Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 443 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit© 14 DU STIMM! d eophie gewonnenen Glaubens an das göttliche Wesen und dessen Wirken im Kosmos. Bis Moses Mendelssohn blieb der ,.M o r e h‘‘ das philosophische Lehrbuch der jüdischen Denker und ist es auch heute noch in Kreisen, in die moderne Philosophie noch nicht gedrungen ist. Als der „Moreh“ im Jahre 1190 der Mitwelt des Maimonides zugänglich wurde, wirkte er begreiflicherweise geradezu revolutionär auf sie. Weder S a a d i u s ,.E m u n o t h w e d c o t h“ noch G a b i r o 1 s ,.M e k o r C h a j i m“, noch auch John d a H a 1 e v i s ,-Kasar i“ können sich mit dem „M o r e h“ an philosophischer Tiefe und Kraft messen. Wir sind deshalb nicht erstaunt darüber, daß dieses unstreitig meisterhafte Gedankengebäude eines tiefgläubigen kritischen Genies ebenso fanatische Freunde wie Feinde fand. Es erscheint uns aber auch selbstverständlich, daß es zum Grundbuch der Theologie und Philosophie für Juden, Araber und Christen geworden ist, das auf hohen Schulen gelernt und gelehrt wurde. Der „M o r e h“ ist Führer und Lehrer der Scholastiker geworden; hat seinen Einfluß auf die ganze na ob -soholasbische Philosophie bis auf Spinoza und L e i b n i z kraftvoll ausgeübt und wurde in die theologischphilosophischen Lehrgebäude der größten Denker der katholischen Kirche, des Thomas von Aquino und Albertus Magnus, eingebaut. Was aber höher steht als seine und als alle Philosophie ist der geläuterte, hohe, adelige Geist, der auch aus diesem Werke zu uns spricht, wie aus allem, was uns Maimonides an schriftlich niedergelegten Früchten seines Denkens hinter lassen haf. Und was uns stolz und glücklich machen soll, ist die Tatsache, daß er die Größe und Fülle seiner Gedanken und Lehren aus dem Ü b e r li e f e r u n g s s c h a t z e unseres Volkes und Glaubens schöpfte. Man glaube aber ja nicht, daß diesem Genie der Sinn für das Reale .gefehlt hatte. Dafür bürgt schon die hohe ärztliche Kun st, die Maimonides mit unglaublichen Erfolgen ausgeübt hat. Sowohl in seinem Gesetzeskodex als im „Moreh“ und andern Schriften zeigt er offenen, klaren Blick für das Leben und dessen harte Forderungen; verliert aber niemals aus dem Auge, daß das jüdische Volk und .der jüdische Glauben ihre dauernden Kräfte dem Geiste verdanken. Darin soll er uns „Führer“ bleiben. Im Alter von siebzig Jahren starb Rabbi Moscheh ben Maimon in Fostat; er wurde daselbst begraben; seine Geberne wurden später nach Tiberias überführt. So ruht er im heiligen Boden Palästinas. In der Geistesgesohiohte bleibt er ebenso lebendig, wie als größter Lehrer des jüdischen Gesetzes nach Moscheh rabbenu in der Judenheit. Wir wollen die großen Feierlichkeiten, die ihm zu Ehren jetzt in Cordova anläßlich der achbhundertsten Wiederkehr seines Geburtstages stattgefunden haben, nicht überschätzen, aber noch wertiger unterschätzen. Sie sind ein Symbol dafür, daß es noch Menschen gibt, die ihren Geist freigehalten haben von Verdummung und Verfinsterung; ihre Weltauffassung von Lüge und Betrug. Vielleicht sind die Spanier berufen, die Völker der Welt aus ihrem Taumel und ihrem Wahnsinn zu wecken. Vielleicht sind diese Maimonides-Feste für die Judenfeinde der ganzen Welt ein Beispiel und Vorbild. Ich riskiere den Vorwurf der Lächerlichkeit und sage das in meiner Sorge und in meinem Kummer um unser Schicksal und Los. Kein Volk der Welt, kein Staatsmann der Welt kümmert sich um uns: im Gegenteil; unser Geschick liegt in keiner Menschen Händen als nur in den unsrigen. Wir sind der Willkür und dem Haß preisgegeben. Der Aufblick zu einem Menschen und Juden, ■wie Maimonides einer war, kann uns Kraft und Mut geben. Uns aber auch Warnung sein vor Selbstzerfleisohung und Zersplitterung unserer Kräfte; ein Aufrif sein zu Einigkeit und Sammlung überall in der Welt und ganz besonders in Erez Israel. Ich weiß, daß man solche Worte für politisch unreife Sentimentalitäten hält. Ich weiß aber auch, daß ich der Zustimmung des Maimonides sicher .wäre, der den Mut besaß, di« Mädchen hei der landwirtschaftlichen Arbeit in Nahalal Pili ✓, ' i o/ ' ' 'v Alfred Werner: Hegende im MtamotUdes Als Rambam zu Grab die Jünger trugen Auf der Straße gen Jerusalem, Kamen Räuber, Beduinen, schlugen ln die Flucht die trauernde Eskorte. Eines Reichen Sarg, ei seht!' Welch Fangl Aber weh — es brachten nicht vom Orte Sie, die stählern harten Wüstenleute Jenes Judenfürsten Zedernsarg, Löscgcld, viel Feingold teerte Beute. Da ergriff sie Schrecken — sie bedachten: Ob ein Heiliger in diesem Sarg? Wie sie ungeschehen den Frevel machten? Sandten zur Gemeinde einen Boten, Zu verkünden voller Schuldigkeit, Daß sie holen sollten ihren Toten. Wahrheit um jeden Preis zu sagen. Wir feiern das Andenken an diesen Größten in Israel am Feste der Befreiung nicht besser, als indem wir seinem Beispiele folgen und unser Volk zu Selbstbesinnung und Selbstbefreiung aufrufen. Schlossen an sich, seltsame Verehrer, Der Gemeinde — gingen still im Zug Hinter Israels entschlafenem Lehrer.. t Rambam und seine Schüler aus Neu bearbeitet von Hermann Kapp, Ripiany. (Aus dem Nachlaß) Eines der zivilisiertesten und fortgeschrittensten Länder war vor achthundert Jahren Ägypten, das Land, in welchem der große jüdische Gelehrte R. Mosche ben Majmun, der Rambam, damals wohnte. Dort gab es mehrere bedeutende Universitäten für alle Zweige und Fächer der Wissenschaften, welche viele tausende junge Männer des ganzen Morgenlandes anzogen, um ihren Wissens- und Bildungsdurst an den dortigen Quellen der Gelehrsamkeit zu stillen. Einer der glänzendsten Sterne am Himmel der Gelehrsamkeit war zu jener Zeit unser Rambam. Ganz kurze Zeit nach seinem Anlangen in Ägypten galt er 6chon als bedeutender Kenner der Arznei- und Heilkunde, wie aucl als Hochgelehrter in anderen Wissenschaften. Sultan Saladin ernannte ihn zu seinem Leib- und Hofarzt und eine große Anzahl Schüler genoß bed ihm Unterricht in der medizinischen Wissenschaft, da die dortige Universität Rambam zum Professor ernannt hatte. Bei den Gelehrten oder Professoren einer Hochschule war zu jenen Zeiten der Brauch eingeführt, einige ihrer Schüler stets um sich zu haben. Diese so ausgezeichneten Jünger wohnten, aßen und schliefen in ihrem Hause und bedienten ihren Lehrer, wie ein Sklave seinen Herrn. So kamen sie in die Lage die guten Eigenschaften und Charakterzüge lerselben 6ich anzueignen und hatten die Gelegenheit in den Hallen von Kunst und Wissenschaft leichter vorzudringen. Rambam jedoch machte von diesen Gepflogenheiten keinen Gebrauch; er wollte es nicht dulden, daß jemand ihn bediene oder Knecht erarbeiten für ihn mache. Er hatte rnviel Achtung vor jedem Menschen und sein Edelsinn ging so weit, von keinem Menschen eine Arbeitsleistung für sich anzuschaffen oder hinzunehmen. Er duldete daher keine Spezialschüler um sich und in seinem Hause. Vielleicht hatte er aber auch noch einen anderen Grund hiefür. Rambam pflegte ständig mit medizinischen Forschungen und Experimenten sich a.bzugeben und wollte fremde Blicke von seinem Laboratorium fernhalten. Einmal machte Rambam dennoch eine Ausnahme. Es kam zu ihm ein schöner, zarter junger Mann, der Jas Unglück hatte taubstumm zu sein. Durch Gebärden- und Fingersprache gab er Rambam zu verstehen, daß er sehr elend sei und daß er als Bediener bed ihm zu verbleiben wünsche. Es hatte sich gerade damals so gefügt, daß Rambam bei seinen Arbeiten im Laboratorium einer Aushilfe bedurfte. Er brauchte einen Menschen, der die gröberen Arbeiten, wie Klopfen, Stoßen und Mahlen der verschiedenen Kräuter und Wurzeln, verrichten sollte und weil er diese Arbeiten keinem anvertrauen wollte, aus Furcht seine Geheimnisse könnten verraten und anderen ausgeliefert werden, war er sehr froh, daß der Zufall ihm einen Menschen, der zugleich taub und stumm war zuführte. Arbeiten würde er können, doch nicht aus der Schule plaudern und Geheimnisse preisgeben, welche er, Rambam, nach der Legende, in dem ihm vom Propheten Elijahu übergebenen „Buche der Heilkunst“ vorfand und so nahm er ihn als Hilfsarbeiter, beziehungsweise als Lehrling auf. Rambam war mit diesem seinem Lehrling höchst zufrieden; er zeigte sich als sehr fähig und anstellig, er begriff und verstand alles auf den Wink. Rambam fühlte eich glücklich, einen so gelungenen und verwendbaren Gehilfen in diesem jungen Manne getroffen zu haben; er benützte sehr oft dessen Fähigkeiten und auf seinen Gängen zu Krankenbehandlungen oder zur Vornahme von Operationen, war der taubstumme Gehilfe sein ständiger Begleiter. Einige Zeit später erkrankte einer der Minister des Sultans. Man ließ sogleich den Oberstarzt, den Rambam, holen. Er untersuchte gründlich den Kranken, konnte jedoch die Ursache der Krankheit nicht herausfinden und feststellen. Am Kranken waren keine Merkmale oder Symptome einer Krankheit wahrzunehmen, dieser klagte bloß über heftige Kopfschmerzen. Nach mehrmaligen Untersuchungen kam Rambam dahinter, daß der Minister an der „Wurmkrankheit“ leide, welche darin bestehe, daß am Gehirn des Kranken ein Wurm an das Gehirn sich klammert und darin wühlt. Eine Arznei gegen diese Krankheit gebe es nicht, der einzige Weg zur Hilfe be stehe bloß in einer Operation: die Schädel decke des Kranken a.hzuheben und den Wurm von seiner Lage am Gehirn zu entfernen. Wohl eine gefährliche Operation, aber das einzige Rettungsmittel für den kranken Minister. Man kann sich den großen Schrecken vorstellen, den die Diagnose dies Rambam. die Ursache der Krankheit und deren Behebung in der Familie des kranken Ministers hervorrief. Die Frau und die Kinder des Ministers wollten von einer solch ge fährlioben Operation nicht einmal hören und wendeten sich an andere Ärzte um Hilfe und Rettung. Jedoch statt einer Besserung trat von Tag zu Tag eine Verschlimmerung im Zustande des Patienten ein und die Familie des Ministers hatte keine andere Wahl als in den Vorschlag des Rambam einzugehen und ihn zu bitten, die gefährliche Operation an ihrem teueren Kranken vorzunehmen. Die Operation des Ministers wurde für einen bestimmten Tag anberaumt, zu welcher Rambam mit seinem taubstummen Lehrling »ich pünktlich einstellten. Das Angebot anderer Ärzte, bei der vorzunehmendeo Operation A&sißtenzdiensfce zu leisten, hatte Rambam abgelehnt. Ramibam motivierte seine ablehnende Haltung hiermit: Da er die ganze Verantwortlichkeiit dieses schworen Experimentes auf sich allein genommen habe, so wolle er dasselbe auch allein ausführen und fremde Hände könnten noch störend auf seine schwierige Arbeit ein wirken ... Die beiden legten den Kranken auf einen improvisierten Operationstisch und Rambam begann die gefährliche Arbeit. Nachdem er den Kranken in einen bewußt- und gefühllosen Zustand versetzt hatte, entfernte er mit den mitgebrachten Instrumenten Und Werkzeugen die Sohädeldeoke des Kranken und vor ihren A ugen lag ein länglicher Wurm, der sich in dem bloßgelegten, weichen Gehirn des kranken Ministers eingegraben hatte. Schon hatte Rambam seine Hand, welche eine subtile Zange hielt, ausgeholt, um den Wurm von seiner Lagerstätte abzuheben, als er plötzlich eine scharfe, hellklingende Stimme laut ausrufen hörte: „Halt! Wage nicht den Wurm anzurühren, es ist der sicherste Tod des Kranken!“ Rambam war höchst überrascht, den *tets für taubstumm gehaltenen Schüler auf einmal sprechen zu hören; doch er verkannte die Situation, in der sie sich befanden, nicht; er war sich bewußt, daß es jetzt nicht an der Zeit sei, noch am Orte, für die an ihn seitens seines Schülers begangene Täuschung Aufklärung zu heischen, sondern es handle sich hier um das Leben des Ministers, welches jetzt in höchster Gefahr sich befindet; er wandte sich daheT mit einem fragenden Bück an seinen Schüler: er möge ihm erklären, was sein getaner Ausruf bedeute und was er denke, daß jetzt zu tun wäre? Der junge Mann verstand sehr gut den fragenden Blick Ramibams und sagte schnell: „Siehst du denn nicht, mein Herr, wie tief der Wurm seine Krallen in das Hirn des Kranken eingerammt hat und es umklammert hält — bei der mindesten Berührung, ihn zu entfernen, zerreißt er das ganze Hirn und der Kranke ist sofort dem Tode verfallen.“ — „Ich habe dies vorauegesehen“, sprach der junge Mann weiter, „und habe ein Blatt eines Eukalyptusbaumes, auf dessen Blätter diese Würmer gerne hausen, mitgebracht; lege diese Blatt an das Hirn des Kranken, worauf der Wurm von sich selbst seine Krallen auf dem Hirn des Kranken ziehen und auf das ihm hingehaltene Blatt sich zurückziehen wird.“ Rambam sah ein, daß sein Knappe recht hatte unrl befolgto seinen Rat. Nach einigen Minuten befand sich der Wurm auf dem Eukalypbus-blatt. Das Leben und diio Gesundheit des Ministers waren gerettet. Nach Heimkehr des Rambam von dieser gefährlichen, jedoch erfolgreichen Opeiration