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Die Stimme · 1935-04-17 · Heft 443 (17.4.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 443 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 443 — 17. April 1935 DIE STIMME Seite 5 Franziska Gaal mit Friedrich Benfer, Otto Wallburg, Annie Rosar, Ernst Verebes, Karl Huszar-Puffy, Sigurd Lohde u. a. Eine Joe Pasternak-Produktion der Universal Buch: Felix Joachimson, Texte: Fritz Rotter Musik: Nikolaus Brodszky Musikalische Leitung: Hans J. Salter Regie: Hermann Kosterlitz Uraufführung ab 20. April im: Gartenbaukino I. Haydnkino VI. Kärntnerkino I. Heimatkino IX. Buschkino II. Kolosseumkino IX. pr* in Anwesenheit der Hauptdarsteller und Schöpfer Donnerstag,9Uhr, Buschkino! Wiens Maimonides-Feier Herzi-Geburtstagsfeier Am 2. Mai werden es 75 Jahre sein, seitdem Theodor 1-Ierzl das Licht der Welt erblickte. Alis diesem Anlaß veranstaltet der Zionistische Landesverband für Österreich am 2. Mai um halb 9 Uhr abends im Großen Musikvereinssaal eine Feier, bei welcher Dr. Joeef Käst ein die Festrede halten wird. Sein Thema lautet: „Theodor Herzl — das Erlebnis des jüdischen Menschen.“ Weiters wird der Präsident des Landesverbandes, Dr. Oskar Grtinbaum, eine An spräche halten. Namhafte Kunstkräfte werden mitwirken. Der Kartenverkauf hat bereits begonnen. Die Nachfrage nach Karten ist ebenso wie bei den früheren Vorträgen Dr. Kasteins außerordentlich stürmisch. Karten sind erhältlich bei: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U-22-2-11; „Keren Kajemeth Lejisrael“, I., Marc-Aurel- Straße 5, Tel. U-29-1-29; Sämtliche zionistischen Bezirkssektionen; Wizo, I., Schottenring 25, Tel. A-l 1-6-26; Jüdische Kunststeile, II., Aspernbrückengasse 2, Tel. R-48-2-91; Bücherstube M. Rath, II., Taborstraße 20 a, Tel. R-45-3-05; Bücherstube R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, Tel. B-25-6-75; Bücherstube R. Löwit, I., Wollzeile 6, Tel. R-21-4-25. Außerdem wird in der ersten Maihälfte der Gang zum Grabe Theodor H e r z 1 s, mit Rücksicht auf die bevorstehende Überführung wahrscheinlich der letzte in Wien überhaupt, stattfinden. Die näheren Weisungen gelangen rechtzeitig zur Verlautbarung. Treffpunkt zu den Sederabenden am 17. und 18. April 1935, unter Leitung eines bewährten Kantors im "TinS Restaurant W. Spritzer, II., Hammerpurgstallgasse 7 (1 Minute von Dianabad). Zur Verabreichung gelangen erstklassige Oster-Spezialitäten zu zeitgem. Preisen. Ausschank von nur Original Palästina- Weinen. Tischbestellungen werden erbeten. Telephon A 45-5-42. Die Feier, zu der das Präsidium der Wiener Kultusgeineinde am Sonntag abend die Wiener Jmienschaft in das Gotteshaus in der Tenipelgasse geladen hatte, wurde durch ihren würdigen Verlauf und die prachtvollen musikalischen Darbietungen zu einer erhebenden Huldigung für den großen Juden, Philosophen, Arzt und Menschen, dessen 800. Geburtstag sie geweiht war. Hier war in dem hellerleuchteten Tempel alles vereinigt, was im Judentum Wiens Rang und Namen hat. An diesem Abend konnte man das geistige jüdische Wien sehen und die Andacht, mit der es sich zum Judentum und seinen Großen bekennt. Die österreichische Regierung war durch Ministerialrat Dr. Ebersth aller, die Vaterländische Front durch Generalmajor Dr. Z o b e r n i g, das Polizeipräsidium durch Hofrat Dr. Gans, die Universitätsbibliothek durch Oberstaatsbibliothekar Professor Dr. J o k 1, die altkatholisohe Kirche durch Pfarrer Bau in a n n vertreten. Der spanische Gesandte ließ sich schriftlich entschuldigen, da an demselben Abend eine Feier anläßlich des spanischen Nationalfeiertages stattfand. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang zeichnete in hebräischer Sprache als berufener Interpret des Wirkens Maimonides das Bild dieses „Herrschers im Land des Forschens und Denkens“. In der Festbeilage der „Stimme“ finden unsere Leser diese Ausführungen. Die Festrede hielt Oberrabbiner Dr. Taglicht. Er schilderte Maimonides als den Beherrscher des talmudischen Schrifttums, als den strengen Systematiker, den Mann tiefster Religiosität mit starkem Willen und erstaunlicher Tatkraft, den großen Denker, als den berühmten Arzt und großen Menschen. Er hat Licht, Klarheit und zusammenfassende Ordnung in das weite talmudische Schrifttum und in den Gedankengehalt des Judentums gebracht. Seine Werke, die seit fast achthundert Jahren Tag.für Tag von vielen. Menschen auf der ganzen Erdenrunde eifrig studiert werden, Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzung sind, diese Werke sind Zeugnis dafür, daß er das weite Reich von Bibel und Talmud und auch alle Bezirke des Wissens seiner Zeit mit seinem führenden Geiste und seiner starken Hand uneingeschränkt beherrschte. Seine Jugendzeit war eine unruhige, unstete, voller Mühsale. Als er sein dreizehntes Lebensjahr erreicht hatte, wurden die Juden in Kordova vor die Wahl gestellt: Bekenntnis zum Islam oder Auswanderung. Sein Vater Maimon wählte das letztere, wanderte mit seiner Familie aus, zog von Land zu Land, von Weltteil zu Weltteil. Im Alter von 31 Jahren läßt sich Maimonides in Fostat - Alt - Kahira nieder. Während der Jahre der größten geistigen Aufnahmsfähigkeit kann er nicht in Ruhe seinen Studien obliegen. Dennoch hat er den höchsten Gipfel des Wissens und der Erkenntnis seiner Zeit erstiegen. Seine erste Arbeit schreibt er über die Logik. In ihr sieht er die Voraussetzung alles Studiums. Das Ziel alles Denkens und Lernens ist ihm die Erkenntnis, die Gotteserkenntnis. Der Glaube, der dem Kiude eingepflanzt wird, soll in späteren Jahren durch das Denken, durch die Erkenntnis zur Überzeugung, die gewohnheitsmäßige Übung der göttlichen Gebote zu einer durch die Vernunft erfaßten religiösen Tat werden. Glaube und Wissen sind nicht Gegensätze, sie sollen einander durchdringen. Denn die Religion ruft das gesamte Geistesleben wach. Die tiefsinnigen Aussprüche der Offenbarung schärfen den geistigen Blick für daö Erkennen der fühlbaren und unfühlbaren Welt. Ihre Forderungen kräftigen den Willen und lenken das Streben von dem Gemeinen hinweg auf die heiligen Ziele. „More Newuchim“, der Führer der Irrenden, ist ausschließlich der wissenschaftlichen Bearbeitung der religiösen Lehre des Judentums gewidmet. Dieses Werk bildet den Höhepunkt der jüdischen Religionsphilosophie des Altertums, aufgebaut auf der von arabischen Gelehrten bearbeiteten griechischen Philosophie. Aber auch hier tritt sein eigenes Denken, sein kritisches Urteil in den Vordergrund. Der Grundgedanke des „More Newuchim“ ist, daß Wissenschaft und Glaube, oder Vernunfterkenntnis und Offenbarungslehre keine Gegensätze finden, wenn sie nur richtig verstanden werden. Der musikalische Rahmen der Feier Die erhebende Feier verdient auch wegen des musikalischen Rahmens, in den die Eli rung gestellt war, ein Wort des besonderen Lobes. Schon das „Ma tauwo“ von Salomon S u 1 z e r, mit dem die Feier eingeleitet wurde, zeigte in der vom Dirigenten, Kapell meister Kurt F u c h s g e 1 b, der den großen Klangkörper der Vereinigten Tempelchöre meisterlich führte, die treffsichere Auffas sung der Komposition. In den feinsten Nu ancen mit dem Solo .des Oberkantors Gerson M a r g u 1 i e s, dessen schöner lyrischer Te nor in den Leitmotiven den Knaben- und Mannerchor virtuos, geschmeidig über strahlte, erhielt das dem Ohr so wohlver traute alte Werk neue Farben und Klang Schönheiten, es packte mit den präzisen Ein Sätzen und zarten Schattierungen und er brachte das hohe künstlerische Niveau des jüdischen A-cappela-Chores. Die hellen Kna ben- und die kraftvollen Männerstimmen vereinigten sich zu einer erhabenen Sym phonie, wie man sie selten zu hören be kommt. Das „Jigdal“ von Moses ben Mai mon, von Sulzer dem Schöpfer dieses tiefsinnigen Gebetes förmlich als musikalisches Denkmal gesetzt, klang wie eine schmetternde Siegesfanfare, straff im Rhythmus, ge steigert in seiner Wirkung durch die Reinheit der Einsätze, die Dynamik und das freie Ausströmen des Chores. Zur höchsten Steigerung gelangt die Feier am Abschluß durch den Chor von Sulzer „H a 11 e 1 u j a h“ (Psalm 111), ein überaus schwieriges Werk der synagogalen Musikliteratur für großen LT ST A ÄTHARIne hepbUR I Art/NAHrt I rx r-J neu.. .ander?.. .und wieder faszinierend.. m S A MS T A & SCHWEDEN KINO VOS.VEfl.KAUF ERÖFFNET Kasteins Vortrag Am 11. April fand im Offenbach-Saal der Vortrag Dr. Josef Kasteins über das Thema: „Der Geist der jüdischen Wirklichkeit“ unter allen Anzeichen einer gesellschaftlichen Sensation statt. Die Abondkassa konnte nicht eröffnet werden, da bereits im Vorverkauf alle Karten ausverkauft waren. Viele hunderte Personen, die gehofft hatten, noch an der Abendkassa eine Karte zu erhalten, mußten unverrichteter Dinge abziehen. Der Vortrag zeigte Kasteln als tiefschürfenden Philosophen und Historikor und als blondendon Redner. Es ist bezeichnend, daß die Vorträge Kasteins in einem immer steigenden Maße das nichtzionistische Publikum anziohen. Wir bringen an leitender Stelle ein Reforat über diesen gehaltvollen Vortrag. BESTELLEN SIE SOFORT KLASSENLOSE BEIM C K S GLOCKSBAUER Zentrales Wien, IV., Favoritenstraße 4 Telephon U 47-5-20 Filiale: Wien, II., Leopoldsgasse 25 Telephon A 46-6-81 Ziehung I. Klasse 21. und 23. Mai HAUPTTREFFER: EINE MILLION SCHILLING 200.000 S, 100.000 S, 60.000 S, usw. BESTELLSCHEIN: BANKHAUS ALBERT BAUER GLÜCKSBAUER WIEN, IV., FAVORITENSTR. 4 Senden Sie mir nebst amtl. Spielplan u. Erlagschein: _Achtel-Lose zu S 6'- __Viertel-Lose zu S 12‘- _halbe Lose zu S 24*- .ganze Lose zu S 48‘- Name:. Genau« Adresse i Chor mit Harmonium und Harfe. Eine besser^ Interpretation und Wiedergabe dieses Ge* sanges zum Lobe Gottes als die gebotene, islj kaum vorstellbar. Die uneingeschränkte Anerkennung hohen künstlerischer Leistung gerade in Wien, den Musikstadt par excellence, mag der Juden« gemeinde in ihrer Gesamtheit die Pflicht auf* erlegen, das Streben und Können unserer Sänger und Musiker in jeder nur ungleichen! Form zu fördern, um ihr Wirken auf den Höhe zu erhalten, wie man sie bei der Mai.* monidesfeier bewundern konnte. Es war eim künstlerisches Erlebnis im tiefsten Sinne des Wortes auch für das verwöhnteste Ohr. Der Eindruck war tief und wird allen Teilnehmern der Feier unvergessen bleiben. Diel klare, einfache natürliche Zeichengebung des Dirigenten Fuchsgelb und seine hohe Musikalität, das prächtig und vornehm hin« strömende Solo des Oberkantors Margulies,, die Virtuosität der Solisten und Begleiter and Harmonium (Heymann) und der Harfe (J e 11 i n ek) und der bis ins feinste Detail auf die Intentionen des Kapellmeisters eingehende . und in allen Farben schillernde Chor der Knaben und Männer zeigten bewundernswerte Disziplin, sorgsames Studium und Durchdrungenheit von der hohen Auf* gäbe, die zu erfüllen ist. Unwillkürlich drängte sich dem Hörer die Erinnerung an das Wort auf, das Liszt mit Tränen in den Augen sprach, als er bei einem Besuch des Tempels den Wiener Ehrenbürger Sulzer und einen Chor aus dem „Schir Zion“ hörtet „Wahrhaftig, so klingt ewige Sprache zum ewigen Gott!“ Man muß den Künstlern, den Großen und den Kleinen, in aller Öffentlichkeit ein herzhaftes „jejaseber koach!“ für die vollendete Leistung sagen, das man an geweihter Stätte unterdrücken mußte. Dawid Jehuda. PENSION ALPENHEIM || SEMMERING Bestbekannte Küche. Anerkannt schönste Lage. Telephon Nr. 22 I Ein Schreiben äer Akademie der Wissenschaften Die Akademie der Wissenschaften hat an Staatsrat Dr. F r i e d m a n n ein Schreiben gerichtet, in welchem für die Einladung zun Feier gedankt wird. Es heißt weiter: Die Akademie nimmt aufrichtigen An* teil an dem verehrungBvollen Gedenken an den großen Forscher und Ge-' lehrten, dessen hervorragende Werke nicht nur von entscheidendem Einfluß auf die Entwicklung der jüdischen Theologie, sondern auch von großer Fruchtbarkeit für die mittelalterliche Philosophie, Naturwissenschaft und Medizin wurden. gewinnen den der Mahhabiah Die Österreicher Metchett-Cup auf Haifa, 15. April. (2. T. A.) Nach Abschluß der Wassersportmeisterschaften auf der zweiten Makkabiah wurden der österreichischen Mannschaft mit 380)4 Punkten der Meisterschaftstitel und der Melchett-Cup zuerkannt. Maturasdiule „Universum" Wien, IX., Garnisongasse Nr. 3 Telephon A 20-4*40

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