Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 443 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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!V$e3^Pmi5VHEäl Seite 0 DIE STIMME Nr. 443' — 17. Äpr!l 1908 Schlechtes Ergebnis in Jerusalem l|Hi!il!'i!!il!!!!!ll!lli!:!l!!W Am Anfang der Jerusalemer Tagung des Aktionskomitees stand ein Mißerfolg: Die Ablehnung des F r i e d e n s p a k t e s durch eine linksradikale Mehrheit, der Ilistadruth. An ihrem Ende stand ein zweiter Mißerfolg: Die Tatsache, daß diese Tagung in den lebenswiehtigen Angelegenheiten der Bewegung nichts Positives geleistet hat und unverrichteter Dinge auseinanderging, so wie beim Prager Kongreß. Was ist in Jerusalem geschehen? Man hat geredet, nicht zueinander, sondern aneinander vorbei und zum Fenster hinaus. Der Aufdruck der Disziplinklausel auf dem Schekelformular wurde gutgoheißen und damit aus dem Schekel eine Art zionistischer Disziplin-Gebetmühle gemacht. Druckerschwärze erzeugt aber nicht die Disziplin, die wir so notwendig brauchen. In organisatorischen Dingen — ist es da so gut bestellt? — wurde sonst nichts geleistet, außer wenn man davon absieht, daß der „Haschomer H a z a i r“ die Rechte eines Sonderverbandes erhielt. Die Angelegenheit des Haschomer Hazair war augenscheinlich der Exekutive schon zu unbequem. Der zwölfjährige Briefwechsel des Organisationsdepartements über den bisherigen illegalen Status des Haschomer Hazair mußte einmal beendet werden. Der Weltverband der Allgemeinen Zionisten hatte ja offenbar recht, wenn er immer wieder auf diese Tatsache und das ungleiche Maß, das den Allgemeinen Zionisten gegenüber angewendet wurde, hinwies. Ob ein Frieden zwischen Organisationsdepartement und den Allgemeinen Zionisten zustandekam, ist bisher nicht bekannt geworden. Nichts geschehen ist weiter in der E i nwanderungsfrage. Soll das ungerechte Einwanderungssystem verewigt werden? Soll weiter aus der Einwanderung ein Politikum gemacht und das Interesse einer Partei gefördert werden? Das darf nicht so weitergehen. Mit Recht hat ein .oppositioneller Redner in Jerusalem gesagt, daß diese Parteiherrschaft das Hecht der Zionistischen Organisation auf die Verteilung der Zertifikate im Interesse einer Partei vernichtet. In der jüdischen Öffentlichkeit hat schließlich die Sezession der Revisionisten großes Aufsehen hervorgerufen und man fragt sich überall, ob der Bruch ein endgültiger ist oder nicht. Es waren jedenfalls Kräfte am Werk, um die Revisionisten aus der Organisation zu drängen. Der Redner des Haschomer Hazair, J a a r i, hat in der A.-C.-Sitzung wörtlich gesagt: ,,Ich weiß nicht, ob eine Möglichkeit besteht, die Koalition zu erweitern. Die Vorbedingung jedoch für einen wirklichen Frieden zwischen den einzelnen Teilen der Bewegung ist die Entfernung der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation.“ Wir distanzieren uns seit jeher vom Revisionismus, insbesondere von seiner Taktik und seinen Disziplinbrüchen. Wir bezweifeln aber auch, ob der Haschomer Hazair sich nicht anders gebärden würde, wenn er einmal nicht Liebkind bei der Exekutive wäre. Die Revisionisten berufen sich zur Begründung ihrer Sezession u. a. auf die Ablehnung ihres Antrages auf Einberufung einer Round-table-Konferenz. Wir sind der Ansicht, daß die Exekutive diese auch vom Weltverband der Allgemeinen Zionisten verlangte Konferenz hätte einberufen müssen, um nichts unversucht zu lassen, was zum Frieden führen könnte. Sie trägt daher die Verantwortung, falls es zu einem endgültigen Bruch mit den Revisionisten gekommen sein sollte. W7ir wollen aber die Hoffnung nicht aufgeben, daß doch ein Friedensschluß mit den Revisionisten möglich sein wird. Dabei darf es aber kein faules Kompromiß geben. Man darf nicht zulassen, daß die Revisionisten immer wieder mit der Austrittserklärung drohen und tun, was sie wollen, zum Beispiel Petitionen mit blamablem Erfolg an den Völkerbund zu richten. Diesmal hat die revisionistische Exekutive zwar, wie die 11 a meldete, bekarintgegeben, daß sich „die Revisionisten“ am nächsten Kongreß nicht beteiligen werden. „P a 1c o r“, die offiziöse Korrespondenz der Exekutive, hingegen weist darauf hin, daß der Text der von den Revisionisten im AC. verlesenen Erklärung zweideutig ist. Es heißt dort weiter: HIHI! ..Es wird darin nicht gesagt, daß die Revisionisten nicht am Kongreß teilnehmen, sondern daß die .Revisionistische Union1 nicht teilnimmt. Da die Revisionisten aber stets betont haben daß die Revisionistische Union kein Teil der Zionistischen Organisation ist und daß nur individuelle Revisionisten am Kongreß teilnehmen, so ist eigentlich durch den Buchstabensinn der zweifellos mit Absicht so formulierten Erklärung nichts Neues ausgesagt. Diese Auffassung würde auch dadurch bestärkt, daß die revisionistischen A.-C.-Mitglieder zwar einen Exodus veranstalteten, aber nicht ihren Austritt aus dem A.-C. erklärten.“ Die „Jüdische R u n d s c h a u“ bemerkt zu dieser Meldung der „Palcor“, es liege hier eine „d o p p e 1 zü u g i ge Erklär u n g“ vor, ein „nichtssagender Theatereffek t“, dazu bestimmt, „die uninformierte Öffentlichkeit durch den Anschein eines Bruches zu terrorisieren.“ Demgegenüber erklärt aber das Exekutivkomitee der Zionisten-Revisionisten: „Der Beschluß der revisionistischen Exe-1 die Erkenntnis in weite zionistische Kreise, kutive bedeutet nicht nur eine Nichtbeteilij daß das derzeitige System geändert werden gnng an den Kongreßwahlen, sondern auch muß, daß die Zionistische Organisation einer einen strengen Boykott des entweihten gründlichen Reform bedarf, dann war Jeru Schekel. Die revisionistische Exekutive salem ein Erfolg. In jedem anderen Falle bieten, einen Schekel zu kaufen; daraus folgt, daß von irgend einer Beteiligung an den Kongreßwahlen keine Rede, sein kann, kann.“ Diese Haltung dm1 revisionistischen Leitung findet im revisionistischen Lager oine sehr geteilte Aufnahme. So ist zum Beispiel Dr. Julius Brutzkus, einst Minister für jüdische Angelegenheiten in der litauischen Regierung, aus der Exekutive der Weltunion der Zionisten-Revisionisten ausgetreten, weil er mit den letzten Beschlüssen der Exekutive und mit den Bedingungen, unter denen sie gefaßt wurden, nicht einverstanden ist. Schon die nächsten Wochen werden Klarheit schaffen. Es sei dem aber wie immer, Jerusalem war ein Debakel, bestenfalls ein Pyrrhus-Sieg der derzeitigen Mehrheit. Wir bedauern das Ergebnis von Jerusalem, weil es den derzeitigen schlechten Stand der Dinge unverändert läßt. Ob nun die Revisionisten zum Kongreß kommen oder nicht, das derzeitige System muß revidiert werden. Das sollte endlich allen Zionisten klar sein, die P a 1 ä s t i n a f ü r das ganze jüdische Volk und nicht für eine Partei aufbauen wollen. Dringt unter dem Eindruck der Berichte aus Jerusalem wird jedem Revisionisten ausdrücklich ver-jwar Jerusalem ein Mißerfolg Auf der in Tel-Aviv abgehaltenen Wizo- Weltkonferenz sprach unter anderen der Vorsitzende des Jüdischen Nationalfonds, Herr Ussischkin, über „die jüdische Frau und die Erlösung des Bodens“. Er führte unter anderem aus: Während sich der Jischuwin den letzten fünf Jahren um 11 Prozent im Verhältnis zur arabischen Bevölkerung vermehrt hat, ist der Bodenbesitz im Verhältnis zu dem der Araber nur von fünf Prozent auf sechs Prozent gestiegen. Wenn man von Tel-Aviv nach Jerusalem reist, findet man auf 60 Prozent Kilometer weder rechts noch links — außer Kirjath Ahavim — einen einzigen jüdischen Punkt. Man reist dort durch arabisches, nicht jüdisches Land. Ähnlich, wenn man von Tiberias nach Safed, von Jerusalem nach Jericho oder Hebron fährt. Dabei ist die bodenständigeBauernschaft der wichtigste Teil jedes Volkes. Ihr gehört das Land, nicht der Stadtbevölkerung. Auch Millionen Juden in Tel-Aviv und den anderen Städten werden das Land nicht zu Erez Israel machen. Wenn wir uns nicht auf dem Lande ansiedeln, schaffen wir nur ein neues wirtschaftliches Ghetto und vertreiben uns von unserer eigenen Erde. Wer trägt an all dem die Schuld? Die einen sagen, die Regierung, die anderen, die Araber, die dritten, die Spekulanten. Die eigentlich Schuldigen aber sind alle Zionisten, die die Boden frage vernachlässigt haben. Jedes Volk hat in seiner Mitte Egoisten. Aber nicht jeder, der in der Stadt bleibt, tut dies freiwillig. Wieviele muß ich abweisen, weil wir keinen Boden haben! Solchen Juden bleibt oft nichts anderes übrig, als sich dem Bodenhandel oder anderen Geschäften zuzuwenden. Einige Dunam Boden sind mehr wert, als.jede Moralpredigt. Auch der Arbeiter würde nicht in die Stadt gehen, um einige Piaster mehr pro Tag zu verdienen, wenn er sichere Aus sicht hätte, auf dem Lande angesiedelt werden zu können. Hat er sie nicht, so will er sich in der Stadt selbst das Kapital zur Ansiedlung beschaffen, ln keinem Lande der Welt wurde mit dem Aufbau begonnen, ehe man den Boden unter den Füßen gesichert hatte. In unser Land bringen die Schiffe Menschen, für die kein Boden da ist. Warum bringe ich diese Fragen vor Sie? Weil die Wizo eine noch junge Bewegung ist und ich die Hoffnung habe, daß ich ein Echo für diese lebenswichtige Frage bei Ihnen erwecken kann. Eine so große Organisation von fast 700.000 Frauen könnte schon allein beinahe den Boden erlösen. Ihre Arbeit besteht hauptsächlich darin, Ohaluzoth für Erez Israel auszubilden. Was werden diese aber ohne Boden anfangen? Die Schüler der landwirtschaftlichen Schule Mikwe Israel, die vor 60 Jahren gegründet wurde, verließen fast alle das Land, weil es keinen Boden gab und kein Verständnis für Landwirtschaft herrschte. Es besteht die Gefahr, daß auch die Absolventinnen von Nahalal oder Ajanoth so handeln werden. Erlösen Sie den Boden für Ihre Zöglinge in den Mädchenfarmen und der Andrang zu Ihren Schulen wird ungeheuer sein. Die Regierung soll nicht ln Schutz genommen werden. Ihr Prinzip lautet: J uden in die Stadt, Araber aufs Land. In allen Kommissionsberichten ist davon die Rede, daß es für Juden keinen Boden in Palästina gälie. Durch Petitionen können wir nichts gegen die englische Regierung ausrichten, die tausendmal stärker ist als wir. Wenn aber unser Gegneseinen Angriff auf die Bodenfrage konzentriert, so müssen wir auch unsere Verteidigungskräfte energisch darauf konzentrieren. Das aber tun wir noch nicht. Der private Bodenbesitz hat sich deshalb in der letzten Zeit fast nicht vermehrt. Privatkäufer kaufen jüdischen Boden. Es müßte aber — wie auf dem Gebiete der Arbeit — auch auf dem Gebiete des Bodenkaufe.-. Pionierarbeit geben. Der KKL muß oei seinen neuen Käufen diejenigen Gebote aussuchen, an die sich das private Kapital nicht heranmacht. Trotz aller Schwio- Marek Scherlag: PESSACHTAG Im Dorf grünt's allenthalben, Schon blühen Baum und Strauch Und Nester bau'n die Schwalben, Vom Dach grüßt blauer Rauch. Nun sollte ich mich freuen, Wie ich es sonst getan. Die Welt weckt im Erneuern Nicht mehr den schönen Wahn. Ich seh nicht Rettung blühen Für meines Volkes Leid. In Qualen, Sorgen, Mühen Verkümmerts vor der Zeit. Mit Ketten an den Händen Hinschleicht es durch die Welt: Wer soll das Schicksal wenden? Wo bleibt der starke Held? Es will der Tag verbleichen Und dunkler wird der Pfad. O gib mir, Gott, ein Zeichen, Daß deine Gnade nahtl Und wie ein Rosenleuchten Hinfliegt's am Himmelsraum, Ich fühl den Blick sich feuchten Von einem hellen Traum. Ein Traum von tiefem Streben, Von Lenz und Auferstehn. Heiß ringt mein Volk nach Leben Und wird nicht untergehn. rigkeitea gelang uns ein großer Erfolg, auf den wir stolz sein können: die Hule- Konzession. Sie hat große Freude im! Jischuw und in der Welt-Organisation ausgelöst. Jetzt aber beginnt erst die Hauptsache: die Vorbereitung des Bodens. Da# wird fünf bis sechs Jahre schwierige Arbeit erfordern. Hule allein ist noch nicht die Lösung der Bodenfrage. Zwar haben wir di© Einkünfte des KKL durch verschiedene Maßnahmen sehr vermehrt. Aber diese Vermehrung wirkt sich bei der ungeheuren Steigerung der Bodenpreise nicht effektiv aus, wie es etwa beim Keren Hajessod der Fall ist. Hätten wir schon schon vor Jahren solche Einnahmen gehabt, so hätten wir dreimal soviel Boden, als wir heute besitzen. Herr Ussischkin richtete an die Frauen der Wizo-Konferenz die dringende Bitte, ihren ganzen Einfluß in der Familie, bei der Jugend, in der jüdischen Gesellschaft für die Erlösung des Bodens geltendzumachen. Es gibt zwei Arten von Schönheit, innere und äußere: Innere Schönheit ist Idealismus, Kultur, das Buch. Äußere Schönheit ist die Natur. In alter Zeit besaß das jüdische Volk beides: die Bibel und Schir Hschirim. Das ganze Land mit all seiner Schönheit war in unserem Besitz. Wir müssen trachten, wieder beide Arten von Schönheit zurückzugewinnen, die innere Schönheit haben wir zum Teil behalten, für die äußere müssen wir den Boden erlösen — den Boden unter unseren Füßen. (Langandauernder Beifall.) BUCHSBAUM II., Kl. Pfarrga« se 21 Kaffee, Milch, Schokolade Prima Weine und Met HOÖ -UP3 Jüdische Unternehmer fuduebeo Arbeitslosen anläßlich der Frtthlahrssalson den Bedarf an Angestellten und Arbeitern aller Kategorien heim jüdischen Verein tür unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, I., Kohlmes'ergasse 4 Tel. U 27-0-65, an. Zionistisch* Bezirkssektion u. Wizo Mariahüf-Neubau, VI., Loquaiplatz 11 Donnerstag, den 25. April Dr. Jakob Ehrlich V»9 Uhr abends Rat der Stadt Wien: „Dürfen mir uns noch euiges Vom nennen“ Die Wahlen bei der Wizo• W elthonferenz In der letzten Sitzung der W i z o - W e 11konferenz wurden unter anderen gewählt: zur Ehrenpräsidentin: Lady (Herbert) Samuel; zu Ehren-Vizepräsidentinnen: Mrs. H. I r w e 11, Mrs. D. Nathan, Mrs. M. G a s t e r; zu Mitgliedern der Galuth-Exekutive Österreich: Frau Dr. S. L ö w e n h e r z; Tschechoslowakei: Frau Doktor Scheuer, Frau H. S t e i n e r; Transsylvanien: Frau Dr. R o t h; Pole ns Frau Dr. M. A p t o, Frau L e v i t o; Jugoslawien: Frau S t e i n d 1 o r; Kanada: Mrs. Frei man; Südafrika: ivlrs. E. H a y m a n; II o 11 a n d: Frau Polak van Cleeff; R u m än i e n: Frau M a r g u 1 i e s, Frau S h a p i r o. Das englische Militär in Palästina. Die englischen Trupponabteilungen in Palästina sollen in diesem Jahre bis auf 1960 Mann verstärkt werden. Die Angehörigen der in Palästina statiuniorten Luffcstreitk r ä f t e sind in dieser Zahl nicht inbegriffen.