Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 443 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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^«■liWBSBWWBWUiWi SMi Seite 12 tea--—»ass Oll STIMMI ■i der Juden mit dem Faschismus pflegte, ferner 'eine literarieche Monatszeitschrift „Dawar“, welche in besonders reicher Ausstattung erscheint. Auch „Israel“ hat eine literarische Beilage und eine Spezialausgabe für Kinder „Israel di bimibi“. Das rabbinieche Institut befindet sich in Bom, nachdem es eine Zeitlang in Florenz War, und es war ein spezielles Verdienst des kürzlich verstorbenen Oberrabbiners Sacordoti, es wieder nach Rom zurückgeführt und dort weiter ausgebaut zu haben. Ein weiteres rabbinisehee Institut ist in Rhodus vor ungefähr fünf Jahren eröffnet worden, welches sogar von der Regierung subventioniert wird. Auch ln der italienischen Kolonie Lybieu befindet sich eine zahlreiche jüdische Gemeinde, schon seit Römerzeiten. Mit Zustimmung der Regierung wurde der Oberrabbiner von Padua Dott. Comm. Castelbolognese dort eingesetzt. Die italienische Regierung interessiert sich überhaupt lebhaft für das Gedeihen der Juden in Tripolis, und auf ihre Anregung fand dort erst kürzlich eine Versammlung der jüdischen Handwerker statt. Es wurde ein jüdischer Inspektor für die jüdischen Handwerker eingesetzt, der erklärte, daß auf speziellen Wunsch des Gouverneurs von Lybien, General Balbo, eine Handwerkerschule errichtet werden solle. In den spanischen Schloßbasteien wird ein spezielles Handwerkerviertel erbaut, in welchem außer der Goldschmiedeschule auch spezielle Ausstellimgsgelegenheiten vorhanden sein werden, um den Touristen die geschmackvollen Arbeiten der eingeborenen jüdischen Handwerker zeigen zu können. Die Herzlichkeit in den Beziehungen zur jüdischen Bevölkerung zeigt sich auch darin, daß katholische Würdenträger von Oberrabbiner Da Fano Unterricht im Hebräischen erhielten, allen voran der jetzige Papst Pius XI., welcher durch zwei Jahre sein Schüler war. Der Papst hat seinen Lehrer immer noch in bester Erinnerung, vergißt nie, dies jüdischen Besuchern gegenüber zu erwähnen, und so oft Da Fano nach Rom kommt, empfängt er ihn sofort in Spezialandienz. Interessant ist auch, daß umgekehrt Oberrabbiner Da Fano seine Zivilstudien zum Teil bei den katholischen Klosterbrüdern der Scolopi in Florenz absolviert hat. Die religiösen Studien hingegen genoß er beim Oberrabbiner David Jakob Marroni in den Jahren 1860 biß 1874, in welch letzterem Jahr er mit dem Titel eines Maalat chacham (Würde eines Chacham) ausgezeichnet wurde. Nachdem er drei Jahre lang Rabbiner der kleinen Gemeinde Urbino war, erhielt er den höchsten rabbinisohen Grad, Maalat kawod morenu haraw, und wurde als Oberrabbiner nach Reggio Emilia berufen. Unter anderem waT er auch Oberrabbiner auf der Insel Korfu (Griechenland), wo er im Jahre 1888 jüdische Schulen und ein Kinderasyl gründete, welch letzteres unter dem hoben Protektorat der Baronin Hirsch aus Paris stand. Leider wurde diese Arbeit im Jahre 1891 durch den bekannten Pogrom, welcher sogar Opfer an Toten und Verwundeten kostete, unterbrochen. Da Fano selbst konnte nur mit Mühe dank der energischen Intervention des Regierungsvertreters sein Leben retten. Auch die italienische Regierung intervenierte, um ihn als italienischen Staatsbürger zu verteidigen und zu schützen. Seit 41 Jahren ist er nun Oberrabbiner in Mailand und hat auch hier ein Kinderasyl gegründet, an welches er dann eine jüdische Volksschule angliederte, die bereits von 210 Kindern besucht wird; aber schon ist der Raum zu ong. denn dank der glänzenden Führung vermehrt sich die Anzahl der Schüler ständig und die Schule muß vergrößert werden. Oberrabbiner Da Fano, welcher seit 57 Jahren sein hohes Amt ausübt, ist Großoffizier der italienischen Krone, eine der höchsten Auszeichnungen, die der König verleiht. Große Männer des jüdischen Volkes. In dom zeitgemäßen Quartettspiel „Große Männer des jüdischen Volkes“ findet Ihr Kind unter anderem auch das Bild des gefeierten llambarri. Es lernt in unterhaltender, leichtfaßlioher Form — spielend — Namen und Werke unserer Großen aus den verschiedensten Wissensgebieten kennen. — Hebräisch-deutsche Texte. Preis S 2.50, zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Dr. Glanz, VIII., Langegasse Nr. 32, sowie in allen gutgeführten jüdischen B u ohih andlungen. 3® OIOIOIOIO Otkar N.umann: MOSE. Oskar Neumann, dem wir eine Reihe außerordentlich schöner Dichtungen verdanken, läßt soeben im „E o s“-VerIag, Bratislava, einen neuen Gedichtband, „Gottes Zigeuner“ betitelt, erscheinen. Indem wir uns eine Besprechung des schönen Gedichtbandes Vorbehalten, bringen wir mit Genehmigung des Autors das folgende Gedicht: Ein Peitschenhieb... I Wie zürnendes Gewölke hinsaust und sich in grellem Blitze bricht..» Da tag der Zwingherr wimmernd am Gebälke und wieder war die Zeit sich selbst Gericht... Doch wieder roch die Masse, gierig, stumpf, in Sklavensehnsucht Duft der Fleischestöpfe und wühlte lüstern sich in faulem Sumpf... In Mose aber schrie ein Dunkles: „Schöpfet" Da bannte er den Ekel vor der Brut und gürtete mit Zorn die straffen Lenden..« Hinstarb die Tyrannei in seiner Glut und Leben quoll aus seinen jungen Händen.»« So schritt er hin, ein flammender Beginn und seine Seele leuchtete Oasen, wo Wüste schrie... Doch dunkel blieb der Sinn Traumdeutern Pharaos, die ln den Sternen lasen.. Schritt hin und führte aus Mizraims Blütenpracht sie in das öde Rieseln fremder Wüste... Da wuchs ein Stern am Firmament und grüßte. Und eines jungen Gottes Wehen war erwacht... Des WUstengottes, der aus Donnern flammt... Sie sehnten Hütten, Welienspiel und Barken... Doch Mose wußte um sein schweres Amt: in Einsamkeit die Seelen zu erstarken... Hinsank die Zeit... Grub eine ewge Spur in Wüstensand, der eine Welt geschieden... Vom Sinai flammte ein Gottesschwur Und Apis starb — an stummen Pyramiden... Marek Scherlag: / Au dU jüdiuueu! Ihr kommt aus uralten Kulturen, Von allen sind in euch die Spuren; Ihr geizt mit Güte nicht, noch Liebe, Ihr adelt unsere wilden Triebe. Und mag ich auch die schönsten Namen, Aus Bibel, Sagen, Versen, Dramen, Aufzählen, bis der Atem stockt: Ob schwarz ihr oder blondgelockt. Ich ahne, nicht nur Priesterinnen Ward ihr vor Tausenden von Jahren — Ihr gingt durch Leiden und Gefahren Als gläubige Märtyrerinnen. In Sarah war das Gottvertrauen, ln Bahel liebende Geduld; Erzmütter ihr und ewige Frauenl Ein Abglanz noch von eurer Huld, Beglückend ist's, ihn heut* zu schauen, Auf unsern Frauen, Schwestern, Töchtern, Er überstrahlt wohl jede Schuld, Von der der Feind spricht seit Geschlechtern. Debora schreitet kühn voran, Es ist kein Schreiten, mr ein Tanz; Wie jubelt sie im Sonnenglanz! Am Volk hat Wunder Gott getan! Wer naht mir ernst und immer näher? Die Mutter ist’s der Makkabäer, Und waren sündhaft manche auch, ln dunkler Vorzeit und noch später, Noch heute spüren wir den Hauch Der Anmut, Reinheit jener Schönen, Die mit dem Schicksal uns versöhnen, Daß wir nach wie verzückte Beter Sie mit dem Worte Lißbe krönen. Vergessen sind die Schlauen, Schlechten, Ich seh die Reinen und Gerechten, Die strahlend Gütigen und Echten. Und dennoch sagt mir mein Gewissen: Ich möchV auch nicht die andern missen. Bewahrt mr weiter Glanz und Stolz, Und Treue wahrt dem alten Stamme! Er ist aus edlem, gutem Holz, Und ist auch mancher Ast gefallen Zum Opfer feindlich zäher Flamme, Die Wurzel blieb, es ragt der Baum Des Judentums im ewigen Raum. Die schönste Frucht seid ihr vor allen. Er bleibt umflossen wie ein Traum Von der Schechlna: wenn in Treue Ihr ausharrt — blüht er stets aufs neue... tdUktigc DcoM&wt (H kcuquUltiMißtahd) „Die Neue Zeit“ (Bratislava) schreibt \rt ihrem „Raritätenkabinett“: ln Rachova haben sie eine neue Synagoge gebaut. Die beiden Gemeindeparteien waren nicht unter einen Hut zu bringen. Jede Partei hielt die Melodie von Lecho Doidi* die bei ihrem Rabbi gesungen wurde, für würdiger. Dieses musikalische Streitobjekt kostete rund eine Million Kronen —, aber dafür kann jetzt jede Partei in ihrer. Synagoge ihren Lecho Doidi singen. Auf ähnliche Weise ist ln der Schnorrer» Stadt Ugljoo in diesen Monaten eine alte Fehde beigelegt worden. Dort geht fetzt zwanzig Jahre lang der Streit um eine einschneidende gottesdienstliche Sparmaßnähme Soll man am Freitagabend einmal oder zweimal „Borchu“ sagen, das ist in Ugljoo die Frage. Die zweimal „Borchu-Partet“ war außerordentlich rührig und hat vor etwa drei Jahren bei allen ihren Anhängern eine neue Steuer eingeführt, die Ugljooer Borchu-Steuer. Für seine Überzeugung muß der Mensch eben Opfer bringen können. Zehn Dutzend Kerzen wurden mit einer Krone, zwanzig Gramm Hefe mit fünfzig Heller Steuer belegt. Immerhin hat die Partei mit diesen minimalen Beträgen in den letzten drei Jahren über fünfzigtausend Tschechen krönen gespart. Vor kurzem wurde die von dem Steuergeld erbaute Synagoge der Partei feierlich eingeweiht. Die Judenfrage in Mandschukuo Der japanische Generalkonsul in Mandschukuo, M arishi ma, hat den Vorsitzenderj der Jüdischen Gemeinde von C har bin zuSt sich geladen und Hin um Aufklärung über4, die kürzlich in der ausländischen Presse erschienen Berichte über antisemitische, Agitation der weiß gar d l s t isehen Russen in Mandschukuo, ersucht. Der Vorsitzende der Gemeinde gali dem Generalkonsul die folgenden Aufklärungen: Seit über 30 Jahren leben Juden in Mandschukuo, wo sie sich als Pioniere des. Handels und der Industrie hervorgetan um5 auch in hohem Maße zur sozialen und kulturellen Entwicklung des Landes beigetragen haben. Mit Politik haben sie sich nie befaßt und haben sich den Behörden gegenüber, stets loyal verhalten. Mit Russen, Chinesen und Japanern haben sie in Frieden gelebt< Seit zwei Jahren aber betreiben Teile der russischen Bevölkerung in Mandschukuo eine antisemitische Hetze; die russische Zeitung „Nash Put“ tut sich hierin besonders hervor und verbreitet auch Ritualmordlegenden. Wenn nun die japanische Regierung, die den jungen Staat MandsclmJcuo unter ihre Protektion genommen hat, sich für die Lage der jüdischen Bevölkerung interessiert, sä fühlt sich die Gemeinde verpflichtet, ivi Namen der jüdischen Bevölkerung auf diese anli jüdische Agitation aufmerksam zu machen. Der Generalkonsul erwiderte, die japanisc/m Regierung werde alle Anstrengungen machen, um die guten Beziehungen der Be« Völkerung zu den Juden wiederherzustellen und die Besorgnisse der jüdischen Bevölkerung zu zerstreuen. Der Generalkonsul brachte die freundschaftlichen Gefühle Japans für die Juden zum Ausdruck und lud die Jüdische Gemeinde ein, wann immer es nötig ist, Vertreter zu ihm zu entsenden; er werde darauf sehen, daß den jüdischen Bedürfnissen Rechnung getragen wird. Inzwischen fährt „Nash Put“ in der Judenhetze fort und hat soeben Plakate in den Straßen ankleben lassen, daß die Weltjudenheit einen Krieg gegen Mandschukuo schüre.