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Die Stimme · 1935-04-12 · Heft 442 (12.4.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 442 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 442 — 12. April DIE STIMME Seite 5 Bad Hall ."" bewährtes Jodbrombad gegen Arterienverkalkung/ Rheuma/ Gicht/ Augen- und Frauenleiden. Skrofulöse. Kurzelt: Mitte April bis Mitte Oktober* Auskünfte: Kurdfrektion und Kurkommlsslon. rangen und -Absehlaohtungcn haben Entsetzen hervorgerufen, Vor zwei Wochen verschwand der Schüler II ans Ne umann au« Schwerin. Wenige Tage später fand man «einen schrecklich verstümmelten Leichnam in einem Waide nahe der Stadt. Eine Woche später verschwand der e 1 fj il L r i g e Heinz Z i rn m e r mi u n n und wurde nach vier Tagen mit denselben Verstümmelungen in einem Straßengraben tot anfgefunden. Vor wenigen Tagen verschwand aus Wittenberg an der Elbe der a e h t. j ä h r i g e S e li i'i 1er T h o m a s auf dem Wege vom Elternhaus zur Schule. Abends wurde «ein Leichnam im Stadtpark gefunden. Nicht alle Leichen der bisher verschwundenen siebzehn Knaben sind wieder gefunden worden. Einige dürften auf dem Grunde des Schweriner Sees ruhen. Wie der Gewährsmann des „Pariser Tageblatt“ meldet, bat die Schweriner Polizei jetzt einen 65jährigen Uhrmacher namens Adolf S e e f e 1 d, einen Arier, verhaftet, der angeblich die letzten sechs Morde auf dem Gewissen halben soll. Die Bevölkerung aber hegt einen anderen Verdacht. Sie hält für den antisemitischen Lustmörder einen e h e m a 1 i g e n St a h 1 h e 1 m f ii fo r e r in am e n s M ia x L a ß. Dieser war im Jänner 1932 wegen Blutschande au seinen eigenen Töchtern zu 4 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehr Verlust, verurteilt worden. Nach Hitlers Machtübernahme kam er frei. Mit dem Augenblick seiner Entlassung ans dem Gefängnis begann das geheimnisvolle Verschwinden der Knaben. Maturaschule „Universum" Wien, IX./ Garnisongasse Nr. 3 Telephon A 20-4-48 Das Statt der Jüdischen Gemeinden des Rheintandes verboten Die Geheime Staatspolizei Köln teilt mit: Das Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden im Rheinland und Westfalen wurde mit sofortiger Wirkung bis ziun 81. Mai 1935 einschließlich verboten. Treffpunkt zu den Sederabenden am 17. un d 18. April 1935, unter Leitung eines bewährten Kantors im ‘lüD Restaurant W. Spritzer, II., Hammerpurgstallgasse 7 (1 Minute von Dianabad). Zur Verabreichung gelangen erstklassige Oster-Spezialitäten zu zeitgem. Preisen. Ausschank von nur Original Palästina- Weinen. Tischbestellungen werden erbeten. Telephon A 45-5-42. Ihn Saud über seine Beziehungen zu Palästina Jerusalem, 8. April. (Z. T. A.) Laut „Davar“ hat der König des Neschd und des Hodscha*, Ihn Saud, beim Empfang von Journalisten unter anderem erklärt: „Ich wünsche Palästina viel Glück und alles Gute, denn es ist ein arabisches Land und beherbergt den dritten hei I ig e n T e m p e 1. Wer den Arabern Gutes erweist, der erweist mir Gutes, und wer den Arabern Böses tut, tut mir Böses. Das Unglück der Araber entspringt ihrer eigenen inneren Schwäche “ Antijüdische Hetzptahate in Paris Paris, 8. April. (2. T. A.) Die antisemitische, sogenannte Frank i- Rton-Organisation hat in den Straßen von Paris Plakate anibringen lassen, auf denen die Karikatur eines jüdischen Bankiers zu sehen ist; darunter ist die Aufschrift zu lesen: „Für das Vaterland sterben, ja, du Hund! Aber für die jüdische internationale Finanz — niemals!“ — Die Erankißton-Organisafcion gehört bekanntlich dem von Alfred Rose uh erg geschaffenen und unter deutscher Führung stehenden Internationalen A n t i s e ui itenfeumd an« Ridion-Ie-Zion Auf diesem Namen beruhen Weltruf und Güfe der Palästina-Weine. Achten Sie deshalb auf die Etikettenbezeichnung Ridion-Ic-Zion \ . I f(,v ' '> <} *18«! **<> fi&fcto. <*»*■ AUTOR. ALLEINVERKAUF: GUSTAV WILDER WIEN, IV., RAINERGASSE 3I TEL. U 42-4-84 £ric/> Gottgeireu; Tel-Aviv, 2. April. Menschenmengen schwärmten durch die Straßen Tel-Avivs. Als es Mittag wurde, bekam der Schwarm seine Richtung, die Richtung nach der überturmten Messehallenstadt an der Yarkonmiindung, hinter der sich das große Sportfeld breitet. Wie ein rotbrauner Teppich ist das Stadion in das vielfarbige Landschaftsbild verwirkt. Schwarz umkreist eine Aschenbahn das Rotbraun, geheimnisvoll weiße Linien, wie „von Nostradamus eigener Hand“ gezogen, überkreuzen und überkrümmen es, dem Sportkenncr sind sie Lektüre. Aber diesen großen Tag, d e n ersten der Zweitem M akk abiade, genießt das ganze Volk, alcso freuen auch wir Dilettanten des Laufens und Boxens uns seiner, wir Hanswurste des Springens und Fechtens, wir Narren des Ringkampfs. Haben wir nicht Augen? Sehen wir nicht das herrliche Bild, das ihnen am Ufer des Mittelmeers, am Rande der jüdischen Stadt, heute zu trinken gegeben wird? Von der See her, die gischtspritzig ans Ufer rauscht, wellt der Wind dichte Wolkenfotzen ans Ufer, zu würdigen Wappen formen sie sich über uns. So entbietet die Natur ihren Gruß. Auch in die aufgepflanzten Fahnen, so vieler Nationen Fahnen, fegt der salzige Atem, entfaltet sie, läßt flattern sie, gibt so die Liste der Länder zu lesen, die Gäste entsandten. Und Vielvieltausende sind’s jetzt schon, die, neugierig auf jene, die schwarz-rot-braune Sportlandschaft umwarten, endlos wogt’s weiter von der Stadt her, zu schmal sind die Straßen, zu eng die Wege, die Tore zu klein. Kopf an Kopf das Harren, die Spannung. An 1 den Kurven hiigelt sich die Menschemvand, und unterm Dach der Tribüne wird sie ein schwarzer Berg. Von hier aus blickt man nicht allein über die braune makkabäische Kampffläche und über die Menschenkette, die sie umkränzt wie Lorbeer eine bronzene Tafel der Ehre, sondern in den Rahmen unserer Sicht gelangt auch das Meer, das am Horizonte Seglerspitzen nadeln, gelbe Dünenwüste, durch die Kamele frachtbelastet trotten, und frisches, grünes Land, das unsere Nahrung trägt, Getreide, Gemüse, auch Früchte. Da lugen die roten Dächer einer jüdischen Kolonie, dahinter steht noch eine und noch eine und noch eine. So lächelt der Frieden in die Aufgeregtheit unseres sportheißen Tages, in das Fieber unseres Fiihlens. Es wird nicht enttäuscht. Denn jetzt, da es drei Uhr ist, durchschreiten das Tor, durch das hindurch wir in der Ferne die erste Kolonie sahen, die Makkabäer des zwanzigsten Jahrhundert«: viieltausend sportgestählte junge Menschen. Stramm ist der Schritt, leicht der Tritt, und lustig flattern die Fahnen. Jede, welch prächtig gewebte, gestickte ist unter ihnen, führt die Mannschaft eines Landes an, Österreich bildet die Spitze. Hübsch sehen die Österreicher aus unter ihren weichen Strohhüten, man muß es ihnen lassen. Auch die Engländer tragen Strohhüte, aber härtere und steife, — so unterscheidet sieh dieses Volk von jenem, und auf seine Juden fällt ein Schein des offiziellen Volks Charak ters ab. Deutschland, Tschechoslowakei, Amerika, Bulgarien, Danzig, Schweden, Türkei, Griechenland — der jüdischen Sportler Parade .spielt des Erdballs vielstimmiges Lied. Die sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassigaltrenommierten llas Reste vom Guten SCHMIDL-MAZZOTH welche unter streng orthod. Aufsicht des 13KÜ3 *‘101’’ 3*V7 Dt£D Dmnn S£''3n hergestellt werden. Die Mazzoth werden aus feinstem Mehl erzeugt I Seit vielen Jahren genießen die „S c h m i d I - M a z z o t h“ das beste Renommee und werden von allen bevorzugt. Auf die Extraqualität meiner Fabrikate „Marke Schmidt N. B." auf Mazzoth, Grieß und Farvel wird besonders aufmerksam gemacht. Audi beim Kauf von Mazzoth-Grieß wahren Sie Ihr eigenes Interesse und verlangen Sie aussdiließlich Schmidl-Mazzoth-Grieß. ZENTRALE: N. BROPETZKY, II. LEOPOLPSG.43 Telephon Nr. t A 40-0-90, A 60-2-63 und A 48-4-48 Schon Kinder sollen die Zähne mit O DOL« Zahnpasta pflegen. ODOL-Zahnpasta erhält die Zähne schön und gesund Kleine Tube S — 90 Große Tube S 1.40 Bulgaren sind schwarz-weiß gekleidet, grünweiß die Südafrikaner, sonst ist fast alles auf Blau und Weiß gestimmt. Barhäuptig gehen die Schweden, Käppis tragen die Türken. So viel Makkabäer kann Jugoslawien schicken, wer hätte das gedacht? Und so junge Menschen machen aus Lettland die Reise zu uns?, Frankreich fehlt nicht, Polen, Syrien, Dänemark, die Schweiz. Erez Israel marschiertkolonien-undstadtweise a u f. Man muß die Verbände der Kolonien zuerst nennen; wie groß ist beispielsweise der von Petaoh-Tikwaih, er hat sogar eine eigene Kapelle, die tönenden Quellen des immer bunter, belebter werdenden Sportlands noch kräftig ergänzend. Den Beschluß des von Fahnen geführten, musikalisch begleiteten Aufmarschs bildet „Makkabi Haznir“, der Jugemd-Makka-bi. Die ganz Kleinen fallen aus der würdevollen Rolle, sie winken auf die Tribünen hinauf, auf denen Vater und Mutter sitzen und stolz sind. Und was sind die Gründe der tiefen Freude der andern? Gewiß, die Augen halben ihr Entzücken, prachtvoll ist das Bild des sportlichen Zuges, der ästhetischen Ordnung, der sinnvollen Disziplin, edel auch das Gemälde des Hintergrunds von Land und Meer. Aber dies allein macht uns noch nicht so froh« Was aber ist es? Ist es dies, zu wissen, was für gute Kämpfer diese da unten sind? Man sah sie ja hier und da schon vereinzelt boxen und ringen, laufen und springen, fechten und schwimmen, den Diskus werfen, den Fußball stoßen, turnen natürlich auch; und hat man das blaue, mit einem roten Magen Da- O BEIM SEDER? Im ivd Restaurant Stefanie (vorm. Operer), Wien, II., Taborstr. 12, finden am 17. und 18. April 1935 feierliche Scderabende statt Vorzügliche Pessachspeisen ä la carte und reichhaltige Pessachmenus. Karmel- und Palästinaweine in Flaschen und offen. Anmeldungen: Telephon R 46-5-57 .. ' "" ' ■-, ■!■■■■■ ■■■.Hi"— »■ vid bemalte Segelflugzeug, das unten am Strande steht und das den Flug von Jerusalem nach Tel-Aviv machen soll, nicht schon abgebildet bestaunt? Schön ist’s, daß und wie sie den Körper, bilden, hohes Lob sei der Leistung gezollt, doch ist’s auch dies nicht allein, was ans Herz uns greift. Fanfaren schallen, Lord Melchett spricht, die Hatikwah wird gesungen, die Fahne der M a k k a bia d 8 geht hoch... Da ist das große Erlebnis dieses Tages deutlich. Es ist die Gemein-: sehaft der zusammengeströmten, so viel Sprachen sprechenden, von so viel Völkern und Ländern mitgeprägten jüdischen Jugend, die diesmal nichts als froh sein will und so schöne Form der Freude fand: den Sport. Aus aller Welt kam jüdische Jugend ins jüdische Land, friedlicher Ehrgeiz umschließt sie und Freundschaft. Wie der letzte Ton der Hatikwah verklungen, läßt man vom fahnentragenden Turm eine Schar Tauben frei im Zeichen unserer Hoffnung. Der Abschluß der Makkabiade Die Makkahiah wunde am 7. April mit einer eindrucksvollen Zeremonie abgeschlossen, an der neben etwa 50.000 Zuschauern die Führer des palästinensischen Judentums und zahlreiche führende ausländische Per-

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