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Die Stimme · 1935-04-30 · Heft 445 (30.4.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 445 (30.4.1935)
Date
1935-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite Z DIE STIMME X". I April. 1035 Ein Heim für österreichische Einwanderer in Haifa Einem Berichte der Hitachduth Oloj Austria-Haifa au das Zionistische Landes komitee entnehmen wir: ..Als besonders wichtig behandeln wir das Problem der ö s t e r r e i c h i s c h e n Mit t e 1 s t a n d ö s i o d 1 u n g i in Eiaek S eb u 1 it n. Die Sache ist jetzt in Schwung ge raten und es haben sich bereits zirka 20 B a u i u t. e r e s s e n t e n unter Führung des Ing. Krummholz in die Listen eingetragen. Die Ausführung dieser Arbeiten werden sofort nach Beendigung der Parzellierung in Angriff genommen. Nochmals weisen wir darauf hin. daß die 0 p t i o n, die der K. K. L. ö s t e r r e i c h i s c h e n Sie d- 1 e r n gegeben hat, in Bälde abläuft und wir bitten Sie, dies speziell der Wirtschaftsstelle des Palästinaamtes Wien und weiteren Kreisen bekanntzugeben. Alle Olim und Touristen, die aus Österreich kommen, sind herzlichst zu unseren Wöchentlich stattfindenden Versammlungen cingeladen. Alles Nähere erfahren die Einwanderer bei Herrn Willi Goldschmidt, Merkaz, Miss-chari (Altes Handelszentrum, Haus Nagler), Telephon 321, und Briefadresse: Haifa, P. 0. B. 321. Die Menschen falle i n Beyrouth hat heute nacht ein neues Todesopfer gefordert. Ein Jude, der die Grenze bereits überschritten hatte, wurde ermordet, eine Frau schwer verletzt. Warnen Sie öffentlich vor den Menschenjägern und den Tourist Offices in Beyrouth! Die Olej Austria Haifa beschloß, auf denn Boden des K. K. L. ein Heim für Neu- E in Wanderer zu bauen. Nennen Sie uns Firmen und Leute, die für dieses Heim Geld- und Gebrauohsgegenstände, wie Betten, Polster, Matratzen, Bettwäsche, spenden würden und entwickeln Sie, bitte, eine Propaganda für dieses Heim. Die Olej Austria trifft sich jeden Montag 8 Uhr 30 im Caf6 Austria, Rechov Pevsner, Hadar Hakarmel.“ ¥ Wir bitten unsere Leser hiermit um Spenden in Geld und Naturalien für das zu. erbauende österreichische Einwandererheim in Haifa. Die Administration der „Stimme** ist bereit, Spenden entgegenzunehmen. Freiheit oder Galuth! Von Dr. Oskar Griinbauiti fol- W arnung Wir erhalten von Herrn A. Etkin. ■gendes Schreibear. . Ich habe in Erfahrung gebracht, daß der Vertreter der Gesellschaft „Hanegew Wehazafon“ in Wien Bodenparzellen der nicht bestehenden Siedlung namens „C h a w a t Haemek“ im Gebiete des arabischen Dorfes Tajba zu je 10 Dunam pro Familie verkauft. . Die diesbezügliche Erklärung der Vorsteher der sieben Siedlungen, die an der Grenze des Dorfes Tajba liegen, liegt vor. Als ein Mann, der seit 13 Jahren •im Emek lebt und die Orteverhältnisse, insbesondere den Fall Tajba, da dieses Dorf an unsere Siedlung grenzt, (genau kennt, schließe ich mich dieser Erklärung an und ersuche Sie im Interesse der jüdischen Sache, diese Erklärung in Ihrer werten Zeitung veröffentlichen zu wollen. * Die Erklärung der in dem Briefe des Herrn Etkin erwähnten Siedlungen kann im Büro des Zionistischen Landeskomitees eingesehen werden. ftA.jadati.eMp Qhmc&mi SPARK/®? RSRENTE Ä LLG EM EINE RENTEN ANITA I.T Wieder einmal klappern die Schreibmaschinen in den Redaktionen, füllen, sich die Zeitungen mit, schwungvollen Leitartikeln. Und in den Versammlungen, beweisen die Parteiführer, daß sic, nur sie es sind, die stets Ilcr/.l und seine Lehre hochgehalten und gegen die Verkleinercr.. des Zionismus verteidigt, haben. Wird doch wieder einmal ein Herzl-Jubiläum gefeiert, die 7ö. Wiederkehr von Her/.l Geburtstag. Und außerdem — die Kongreßwahlen stehen vor der Türe. Es vergällt einem geradezu die stolze Freude, heute Theodor Herzl, den Retter des jüdischen Volkes zu feiern, wenn .man sieht, was alles heute von der Ausdeutung seiner Idee lebt,, politiscli und materiell. Armer Herzl! Er war ein wohlhabender Mann, als er seinen „Jiulenstaat“ schrieb und als er starb, war er ein armer Mann. Heute leben Politiker, Zeitungsherausgeber, Verleger, Beamte und Bodenspekulanten von seinen genialen Ideen, den Ideen dos Mannes, der nichts für sich und. alles für sein Volk wollte, der es stolz ablehnte, irgend welche Entschädigung für seine für die Organisation gemachten Auslagen an zunehmen. Er hatte eben seine eigene Auffassung vom Dienst am Zionismus,1 die seinen Epigonen nicht immer geläufig ist. Schon in der Eröffnungsrede zum i. Kongreß sagte er: „Unsere Sa.che ist zu groß für den Ehrgeiz und die WT i 1 1 k ü r einzelner Personen. Sie muß ins Unpersönliche hinaufgehoben werden, wenn sie gelingen sol 1.“ Wie selten finden wir heute die Menschen, die ihre Stellung im Zionismus von der ethischen Warte Herzls betrachten! Gewiß, man ruft mit gewaltigem Stimmaufwand seit Jahren: Zurück zu Herz 1! und übertumpft sich gegenseitig mit Mäximalprogrammen. Gleichzeitig aber trampelt man auf der von Herzl geschaffenen: Organisation herum. Man führt die’ zionistische Sache persönlich, zur Befriedigung seines politischen Ehrgeizes. Oder: ein Parteiprogramm geht im Laufe der Jahre verloren. Tut nichts! Man hält die Partei weiter aufrecht. Oder: man möchte gerne eine erste Rolle spielen. Was tun? Eine neue Partei wird gegründet. Oder: Man baut Palästina zu einer Hochburg eines uns wesensfremden Sozialismus aus, den Herzl ablehnte, weil er, wie er sagte, „kein Sancho Pausa sein wolle.“ Tut nichts! Viele drängen zur Krippe und beten das Programm der herrschenden Partei nach. Zertifikate winken. Und alle feiern Theodor Herzl. Jeder von ihnen hat den allein echten zionistischen Ring in der Tasche. Wäre das alles nicht gar so traurig, es wäre schwer, hier keine Satire zu schreiben. Wir wollen uns aber daran erinnern, was Herzl am 4. Kongreß in London im Jahre 1900 gesagt hat: „Die Aufgabe der zionistischen Bewegung ist nicht, den Scharfsinn 'und die Energie nach einer leidigen, alten .Gewohnheit unseres Ghettolebens auf unfruchtbare -Dinge zu verwenden, sondern für geschichtliche Gelegenheiten, oder sagen wir: für eine bestimmte geschichtliche Gelegenheit, die durch das Zu.samr mentreffen verschiedener Umstände sich orgeben und die es möglich machen wird, die rechtlich gesicherte Ansiedlung in Palästina zu erlangen, die Bereitschaft des jüdischen Volkes zu erziolen... Verlieren wir uns nicht in Streitigkeiten, und suchen wir keine Händel untereinander, sondern denken wir daran, daß, wenn der Tag kommen wird, so wir vor Sie mit der Mitteilung treten werden: ,Wir sind horoit*, und Sie fragen werden: ,Seid aucli ihr bereit?* Sie leicht durch müßige Redereien die kostbare Zeit verloren haben könnten.“ Theodor Herzl hat das umsonst gepredigt. Der Massenstrom der Juden nach Palästina hat eingesetzt und dio vom inneren Hader zerfiel,sclito Organisation unvorbereitet gefunden. Der Aufbau Palästinas geht heute oft ohne Beeinflussung durch dio zionistische Organisation und oft gegen ihren Willen vor’ sich. NichtziouLsteii und Antizlonlsten strömen Ins Land; und es ist fraglich, fib .deu Zionisten gelingen jKird, Palästina zu einem zionistischen S c h in e I z t i c g e 1 zu machen. Der Zionismus läuft heute Gefahr, zu einem Transportunternehmen zu werden, dessen Passagiere nach Bezahlung der Transportkosten keine Verpflichtungen mehr halten. Es wird der Anstrengungen aller Gutgesinnten bedürfen, um diese für den Zionismus lebensgefährliche Situation zu meistern. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir das kostbare Pfand, das uns Theodor Herzl anvertraut hat, schlecht verwaltet haben. Im Büro dos Keren Kajemeth in Wien hängt ein Bild Herzls mit folgender Widmung Max Nordaus:. „Das Jüdische Volk hatte seinen Herzl, Herzl hatte aber nicht das jüdische Volk.“ Das ist noch heute wahr. Wo liegt der Grund hiefiir? Aus allen Ländern der Welt kommen Juden nach .Palästina. Sic bringen das geistige Rüstzeug der Galuth .mit: Sozialismus, Kapitalismus, Liberalismus und Faschismus, nnd-eie gehaben siicih so, wie in ihren Galuthländern. Sie reden vom Judenstaat und meinen,'je nach ihrer politischen Einstellung, irgend ein Galuthland, dessen Staatsform ihnen genehm ist und irgend ein politisches Ideal, das sie in der Galuth verfochten haben. Das ist aber nicht der Weg zur Verwirklichung des zionistischen Ideals. Zionismus bedeutet nicht nur die Überführung von Menschen nach Palästina. Der Zionismus soll das jüdische Volk erneuern. Palästina darf nicht der Abklatsch der Galuth und ihrer sozialen Gefahrenherde werden. Das jüdische Volk muß in Palästina eine neue, auf den Prinzipien der Thora und den Lehren der Propheten fußende bessere Form der Gesellschaft und der sozialen Gerechtigkeit schaffen. Das ist die Voraussetzung für die Lösung der Judenfrage. Das hat auch Theodor Herzl trotz seiner anfänglichen Fremdheit in jüdischen Dingen gefühlt. Schon, in der -Eröffnungsrede ZTtifn'2; Kongreß sägtd tyr: „Gerade diejenigen* die heute ihre ganze Person daranzusetzen bereit sind, würden bedauern, auch nur einen Schritt dafür gemacht zu haben, wenn es uns nur gelänge, eine neue Gesellschaft einzurichten und nicht auch eine gerechtere.“ Wenn wir aus der Feier dieses Herzl- Jubiläums etwas gewinnen wollen, was den Tag überdauert, dann müssen wir uns an diese Erkenntnis Herzls halten. Es genügt nicht, Herzl an seinem 75. Geburtstag zu feiern und in den alten, ausgefahreneri, un jüdischen politischen Geleisen weiter zu fahren. Es muß im Zionismus eine Bewegung entfacht werden, die darauf ausgeht, auf evolutionärem Wege zu einem neuen Typus der sozialen Gerechtigkeit in Palästina zu gelangen. Diejenigen, die ein solches Unterfangen als Utopie belächeln, mögen sich daran erinnern, wie Theodor Herzl als Utopist verlacht wurde. Wird ehrliches Bemühen für eine neue, sozial gerechtere Gesellschaft am Werke Bein, so wird dies auch wohltuend den Hader der sich ständig mehr zer splitternden Parteien besänftigen und ihren Abbau befördern. Dio Zionistische Organisa tion' kann nur Vorteile davon ziehen. Daß es bald dazu kommen möge, daß Herzls geniale Idee verwirklicht wird, in Erez Israel eine neue, gerechtere Gesellschaft zu schaffen und so das jüdische Volk zu erlösen, uns und der Menschheit zum Segen, das ist der Geburtstagswunsch, der zum 75. Geburtstage Theodor Herzls ausgesprochen werden soll. Öb dioser Wunsch in Erfüllung gehen wird, daß hängt nur von uns ab. Wenn wir wollen, wird es kein Märchen sein. Professor Dalton über das hebräische Gymnasium in Mukacevo Professor Dalton, der gewesene Staatssekretär im britischen Außenministerium, besuchte auf einer Studienreise durch Karpathorußland auch das hebräische Gymnasiu m in Mukacevo. Professor Dalton ilußorto sich in einem Interview äußerst lobend über dieso Anstalt. Angenehm überrascht war er besonders von dein Niveau dos Englisohuiiterriolitos um liobräi: sehen Gymnasium. An die Juden Wiens Zweitausend jüdische Jugendliche in Oster-* reich sind in schwerster Sorge um ihre Zih kunft. Sie haben erkannt, daß dio meisten intellektuellen Berufe. Urnen. verschlossen sind und wollen sich um sch iahten, daß heißt zum 'Handwerk und zur Landwirtschaft umlernen. Das unterfertigte ,.J ii d i s <■ h o J u g c n dhilfswerk“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen jungen Menschen zu helfen. Tn 15 Umschulungskursen wurden in abgos laufenen Jahren zirka 200 J u g e n <11 i c h o zu Handwerkern u m g e s c h i c h t e t und in einer vom jüdischen Jugendhilfswerk erhaltenen Farm, in Altlengbach 30 Jugendliche in die Landwirtschaft eingeführt. Ein zentrales Jugendheim wurde geschaffen und in den einzelnen Bezirken Jugendheime gegründet. Um diese ersprießliche mul notwendige Arbeit fortsetzen zu können, wendet sieh das jüdische Jugendhilfswerk an Sic mit der Bitte, uns durch eine Zuwendung zu fördern. Es müssen weiter« handwerkliche und landwi rtsoiha fflicho UmischuIu ngsgelegenhe'iten' gesch affen werden und das erfordert große Mittel. Denken Sie daran,; wie leicht in diesen besorgniserregenden Zeiten jeder von uns be-< troffen worden kann., Bitte, nehmen Sie Interesse an diesem Aufbauwerk, unterstützen Sie uns durch eine geldliche Zuwendung und werben Sie in Ihren Kreisen für das dringende Gebot der Stunde. Jüdisches Jugondhilfßwerk: Der Protektor: ' 1 Dr. David Feucbtwang m. p Für den Vorstand: Dr. Paul Berger m. p. Dr. Berta Berger m. p. Dr. Hugo Groß m. p. Dr. Henni Lichtenstein-Rappaport m. p. Dr. Gisai Pokomy m. p. Spenden sind zu überweisen an „Kompaß“ Allgemeine Kredit- und Garantie-Bank, .Wien* auf das Scheckkonto Nr. A 133-820t für „Jü* disphes Jugendhilf »werk“, ■ PENSION AIPENHEIM SEMMERING Bettbekannte Küche. Anerkannt schönste Lage. Telephon Nr. 22 g Die repräsentative Herzt• Feier Wiens Aus Anlaß der 75. Wiederkehr des Ge«< burtstages TheodoT Herzls veranstaltet der Zionistische Landesverband am 2. Mai, präzise VS Uhr abends, eine Feier im Großen Musikvereinssaale. Doktor Josef K a s t e i n wird über das Thema sprechen: „THEODOR HERZL -h DAS ERLEBNIS DES JÜDISCHEN . MEN¬ SCHEN.“ Weiters wird der Präsident des Landesverbandes, Dr. Oskar G r ii nbaum, sprechen. Es wirken mit: Die vereinigten Tempelchöre der Tempel der Inneren Stadt und der Leopoldstadt unter Leitung des Kapellmeisters Kurt F u ch s g e 1 b. Solo: Oberkantor M a r g o- 11 e s. Rezitationen: Jakob Peldhamitier, Die Nachfrage nach Karten ist außer«« ordentlich groß. Restliche Karten sind er-* hältlich bei: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11, Keren Kajemeth Lejisrael, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 29-1-29, sämtliche zionistischen Bezirkssektionen Wizo, I., Schottenring 25, Tel. A11-6-26, Jüdische Kunststelle, II., Aspernbrückengasse 2, Tel. R 48-2-91, Zweigstellen: VI., Loquaiplatz 11, Tel. B 20-0-81, und IX., Währingerstraße 48, Tel. A14-400, Bücherstube M; Rath, II., Taborstraße 20a, Tel. R 45-305, Bücherstube Richard Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, Tel. B 25-0-75, Bücherstube R. Löwit, I., Wollzeile 6, Tel. R 21r4-25. Sichern Sie sich rechtzeitig Karteni Die bereits reservierten Karten müssen im Büro des Landeskomitees, 1., Marc-Aurel- Straße 5, bis späte st ensMittwoch, 1. Mai, 12 Uhr mittags, behoben werden. Für eine längere Reservierung kann nicht garantiert werden. Druckfehlerberichtigung. In dom Aufsatz „Dio Aufpasser und Kritiker“ in Nr. 444 der „Stimme“ soll es auf Scito 2, Zoilo 9 v. u., statt „Dio Frauen“ richtig heißen: „Die Fromme. u“,

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