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Die Stimme · 1935-04-17 · Heft 443 (17.4.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 443 (17.4.1935)
Date
1935-04-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 20 g Heute 16 Seiten stark V. b. b. Donnerstag, 2. Mai HERZLFEIER im Großen Musikvereinssaal Es spricht: Dr. Josef Kastein 4^- fs&y- JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 443 | Wien, 17* April 1935 | Redaktion und Administration. Wien, Mare-Aurel-StraBs 6. Tel.: U 22-3-91 .ledaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. DER WEG HACH EREZ ISRAEL führt über die PALÄSTINA-EILLINIE des LLOYD TRIESTINO T RI E S T—J AFF A-HAIFA nur S 250*— in der ausgezeichneten louristenklasse in zwei oder vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Schiffe .GALILEA', .GERUSALEMME', .PALESTINA* (je 12 500 Tonnen Deplacement) Verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außer* dem dichter Verkehr via Ägypten und via Athen- Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer Für Reisegesellschaften Sonderpreise Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6. Tel. U 47-5-60 (14. Nissan 5695) | 8. Jahrgang Dr* Josef Kastein: Die nächste „Stimme“ erscheint am Freitag, den 26. d. Der Geist der jüdischen Wirklichkeit 8000 Zertifikate Jerusalem, 15. April. (Z. T. A.) Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, hat soeben bestimmt daß der Jewish Agency als Arbeiter - Einwanderungs - Sehed u 1 e für das laufende Halbjahr April-Oktober 1935 8000 Zertifikate gewährt werden. Die neue Schedule ist die höchste in den letzten zehn Jahren, seitdem regelmäßig Seheduien festgesetzt werden. VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 Palästinas Budgetübersdiuß: 4'/, . Pfund Jerusalem, 15. April. (2. T. A.) Wie offiziell mitgeteilt wird, betrug Ende Februar 1935 der Budgetüberschuß der Palästinaregierung 4,494.433 Pfund. Der Gesamtnotenumlauf in Palästina betrug Ende März 1935 5,326.228 Pfund. | Für unsere Leser nur: . . Neudegger Fahrschulen Wien, VIII , Neudeggerg. 18 Tel. B 46,5-72 und Inzersdorf (Nieder-Österreich) Prüfüngserleichterung durch:.!! Laufendes Auto im Lehrsaal!! Kein füdischer Sportler geht zur Olympiade nach Berlin Jerusalem, 15. April. (2. T. A.) Der M a k k a b i-W eltverband untersagte allen in den Makkabiverbänden organisierten Sportlern die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen und an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Allwöchentliche Fahrten nach Dalajjctinja mit den Luxusschiffon der italie niBchen Linien, billigste Preist pSnSmbmSS Günstige Arrangements. Auskunft und Anmeldungen: Reisebüro Central Direktor Otto Herman, Wien, I., Stubenring i Tel. R 27-2-22, gegenüber dem Kriegsministeriiui Ein Volk, das seit Jahrhunderten ohne eigenen Raum lebt, ißt darauf angewiesen, sieh im niohteigenen Raum zurechtzufinden. Will es dabei auf die Gesetze seines eigenen Herkommens nicht verzichten, so ist es gezwungen, immer von neuem nach seinem eigenen Inhalt zu fragen. Das mag eine Angelegenheit der geistigen Spielfreude sein in ruhigen Zeiten. Das wird eine Frage der nackten Lebensnotwendigkeit, wenn Sein oder Nichtsein auf dem Spiele steht. Hatten wir früher nur unsere Probleme au bedenken, so haben wir jetzt unsere Wirklichkeit zu bedenken. Das kann produktiv nur so geschehen, daß wir mit unserem Denken ganz von neuem beginnen, indem wir Anschluß suchen an die Gedankemketten, die, im bisherigen Ablauf unserer Geschichte sichtbar wurden. Das ist schwer. Denn hier müssen Träume zu Grabe getragen werden. Hier muß durch einen Raum der Einsamkeit gegangen werden, durch jene Zwischensphäre, in der die Welt der anderen uns nicht mehr aufnimmt und unsere eigene Welt uns noch nicht die Tore geöffnet hat. In solcher Zeit, in der die Emanzipation der Juden in der Welt sich ihrem Zusammenbruch nähert, müssen wir uns bereitmachen, uns von der Welt zu emanzipieren. Wir stehen vor einer neuen Autoemanzipation. Ihr Sinn ist die Loslösung vom geistigen Einfluß der Welt, das Rückkehren zu eigenen Kategorien des Denkens. Wir haben uns unabhängig zu machen von der Problematik der Umwelt, und wir haben uns uninterssiert zu erklären an ihrem Tun, soweit es uns als Juden eigenen geistigen Bewußtseins nicht trifft. Das soll kein Hinweis darauf sein, daß wir auf irgend welche Rechte verzichten dürfen, die uns die Umwelt unbedingt schuldet. Aber das ist ein Hinweis darauf, daß wir aus Gründen der inneren Kräftesammlung auf gewisse Positionen in der umgebenden Welt praktisch Verzicht zu leisten haben. Wir dürfen nur solche Positionen in der Welt verteidigen, die im primitivsten Sinne für uns lebenswichtig sind. Diese Uninteressiertheit bedeutet nicht Interesselosigkeit. Wen ginge es mehr an als uns, daß beute das menschliche Schicksal von Millionen auf der Waage des großen Egoismus mit gefälschten Gewichten gewogen wird? Aber da uns das Schicksal immer zwischen Hammer und Ambos geworfen hat, ist alles, was wir rufen, vergeblich. Es vermindert sich auch mit jedem Tag unsere reale Substanz und damit die letzte Möglichkeit, daß wir je etwas in die Welt hinointragen können. Aber wenn auch hier einer rücksichtslosen Beschränkung auf uns selbst das Wort gerodet wird, so bedeu¬ ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure HSuserverwaltungen/ Geldbeschaffungen wmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm und Reparaturkredite kulantest nur durch aas behördlich konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwaltungsbüro Tel. A 48-9-22 Sensal R. TAUBMANN Wien/ II./ Nordpolstraße 2/3 tet das noch nicht, daß wir auf eine Bemühung um die Gestaltung des Weltbildes Verzicht leisten wollen. Wir sind und bleiben die Imperialisten einer schöpferischen Idee: Des Friedens, der Gerechtigkeit und der geistigen und seelischen Erhöhung der Kreatur Mensch. Wenn ein Jude sich früher mit der Welt seiner Geistigkeit befaßte, hatte er nur einen Raum: Die Galuth. Heute hat er zwei Räume: Die Länder der Diaspora und Palästina. Gewiß haben wir im Judentum heute noch Unentwegte, die glauben, man könnte die Tatsache Palästina dadurch beseitigen, daß man sie negiert oder ignoriert. Man muß nachsichtig mit ihnen seim Vielleicht empfinden sie nichts von der grenzenlosen Vereinsamung, in der ein Jude leben muß, wenn er nicht in den Reihen der Semigen steht, sondern' in irgend einer Umwelt, die ihn duldet und gerade durch diese Duldung zutiefst erniedrigt. Auch das Erlebnis der jüdischen Würde will einmal erfahren sein. Es gibt mehr als einen Weg, zu dieser Würde zu kommen. Der nächste und breiteste Weg ist der unserer Geschichte. Geschichte allein hebt unsere Isolierung auf. Geschichte gliedert uns in die Kette der Jahrhunderte ein und macht unsere flüchtige Gegenwart zu einer wesentlichen Etappe im Ablauf des Geschehens. Niemand kann bestreiten, daß unser geschichtlicher Strom heute wieder fließt und neben dem Bezirk der Zerstreuung das neue Zentrum geschaffen hat. Wir wissen, daß das eine Zweiteilung der äußeren Welten bedeutet, in der wir leben. Aber ein solcher Zwiespalt ist nur einer, der den einzelnen betrifft. Die Idee unserer Geschichte und unseres Volkes wird dadurch nicht berührt. Das will sagen: Für die Wirklichkeit des jüdischen Geistes mag es die Zweiteilung der äußeren Welt geben, aber nicht die Zweiteilung der inneren Welt. Wenn es überhaupt so etwas gibt wie den spezifischen Geist eines Volkes, dann kann es unter allen äußeren Bedingungen nur immer einen und denselben Geist, ein und dasselbe geistige Gesetz geben. Wenn es eine Idee des Judentums gibt, so muß sie überall gelten. Sonst verneint sie sich in sich selbst. Wir sind ja nicht nach Palästina gegangen, um dort ein neues Judentum zu erfinden, das seinen geistigen Gehalt aus dem Zufall der wirtschaftlichen Entwicklung bezieht, sondern um ein Judentum zu realisieren, das schon vorher bestand. Wenn wir für diese Behauptung einen Beweis nötig haben, so könnten wir ihn führen aus der Ideologie einer bestimmten Partei ira Zionismus, die die Verbringung großer Menschenmassen nach Palästina als die Grundlage der nationalen Bewegung begreift und die mit der Mechanik dieser Massen. die jüdische Gemeinschaft aufbauen will. Nun, es ist heute so, daß die kühnsten Forderungen dieser Ideologen übertroffen sind. Das Ergebnis dieser Zahl ist eine furchtbare gedstdg^ Krise. Nicht einen Kalle iMM Bill 1835 Billiger Kur- und Erholungsaufenthalt in der Kur- und Wasserheilanstalt Prot. Dr. Wlnternltz in Kaltenleutgeben. Chefarzt Prot. Dr. Alois Strasser 20. April bis 22. April 3 volle Tage S 54*— 20. April bis 28. April 0 volle Tage S 160-— Vorstehende Preise enthalten Unterkunft und Verpflegung (fünf Mahlzeiten) einschließlich ärztlicher Behandlung,. Bäder, Trinkgelder und aller Abgaben; beim 9-Tage-Arrangement auch eventuelle Kur eingeschlossen. Spezialübereinkommen bei längerem Aufenthalt. Anmeldung und Auskünfte: Lebensverslcherungsgesellschatt Pbßnlx, Abteilung für Fremdenverkehr, Wien, I., WallnerstraBe 8a. Telephon U 25-3-32 „Irut“ Reisebüro, Wien, I., Karlsplatz 2, Ecke Kärntnerstraße. Telephon U 44-5-70 Augenblick wollen wir die bittere Lehre ver- gessen, daß die Zahl an sich noch gar. nichts für die Zukunft bedeutet, daß der Mechanismus und das Mechanische solcher Zahlen noch nichts an jüdischem Geist verwirklicht. Stände uns heute die Wahl offen zwischen der nackten Zahl und zwischen der Qualität der Menschen, man dürfte keinen Augenblick zögern, sich für die Qualität und die Gesinnung zu entscheiden. So können und dürfen wir niemals zu*»1 geben, daß der Geist des Judentums ein verschiedener sei für die Zerstreuung' und'’ für Palästina. Verschieden ist nur die Metho-f dik. Wir hier in der Galuth gehen aus von' den Problemen unseres Judeseins und zielen auf eine Wirklichkeit hin. In Palästina ' ist' der Ausgangspunkt dtie Wirklichkeit selbst. Drüben kommt alles darauf an, daß die Folgen unserer anormalen Lebensweise in der Galuth so bald wie möglich verschwinden. Aber niemals kann das für uns Selbstzweck sein. In dem Augenblick, in dem wir wieder soziologisch normal werden, müssen wir wieder anormal werden, müssen wir wieder das alte Amt und die alte Last auf uns nehmen, das Dasein von innen her zu gestalten. Selbst wenn das nicht eine prinzipielle.- geistige Forderung wäre, müßte es eine For-: derung der Praxis sein, denn wir wissen doch heute alle, daß nicht die weiteste Ent- ■ Wicklung Palästinas die Diaspora zum Verschwinden bringen kann. Wenn wir uns nicht den grotesken Fall vorstellen wollen, daß ein Palästina entsteht, das nichts mehr von den Juden in der Zerstreuung weiß, muß in die Problematik Palästinas das Problem der Galuth notwendig aufgenommen werden. Das erscheint eine Selbstverständlichkeit, und doch sehen wir heute etwas Sonderbares: So wie wir Mer in der Galuth eine immer noch bestehende Pa.lästinafr emdbeit bekämpfen müssen, so muß heute schon in den Kwuzoth und den alten dörflichen Siedlungen eine Galuthfremdhedt bekämpft werden. Da wächst eine Generation heran, deren Wesen ihr Palästmensertum ist, für die der Jude, der neu ins Land kommt, ein Fremder ist, Kinder, die einen ostjüdisch gekleideten Menschen mit erregten Zurufen als 5, pezialverkehr nach Palästina Gütertransporte, Llftvans, Übersledlungen Ullmann, Rink 8t Co. Wien 1/ Kurrentg. 12 Tel. U 22254 4947

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