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Die Stimme · 1935-04-17 · Heft 443 (17.4.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 443 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sftft« 2 DIE STIMME Nr. m - n Sprit 1095 Für das Pessachdesf bsw m« mann Palästina-Mazzoth, Karmel-Weine-Kognak aus Rishon-le-Xlon, Shemen-Oliven-Salatöl und Seifen, Jaffa-Orangen-Grape Fruit und Orangeade (Asis) Qrangenblüten-Honig, sowie sämtliche Spezereiwaren und Sliwowitz riDS liefert zu sehr billigen Preisen ins Haus Samuel Halpern, Wien, II., Förstergasse 6, Tel. 46-4-112. Auch Provinzversand wrnimiiinmnniiiiirnnKriRniiiKnRiunnimiininiiiiiiiiunfniiniirniiiniRinniimiBniiimiri^ I The f 1 ASHRAI BANK Coop. Soc. Ltd. 1 I P. 0. B. 119, Telephone 963-964 § 1 (able address: „ASHRAIBANK" Tel-AVIV I 1 TEL-AVIV B 5 5 3 •mmmiimtmimmiimmmmmtimiiiimminmiiiimimmMmmiiimmniimimimrmnmmmuim 1 Ausführung slmtl. Bankgeschäfte § 1 Spezialabteilung für palästinensische s ü und ausländische WERTPAPIERE ff 1 The 1 | PALESTIHE ASHRAI BANK LTD. 1 § Hadar Hacarmel i | P. 0. B. 950, Telephone 344 m | (able address: „ASHRAIBANK" HAIFA I | HAIFA | „Jehudi“ bezeichnen, denn sie selber sind ja ..Iwrim“, Hebräer. Was ißt jüdischer Geist eigentlich? Gewiß gibt es hernte noch Menschen, die behaupten, man könne den jüdischen Geist auf eine Formel bringen. Für sie ist der jüdische Geist identisch mit dem Offenibarungisglauben und mit der Orthodoxie. Das ist eine Auffassung, gegen die sich nichts sagen läßt, gegen die sich nur feststellen läßt, daß sie schon lange ndaht mehr allen Juden zugänglich ist, und weiter, daß die Bekenner dieser . Auffassung selbst ganz offenbar nichts da- . für tun, um ein lebendiges Judentum fortausetzen. Man will das damit begründen, daß die nationale Bewegung eben ihrer mangelnden orthodoxen Haltung wegen bekämpft werden müsse. Das ißt aber eine innere Unwahrheit. Im innersten Grunde bekämpft man die nationale Bewegung, weil man sie als solche nicht will. Wir sind überzeugt, daß die Orthodoxie außerhalb der lebendigen Entwicklung steht. Unsere Gestaltung wird sich vollziehen ohne ihre Mitwirkung. Es sind zwei Wege, die siah nicht mehr treffen. Wir haben weiter das Negative festzustellen, daß wir alle in erheblichem Umfange an die Kultur Westeuropas gebunden sind. Es kann zugleich kein Zweifel darüber bestehen, daß diese europäische Kultur sich .nicht mit den Vorstei lungsänhalten des Judentums deckt. Es genügt ein Blick auf .die Vorgänge in der Welt, um zu wissen, .daß sie mitten im Bankerott ist. So 6tehen wir also vor zwei Negativen: weder bindet unß der Offenbarungsglaube unserer Religion, noch bindet uns die Kultur Europas. Bedeutet das aber, daß wir durch nicht® mehr gebunden seien? Wir sind nach wie vor gebunden durch einen beson- Call Franz-Josefs-Kai Wien, I., Franz-Josefs-Kai 45 wie alljährlich streng J-jß^ Unter Leitung des Herrn M. RAPPAPORT deren, wenn auch latenten Gestaltungs- Willen. Was hat der Jude sich als Sinn seines Gestaltungswillens vorgestellt? Der Ge- BChichtsablauf zeigt unter allen Variationen eine konstante Note: Sich selber verpflichten durch freiwillige Unterordnung unter ein ethisches Gesetz. Er will durch solches Belbßtgefundenes Dasein die Welt und alle Völker verpflichten. Er ist universalistisch vom Nationalen her. Hier steht der Gedanke an ©ine Erwähltheit aus übernommener Verpflichtung. Es ist selbstverständlich, daß mit solcher Bestimmung der jüdischen Idee allein nichts gedient ist. Wenn wir nicht bei einem literarischen Mystizismus enden wollen, wie ihn die Schüler Bubors vertreten, müssen wir prüfen, was solche Feststellungen bedeuten, wenn man sie auf die Wirklichkeit unseres Lebens in der Galuth und in Palästina überträgt. Wir sprachen von der ethischen Selbstfbindung. Daß auch andere religiöse Gemeönsohaften ethische Begriffe kennen, wird damit nicht bestritten. Aber selbst wenn zwei ethische Normen sich im Wortlaut decken, können sie aus der tragenden Gesinnung her noch verschieden sein. Es kann einer den Mord unterlassen, weil er weiß, er macht damit schlechte Erfahrungen. Oder es kann einer den Mord unterlassen, weil er im Menschen neben sich die Kreaf.; t respektiert. Es kann ferner eine Ethik bestätigt werden von Fall zu Fall, so daß letzten Endes eine. Mora.lkasuistik entsteht, oder sie kann betätigt werden aus der Übernahme eines generellen Gesetzes. In der Praxis des Alltags bedeutet ei 110 solche Konzeption die Schaffung sozialer Gerechtigkeit und die Erlösung des Menschen vom Druck des Daseins, der ihn entgeistigt. Den inneren Drang nach solchem Verhalten hat der jüdische Mensch immer verspürt. Wo immer in der Welt die Kreatur Mensch unterdrückt wurde, standen darum Juden in der vordersten Reihe der Front. Nur unsere restlose Assimilation an die politische Ideologie Europas hat es zuwege gebracht, hier eine Diskrepanz aufzureißen. Zwei Konzeptionen sind einander begegnet, die dem Wort und dem Wortlaut nach daß gleiche Ziel meinen und die durch Abgründe voneinander getrennt sind. Die eine Anschauung hat seit Jahrzehnten ihr Schlagwort. Es heißt Marxismus. Und sio hat auch schon ein System: Die materialistisch-dialektische Geschichtsauffassung. Die andere ist noch linbenannt. Wir wollen hier einen provisorischen Begriff einführen: Den Mosaism u s. Und wir wollen ebenso provisorisch das System bezeichnen als das des ethischen Idealismus. Wo verlaufen nun die Trennungswege zwischen beiden? Dct Marxismus geht vom soziologischen Faktum aus, der Mosaismus von der Idee der sozialen Gestaltung. Der Marxismus kennt eine Parole, die sich aus den sozialen Bedingungen der Welt und der Wirtschaft ableitet. Der Mosaismus kennt eine Parole, diie sich aus der idealistischen Vorstellung vom Endzustand der Welt ableitet. Der Marxismus kennt eine Mechanik, der Mosaismus kennt einen Glauben. Im Marxismus wird der Mensch gefesselt durch die Gewalt der Interessen. Im Mosaismus bindet der Mensch sich selbst durch die Gesinnung. Der Marxismus begreift aus der Verschiedenheit der Interessen die Welt als ein Gegeneinander von Klassen, die zertrümmert werden müssen. Der Mosaismus begreift aus der geforderten Gleichheit der Gesinnung die Welt als eine Gemeinschaft, die gesteigert werden muß durch die Gemeinsamkeit geistiger Zielsetzungen. Der Marxismus ist Pseudowissenschaft. Der Mosaismus ist Religion. Der Raum des Marxismus ist die europäische Weit, weil dort die Dinge trotz allem nach seinen Gesetzen ablaufen. Der Raum des Mosaismus ist das Judentum, weil dort die Dinge nach seinen Gesetzen ablaufen sollen. Das Bekenntnis zu solchen Gedanken ist schon der erste Teil eines Programms: Die Abkehr von der Denkweise Europas. Es ist aber noch mehr: Es ist die Rückkehr zu den Grundbegriffen eines Denkens, wie wir es aus dem bisherigen Ablauf unserer Geschichte ableiten können. So wenig es heute eine jüdische Kultur gibt, sondern nur eine vergangene Kultur und damit Bausteine zu einer künftigen Kultur, ßo wenig gibt es heute schon eine gestaltete jüdische Wirklichkeit, sondern nur Fundamente dieser Wirklichkeit. Wenn wir nur dem äußeren Schein vertrauen wollten, so könnte er dafür sprechen, daß wir selbst an diesen Fundamenten schon gescheitert sind. Denn unseren ersten Bankerott haben wir schon erlebt. Hundert Idealismen sind nach Palästina gegangen und die Mauern zittern drüben vom Geschrei materieller Zielsetzungen. Wenn wir das aussprechen, müssen wir zugleich feststellen: Nicht einen Augenblick wollen und dürfen wir das Maß von aufopfernder Arbeit vergessen, das drüben geleistet worden ist. Wenn der Begriff Heldentum in der Welt überhaupt noch einen Klang hat, so kann er nicht entnommen werden aus dem Bezirk des deutschen Geistes. Die heldischen Leistungen der Gegenwart liegen in den Händen einiger weniger Wissenschaftler, die ihr Leben für den Fortschrift der Erkenntnis einsetzen, in den Händen weniger Aufrechter, die im politischen Kampfe heute noch ihre reine Gesinnung aufrecht erholten, und in den Händen jener Chaluzim, Schomrim und Poa- 1 i m, die in Palästina Sümpfe austrockneten, Felder entsteinten, gegen die Araber und gegen die Malaria gekämpft haben und die alte Idee von der jüdischen Produktivität und der gläubigen Arbeit wunderbar gerechtfertigt haben. Aber über all dieser Schönheit liegt ein Schatten. Unser Aninarsch, der den Begriff des nationalen Heims verwirklichen soll, liat kaum erst begonnen. Und doch lebt das Land schon in einem Fieberzustand. Über den Grund des Idealismus lagern sich die Interessenkämpfe und IdeologienEuropas, und wir können uns nicht dazu entschließen, einer solchen Entwicklung eine spezifisch jüdische Note zuzuerkennen. Das können andere Völker auch. Dafür brauchen wir weder den Begriff Palästina noch den Begriff des nationalen Aufbaus, noch überhaupt einen jüdischen Begriff zu bemühen. Das ist nicht unser Ziel gewesen und soll nicht unser Ziel werden. Solange wir noch an diesen Aufbau mit Begriffen Herangehen, die wir aus dem Bezirk der jüdischen Vergangenheit ableiten, so lange hat dieses Stadium des Aufbaus kein jüdisches Gesicht. In einer solchen Feststellung liegt aber nichts an Resignation und nichts an Pessimismus. Wir sind heute im Übergang von der Theorie zur Wirklichkeit unseres Daseins. Kein Wunder, daß da die Dinge eich hart im Räume stoßen. Wenn wir sagen, daß wir an diesen ersten zögernden Schritten in der spontanen Gestaltung unseres neuen Daseins gescheitert sind, so stehen wir damit zugleich wieder vor einer rhythmischen Gliederung, in dem schöpferischen Kreiß von Bemühen und Versagen. Das ist ja das Bild unserer Geschichte, daß wir von einer Idee aus die Wirklichkeit anpacken, daß wir in der Verwirklichung immer wieder von neuem Niederlagen erleben, und daß wir aus solchen Niederlagen immer wieder mit unverminderter Kraft aurückkehren zur Idee, um ihr den Durchbruch in die Wirkliclikeit zu geben. Überall sonst in der Welt läßt sich jede soziologische Situation aus irgend einer soziologischen Konstellation rechtfertigen. Im Judentum läßt sich die verfehlte, die unbefriedigte, die ungerechte Situation nicht rechtfertigen und nicht entschuldigen. Da uns die Möglichkeit der Erkenntnis offensteht und das ethische Gesetz Im Judentum von jedem, der es wahrhaft will, verwirklicht werden kann, ist jode ungerechte, jede ethisch nicht vertretbare Situation Sünde schlechthin. Was bedeutet es nun, daß wir solche Grundbegriffe des jüdischen Geistes in unserer Welt und in der Welt drüben verwirklichen wollen? Es bedeutet zunächst einmal eine seharfo Abgrenzung gegen diejenigen Begriffe, die einige Juden noch aus dem Bankerott Europas hinüber gerettet haben: Dio Begriffe Staat und Politik. Der Begriff Staat ist in der Umwelt immer schwankend gewesen. In der Geschichte des Judentums und des jüdischen Geistes liegt eine fast einheitlich durchgehende Grundkonzeption vor. Der Staat deckt sich ln den Anfängen mit dem Begriff der Gemeinschaft und dieser Volksbegriff wird vor allem Anfang an nicht durch irgend eine Machtvorstellung umschrieben und dient keineswegs zur Erfüllung Hans Verwaltungen ReparaturkreditefZinsvorschUsse Anu. Verkaufe KonLBüro Oskar Deutsch Belehnungen Wien, X., Favoritenstraße 95, Tel. R12-606 von Machtfunktionen, sondern nur als def Sammelbegriff für Menschen gleicher geD stiger Richtung. Die Volksauffass u n g, insbesondere wie sie die Pharisäer vertraten, hat sich im Prinzip durchgesetzt. Man wollte den sinnerfüllten Staat, nicht den mechanischen Staat. Und heute will man wieder die Mechanik. I11 der Praxis der Ideologen, die diesen mechanischen Staat woLlon, steht der Gedanke einer besonderen Politik a.n vorderster Stelle. Aber zu unserer politischen Begabung muß einmal etwas Grundsätzliches gesagt werden. Uns fehlen die geistigen Voraussetzungen der üblichen Politik. Als Volk liegt uns Politik nicht. Politik ist das Konzessionsgebiet der Machtsphäron. Wir haben es vorwiegend mit den Efkenntmissphären gehalten. Wir sind jeweils in unsere Erkenntnisse verliebt. Darum können wir nicht paktieren. Wir sind sogar in das Wort so verliebt, daß wir es nicht einmal variieren mögen. Da jeder von uns mit einem Wunschbild lebt, meistert keiner die Wirklichkeit durch das kluge und diplomatische Verhalten, sondern nur durch das besinnungslose Festhalten an dem Wunschbild. Darum kann es uns geschehen, daß ein klügerer Partner uns einen Teil der Wirklichkeit nach dem an- Blaseflleidenden qveWaite* Südlich wSrmstens empfohlen r Sauec&vuttn deren aus der Hand windet. Es ist eine Glückschance des Geschicks, ob es anders ausläuft. Wir können diese Chance nur unterstützen durch die Schaffung von Wirklichkeiten, die in sich selbst Bestand haben* Landbesitz, Bauerntum, Arbeiterschaft, durch Brunnen, durch Schulen, und vor allem durch eine einheitliche Wiillensbdldung, die dem politischen Gegenspieler nicht immer wieder die Möglichkeit gibt, sich in den Lücken unserer Einheit festzusetzen. Um diesem offenbaren Dilemma zu enti gehen, ruft man heute nach dem Führer* Man sollte lieber nach der Gemeinsamkeit der W illens bil düng und der Idee, rufen. Denn ein Führer entsteht etfst aus dem Druck der gehäuften und gleichgerichteten Energien. Aber selbßt dann noch gilbt es zwei grundverschiedene Typen von Führern. Der eine wirft sich mit einer Idee oder einem Ressentiment oder einem Haß zum Tyrannen der Masse auf. Der andere macht sich zum Diener einer Gemeinschaft. Was wir heute also brauchen, ist nicht der Staat, nicht die Politik und nicht der Führer, sondern das gelebte Beispiel von der Verwirklichung einer Gemeinschaft. Die Gemeinschaft wird weder hier noch drüben entstehen, wenn nicht zuvor der Kampf um den Sinn der Gemeinschaft ausgekämpft wird. Wir müssen einen Kern von Menschen erziehen, der sich mit der Gläubigkeit einer Urgemeinde zu alledem bekennt, was heute von der jüdischen Vergangenheit noch gegenwärtig und erlebnisfähig gemacht werden kann. Dieser Kern kann die heterogensten Menschen in sich vereinigen. Nur ein einziger hat darin nicht Platz: der Ideenlose, der Egoist, der Geldsklave. Wenn solcher Kern von Menschen sich zusammeuflndet, dann werden wir am Anfang dessen stehen, was uns als stärkstes erzieherisches Element noch drüben mangelt: Einer öffentlichen Meinung, die stark genug ist, den Verächtlichen zu brandmarken und den Schwachen zu erziehen. Wir erzeugen ein Land, dessen Basis der arbeitende, der Werte erzeugende Mensch ist nur aus solchem Glauben an die Gerechtigkeit. Was ethisch gut ist, ist auch sozial vertretbar. Was sozial vertretbar sein soll, muß auch ethisch fundiert sein. Das Ist das Grundrezept. Alles andere ist Technik der Ausführung. Diese Ausführung ist Sache derer, die sich als die Praktiker unseres Aufbaues berufen Die bestrenommierte orth. Feinwurstu. Selthwarenerzeugung EISEN&HÖNIGSBER INHABER: I. EISEN bringt auch für |7DB Ihre Spezialitäten. Zu haben in allen Ihren Filialen. Fabrik und Postversand: Wien, III., Rabengasie 13, Telephon Nr. U 14-1-68

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