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Die Stimme · 1935-04-09 · Heft 441 (9.4.1935) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 441 (9.4.1935)
Date
1935-04-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 441 — 9. April 1935 13 Jahre Hapoe 1 HamUracM Aus Kreisen des Hapoel Hamisrachi wird uns; geschrieben: Dieser Tage feiert der Hapoel Hamisrachi seinen 13jährigen Bestand. Ans diesem Anlasse finden in der Woche vom 25. Weadar bis 2. Nissan 5695 allerorts, in Erez Israel und im Galuth, festliche Kundgebungen fitr den Grundgedanken des Hapoel Hamisrachi. „Thora wa Awodah“. statt. Der Hapoel Hamisrachi ist die größte Organisation der religiösen Arbeiterschaft. Palästinas und zählt heute etwa 6000 Mitglieder. Sein Endziel ist die Wiederaufrichtung des historischen Thora-Judenstaates, in dem auch die soziale Ethik voll und ganz zur Geltung kommt. Seine Leistungen in wirtschaftlicher und kolonisatorischer Hinsicht bestehen in der gewerkschaftlichen Interessenvertretung seiner Mitglieder, in der Gründung von Kwuzoth, Kibbuzim. Moschawoth und Stadtrandsiedlungen. Ferner hat er Darlehenskassen, Produktivgenossenschaften, Kooperativen. Arbeiterküchen und anderes ins Leben gerufen und ist neuestens im Begriffe, ein zentrales Finanzinstitut, die „Hapoel Hamisrachi-Bank“, zu gründen. Auf kulturellem Gebiete hat der Hapoel Hamisrachi durch Schaffung von Kursen, Se minaren, Errichtung von Arbeiterheimen und sonstigen Bildungsstätten für die breiten Schichten des Jischmvs Bedeutendes ge leistet. Dem Hapoel Hamisrachi fällt die histori sehe Aufgabe zu, die thoratreue Gestal tung des werdenden Judenstaates in allen Phasen seiner Entwicklung zu gewährleisten Um dieser seiner Aufgabe gerecht werden zu können, bedarf er der tatkräftigen Unterstützung aller Teile des Galutli-Judentums Aktion gegen die deutschen Kliniken anzuschließen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Agitation für diese Aktion auch auf die tschechischen Provinzkrankenkassen auszudehnen. Die Krankenkassen, die. diesen Beschluß gefaßt haben, sind die allgemeine Krankenkasse, die Gremialkrankenkasse, die der Schneiderinnen, der Zuckerbäcker und der Angestellten des Prager Elektrizitätswerkes. Tierschutz Strafen für antisemitische Propaganda in Rußland Moskau, 4. April. (Z. T. A.) Vor dem Volksgericht in Kamenetz- P o d o 1 s k (Ukraine) hatten sich 5 FabrikB arbeiter, die eine antisemitische Hetztätig keit gegen jüdische Arbeitskollegen entfalteten, zu verantworten. Das Gericht verurteilte drei Arbeiter zu je drei Jahren Kerkers und zu je weiteren drei Jahren Verhammng in Sibirien und zwei Arbeiter zu je zwei Jahren Kerkers und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf vier Jahre. Die Verurteilten wurden für lebenslänglich aus der Fabrik und aus der Berufsvereinigung ausgeschlossen. Tausende Arbeiter wohnten dem Prozeß bei und gaben ihrer Genugtuun über das Urteil Ausdruck. Die Arbeiter der Fabrik, in der die Verurteilten arbeiteten, forderten in einer Resolution die AnklageeThebung gegen die Fabriksleitung, die allzulange die antisemitische Hetzarbeit toleriert hat. Eine Folge der Affäre Cach Prag, 7. April. (2.T.A.) Der Fall des durch hakenkreuzlerische Umtriebe an der Prager deutschen chirurgischen Klinik zum Selbstmord getriebenen jüdischen Arztes Dr. Josef Gaeh führt zu einem Boykott deutscher Kliniken seitens tschechischer Krankenkassen. Dem von der Bezirkskrankenkasse in Groß-Prag angekündigten Boykott der deutschen Universitätskliniken haben sich weitere Krankenkassen angeschlossen, die in dem tschechischen Krankenkassenverband organisiert sind. Der Verband hielt Donnerstag eine Delegiertentagung ab, in der nach Berichten des Direktors Stulik und Dr. Madaras der einstimmige Beschluß gefaßt wurde, moh der von der Bezirkskrankenkasse eingeleiteten ke. an maxg&ti— ffemian sc&üfyt vo\ Joxgenf _ ü 1 teil Btraliunttihlsktlt INVALIBITXTt.RtMTIN V. Mf tfn totstem Alle» ALTSftS-BIMTia ft. In Atolebcnsfalta NIHTIMlIlBtl'tft-ftMTm Die Wiener Öffentlichkeit zeigte sich jüngst sehr beunruhigt,. Es hatten sieh hier vier Todesfälle ereignet, die dringend einer Aufklärung bedurften. Es wurden Anklagen gegen behördliche Organe laut, denen vorgeworfen wurde, daß sie aus rückständigem Festhalten an überlebten Methoden die ihnen auvertrauten Gefangenen in Käfigen einkenkern. anstatt zum modernen Freigar te «System überzugehen. Die Eingesperrten sollen den gamzen Winter in derart qualvoller Enge, in winzige Vorschläge eingepreßt, angebracht haben, daß sie sich buchstäblich nicht ordentlich imidrehen konnten. Außerdem »eien sie fast immer von schweren Seuchen bedroht gewesen. Wovon, um Gottes willen, war da die Rede? Wo gibt es in Österreich Zustände, die so bedenklich an die Schrecken der Konzentrationslager des Dritten Reiches anklingen? Handelt es sich bei der eingangs gemeldeten Protestbewegung der Wiener Gemüter etwa um eine Auflehnung gegen eine versuchte Angleichuug an Nazi-Deutschland? Will man Hitlers unbeirrbaren Ansprüchen auf Österreich mit der demonstrativen Betonung der größeren österreichischen Humanität begegnen? Nichts von alledem! Denn es handelt sich nicht um eingesperrte Menschen, sondern um gefangene Tier^, und die Rede ist nicht von irgend einer berüchtigten Straf- oder Korrektionsaustalt, sondern von der populärem Schönbrunner Menagerie. Das unglaubliche Martyrium, das widerrechtlich ihrer Freiheit beraubte Menschen in Hitler- Deutsohland seit zwei Jahnen erdulden’ müssen, fand in der Öffentlichkeit teile stumpfsinnige Gleichgültigkeit, teils sadistische Schadensfreude, die sich als Rassenmoral politisch drapierte. Dagegen versetzen angebliche Mißstände in ihrem Tiergarten die Wiener in helle Aufregung und der an sich gewiß betrübliche Einzelfad, daß ein österreichischer Kutscher ein Pferd totprügelte, weckte den entrüsteten Widerhall des auige rüttelten Weltgerwisseus. Unter den vom Wiener Tiorachutzverein gesammelten und ausgestellten Briefen, die sich mit diesem Roheitsexzeß einer österreichischen Privatperson befassen, wirkt besonders rührend die Zuschrift einer reichsdemtechen Provdnzlerin, die dem Erstaunen über den Mangel eines österreichischen Tiersohutzgesetzes Ausdruck gibt. Deutschland habe gewiß auch schwöre politische und wirtschaftliche Sorgen, trotzdem -habe es ein Tierschutzgeeetz geschaffen. Es ist wirklich erhebend, daß das Dritte Reich trotz seiner alles überragenden Sorge, immer neue Grausamkeiten gegen die Juden zu ersinnen, wenigstens die Tiere gegen ähnliche Brutalitäten schützt. Sollte in Österreich nicht dasselbe zu erreichen sein und der Haß, der sich hier gegen nicht bodenständige“ Menschen auatobt, durch erhöhte Liebe zu exotischen Tieren wirkungsvoll ausgeglichen werden? Die Verwaltung der Schönbrunner Menagerie hat sich beeilt, diese Frage zu bejahen. Sie versichert, daß ohnehin alles Mögliche geschehe, um den Tieren Leben, Gesundheit und Wohlgefühl zu erhalten« Wohl sei der frühere Leiter des Tiergartens, Dr. Antonius, abgesetzt -worden, aber nicht wegen der ihm jetzt vorgeworfenen Laienhaftigkedt in zoologischen Fragen, sondern wegen seiner politischen Gesinnung: Er gilt ale Nationalsozialist. Als solcher bekennt er sich wohl zu der Parole „Juda verreckel“, firn aber für das Verrecken eines Panthers, eines Straußes, eines Luchses, und einer Giraffe, die eingangs erwähnten vier aufklärungsbedürftigen Todesfälle, verantwortlich zu machen, ist sicherlich ungerecht. Denn nach der Darstellung der Menagerieverwaltung lat der Panther an Altersschwäche gestorben, was den Gefangenen in Hitler« Konzentrationslagern als beneidenswerter Glücksrad erscheinen muß. Der Strauß wurde daß Opfer eine« Fehltritts bei der Verfolgung eineß Weibchens und deklarierte sich so als ein Beispiel geglückter Akklimatisierung am die Wiener Luft. Der Luchs zeigte kein Verständnis für die ihm zugemutete 8chmierkai| was ihn auch als Patienten bei der Kranken Lass a de« Herrn Schäffler zu einem hoffnungslosen Fall gestempelt hätte, und die Giraffe hatte eine Aversion geigen das Einnehmen von Medizin, witterte diese auch sofort in der Nahrung, der sie beigemengt war. und bewies dadurch einen besseren Instinkt, als die vielen Menschen, die den Braten nicht riechen, der als Köder einer als „Tierschutz“ getarnten Bewegung mißbraucht wird. Was ist das für eine Bewegung? Vor ungefähr zehn Jahren tagte in Budapest ein „Ormtihologen“-Kongreß. Als die angeblich zu Referenten über Vogelkunde Erschienenen beisammen waren, entpuppten sie sich als die sauberen Vögel des Dr. Jerzaibek, die einen regelrechten Antisemitenkongreß abhielten. Seitdem hegt man gegen Tiersohutzveranstaltunigen einiges Mißtrauen. Wie berechtigt dieses ist, bewies der Internationale Tienschutz-Kongreß, der im Mai 1929 in Wien getagt hat. Er gipfelte in einer wüsten Hetze gegen das Schächten. Vergebens wies der jetzige Oberrabbiner Doktor Feuobtwang als Kongreßredner durch Bibelzitate auf den tierfreundlichen Geist der jü dischen Religionsvorschriften hin. Die eindeutigen Gebote der auch den Christen heiligen Schrift, fanden paradoxerweise weniger Glauben, als die antisemitischen Verleumdungen der den Kongreß beherrschenden Hakenkreuzler. Und so wurde eine Resolution angenommen, die den gesetzlichen Zwang zur TierbefäÜbung vor dem Schlachten forderte. Hitler hat sich beeilt, dieser Forderung nach seinem Machtantritt nachzükommen. So entstand dae vielgepriesene Ti-erschutzgesetiz des pritten Reiches. Jetzt propagiert der Wiener Tierscliutz- Veredm die Schaffung eines österreichischen Tierschutzgesetzes. Zu diesem Zwecke hat er als Propagandachef Herrn Dr. Alexander Schilling engagiert, der zuvor als nationalsozialistischer Schriftleiter bei den Sudetendeubschen eine politische Rolle gespielt hat. Nach dem Verbot der Hitler-Partei in der Tschechoslowakei überwand Dr. Schilling seine natürlich Sehnsucht nach dem Dritten Reiche und ging lieber im (das vom Hitler- Standpunkt widerspenstige Österreich. Und obwohl es hier von schreibkuridigen Arbeitslosen wimmelt, fand er den erwähnten Posten. Die oft gehörte Phrase, daß bei -hiesigen Stellenbesetzungen den bodenständigen Österreichern unbedingt der Vorzug vor Zugereisten gebühre, wurde in diesem bezeichnenden Falle gerade von den betont Nationalen, die sich ihrer sonst am lautesten bedienen, total ignoriert. So kam Dr. Schilling vom nordischen Rassenschutz zum Wiener Tierschutz. In die nicht ganz klar zutage liegenden geistigen Beziehungen zwischen diesen beiden Metiers hineinzuleuehten, wäre eine dankbare Aufgabe für die zur Wahrung der Ruhe und Sicherheit in Österreich berufenen Faktoren. Es scheinen Kräfte am Werke, die durch die Flucht zahlreicher Nazi aus Österreich nach Deutschland entstandenen Lücken In den bodenständigem braunen Kaders durch Zuzüge von sudetendeutschen Parteigenossen aufzufüllen. Nut die allergrößten Kamele erhoffen sich davon erhöhten — Tierschutz. Saul Oppermann Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf alle Gesinnungsgenossen die erschütternde Nachricht, daß Saul Oppermann plötzlich gestorben ist. In ihm verliert, die zionistische Organisation Wiens einen ihrer treuesten und ergebensten Mitkämpfer. Die Judenheit der Brigittenau und besonder« des Bezirksteile« Zwischenbrücken aber wird da« Schaffen und Wirken dieses Mannes, der in so jungen Jahren von uns ging, nur schwer missen können. Die gesamte jüdische Arbeit dieses Stadtteile« konzentrierte sieb hauptsächlich in der Iland diese« braven, ehrlichen. der Sache unseres Volkes mit, viel Eifer dienenden Menschen. Er war es, der vor einigen Jahren die Sektion Zwischenbrüeken gegründet, sie geführt und geleitet und für sic ein Heim erworben hat, das allerdings unter dein Druck der Verhältnisse vor kurzem aufgegebeu werden mußte. Oppermann hat als Mitglied der Fürsorgekominission der Kultusgemcinclc manch schöne soziale Tatgesetzt und sieh so einen Platz hn Herzen der verarmten jüdischen Bevölkerung seines Bezirkes gesichert. Unermüdlich war er bemüht, den zionistischen Gedanken in den Bethäusern Zwisehenbriiekens zu propagieren. Hier wies er besonders schöne Erfolge auf. Er ist der Schöpfer der hebräischen Schule des Bezirkes, die in Bezug auf die Frequenz und die Fortschritte der Schüler sehr beachtenswert ist. Alle, die Oppermann kannten, diesen ruhigen, freund-; liehen und liebenswürdigen Menschen, alle seine vielen Freunde werden seinen Namen und seine Tätigkeit uie vergessen können. Die große Beliebtheit des eo früh Dahingeschiedenen zeigte sieh bei dem am 4. April stattgefundenen Leichenbegängnisse. Eino sehr große Zahl von Trauergästen füllte die Halle und nahm Abschied von einem braven Menschen und guten Juden. Herr Dr. Josef Löwenherz, .Vizepräsident der Kultusgemeinde, sprach im Namen der Rultußgemeinde, Herr Rabbiner N. H. Frostiz im Aufträge seiner Freunde, Herr David Kofler würdigte seine Verdienste um den Bethausverein „Tomche Jescharun“ und Herr Ten«; nenbaum schilderte namens der Sektion seine zionistische Arbeit. Wieder ist die zionistische Landesorganisation eines an führender Stelle stehenden Menschen beraubt worden, dem sie ein ewiges Andenken bewahren wird. L. M„ LU OHNUNC 31/» Zimmer, Küche, Bad, Nebenräume mit modernen Möbeln wegen Auslandsreise sehr preiswert abzugeben. VI., THEOBALDGASSE 16/10 - Auskunft: TEL. UMiHBHHHHH Kinoprogramme der Woche Neuwahl ln der füdischen Gemeinde ln Czemowitz In Czemowitz, wo seit längerer Zeit die gewählte Vertretung der jüdischen Gemeinde aufgelöst und an ihre Stelle eine ernannte Vertretung unter Leitung von Dr. Menczer eingesetzt worden war, ist am 5. d. die Neuwahl der Gemeinderepräsentanz vorgenommen worden. An dem Wahlkampf hatten sich drei Parteien, die Zionisten unter Führung dos ehemaligen Senators und Abgeordneten Dr. Mayer Ebner, die Orthodoxen unter der Führung Jizchak R o s n o r s und die „Regierungspartei“ mit dem bisherigen kommissarischen Gomeindevorsitzenden Doktor Menczer an der Spitze, beteiligt. Die „Regierungsleute“ erhielten 21, die Zionisten 15 Mandate. Die Orthodoxen blieben ohne Vertretung. KREUZ«KINO VTÄS Vom 9. bis 11. April 1035 In den Kanälen von Paris mit Warner Oiand Beginn: 4, ®/*6, Va8, V410 Uhr leopoMsffldter Volkskino n. Rotensterngaase 1t Telephon R 49-0-23 Vom 9. bis 11. April 1935 Schlager- Programm Wochentags 7»6. 7*8, 7*10 Uhr, Sonn- und Feiertag 7»4 Uhr R, Malzgasse Nr. 3 Telephon A 44-0-85 RemMt-Kino Eine Welt ln Flammen (in deutscher Sprache) Wochentags: VA */*8. 9 Uhr, Sonntag: 4, ’/fi, 7>8, 10 Uh IX., Wührlngerstraße 12 Telephon A 18-8-96 Vom 9. bis 11. AprU 1035 UoflvpurR-Kino Vom 9. bis TARZAN und sein Kamerad mit Jofiny WelßmUllar Täglich; 4, %0, VA V*10 Uhr

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