Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 443 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 443 - 17. April 1935 DIE STIMME Seit« 5 Bad Hall •« bewährtes Jodbrombad gegen Arterienverkalkung, Rheuma, Gicht, Augen* und Frauenleiden. Skrofulöse. Kurzeit: Mitte April bis Mitte OKtober. Auskünfte: Kurdirektion und Kurkommission. fühlen. Mein Amt ist es nicht. Mein Amt ist nur, auszaisprochen, wie schön es trotz allem ist, heute als Jude zu leben, im einem Bezirk, wo menschliche Dinge von letztem "Wert geschehen. Wo wird noch um die Formung jedes Einzelnen gekämpft wie bei uns? Wo liegt noch so viele Zukunft zu gestalten als bei uns? So immer wieder vor dem Anfang stehen, so immer wieder auf die Situation unseres Daseins Antwort geben müssen, zeugt für die Kraft unseres Lebens. Die Größe unseres Volkes liegt in seinem ewigen Bemühen. Bemühen ist das Gegengewicht jener biblischen Verheißung, die zu Abraham sagte: We’eescha l’goj gadol — ich werde dich zu einem großem Volke machen ... 1^3 HOTEL BELLEVUEiw PORTSCHACH am WÖRTHERSEE Vornehmes Haus unter streng ritueller Leitung/Herrliche La je, direkt am Ste / Schöne, sonnig? Zimmer mit Fließwasser / Vorzügliche internationale Küche Volle Pension: Vor- und Nachsaison . . S 9’- Hauptsalson.. S 12 - Seebad und Garage frei / Geöffnet von MaibisOktober / Verlangen Sie Prospekte Palästina in den englischen Handelsverträgen London, 15. April. (2. T. A.) Im Unterhaus© fragte der Abgeordnete Captain Strickland den Minister für die Kolonien, ob er Verhandlungen über den Abschluß von Handelsverträgen zwischen Palästina und einer Reihe von Ländern ins Auge fassen wolle, die große Warenmengen nach Palästina exportieren, aber nur eine ganz geringfügige Menge palästinensischer Produkte beziehen. Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e L i s t e r antwortete: Jawohl. Die Be dtirfnisse Palästinas werden auch in Zukunft wie bisher sorgsamste Bea'chtung finden. Ich glaube, daß in der Praxis die am meisten zufriedenstellenden Ergebnisse im Zuge der Verhandlungen über Handelsverträge erziell werden dürfen. In derselben Sitzung fragte der Abgeord *74^7©' TAPETEN MEHODERNEGESCHMAOMDUE UBILUGE WANDBEKIEIDUNA ERHÄLTUCH DURCH JEDEN TAPEZIERER ODER DIREKT BEI DER JAWIG" A:G. WIEN I, SCHOTTENBASTE110 Wie bleibe leb Jung? färben ober ntcf)t? ftitb Sorgen, bte fogat ben 9Jiobeforgen boranfieljett, bettn toa§ ltüfct ba§ fd)önftß Äletb, ber fdpjnfte #ut, meint bte $tifur ba$u nidjt paßt Soffen @te fidj fein grauet £>aar h>acf)fen, bermenben 0te beizeiten fefjon ba§ $aatftärfung§iuaffer „(£nfrugal", ba§ ben gefdjtoädjten .fxiarttmrjetn bte bcrbroudjfen $nrbftoffe gufiifjrt, iuoburcf) bereite ergraute $aare auf natürliche SBetfe tljre urfprünglidje g'abbe Imeber erhalten. Ortginalflafcfye S 8.80, mit ^oftjufenbuitg S 9.80. 2Ipotf)efe 33 a i) c r, Sßieit, I., 3ßoID jeife 13. (Mjälfltd) in allen größeren Parfümerien, Stpotljefen mtb Drogerien. + nete R a n k i n den Kolonienminister, ob er seine Aufmerksamkeit darauf gelenkt habe, daß der japanische Import in die Mandatsgebiete Tanganajika und Palästina im Jahre 1934 gegenüber 1933 stark zugo nommen hat, während der Export aus dieseu Gebieten nach Japan unerheblich war, und ob Maßnahmen getroffen werden würden, um diese ungünstige Handelsbilanz zu ändern. Der Minister bejahte den ersten Teil der Frage und erklärte, die ganze Angelegenheit, mit der juristische und allgemeine Fragen verknüpft seien, werde zur Zeit geprüft. Die Welt, gesehen durch eine blaue Brille Zum 70. Geburtstag Luden:dorffs hat I um jeden Preis verlangen mußte; trotzdem Hitler folgende Proklamation erlassen: „Mit hat er die posthume Legende von den Gefühlen tiefer Dankbarkeit erinnert dem „jüdischen Dolchstoß von hinten“ sich das deutsche Volk der unvergänglichen Leistungen seines größten Feldherrn im Weltkrieg.“ Beide in diesem Zusammenhang genannten Faktoren dürften nicht wenig erstaunt gewesen sein: das deutsche Volk, weil es bisher dazu verhalten worden war, als größten Feldherrn des Weltkriegs Hindenburg zu schätzen, und Ludendorff, weil er von der Dankbarkeit des deutschen Volkes sehr wenig zu spüren bekommen hatte. Er hatte vielmehr das Kunststück zusammengebracht, als eine der einst repräsentativsten Gestalten der alten deutschen Armee bei dem militärfrömmsten Volk der Welt total in Vergessenheit zu geraten. Und das hat ihn ohne Zweifel um so härter getroffen, als er politischen Ehrgeiz besaß und es als grausame Tücke des Schicksals empfinden mußte, trotz seiner Ambitionen immer tiefer in den Hintergrund zu geraten, während gleichzeitig der an der Politik ganz uninteressierte Hindenburg, der am liebsten ganz im Privatleben untergetaucht wäre, auf den ersten Posten der Republik gehoben wurde. Das deutsche Volk konnte eben nicht vergessen, daß Hindenburg das geschlagene Heer pfliohfcgetreu in die Heimat zurückführte, während Ludendorff im Momente der von ihm selbst verschuldeten Katastrophe seinen Posten treulos verließ und, durch eine blaue Brille unkenntlich gemacht, nach Schweden flüchtete. Diese blaue Brille ist ihm zum Verhängnis geworden: Sie hat nicht nur — weit über das angestrebte Maß hinaus — bewirkt, daß ihn das deutsche Volk nicht mehr kannte, sondern auch sein eigenes Weltbild grotesk getrübt. Was immer er der Öffentlichkeit davon preisgab, gemahnte nur zu sehr an — blauen Dunst, in dem die reale Welt der Tatsachen für ihn unrettbar versank. Er selbst war es gewesen, der alle von Österreich ausgegangenen Bestrebungen durchkreuzt und den aussichtslosen Krieg so lange fortgesetzt hatte, bis er nicht mehr aus und ein wußte und den Waffenstillstand gegen die angeblich noch unerschütterte Kampffront am lautesten mitverbreitet und als merkwürdiges Gegenstück zu seinem berühmten Appell „an die lieben Juden in Polen“ die unsinnigsten Anklagen gegen die Juden in Deutsch land geschleudert. Dadurch geriet er in Frontgemeinschaft mit Hitler, der, gestützt auf diesen großen Strategen, den Bürgerbräuputsch von 1923 wagte. Die Riesenblamage, mit der diese Erhebung endete, schob damals jeder der beiden Führer dem andern in die Schuhe und so gerieten sie in grimmige Feindschaft. Wieder aber der modeschuh, wie er sein soll, In Blau, Braun etc., bei ihaborstrSa mußte Ludendorff die Erfahrung machen, daß sich die Niederlage nur für ihn selbst unheilvoll auswirkte, während sein Partner bald ziu neuem Aufstieg starten konnte. So wie einst Hindenburg, so kam später Hitler zur Macht im Staate, während Ludendorff mit seinem ungebändigten Ehrgeiz ins Hintertreffen geriet. Das hat ihn gegen seine beiden glücklicheren Rivalen nicht eben freundlich gestimmt. Als Hindenburg starb, war Ludendorffs Hans das einzige in Deutschland, das nicht flaggte. Und seine Gefühle gegen Hitler scheinen auch durch dessen eingangs zitierte Proklamation nicht freundlicher geworden zu sein. Das wird dem Reichskanzler gewiß sehr leid tum. Noch weiß man nicht, was den sonst nicht gerade zur Versöhnlichkeit mit alten Gegnern neigenden Osaf bewogen hat, eine Annäherung a,n Ludendorff zu suchen. Die breite Öffentlichkeit versteht nicht Wenn Raucher der Verfärbung der Zähne Vorbeugen wollen, denn hilft nur die regelmäßige, tägliche Pflege mit ODOL- Zehnpaeta. Kleine Tube S —ÄS Große Tube S t^® recht, was sich eigentlich zwischen die beiden Männer so unüberwindlich trennend stellt, falls nicht wieder Ludendorffs blaue Brille schuld ist, weil sie ihren Träger hindert, die Entwicklung des Dritten Reiches im rosigen Licht zu sehen. Sonst sind ja die beiden einig: Hitler paradiert bekanntlich in der letzten Zeit mit seiner immer wieder betonten Friedensliebe. Und siehe: Ludendorff versicherte einem seiner Geburtstagsgratulanten wörtlich: „Wenn man selbst einmal Krieg geführt hat, dann weiß man, was das bedeutet. Dann ist man vielleicht nur eines: zu friedliebend.“ Diese Friedensliebe ist natürlich, wie bei Hitler, nur außenpolitisch gemeint. Innerpolitisch ist er, genau so wie der Reichskanzler und Führer, sehr kriegslustig und auch der Gegner ist für beide derselbe: das angeblich nach der Weltherrschaft strebende Judentum. Hitler glaubt an die Weisen von Zion. Ludendorff ist konsequenter: Wozu an eine Geheim Verschwörung der Juden denken, wo doch die Welt ganz offen seit 19 Jahrhunderten der Verjudung verfallen ist. Ludendorff doziert: „Die Christenlehre ist ja nur dazu da, um dem jüdischen Volk zur Herrschaft zu verhelfen.“ Da hilft nichts: Jetzt sind wir entlarvt. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Eis hat freilich lang gedauert, denn oft blendet das Sonnenlicht das unbewehrte A>uge. Darum greift der Weise rechtzeitig zur Schutzbrille. Die blaue Brille wirkt Wunder — nicht nur für ihren Träger. Auch. die. Ganzgescheiten, die vor einem Menschenalter mit dem Wiedererwecken des mittelalterlichen Antisemitismus die christlichen Kirchen zu füllen hofften und jetzt erkennen müssen, daß sie bloß dem Heidentum zu einer unerwarteten Renaissance venholfea haben, erleben verdientermaßen ihr blauea Wunder... EPHRUSSI&CO. GEGRÜNDET 1856 Bankgeschäfte aller Art Abteilung für Wertpapiere WIEN, IX., WASAGASSE 2 Die Weitkonferenz der Wizo in Tel-Aviv Ftm üadmah Semmel begrüßt die Gäste iiiiil iiTidrüiV»^ v , i; **&***■ Die Tagung des Aktionskomitees in Jerusalem Soitolow spricht ** -.a'L \LSJZiU;.! ill flili ^4 t f; le-::«: »A* \ : ■ ß ■'1' Hü PJÜ