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Die Stimme · 1935-04-26 · Heft 444 (26.4.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 444 (26.4.1935)
Date
1935-04-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIB STIMME Nr. 444 — 26.. April 1033. Der Austritt Her Revisionisten GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN iKärlnerslra^e Nr 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer kein Geheimnis duldet, geholt und sie bilden das tägliche Thema der zionistischen Versammlungen. Wie sich das neue jüdische Leben in Palästina gestaltet, das wird bis ins letzte Detail, oft mit einer selbstquälerischen Genauigkeit öffentlich behandelt. Aber die da von außen zusehen und horchen, haben nicht den Willen, die Schwierigkeiten zu mindern, und nicht die Fähigkeit, sie zu verstehen. Es sind ja Schwierigkeiten, die sich im Laufe von 40 Jahren ergeben, Schmerzen der Gesundung eines aus Todeskrankheit sich aufraffenden Volkes, das durch 2000 Jahre in seiner Entwicklung gehemmt war und sich mühsam vorwärts tastet; es sind die Probleme der ressurrectio carnis in einem Volk, das keine Erfahrungen im Kolonisieren hatte und das alles Notwendige aus sich selbst schaffen muß. Es ist behaftet mit allen bösen Fell; lern der Fremde, der Wurzellosigkeit, der Verfemung; es muß sich gegen den Haß wehren,' seine innere Verwaltung in der Diaspora aufrechthalten und dabei noch Aufbauarbeit, Staatsbildung leisten. Da gibt es in Wirklichkeit atemraubende Situationen. Menschen aus etwa 30 Ländern, verschieden an Lebensgewohnheit, Ausbildung und Weltanschauung sollen zu einem einheitlichen Ganzen verbunden werden, es gibt unter ihnen prächtige Idealisten, aber auch Kleinmütige, Schwache und — Spekulanten. Das wissen wir und wir müssen uns; mit diesem Problemen auseinanderßetzen. Wir wissen auch, daß Palästina drei Religionen heilig ist, daß ee von vielen Millionen Menschen beobachtet wird und daß auf seinem Gebiet Osten und Westen Zusammenstößen. Vielleicht hat das jüdische Volk die Aufgabe, die Brücke zwischen diesen Welten zu bauen. Das liegt aber in weiter Zukunft. Die Alltagssorgen erfordern unsere volle Aufmerksamkeit. Wir kämpfen gegen sie an, aber in dem Willen, sie zu beseitigen und für Menschen Brot, Arbeit und Freude zu schaffen. Die hämischen Aufpasser begeistern sich an jeder neu au Hauchenden Schwierigkeit. Palästina wird — wenn unser Plan gelingt — einmal auch ihren Kindern Heimat und Sicherheit bedeuten. Denn der Zionismus arbeitet für das gesamte jüdische Volk. Die Verantwortung, die er trägt, macht es ihm zur Pflicht, jede Kritik zu hören und aus ihr das beste zu machen. Aber es ist auch notwendig, 3ioh die Kritiker und ihre moralische Legitimation zu besehen. Was haben die Assimilanten, was hat die Agudah jemals für das Judentum, für seine Verteidigung, für seine Erhaltung geleistet? Seit die Judenfrage zu so schwerer Aktualität geworden ist, suchen die Assimilanten — ein Territorium. Insoweit haben sie den Gedanken des Zionismus akzeptiert. Sie suchen in Amerika, in Afrika, in Madagaskar, in Angra Pequena, in Kanada, in Australien. Nur nicht in Palästina. Nirgends haben sie auch nur für eine einzige jüdische Familie Siedlungsmögliohkciten erreicht. Die Frauen begnügen sich damit, in den Spuren des Zionismus zu wandeln, Palästina für sich zu reklamieren und nach Zertifikaten zu angeln. Alles übrige, die Arbeit, überlassen sie den Zionisten und spenden ihnen zu dem Werk ihre gesammelten Flüche. Die Geschichte wird einmal mit all diesen Zaungästen ins Gericht gehen. Pension Eckstein - Semmering Dr. Schwarzbart in Wien Dr. Ignaz Schwarz hart, Vorsitzender des Welfcvcrbandes der Allgemeinen Zionisten, der sich auf der Rückreise von Palästina nach Krakau einige Stunden in Wien aufhielt, hatte mit dom Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes flir Österreich Dr. Oskar Grünbaum und einigen führenden Zionisten eine Aussprache über die Lago im Zionismus. Paris, 23. April. (2. T. A.) Sofort nach der Rückkehr Jabotinskys aus Amerika faßte das Exekutivkomitee der Union unter seinem Vorsitz folgende Beschlüsse: a) Austritt aus der Zionistischen Organisation Gemäß der Resolution der sechsten Weltkonferenz. die das Exekutivkomitee bevollmächtigt hat. das Verhältnis der Union der Zionisten-Itevisionisten zu den zionistischen Kongreßwahlen, zum Kongreß selbst und zum Schekel zu bestimmen, ordnet die Exekutive an: 1. Kein M i t g 1 i e d der t’nion oder einer ihr angeschlossencn Körperschaft darf sich a n d e n W a li 1 e n zum nächsten Zionistenkongreß, sei es als Wähler oder als Kandidat. beteiligen. 2. Nachdem die Zionistische Organisation den Herzischen Schekel abgesuhafffc und an seine Stelle eine Legitimation parteiischen Charakters eingeführt hat, darf kein Mitglied der Union oder einer ihr abgeschlossenen Körperschaft den neuen Schekel entgegen n e h m e n; damit treten, alle Revisionisten aus der Zionistischen Organisation aus. 3. Wer gegen diese Verordnungen verstößt, wird automatisch aus der revisionistischen Union und den ihr un-geschlossenen Körperschaften ausgeschlossen. 4. Die revisionistischen Mitglieder des Zionistischen Arbeitskomitees treten aus diesem Organ aus. 5. Das Exekutivkomitee stellt fest, daß die Zionistische Organisation einer Vertretung der zweitgrößten aller zionistischen Richtungen ermangelt, wodurch die Zionistische Organisation da« Recht verloren hat, al3 eine Vertretung der gesamten zionistischen Bewegung z.u fungieren. Das Exekutivkomitee wird hierüber der Zionistischen Exekutive eine offizielle Note zugehen lassen. Die Maimonides-Feiern in Tiberias Jerusalem, 23. April. (2. T. A.) Am Sonntag, den 21. April, wurden in Tiberias, wo sich das traditionelle Grab des Rambam (Rabenu Mosche ben Maimon) befindet, die Feiern anläßlich des 800. Geburtstages des Maimonides durch eine eindrucksvoll verlaufene Zeremonie eröffnet. Die Vertreter der jüdischen Gemeinden Palästinas, die sich zu den Feierlichkeiten in Tiberias einfanden, wurden vom Festkomitee mit Musik empfangen. Im Namen der Stadtverwaltung von Tiberias hielt Zaki el Chadiv eine Ansprache, die mit einer Rede des Mitglieds der Exekutive der Jewiah Agency Prof. Selig Brodetsky beantwortet wurde. Auf polizeiliche Verordnung hin wurden die an den jüdischen Hä/usern von Tiberias anläßlich der Maimonides-Feiern gehißten zionistischen Fahnen entfernt. (In Palästina werden unsere Fahnen verboten. Was hat die Exekutive dagegen unternommen? Die Red.) Tagung der revisionistischen Histadruth Jerusalem, 23. April. (Z. T. A.) Der den Revisionisten nahestehende nationale Arbeiterverband Palästinas (Histadruth Owdim Leumit) hielt in Tel-Aviv seine zweite Jahreskonferenz ab. Anwesend waren 15.0 Delegierte, die 10.000 Arboitor vertraten. BcgrUßungskundgebungen wurden verlesen vom Waad Leumi, von den Allgemeinen Zionisten Palästina«, den Yemeniten und Rabbi Uziol. Bialih-Gedächtnisausstellung in Tel*Aviv Tel-Aviv, 23. April. (2. T. A.) In Tel-Aviv wurde dio von der hebräischen Universität veranstaltete Bialik-Gedächtnisausstelhurg eröffnet. b) Plebiszit, betreffend Unabhängige Zionistische Organisation Das Exekutivkomitee glaubt, daß unter den geschaffenen Umständen auf der Union der Zionisten-Revisionisten die Pflicht ruht, die Initiative zur Gründung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation zu ergreife)); demgemäß stellt das Exekutivkomitee die folgende Resolution zum Plebiszit innerhalb der Union der Zionisteu- Revision-istem und der ihr angeschlossenen Körperschaften; von der Annahme dieser Resolution hängt das fernere Verbleiben der Exekutiven im Amt ab. Die Union der Zioni-sten-Revisionisten proklamiert die unmittelbare G r ii nd u n g einer Unabhängigen’ Zionistischen Organisation und beauftragt das Exekutivkomitee, für Dezember 1035 den konstituierenden Kongreß der Organisation auf Grund des Judenstaats- Prinzips und auf der Basis des Herzl- Schckel einzuberufen. Dsa Plebiszit wird in allen Orten unter allen Teilen der Bewegung am Sonntag, den 19. Mai 1935, stattfinden. :f; * * Die unglückselige Politik der Flügelparteien und die überflüssige Kampagne für die Disziplinklausel auf dem Schekel beginnt also ihre traurigen Früchte zu tragen. In vielen revisionistischen Kreisen herrscht übrigens große Unzufriedenheit über die Politik der Revisionistischen Union. Niemals war ein starker Allgemeiner Zionismus so notwendig wie jetzt und wenn das Exekutivkomitee der Revisionisten die Bildung einer unabhängigen Organisation durchführt, so schwächt es die zionistische Kraft in einem Augenblick, wo die Feindschaft stärker ist alä je. Herr Jabotinsky und seine Freunde übernehmen eine sehr schwere Verantwortung, zur Freude und Genugtuung für alle Todfeinde der jüdischen Zukunft. ten. Ein Massenschauspiel wurde vorbereitet, dessen Szenen sich durchweg« auf Bialikselie Dichtungen aufbauen. Eine Buchausstellung gibt eine vollständige Übersicht über dio rund 2000 Büch e r, die in Palästina von 1575 bis heute gedruckt wurden. Tet'Aviv bekommt einen Park Tel-Aviv, 17. April. Der bekannte Zionist J. L. G o 1 d b o r g schenkte der Stadt Tel-Aviv 23 Dunam bewaldeten Boden, zwecks Schaffung eines Sladtparks auf den Namen des Sohnes dos Stifters, Benjamin Goldberg, der als Mitglied einer jüdischen Selbstwehrgruppo bei den arabischen Unruhen 1929 den Tod gefunden hat. Gleichzeitig stiftete J. L. Goldborg zum Andenken an seinen Sohn ein jährliches Stipendium -von je 50 Pfund an der Hobräischen Universität für die beste wissenschaftliche Abhandlung. Keine Anwärter auf Pessach- Unterstützung in TebAviv Tel-Aviv, 17. April. Eine Gruppe in Tel-Aviv wohnhafter Warschauer Juden, von (lenen mehrere in früheren Jahren Pessach-Untcrstützung von der Warschauer Gemeinde zu bekommen pflegten, sammelte unter sich 300 Pfund „Maoth chitim“ (Gelder zum Ankauf von Mazzoth für arme Juden). In ganz Tel-Aviv fand sich jedoch kein einziger Anwärter auf Possaeh- Unterstützung, so daß die Gruppe beschloß, das gesammelte Geld an den Verein „Betb lechem“ in Warschau zur Verteilung gn arme Juden anläßlich der Pessach-Feiertage zu senden. Verwaltungen HÄnu. Verkäufe Belehnungen Reparaturkredite,Zinsvorschüsse KonzMOskar Deutsch Wien, X.# Favoritenstraße 95, Tel. R12-606 Palästina meldet: Die Ausstellung «oll ein Bild der Bialiksehen Vision, eines indischen Palästina bie- Vierzig Jahre „Jüdische Rundschau" In den eben a-bgclaufcnon Pessaclilagen' feierte die Berliner Jüdische Rundschau“ ihr 40jäl iriges Jubiläum. Die „.Jüdische 1 *uiidscliau"’ machte in den 40 Jahren ihres Bestandes alle Widerwärtigkeiten mit, dio von der Assimilation dem Zionismus in Deutschland bereitet wurde. Bis zur Zeit Hitlers ein Blatt, das kaum außerhalb zionistischer Kreise gelesen wurde, ist die „Jüdische Rundschau“ heute das meistgelesenste jüdische Blatt Deutschlands, das auch in den zionistischen Kreisen des Auslandes immer stärkere Beachtung findet. Es wird der „Jüdischen Rundschau“ unvergessen bleiben, daß sie nach der Machtergreifung Hitlers, als dio meisten jüdischen Zeitungen Deutschlands ihre Haltung ver- Bei h ftets mir mm loren, tapfer und aufrecht fiir 'die jüdischen Interessen eintrat. Unvergessen ist noch -der Artikel: ./fragt, ihn -mit Stolz, den gelben Fleck.“ Ein vierzigjährige« Jubiläum einer jiidi- «chcn Zeitung Ist (immer ein bemerkenswertes Ereignis, und dies noch um so mehr, wenn es .sich im nationalsozialistischen Deutschland vollzieht. Wenn wir auch aus ideologischen Gründen oft Gelegenheit .hatten, dio Stellungnahme der „Jüdischen Rundschau“ in zionistischen Angelegenheiten a.bzmlehiien, so mindert, dies nichts an der Tatsache, daß die „Jüdische Rundschau“ unendlich viel für •die Verbreitung des Zionismus in Deutsehland und im Ausland getan hat und ihre publizistische Tätigkeit im heutigen Deutschland wertvoll ist. Wir beglückwünschen dio „Jüdische Rundschau“ zu ihrem Jubiläum und wünschen ihr weiter Erfolg im Dienste -der gemeinsamen zionistischen Sache. Das „Danziger Echo(( das einzige Organ der jüdischen Bevölkerung Danzigs, blickt Ende April auf sein einjähriges Bestehen zurück. Unter schweren Verhältnissen hat, es in dieser Zeit verstanden, den Interessen der jüdischen Bevölkerung und dem Gedanken der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Danzig und Polen erhebliche Dienste zu leisten. Eine umfangreiche Wirtschaftsbeilage und ein gepflegtes Feuilleton haben dem Blatte auch außerhalb Danzigs Anerkennung cingebraeht« PENSION ALPENHEIM SEMMERING Bestbekannte Küche. Anerkannt schönste Lage. Telephon Nr. 22 Maimoaisdes-Feier bei den Wiener Sepbardim In dem herrlichen, diohtgefiillten Gottosha/use in der Zirkusgasse fand kürzlich die Maimonide«-Fcier der Wiener Sephardim statt. E« -hatten sich unter anderin eingefunden: nebst dem Gesamtvorstand der Sepluirdcn-Gemeinde unter Führung dos Präsidenten S. Ile skia, in Vertretung der Israelitischen Kultusgcmoinide Vizepräsident Dr. J. Tic ho, in Vertretung de« Volksbilduiigsreforenten des Bürgermeisters der Stadt Wien Dr. Frey tag; ferner eine starke Abordnung dos Bundes Jüdischer Frontsoldaten unter Führung des ßuiulosführers-Stellvertrcters O-blt, i. d. R. S 11aßny, der Rektor de« Rabbinonseminars Prof. Dr. S. K r a u ß, Prof. M. R a t h, Kommerzialrat Landosberge r und viele andere Persönlichkeiten de« Wiener Judentums. Zunächst wurde in besonders feierlicher Woiso der Abendgotte-sdienst durch Oberkantor As« eo ahgehalten; lim Rahmen desselben -brachte der neuorganisierte Tompolchor unter Leitung des langjährigen und besbbowährten Meister« Oberkantor I. L öwit traditionelle, scphardischo Gesiingo und auch Chöre moderner Art zum Vortrag. Vor dem Schlußgesang betrat Prof. Dr. Manfred Papo die Kanzel und brächto zunächst in epanioHsehcr Sprache die Verbundenheit der Sephardim mit dem gefeierten Gelehrten zum Ausdruck. An«chiießond behandelte er in deutscher Sprache dio Persönlichkeit des Mahnonide-s und soino Bedeutung. Mit einem Schlußchor wurdo der eindrucksvolle Festgottesdicn-st beendet.

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