Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 443 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIB STIMMI Nr. '433' - 17. ftpril 1933 3xBERGMANIU; MBENSTEIG3 Ihimmelpfortc. 5 KOLLHERHOFö. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FÜHREND IN ETERNA- HEMDEN (von S 680 aufw.) Die „Zuagrasten“ und die „Dasigen“ Letzten Donnerstag hielt eine Vereinigung von Rechtsanwälten, die sich „Frontring“ nennt, eine Tagung ab. Es wurde mitgeteilt, daß der Bundeskanzler Dr. Schuschnigg das Ehrenpräsidium dieser Vereinigung angenommen und mit seiner Vertretung Dr. Herbert Wangermann betraut hat. Die Reden auf dieser Tagung waren durchaus vom antijüdischen Konkurrenzgeist durchsetzt, auch das Moment des Frontkämpfertums trat stark hervor. Beide Erscheinungen sind nicht geeignet, zur Sicherung der inneren Ruhe beizutrageu, so daß die Frage gerechtfertigt erscheint, ob die Regierung, die doch eine Regierung aller sein will, über die Personen und die Richtung der Veranstaltung infor miert war. Es waren Vertreter des Justizininiste riums erschienen, vor denen der erste Vize Präsident des Frontringes Dr. Walter S e i d- 1 er behaupten dürfte, daß das V e r trauen in das Recht durch nichts so sehr erschüttert werde, als durch einen Bruch der geradlinigen organischen Frontentwicklung durch das Eindringen heimatfremder Momente in Recht und Gesetzgebung. Dr. Herbert Wangermann, wie bemerkt, Vertreter des Bundeskanzlers, re ferierte über den grundlegenden Versuch, den Bodenständigkeit» b e g r I f f rechtlich zu definieren und dessen Einbau in das öffentliche Recht ohne Härten zu ermöglichen. „Richtung gebend war der Gedanke, daß die Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zur Heimatgemeinschaft nicht aus einzelnen Quel- HOB bW “W3 für die Osterfeiertage erhalten Sie die besten Wurst* und Selchwaren aus der renommierten Fabrik EISEN ft HONIGSBER ständig frisch in reicher Auswahl Wien, II., HaldgftMft S, Tel. A 44-4-69 PRIMA WEINE POSTVERSAND Beachten Sie genau die Adresse I len, auch nicht aus dem Blut, sondern aus zahllosen Imponderabilien entspringt, die die Masse der Einzelpersonen zum Ganzen zusammenschweißen. Da« bewußte andauernde Bekennen zum österreichertum und die Erziehung zu dessen bewußten Erkennen werden ausschlaggebende Kriterien sein, wie denn auch der Volksmund den zuständig Gewordenen noch lange einen „Zuagrasten“ nennt. Es wird eben ein weiterer Zeitraum bewußten' Bekennens zum österreiehertum verstreichen müssen, um den zuständig Gewordenen zum Österreicher („D a s i g e n“) zu machen. Rechtspflege und Rechtsaufbau sowie alle die Kultur beeinflussenden Positionen könnten so gegen Überfremdung geschützt werden.“ Eine Definition, die „bewußtes andauerndes Bekennen“ als ausschlaggebendes Kriterium einführt, ist wohl kaum seriös zu verwerten. Aber sie verrät, um was es sich handelt, um einen „ohne Härten“ zu betreibenden Einbruch der nordischen List in die verfassungsmäßig festgestellte Gleichberechtigung. Diese Art des Numerus clausus wird auf den schärfsten Widerstand und auf den Friedensvertrag stoßen. Dr. Wangermann wird finden, daß der Dialektausdruck „daslg“ auch noch eine andere fatale Nebenbedeutung besitzt. Äußerungen des Präsidenten der Wiener Rechtsanwalts* Hammer Dem Wiener Vertreter der ITA gegenüber äußerte sieh der Präsident der Wioner Rechtsanwaltskammer Dr. Siegfried Kantor zu der Angelegenheit in folgender Weise: Die Bestrebungen des „Frontringes“ sind nicht« anderes, als der Ausfluß der gewöhnlichen Vereinsmeierei. In dem „Frontring de« Reoittestmiltotf bat Utofe Mb« Anzahl von Anwälten vereinigt, welche für die Entwicklung des Standes der Rechtsanwälte bisher überhaupt nichts getan haben, son dern durch die Hervorkehrung ihrer Frontdienstleistung Einfluß auf die Führung des Standes zu gewin neu versuchen. Unmittelbar nach Kriegsende, im Herbst 1918, hat das damals im Amte befindliche Präsidium der Advokatenkammer mit dem gesamten Ausschuß und Diszipiinarrat sämtliche Mandate der Kollegenschaft zur Verfügung gestellt, um Neuwahlen durchzuführen, bei denen die Kriegsteilnehmer entsprechend berücksichtigt werden können. Seit dem Monat Jänner 1919 sind sowohl im Ausschuß wie im Diszipiinarrat der Advokatenkammer die Kriegsteilnehmer sehr zahlreich vertreten. So ist der gegenwärtige Präsident der Kammer (Dr. Kantor selbst. Red.) ein kopfschußverletzter F r o n t- Offizier. Eine große Anzahl von Mitgliedern des Kammerausschusses und des Disziplinarrates kann auf hohe und höchste Tapferkeitsauszeichnungen hinweisen. So z. B. ist ein langjähriges Mitglied des Kammerausschusses Ritter des Ordens der eisernen Krone mit den Schwertern. Es bedurfte daher wahrlich nicht erst der Bildung des „Frontringes der Rechtsanwälte“, um den Kriegsteilnehmern die entsprechende Anteilnahme an der Führung des Standes zu sichern, die schon im Jahre 1918 durch die Schaffung des „Ofner-Fonds“ (nach dem bekannten demokratischen Abgeordneten Dr. Ofner. Red.) die Wiederaufrichtung der durch die Kriegsdienstleistung vernichteten advokatorischen Existenzen ermöglichte Sechzehn Jahre nach Friedens Schluß kommt die Bewegung des „Front ringes der Rechtsanwälte“ reichlich zu spät, Tatsächlich kann es sich dabei nur um die Erreichung anderer Ziele handeln, die nicht auf der Linie des Schutzes der Kriegsteilnehmer liegen. Die staatlichen Stellen dürften über die wahren Bestrebungen des „Frontringes“, der offenbar die Berufung seiner Mitglieder im Wege der Ernennung zu Standesvertretern anstrebt, jedoch nicht unter gleichzeitiger Aufklärung über die Tätigkeit und Zusammensetzung der gegenwärtigen Standesvertretung, nicht unterrichtet worden sein. Der Versuch, die Rechtsanwaltschaft nach bekanntem Muster durch die Diskriminierung eines Teiles der Standesangehörigen in Parteien zu spalten, wird nicht nur von der Kollegenschaft, sondern sicher auch von der Regierung auf das schärfste zurückgewiesen werden. Am allerwenigsten kann eine Diskriminierung auf der Grundlage einer Teilung der Rechtsanwälte in Advokaten vollen Rechts (mit Wahlrecht) und Advokaten minderen Rechts (ohne Wahlrecht) gebilligt werden Nach allgemeiner advokatorischer Übung sind vom passiven Wahlrecht nur jene Ad vokaten ausgeschlossen, welche sich d i sziplinärer Verfehlungen schuldig gemacht oder ihre Standesverpflichtungen nicht erfüllt haben. Wie Sally Epstein starb Die Berliner ausländischen Pressevertreter schildern auf Grund vertraulicher Mitteilungen die in Berlin erfolgte Hinrichtung Hans Zieglers und des 28jährigen polnisch-jüdischen Malers Sally Epstein, die wegen angeblichen „Postenstehens auf der Straße“ während der Tötung Horst Wessels zum Tode verurteilt worden waren. Die Pressevertreter beben hervor, daß die Hingerichteten, insbesondere Sally Epstein, glaubwürdig nachweisen konnten, daß sie mit der Tötung nicht das geringste zutunhatten, ja von der Tat erst Bpäter erfuhren. Dienstag abends wurden die Verteidiger der Verurteilten davon verständigt, daß am Mittwoch um 6 Uhr früh im Strafgefängnis Plötzensee die Hinrichtung erfolgen werde. In Gegenwart des Volksgerichtshofes und der Vertreter der Gestapo wurden die Verurteilten zum Richtblock geführt. „Nicht wir sind die Mörder, Ihr Beid die M ö r d e H“, rief Sally Epstein noch seinen Richtern zu. Es waren seine letzten Worte. Zehn Sekunden später fiel das Henkerbeil* Die Pressevertreter heben hervor, daß die wirklichen Täter, Ali H ö h 1 e r und Soll, keine politisch Interessierten, sondern einfache Zuhälter waren, die in Horst Wessel einen Konkurrenten sahen. Ali Höhler und Soll wurden im Jahre 1932 wegen Totschlags zu Zuchthausstrafen rechtmäßig verurteilt. Eilt Calgenprogramm aus dem Dritten Reich Der von der deutschen Regierung favorisierte Berliner „Judenkenner“ veröffentlicht drei Programmpunkte des „Weltbundes der Judenkenner (Wedejot)“ („Judenkenner“ Nr. 8 vom 10. April 1985): „Die Judenkenner aller Länder werden als erste Maßnahme nach dem ,Rezept1 Henry Fords die 60 reichsten Juden in jedem Land, die auch sämtlich Hocbgra/dfrelmaurer sind, a u f k n U p f e n. Die zweite Maßnahme ist die, daß sämtlichen Staatsmännern, die gegen ihr Land den Judenstaat vertreten haben, der Prozeß gemacht wird und sie, schuldig befunden, auch aufgehängt werden, weil sie ln dem Weltkrieg des ln alle Völker eingebauten Judenstaates, dessen Bestehen sie selbst schon oft ,amtlich* zugegeben haben, gegen alle Völker nicht die Interessen der friedensliebenden Völker, in denen sie leben, sondern die des Judenstaates gefördert, und deshalb nach dem Strafgesetzbuch aller Länder Landesverrat begangen haben. Als dritte Maßnahme sind alle ln der Weltpresse arbeitenden auswendigen und inwendigen Juden vor das Gericht der erwachten arischen Völker ln jedem Lande zu ziehen und ihnen folgende Fragen vorzuegen: 1. Warum habt ihr zum Nachteil des Weltfrieden« gelogen? 2. Warum habt ihr die Völker aufeinander gehetzt? 3. Wer hat euch dafür bezahlt? Die Schuldigen trifft die Strafe, die de*; verdient, der Millionen friedliche Menschen für völkerfelndüche nnd eigennützige Zwecke in den Tod führen will. Ebenso die ehrbaren Hintermänner in Hochfinanz, Rüstungsindustrie und Diplomatie. Dann können die Vertreter der von diesem Blutgesindel, diesem Abschaum der Menschheit befreiten Völker Zusammenkommen und gemeinsam gegen die Bestien den errungenen Weltfrieden feiern, der dann auch wirklich ,gesichert* ist. So denken sich die Judenkenner In aller Welt die planmäßige Verhinderung des ,Präventiv*WeltkriegeszurRettung der Kultur Europas1, den die geheime jüdische Obergewalt, die nunmehr bald auch mit einem offenen Juden-Parlament ,arbolten* will, nach ihren Andeutungen, Drohungen und Prophezeiungen für 1985 bis 1988 anzusetzen unternommen hat.“ Das Programm der Antisemiten in Poten Das Hauptorgan der antisemitischen Nationaldemokratischen Partei Polen«, die „Gazeta Warszawska“, gibt jetzt unter dem Titel „Tygodnlk Politiezny“ eine besondere politische Wochenausgabe heraus. Die erste Nummer ist fast vollständig antljüdischer Propaganda gewidmet. Die beiden für Polen zur Zeit wichtigsten Dinge, so heißt es in dem Leitartikel, sind: die Juden und die Wirtschaftskrise los zu werden. Die Juden sind unser größtes Unglück. Alle Nöte Polens sind die Folge der jahrhundertelangen Invasion Polens durch die Juden. Die jüngsten Forschungen haben, Der beim Purimabend des Innsbrucker B. J. F. mit großem Beifall aufgenommene hebräische Tango „Zabar" von Arthur Bauer, Jerusalem, ist in einer Ausgabe für Klavier und Gesang bei Regina Alt, Innsbruck, MüllerBtraße 9, erhältlich. Preis S 2*— einschl. Porto, gegen Nachnahme oder Vorauszahlung. erwiesen, daß es niemals ohne die Juden und ihre G cheimorganisationen zur Teilung Polens gekommen wäre, und daß das polnische Reich viel größer gewesen wäre, als es heute ist. Wenn wir eine große unabhängige Nation sein wollen, dann müssen wir uns von den Juden befreien, wie Spanien dies im 15. Jahrhundert getan hat. Das ist unsere erste historische Aufgabe. Hinaus mit den Juden! Wir müssen diese beiden Aufgaben, die Juden und die Wirtschaftskrise los zu werden, ohne Verzug lösen, denn der Tag ist nicht fern, an dem wir uns für unseren nächsten Kampf vorbereiten müssen; für die große historische Abrechnung mit Deutschland. Die große deutschfeindliche Kundgebung, die die polnische Bevölkerung von Siemiano-: wice in Polnisch-Oberschlesien als Protest' gegen die Nichtzuerkennung des öffentlich-* keitsrechtes an eine polnische höhere Schule in Beuthen veranstaltete, hat gleichzeitig auch judenfeindlichen Charakter getragen. Die Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut. Ubersee-Reisen zu günstigen Bedingungen durch Reisebüro Compaß-Tours IX., Spifalgcisse 3 Tel. B 42-5-38 Ein deutscher Phitosoph über Einstein Alois W e n z 1, Pihilosophieprofessor an der Universität München, hielt im vergangenen Jahr einen Vortrag über „Metaphysik der Physik von heute“, den nunmehr, der Medner-Verlag Leipzig, gedruckt herausgibt. Prof. Wenzl setzt sich mit den Problemen der modernen Physik auseinander, und es ist selbstverständlich, daß die Relativitätstheorie Einsteins einen wesentlichen Teil seiner Betrachtungen ausfüllt. Über die Stellungnahme zu diesem Problem sagt der Autor: „Und noch eine andere Vorbemerkung gegen Mißverständnisse. Es handelt sich bei der Relativitätstheorie nicht um eine mathema ti s ch-dn t eil ek tualis t is ch e Spielerei, die man als abwegig auf eich beruhen lassen könnte, sondern, wie der Senior der deutschen Physiker, Max Planck, dessen' Wort kraft seiner pysikalischen Lebensleistung wie seines philosophischen Sinnes besonderes Gewicht hat, einmal sagte, um einen „imposanten Aufbau von wunderbarer Harmonie und Schönheit*' und um ein Gedankengebäiude von größerem metaphysischen Tiefgang und größerer Reichweite als Einstein selbst vielleicht bewußt geworden ist, ein Gedankengebäude, an dem die Philosophie nicht Vorbeigehen kann, weil es zum mindesten weder physikalisch noch philosophisch widerlegt ist, und eine Ablehnung aus Ressentiment gegen den Schöpfer der Theorie entspräche auch nicht deutscher Art, die immer stolz gewesen ist, Sinn zu haben fiir große Leistungen des Geistes und die Verpflichtung in sich gefühlt hat, mit ihnen sich auseinanderzusetzen.“ Kaufmännische, vermögende Persönlichkeit, stattliche, repräsentable Erscheinung, Anfang vierzig (Österreicher), in größerer Stadt Süddeutschlands wohnend (zur Zeit in Wien), sucht nach außen und innen ebenbürtige, streng seriöse Partnerin zwecks Ehe baldigst konneuzulernen. Event. Übersiedlung nicht ausgeschlossen. Nur ausführliche Bildzuschriften — Vertrauen gegen Vertrauen — werden berücksichtigt. Vermittlungen aller Art unerwünscht. Unter „absolute Diskretion“ au die Adm. d. Bl.