei der Geflügelzucht lassen sich dieselben Ergebnisse feststellen. Bei den Pflanzen zeigte es sich, daß Obst bäume der nördlichen Zone (also Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen usw.) in einer Höhenlage von 600 bis 800 Metern vorzüglich gedeihen, wofür wieder Kirjath Anavim als Beispiel angeführt werden kann. Vier Wirtschaftszweige als Arbeitsgebiet der Bergsiedlung können wir aufzählen: Milchwirtschaft; Geflügelzucht; Obst- und Tafeltraubenbau. Für die Milchwirtschaft wurden im Jahre 1924 holländische Kühe importiert, die sich in den Bergen sehr gut akklimatisierten. War (und ist) der Milchertrag in Ein Jugendbildnis Johann Kremenezky*! ^iir Im Herzl-Zimmer des KKL-Haup tt üros, Jerusalem, steht auf dem Schreibtison dee verblichenen Führers eine große Photographie, welche einen jungen Mann in der ,Kriegertracht eines Kaukasiers darstellt. Die Fragen aber der vielen Gäste, welche aus Erez und dem Ausland das stolze zionistische Amtshaus besuchten und in das Heiligtum des Herzl-Zimmers traten, wer denn der Mann auf dem Bilde sei, konnten von den führenden Kustoden nicht beantwortet werden, denn man wußte es nicht. Erst der Hintritt Johann Kremeneakys und der von den österreichischen Zionisten gefaßte Plan, zu seinen Ehren ein Kfar Kremenezky in Alt-Neuland zu gründen, hat die Mutmaßung geweckt, daß hinter dem vermeintlichen Kaukasier niemand anderer stecke als der von uns Geschiedene, der zu einem vorbildlichen Juden, Zionisten und Vorkämpfer des Palästina-Aufbauwerks geworden war. Vollen Aufschluß aber über die Richtigkeit dieser Mutmaßung gibt erst der folgende jüngst vom ältesten Sohn Johann Kremenezkyis an das Hauptbüro des Keren Kajemeth gerichteter Brief: Wien, 7. März 1935. Josef Kremenezky, Wien. Sehr geehrter Herr Doktor! Infolge Rückfrage beim Bruder meines Vaters in Rußland, komme ich erst jetzt dazu, Ihnen auf Ihr Scheiben vom 14. Dezember v. J. zu antworten. Ich sende Ihnen anbei eine verkleinerte Aufnahme des in Rede stehenden Bildes und darf wohl nach Ihrer Beschreibung annehmen, daß es sich um dieses Bild handeln kann. Diese Aufnahme stammt aus Tiflis, aus dem Jahre 1871/72, also zu einer Zeit, wo mein Vater zirka 24 Jahre alt und als Leiter der Telegraphenwerkstätte der Poti—Tifliser Bahn beschäftigt war. Zur Ergänzung möchte ich noch hinzufügen, daß seinerzeit Herr. Rev. Hechler dde Photographie bei meinem Vater sah und sie bei Kodak in Wien vergrößern ließ. Ich hoffe mit meinen heutigen Informationen das „Rätsel“ der Photographie geklärt zu haben. Mit besten Grüßen Ihr ergebener Josef Kremenezky m. p. Herrn Dr. Egon Zweig c. o. Keren Kajemeth Leisrael, Jerusalem. den arabischen Wirtschaften 600 Liter pro Kuh und Jahr (Maximum: 800 Liter), so stieg die Milchproduktion der Kühe in den jüdischen Wirtschaften auf 1500, 3000, 3500 bis 5000 Liter pro Kuh und Jahr. Der Durchschnitt machte im letzten Jahre in Kirjath Anavim pro Kuh 5200 Liter (!) im Jahre aus, der Rekord sogar 8450 Liter. Die tägliche Menge belief sich maximal auf über 40 Liter, im Durchschnitt über 30 Liter pro Kuh. Verglichen mit der Milchproduktion in Holland (wo der Durchschnitt etwa 6000 Liter, der Rekord bei 9000 Liter liegt), und der Produktion der einheimischen arabischen Kühe, müssen diese Ergebnisse als enorm bezeichnet werden. In der Geflügelzucht sind die Zahlen für 1933/34 170 bis 180 Eier pro Huhn und Jahr, der Rekord 240 Eier. Auch hiebei haben sich die eingeführten „Leghorn“ den einheimischen Hühnern überlegen gezeigt, was nicht zuletzt auf die moderne Art der Geflügelhaltung und -zucht zurückzuführen ist. Im Obstbau können heute exakte Zahlen noch nicht gegeben werden, da erst weitläufige Versuche gemacht werden mußten. In Kirjath Anavim zum Beispiel wurde ein Musterobstgarten angelegt. Das will heißen, daß aus Ländern mit ähnlichem Klima verschiedene Sorten überführt und pro Sorte vier Bäume angepflanzt wurden. Auf diese WTeise sollen die passendsten Sorten für Palästina herausgefunden werden. Dieser Versuch war für das ganze Land gedacht und ist als sehr gelungen zu betrachten. Die Resultate wurden bereits in den letzten Jahren für neue Anpflanzungen verwendet. Wie man eine Standardsorte bei den Orangen berausfand, mußte bei den nördlichen Obstbäumen (Bäume, die im Winter ihr Laub verlieren) für jede Art die beste Sorte herausgesucht werden. Ein eigenes Kapitel bilden die Tafeltrauben. Weintrauben wurden schon vor dem Kriege von Juden in der Küstenebene angebaut. Unter dem Einfluß der Prohibition in Amerika schrumpfte dieser Anbau zusammen, da für die übrigen Länder weniger Wein gebraucht wurde, und es große Lager in den Weinkellereien der alten Kolonien gab. In früheren Zeiten haben Trauben in Palästina eine außerordentliche Rolle gespielt. Ihnen kam eine wirtschaftliche Bedeutung als Nahrungs- und Genußmittel zu. Dies auch in getrocknetem Zustand als RoBinen. Von den Arabern wurden und werden in gewissen Gegenden des Gebirges, besonders in der Gegend von Hebron und El-Salt (Transjordanien) Tafeltrauben in alter, primitiver Weise gezogen und auch teilweise zu Rosinen verarbeitet. Den Tafel trauben kommt für die Zukunft große Bedeutung zu. Die Standardsorten der jüdischen Wirtschaften sind auf dem Binnenmarkt sehr beliebt und auch für den Export geeignet. Diesem stehen noch Hemmnisse im Wege, über die hier nicht berichtet werden soll. Mit der Bergsiedlung ist der Terrass e n bau verbunden, von dem in unserer Zeit kein Jude etwas verstand. In Kirjath Anavim mußten die ersten Kolonisten von einem Araber der Umgebung lernen. Dessen Soeben erschienen als 6. und 7. Tausend! Ausgabe zu ermäßigtem Preise .Schicksalsstunden eines Fahrers' Von Z. F. Mnkelstelu. Stimmen der Presse: Es sind keine Rilder, sondern ekstatische Visionen. Pracht volle und tleferündige Blitzlichter aut dem heroischen und tragischen Wege Herzla. . . . ,, , — . (Nowy Dxiennik, Krakau). J0h„k ‘?rda? Bucl! f,UI elne der Hegten Analysen, die je Uber Herzl geschlichen wurden. Die zionistische Liteiatur darf den Veit*ss"r zu diesem Meisterwerk beglückwünschen. (The New Palestine, New York). Nur noch bei Steian Zweig, diesem Meister der Reeienmal rel, begegnen wir einer ähnlich fesselnden, leuchtenden Oestnlttin''lskrafl. „ . .... (Dr. Jakob Rosenthal, .Der Wiener Tag-). Erschütternde und aufwühlende Erlebn sse Im Rahmen eines Buches. n: C. U. , FJ'ie Pres!e‘> Prof. Dr. Bach). Die „Schlckaalstundun“ sind ein dichterisches Kunstwerk erBten Ranges und da es Finkelsteln schuf be kündete er, daß er zur liteiarisehen Meisterschaft fionppitot (Dr. Th. Weitseiberger, .Ostjüdische Zeitung", Rumänien.) übersetz?* Wetk WUrd® berel'8 in elnlce Weltsprachen PreiB eines gebundenen Exemplare* 8 8*—. Qanzlei en 8 4*—. * Zu beziehen durch den Sawilra-Verlag, Wien, 1., Wipplingerstraße 12. Efulfb und verbreite Schekel! EBB