Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1935-04-12 · Heft 442 (12.4.1935) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 442 (12.4.1935)
Date
1935-04-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3053752-3054140-3054197--4971-3060652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 442 — 12. April DIB STIMME Seite 3 Die Tagung des Aktionskomitees Jerusalem, 8. April. (2. T. A.) Die Kommission für die Überführung der sterblichen Überreste Herzls nach Palästina beschloß einstimmig, die Beisetzung in Jerusalem zu empfehlen. Das Plenum des Aktionskomitees verschob jedoch die Abstimmung betreffend die Überführung auf seine nächste, noch vor dem Kongreß abzuhaltende Tagung in dem Wunsche, in dieser Frage einen einmül igen Beschluß herbeizuführen. In der Bankkommission wurde ein Bericht über die Tätigkeit der Anglo Palestine Bank erstattet, aus dem hervorging, daß die Bank im Jahre 1934 einen Umsatz von 170 Millionen Pfund erzielt hat. Im Plenum wurde über ein Budget von 329.000 Pfund verhandelt. In dieser Summe sind 6000 Pfund als Einkommen der Palästina-Ämter für die Organisierung der Arbeitereinwanderung nach Palästina enthalten. Die Debatte über die Verantwortung für die Liquidierung des Jcwish Colonial Trust infolge seiner schweren Verluste in Europa wurde zu Ende geführt. Der Berichterstatter der Bankkommiissiion, Meir Großmann, erklärte, das Institut sei infolge finanzieller Schwierigkeiten dreier Großsohuldner gefährdet gewesen. Mißbräuche seien nicht vorgekommen, sondern bloß Fahrlässigkeit bei der Erteilung einiger großer Kredite. Es bestehe die Hoffnung, daß der Colonial Trust die Verluste wieder wettmachen werde. Die Anglo Palestine Bank stehe auf durchaus fester Grundlage, alle ihre Geschäfte seien in voller Ordnung. Die Kommission habe beschlossen, ein Verbot für Mitglieder der Direktorien zu erlassen, bei den Banken Kredite aufzunehmen. Aus den Ausführungen der meisten Redner ist zu schließen, daß der Colonial Trust seine Tätigkeit wieder aufnehmen wird. Ussischkin forderte, daß der Trust seine Geschäfte auf Palästina beschränke. Die Politische Kommission verhandelte über die Araber-Frage und den Status Palästinas. Die Redner sprachen sich zum größten Teil gegen die Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion aus. 329'000‘Pfund-Budget angenommen Das Aktionskomitee nahm das vorgeschlagene Budget an. Ein Antrag der Misrachi- Fraktion, den Beitrag für religiöse Einrichtungen von 500 Pfund auf 2000 Pfund zu erhöhen, wurde mit 22 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Rabbi Meir Berlin, Vorsitzender des Welt- Misrachi, brachte seine in der Kommission bereits behandelte Interpellation, in der auf die Dringlichkeit der Frage der Sabbath- Beobachtung in Palästina hingewiesen wird, nunmehr im Plenum ein. Transferabkommen Deutschland- Palästina bleibt in Kraft Das Aktionskomitee hat mit Mehrheit die von den Revisionisten eingebrachte Resolution gegen das Transferabkommen Deutschland—Palästina abgelehnt, womit das Abkommen in Kraft bleibt. Exodus der Revisionisten Jerusalem, 9. April. (2. T. A.) Die Session des Zionistischen Aktionskomitees in Jerusalem ist in der Nacht zum 8. April mit einer Ansprache Dr. Nahum Goldmanns geschlossen worden. Der letzten Sitzung wohnten die Revisionisten nicht mehr bei, nachdem alle Versuche, im Rahmen des Aktionskomitees mit ihnen zu einer Verständigung zu gelangen, gescheitert waren. Die revisionistischen Aktionskomiteemitglieder verließen die Sitzung, nachdem ihr Sprecher eine Erklärung abgab, daß sich die Revisionisten an dem im Sommer dieses Jahres abzuhaltenden XIX. Zionistenkongreß nicht mehr beteiligen werden. Dem Exodus der Revisionisten gingen intensiv geführte Verständigungsverhandlungen voran. Das Aktionskomitee hatte sich eigens vertagt, um dem Misrachi und den Allgemeinen Zionisten Gelegenheit zu geben, sich über die von den Revisionisten abgegebene Erklärung schlüssig zu werden. Diese Erklärung der Revisionisten lautete dahin, daß die Revisionisten zum XIX. Kongreß nicht kommen werden, wenn man sich nicht über ein politisches Programm einigt, und daß die Revisionisten erst, wenn ein solches Programm einverständlich beschlossen ist, bereit sein werden, in der Organisation mitzuarbeiten und Disziplin zu beachten. Die Krisis trat in Erscheinung, als feststand, daß die Versuche der Allgemeinen Zionisten, eine Koalition aller Parteien auf der Basis der Disziplin zu schaffen, fehlgeschlagen sind. Die Revisionisten wollten ihre Zustimmung zu einer Koalition auf der Basis der Disziplin nicht geben, während anderseits die Arbeiterparteiler den vom Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin gemachten Vorschlag, die Disziplinfrage der Verständigungskommission zu überweisen, die auch ein gemeinsames Programm für Erweiterung der Koalition zu finden hätte, zurück- .wiesen. Am späten Abend des 7. April wurde endlich die Tagung wieder eröffnet. Die Revisionisten waren zu Beginn der Sitzung nicht zugegen. Sie berieten über eine von der revisionistischen Weitexekutive ln Paris ihnen zugesandte Erklärung. Darin werden die revisionistischen Aktionskomiteemitglieder aufgefordert, die Session zu verlassen, nachdem die Vorschläge zur Einberufung einer Round Table-Konferenz zwecks Herstellung des innerzionistischen Friedens vom Aktionskomitee zurückgewiesen worden waren. Die Exekutive der Union der Zionisten-Revisionisten hat in der gleichen Erklärung offiziell mitgeteilt, daß die Revisionisten sieb um XIX. ZionUtenkongreß nicht mehr beteiligen werden. Später erschienen die revisionistischen Aktionskomiteemitglieder in der Sitzung, gaben eine der erwähnten Haltung der Pariser Exekutive der Union entsprechende Erklärung ab und verließen die Sitzung. Vorher hatte das Aktionskomitee mit 36 Stimmen gegen 13 Stimmen der Revisio- In der Nachtsitzung nahm das Aktionskomitee eine Reihe von Resolutionen betreffend Gründung von Banken für Industrie, für Landwirtschaft und für Erteilung ländlicher Hypotheken an, wobei festgestellt wurde, daß der Einfluß der Zionistischen Exekutive auf die Geschäftsführung dieser neuen Institutionen garantiert sein müsse. Interessierte Gruppen, besonders Industrielle, werden aufgefordert werden, sich an diesen Neugründungen zu beteiligen Das Aktionskomitee beschloß, vom Einkommen aus den ländlichen Siedlungen 40% für neue Kolonisation, 40% für Häuser in Arbeitersiedlungen innerhalb der bestehenden Kolonien und 20% für Anleihen an die bestehenden Kolonien zu verwenden. Das Aktionskomitee beschloß, folgende Posten in das Budget einzustellen: 94.000 Pfund für neue Kolonisation, 66.000 Pfund für endgültige Stabilisierung der bestehenden Kolonien, 15.000 Pfund für das Kolonisationswerk der Baron Edmond de Rothschild-Gedächtnisstiftung, 10.000 Pfund für politische Arbeit (davon 6250 Pfund für Informationsdienst und verschiedene andere Zwecke), 5000 Pfund für das hebräische Kulturwerk der Bialik-Stiftung, 4000 Pfund für die Arlosoroff-Gedächtnis-Kolonie, 22.000 Pfund für SchuUenrückzahlung, 25.000 Pfund für Keren Hajessod-Verwaltung, 20.000 Pfund für Erziehungsarbeit, 1000 Pfund für religiöse Arbeit. 1000 Pfund für Propaganda. Das Aktionskomitee forderte die Regierung in einer Resolution auf, die Arbeiter- Einwanderungsschedule für die nächste Halbjahresperiode entsprechend den akuten Bedürfnissen des Landes nach neuen Arbeiterhänden zu erhöhen. Ferner wurde die Regierung ersucht, der Zionistischen Exekutive die Regelung der jüdischen Einwanderung nicht dadurch zu erschweren, daß Sonderkategorien und Unterkategorien von Einwanderern geschaffen werden. Weiters wurde die Regierung ersucht, neuerdings Zertifikate für Handwerker mit 250 Pfund Eigenkapital und für Kleinkapitalisten mit je 500 Pfund Eigenkapital außer der Reihe der Arbeiterschedule zu gewähren. Den Kleinkapitalisten soll ihr Besitz, den sie laut Pachtverträgen mit dem Jüdischen Nationaliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiitiiiitiiiiiiiiiiiimn Autogramm-Nachmittag Dr. Kasteins Dr. Josef K aß fein gibt heute, Freitag, von 4 bis 6 Uhr nachmittags Autogramme zugunsten des Keren Kajcmeth in der Bücherstube R. Löwit, Wien, L, Woll zelle 6. Die Autogramme erfolgen nur in mitgebraohte Bücher Kastei,ns. mmmmiimi™ sich auch in den Verhandlungen des Aktionskomitees widergespiegelt hat. Rutenberg sandte einen Brief an das Präsidium des Aktionskomitees, in welchem er gegen eine angeblich von Dr. Weizmann in seiner Ansprache auf der Tagung des Aktionskomitees gemachte Bemerkung protestierte. Weizmann soll bei der Besprechung der Position der Palestine Electric Corporation erklärt haben, daß wenn Rutenberg jetzt für dieses Unternehmen um Förderung bitten sollte, er keinen Finger rühren würde; auch würde er den nationalen Körperschaften nicht raten, Rutenbergs Pläne zu unterstützen. Rutenberg wies in seinem Schreiben, das im Plenum des Aktionskomitees verlesen wurde, Weizmanns Darlegungen scharf zurück und erklärte, Weizmanns Beschuldigungen gegen ihn seien grund- 1 o s, Weizmann habe auch niemals Rutenberg geholfen. Erklärungen Jabotinskys Paris, 9. April. (2. T. A.) Das Exekutivkomitee der revisionistischen Union bestätigt, daß es die revisionistischen Aktionskomiteemitglieder aus dem Aktionskomitee zurückberufen hat und erklären ließ, daß die Revisionisten am XIX. Zionistenkongreß nicht teilnehmen werden, weil alle revisionistischen Friedensangebote rücksichtslos abgelehnt wurden. Das Exekutivkomitee erklärt weiter, daß die Fragen der Schaffung einer neuen, unabhängigen, zionistischen Organisation und eines Plebiszits, das hierüber entscheiden soll, auf der am 17. April zusammentretenden Sitzung! des Exekutivkomitees im Beisein Jabotinskys zur Behandlung kommen werden. Garantier! Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das 100% reine Kokosnußfett Nur echt in Originalpackung! nisten und des Misrachi den Beschluß der Exekutive, die Di&ziplinformel auf dem Schekelformular aufdrucken zu lassen, gutgeheißen. Einige Allgemeine Zionisten aus Ostgalizien enthielten sich der Stimme. Ein Antrag des Misrachi, die Frage dem Kongreß zur Beschlußfassung zu überweisen, wurde mit 44 gegen 9 Stimmen zurückgewiesen. Die Organisationskommission des Aktionskomitees hat dem Antrag des Haschomer H a z a i r, als Sonderverband anerkannt zu werden, zugestimmt, lehnte aber den Antrag Meer Großmanns, auch die Staatszioni- 8ten als Sonderverband anzuerkennen, ab. fonds oder der PICA oder sonst im Lande haben, in das erforderliche Einwanderungskapital eingerechnet werden. In einer weiteren Resolution appellierte das Aktionskomitee an die Regierung, allen Personen, die als Touristen nacli Palästina kommen und später Arbeit im Lande finden, dauernde Aufenthaltserlaubnis zu geben. Konflikt zwischen Weizmann und Rutenberg Zwischen Dr. Weizmann und Ing. Pinchas Rutenberg ist ein Konflikt ausgebrochen, der Pressevertretern gegenüber erklärte Jabo* tinsky, die Revisionisten seien aber nach wie vor bereit, sich der Disziplin unterzuordnen, wenn die anderen Parteien sich zu einer entscheidenden politischen Offensive zwecks Öffnung der Tore Transjordaniens für jüdische Siedlung, ferner zu einer Agrarreform, zu einer durchgreifenden Sicherheit und zum ausgedehntesten Schutz der Palästina- Produktion entschließen. Werden diese Bedingungen erfüllt, so ist der Zuiamus wieder geeinigt, andernfalls werden die Re-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.