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Die Stimme · 1935-04-17 · Heft 443 (17.4.1935) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 443 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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OIE STIMME Seite 13 ZUM 8(HL GEBU RTSTAG mmmm ymudiim mmmm WMM Wmmm mm iättUttWnäil Wmmm KWÄW»W Itfggs® mmmmsmw Rabbi Mosdieh ben Maimoti (Rambam) Von Oberrabbiner T)r. T)avid Feuditwang Et waT ein Genie. Seine Schöpfungen tragen untrüglich die Zeichen seines Genies. Man wird sagen, geniale Schöpfungen müssen der ganzen Welt als solche gelten. In gewissem Sinne ist das auch richtig; nicht in jedem Sinne. Uns Juden ist Maimonides sicher nach Mosch eh Rabbenu der größte Geist, gewiß auch einer der größten jüdischen Menschen. Mit welchem Rechte kann man das behaupten? Es sei gleich gesagt, daß eich diese Höolistbewertung in erster Reihe auf die bowunderswerte Ködifizierang des gesamten Traditionsstoffes im „Mischneh Thorah“ gründet. Ist dieser Gesetzkodex wirklich eine geniale Schöpfung solcher Art, daß man von ihr auf die Persönlichkeit Mainiiiniis Schlüsse ziehen kann? Es hat Geßotzeskodifikatoren vor ihm und nach ihm und bei vielen Völkern der Welt gegeben. Was zeichnet ihn vot allen andern aus? Es war und bleibt eine unerreichte Tat, daß Maimonides, über den Talmud hinauswachsend, diie unübersehbaren Unsummen von Gesetzen aus ihrer unentwirrbar scheinenden, chaotischen Ver- Btricktheit in Millionen Fäden des talmudisohen Netzes, heraußgebo'ben und in selibsterfumdenes, tief durchdachtes, organisch aufgebautes, architektonisch vollendetes, logisch geordnetes System gebracht hat. Er wollte, wie dies Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz jüngst in einem demnächst im Druck erscheinenden Vorträge gesagt hat, die Judenhedt vor Zerrissenheit schützen und sie in gewissem Sinne vom Talmud befreien, was ihm allerdüngs nicht gelungen ist. Nur wer den Talmud kennt und liebt, kann die Bedeutung 'dieser Tat bemessen und wird sie dann als genial bezeichnen. Selten entspricht ein Gesetzeskodex den Forderungen der Ästhetik und der Schönheit. Hier ißt es in einem solchen Maße dier Fall, daß sich beim Studium des Misohneh-Thorah der Leser geradezu erquickt und erfrischt fühlt. Welcher Geist erfüllt aber dieses ganze Gebäude? Ist es nur die Gesetzlichkeit? Das allein wäre weder unbedingt zu bewundern, noch ein Gradmesser für die Persönlichkeit des Autors in menschlichem Sinne. — Wenn ein Autor aus Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten ein noch so durchdachtes, geordnetes Ganze schafft, so ist das durchaus noch kein bindender Beweis für diie Bedeutung seines Charakters. Hier aber bei Maimuni ißt es der Geist, der das Riesenwerk trägt, es gestaltet, ausbaut und für den, der sehen und verstehen kann, das ganze erhabene, sittlich-religiös vollendete Wesen des Verfassers widerspiegelt, der alles 6ub specie aetornitatis sieht. Misclmeh-Thorah ist dom Geiste nach das Lebensprogramm, Lebensziel des Rambain. Das kommt schon im ersten Buche dieser vierzehn Bücher deß Werkes Idar und untrüglich zum Ausdruck. Besäßen wir nichts als dieses, wir könnten aus ihm Charakter, Wesen, Weltanschauung dos Verfassers reetlos erschließen; — Lauterkeit und Reinheit der Gesinnung, Hoheit und Erhabenheit im Erfassen des Kerns und Ziels aller Religiosität, V o r g o i s t i g u n g und Versittliehung dos ganzen jüdischen P f 1 i c h t o n k r e i s o s, Durchdringung dos Glaubens an Gott, Schöpfer und Schöpfung mit philosophischer Weisheit und klarer Vernunft; das sind die Zeichen, an wolchon wir den ganzen Rambam erkennen, und die in keiner einzigen jüdischen Persönlichkeit vor und nach ihm in gloialier Größe und Harmonie vereint sind. Er ißt ein J u c h i d im gesamten Gebiete jüdischer Literatur und Geschichte. Wie äßt «r daß geworden? — In Cordova ist er im Jahre 4895 (1135) am Erew Pessaoh geboren. Diese andalusißohe Stadt war Mittelpunkt hoher jüdischer und arabisohmaurischer Kultur. Der Vater des Moscheh, Maimon, war ein hochgelehrter Rabbi, gesättigt mit taimu dis eher Wissenschaft und wohlvertraut mit den durch die islamitischen Gelehrten verbreiteten Kenntnissen der Philosophie, Mathematik, Aßtronomie und Medizin. Er war ein Träger uralter Tradition, denn sein Stammbaum ging bis auf Rabbi Jeduda Hanasi, also auf König David, zurück. — In Moscheh lag der Keim zu künftiger Größe; er wurde vom Vater sorgsam bewacht und hoohgepflcgt, ßo daß der Knabe schon gelehrt war, zumal er sieh mit der, wenn auch überaus reichlichen Haiiskost nicht zufrieden gab, sondern bei anderer, großen Meistern und Lehrern Ergänzung suchte. — Diese bestand in Aufnahme des ganzen Wissens der Zeit, daß umfangreich und tief war. In dem ungewöhnlich genialen Moscheh bildete sich eine gewaltige Synthese des ganzen riesigen Traditionßstoffes der jüdischen Lehre vom Ursprung an bis zu seiner Zeit und der durchaus bedeutenden Erkenntnismasse der arabischen Gelehrsamkeit auf dem Gebiete der Philosophie, Theologie und Medizin. Durch die Araber lernte Moscheh ben Maimon die griechische Philosophie, daß System des Aristoteles kennen. Sein durchdringender, scharfer Verstand," der alles Wissen logisch ordnete und originell verarbeitete, und doch sein letztes Ziel in der Erkenntnis des Göttlichen im Menschen und im Kosmos suchte, unterwarf die ganze jüdische schriftliche und mündliche Lehre philosophischer Prüfung und Kritik. Hielte sie dieser nicht Stand, wären Wissen und Glauben, Gesetz und Logik ihm nicht miteinander vereinbar erschienen, Maimonides hätte seiner Überzeugung durch Wort und Tat Ausdruck verliehen. Aus Cordova flüchtete die Familie Maimon s vor der Verfolgung durch die Almohaden, trieb sich unstet in Südspanien herum und gelangte nach Marokko und blieb zunächst in Fez. Sechs bis sieben Jahre weilte sie also in Feindesland unter dem beständigen Drucke der Fanatiker und der Angst vor Verleumdung. Fast alle Juden hatten zum Scheine den Islam angenommen. Die Familie Maimon nicht. Unterdessen hatte sich der Ruf der großen Gelehrsamkeit des Maimonides weit verbreitet, die trotz Ungemach, Flucht und Unstetigkeit riesenhaft anwuchs, und als er seinen Kommentar zur Mischnah in arabischer Sprache veröffentlichte, ihn schon jetzt zum berühmten Manne machte. Auch in diesem klassischen Werke offenbart sich die bereits geschilderte wissenschaftliche, originelle und bisher noch nicht dagewesene Prägung Maimunis. Bedenkt man ferner, daß dieses Werk dem Autor Gelegenheit gab, seine Stellung zu grundlegender Auffassung von Tradition, Gesetz und Glaiibensfundanient zu präzisieren, so wird ee begreiflich, wie tiefgehend die Wirkung der Misdmah-Erklänmg sein mußte; sie war nächst dem „Sefer Hamizwoth“ Prolegomenon zum „Miischneh Thorah“. Nicht nur als Gelehrter wirkte dieser große Mensch, sondern als Retter in Seelennot zur Zeit von Verfolgungen, die zu Scheinbekenntnis zwangen, das von jüdischen Fanatikern als Todsünde bezeichnet wurde. Et gab Mut und Beruhigung in einem Sendschreiben. Es sei hier sogleich „Iggereth Theman“ erwähnt, der an die Juden Jemens gerichtete Brief, der sie vor jeder Teilnahme an dem Messias-Taumel warnte und sie väterlich zu Ausdauer und' Mut in Leidenszeiten auf rief. Die Familie Maiinonß hatte Feiz notgedrungen verlassen, flüchtete über Akko, Jerusalem, Alexandrien nach Kairo. Sie ließ eich in Fostat (Alt-Kairo) nieder. Fest begründet war bereits Maimunis Ruhm und bald wurde er der geistige, religiöse Führer aller Juden Ägyptens mit der Würde und dem Titel eines „Nagid“. — Schüler strömten ihm zu und seine Reßponsen, die auf Anfragen jüdischer Gemeinden und Schulen aus Ost und West in die weitesten Fernen drangen, erhöhten, sofern das noch möglich war, seine Berühmtheit. Schwere Sehicksalßsohläge haben die geistige Kraft der Maimonides nicht gebrochen. Der heißgeliebte Vater war in Palästina gestorben. Der Ernährer der Familie, sein Bruder David, war mit Hab und Gut im Indischen Ozean untergegangen. — Moscheh mußte jetzt zu der praktischen Anwendung seiner großen medizinischen Kenntnisse Zumrjp-y> flucht nehmen. Seine ärztliche Kunst wiar sfli bedeutend, daß er dem Ansturm der hilfesuchenden Patienten kaum gewachsen war* Bald war er als Arzt ebenso berühmt, wie! als Rabbi. Sein Ruf drang weit in die Feme* Und alß er gar Leibarzt des Vezirs und desi ganzen königlichen Hofeß, schließlich auch! des Sultans wurde, erdrückte ihn beinahei die Last der Arbeit. Als Theoretiker und Praktiker ward er nun dm ganzen Vorderen Orient gefeiert. Wir wissen, daß selbst die halacMschkodifikatorische Arbeit des Maimonides Zeug* nis ablegt für den universalistischen Geist) dee Verfassers, dessen unermüdliches Bemühen es ist, den Gesamtkomplex dier noch' in Kraft befindlichen sowie auch der in der Galuth außer Kraft gesetzten Halachotli ethisch-philosophisch zu durchdringen. Er war der erste, der den Versuch wagte und diesen Versuch als positiv richtig behauptete, das vom Gesetze geregelte jüdische Leben als im Dienste der höchsten religiösen Ideen der Thorah, Propheten und späteren Lehrer stehend daraus teilen. Ihn leiteten seine phUoß02>hische Überzeugung und seine festgefügte Weltanschauung* Kein Wunder, daß es den so beschaffenen, außerordentlichen Mann drängte und antrieb, diese seine Weltanschauung auch' literarisch feßtzulegen. Der in Ge se t a und Leben tausendfach zersplitterte Kerngedanke der jüdischen Weltanschauung; die; auf Ewigkeit und Göttlichkeit zielende Richtung gesamtjüdischen Denkens und Handeln«! sollte durch Rambam zum Ausdruck und Durchbruch gelangen. Auch dies, wie vorher im Namen von: Schwarz gesagt wurde, aus innerstem Trieb nach Freiheit des Denkens* Das Werk nam, in welchem diese Gedankenwelt niedergelegt wurde, ist der „More h! n e b u k h i m“ mit dem ursprünglichen arabischen Titel „Dalalat al chairin“, der „Führer der Schwankenden, Irrenden“. Was von Philosophie zu seiner Zeit lebendig und vorhanden war, hat Maiimund gekannt und in seinen Erkenntniskreis eingcsahlossen. So wie wir auf dem Gebiete der Halachah sagen konnten, daß ihm nichts entging, so sagte er selbst, daß kein philosophisches Werk oder System, das zu seiner Zeit bestand, ihm unbekannt geblieben sei. Arabische, griechische (Aristoteles, Platon) und jüdische Philosophie flössen in seinem Denken zusammen und wurden von ihm in den Dienst des Glaubens und d e r Religion der biblisch-taimu dis oben Überlieferung gestellt zum Zwecke der Beweisführung für die Richtigkeit des j ü d isehen Glaubens und des nach diesem Glauben geordneten Lebens. Der Weg, den Maimonides geht, ist der der Vernunft und reinen Erkenntnis; des du roh Pkilo- Alter jemenitischer, Jude, mit seinem Enkelkind beim T.orah-Studium * ** \fi itlfi IPI Itii ' „h, | Ls s'i >'<;' '' ÜiiiS! P|§P tlllllffti IM liiiti 's e > ' v ' V- "»ss' itm Mi? IpfsÄl iili .ggpi mp

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