Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 441 (9.4.1935)
- Date
- 1935-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054196--4964-3060644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DIB STIMME Seite 3 Nr. 441 — 9. April 1935 Wie Illegale aasgebeutet werden In der Prager „Selbstwehr“ wird von Dr. E. Carlebach daß Folgende mitigeteilt: Stavski — der aus dem Prozeß wogen der Ermordung Arlosoroffs bekannte Revisionist — hat vierzig jungen Revisionisten in Polen zugesagt, sie nach Palästina zu bringen und von ihnen über 40.000 Zloty einkassiert. „Lange“, so schreiben diese Emigranten in ihrem Memorandum an die Revisionistische Organisation wörtlich, „haben wir auf nähere Angaben, wann die zugesagte Reise mit einem Luxusschiff stattfinden werde, gewartet. Endlich hat man uns mitgeteilt, daß wir nach Gdinja fahren sollten und von dort direkt ans Ziel unserer Träume kommen würden. In Gdinja haben wir acht Wochen lang horumgelegen; wir mußten schließlich unsere Oberkleider verkaufen. Erst nach langem Bitten und Betteln hat man uns dann endlich an den Hafen geführt, an ein Schiff, das den Namen ,Hafenschaluppe Wanda‘ trug. Als wir das ,Schiff4 erblickten, wurde uns schwarz vor den Augen. Aber wir waren so verzweifelt, daß wir auch, wenn man uns befohlen hätte, nach Palästina zu schwimmen, ins Wasser gesprungen wären. Wir waren nicht mehr bei genügend klarem Bewußtsein, um zu erkennen, in was für eine Gefahr wir uns begaben, als wir uns, 42 Menschen, in dieses Schiff von 36 Tonnen hineinsetzten, das bestenfalls 18 Mann transportieren konnte. Weder Brot noch Salz hat man ■uns auf die Reise mitgegeben. Wir hatten nur einen Sack Kartoffeln und Zwiebeln, die wir uns in deon salzigen Meerwasser kochten. Drei Tage lang fuhren wir auf der Ostsee hin und her, wurden seekrank und meinten vor Hunger zu vergehen, bis wir schließlich wieder zurück in den Hafen von Gdinja kamen, in dem das Schiff unterging und wir uns nur schwimmend ans Land retten konnten. Wir hätten von dieser Reise noch sehr viel zu erzählen, aber als militärisch disziplinierte Revisionisten tun wir es nicht; und wr sind auch auf den Befehl unseres Kommandanten schweigend nach Lodz z tnr iickgefahren und haben uns auf die Zusicherung unserer Führer verlassen, daß man uns auf einem anderen Wege sofort nach Palästina schicken werde. Jetzt aber sind diese Führer vor uns geflohen und verstecken sich irgendwo. So brechen wir unser Schweigen. Wir haben alles, was wir gehabt haben, verloren, unsere Frauen und Kinder sind ohne einen Bissen Brot geblieben, wir selbst haben Zuflucht im Parteilokal gesucht, aber man hat uns h i nausge wiesen und wir wandern die Nächte durch über die Straßen von Warschau. Rettet uns!“ AusImachiO — bfl§ alte .^efeitetitntaleinS. 3lu§ bet 2)ame hon; toierstfl mad)’ bie tarnte toott breijjtg, au§ fünfzig j madj’ toterjig. 3)iefe§ moberne SRedjenesempel gelingt,] h>enn finge grauen bei angegrautem $aar ba§ £aarj ftärfungSltoaffer ©ntrupat toertoenben, ba§ ben ge=| fdjnxidjten .^aatltoutjeln bie toerbraudjten ftaibftoffe jufitbrt, fo bafj graue .^aare auf ttatür* Itdje SBetfe bie frühere fjarbe hnebet erhalten, ©ine Ortginalflafdje S 8.80, mit i]3o[t S 9.80. Slpotfiefe 34 a e t, SBtert, I., SBoUjeile 13. aßen gröfp Parfüm., Styotf). u. ,2)rog. erfjältl., Die zweite Makkabiah Der Genfer Staatsrat gegen den Antisemitismus Genf, 5. April. Der Genfer Staatsrat hat gestern ein Ausnahmegesetz zum Schutz der jüdischen Bevölkerung angenommen. Darin Wurde der Genfer Presse, insbesondere den zwei antisemitischen Zeitungen „Home de Droite“ und „Reaction“, verboten, Angriffe gegen die Juden zu richten. Tel-Aviv, 5. April. (2. T. A.) Am Tage der Eröffnung der zweiten Makkabiah war die Stadt Tel-Aviv mit dem reichen Flaggenschmuck der öffentlichen und privaten Gebäude und den vielen Gruppen von Sportsleuten, die aus allen Teilen der Stadt her zum Stadion zogen, in leuchtende Farben getaucht. Als Dr. Weizmann, Nahura Sokolow und der Ehrenpräsident des Weltmakkabi, Lord M e 1 c h e 11, im Stadion erschienen, brachte ihnen die dort versammelte, über fünfzigtausendköpfige Menge stürmische Ovationen dar. In der Loge der Jewish Agency hatten neben dem Präsidenten des Keren Kajemeth, M. M. Ussischkin, dem Direktor des Keren Hajessod, Dr. Arthur Hantke, und anderen führenden Zionisten als Vertreter der Palästina-Regierung der Distrikskommissar für den Norddistrikt, Major Keith Roach, der Kommissar für den Süddistrikt, Croshie, und der Leiter der Palästinapolizei, Spicer, Platz genommen. Am Eingang zum Stadion und in der Arena war die Makkabi-Fahne neben den Flaggen aller Länder, die Mannschaften zu der Makkabiah entsandt hatten, aufgezogen. Die Ländermannschaften zogen in der alphabetischen Ordnung der hebräischen Bezeichnungen ihrer Herkunftsländer in die Arena ein. An der Spitzemarechierte die österreichische Mannschaft, darin folgten Südafrika, England, die Vereinigten Staaten, Bulgarien und die Mannschaft aus Deutschland, die unter allen Gruppen die zahlreichste war. Unter Musikklängen formierten sich die Delegationen gegen der Haupttribüne. Nach einleitenden Worten des Präsidenten des Weltmakkabi Dr. Hermann Leiewer erklärte Lord Melchett die zweite Makkabiah für eröffnet. Die Veranßtaltung, sagte er, solle ein Bild der Kraft, Disziplin, Moral und Einigkeit des jüdischen Volkes bieten. Ein Trompetenstoß — und an dem Turm des Stadions ging d i e iagge der Makkabiah hoch, während Brieftauben freigelassen wurden, um die Eröffnungsbotschaft in alle Länder jüdischer Siedlung zu tragen. Die Kapellen intonierten die Hatikwah, Teilnehmer und Gäste fielen mit Gesang ein, die Mannschaften senkten grüßend die Fahnen. Namens des Palästinensischen Arbeitersport-Verbandes H a p o e 1 wurde eine Grußbotschaft iiberbracht, in der der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß es dem Hapoel möglich sein werde, an der dritten Makkabiah bereits aktiv teilzunehmen. Lord Melchett antwortete auf diese Begrüßung und bekannte eich zu dem Gedanken wahrhafter Verbundenheit mit der jüdischen Arbeiterschaft. Er schloß mit dem Rufe „Hedad!“, der von den Makkabiah-Teilnehmern dreimal wiederholt wurde. Es folgte die Defilierung der übrigen Ländermann- Tschechoslowahische Kammer lehnt das verkleinerte Quorum für die Minderheiten ab Prag, 7. April. (2. T. A.) Daß Abgeordnetenhaus der Tschechoslowakischen Republik nahm nach längerer Debatte das neue Wahlgesetz an, wonach beim zweiten Skrutinium nur die Stimmen solcher Parteien berücksichtigt werden, die ■wenigstens in einem Wahlkreis die Mindestzah.1 von 20.000 Stimmen und im ganzen Staato mindestens 120.000 Stimmen erzielt haben. Der ursprüngliche Regierungsentwurf, in dem für die kleinen Minderheiten ein Quorum von 50.000 Stirn men vorgesehen war, wurde fallengelassen, ßo daß die Jüdische Partei nicht mehr gesondert kandidieren kann. Sie wird sich nun genötigt sehen, sich nach Bundesgenossen im Wahlkampf unizu&ehen. Darüber, wer diese Bundesgenossen soin sollen, ist eine Entscheidung noch nicht gefallen. Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann bestellten religiös verläßlichen Organe erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck nos bv itts abn Vom 17. April bis 25. April in allon Vorkaufstollen erhältlich Wiener Molkerei schäften, Schweiz, Rumänien, Tschechoslowakei, Frankreich, Polen, Syrien, Marokko, Lybien, Lettland, Litauen. Danzig u. a. m. Große Begeisterung weckte der Vorbeimarsch der tausend Mann starken palästinensischen Mannschaft, in der die Städte und landwirtschaftlichen Siedlungen durch Unterabteilungen vertreten waren. Freudig begrüßt wurde auch die Makkabi-Jugend. An der Spitze der meisten Mannschaften marschierten die Fechter mit gezogenem Rapier. In einzelnen Ländergruppen, vor allem in der palästinensischen, sah man auch Reite r-A bt-eilungen. Während der Eröffnungsansprachen bewahrte die ungeheure Menschenmenge im Stadion lautlose Stille, so daß in den Pausen zwischen den Sätzen das rhythmische Aufschlagen der Wogen am nahen Strand deutlich zu hören war. Das anfangs trübe und regendrohende Wetter klärte sich bald auf, so daß die ersten Wettkämpfe unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen vor sich gehen konnten. Die ersten Vorkämpfe Die Vorkämpfe auf der Makkabiah sind in vollem Gang. Strahlende Sonne liegt über dem Kampffeld. Hindernislaufen, Hammerwerfen, Turnen, rhythmische Gymnastik und andere Übungen gehen, zum Teil gleichzeitig, vor sich. Auch die Tennis-, Fußball- und Handball-Wettkämpfe haben begonnen. Die ersten Ergebnisse in den Vorkonkurrenzen haben im Fechten den Sieg Ägyptens über Palästina und Jugoslawien gebracht; im Boxen hat Südafrika die ersten drei Run den gewonnen; die erste Runde im Ping- Pong gewann Lettland gegen Teilnehmer aus Deutschland, Rumänien und Österreich; im Tennis schlug Südafrika Rumänien, Eng land, Griechenland; Polen gewann den 60 m Lauf für Damen und erzielte den ersten Platz im Weitsprung, den zweiten Platz belegte Amerika; im 100 m-Lauf für Damen blieben die Teilnehmerinnen aus Deutschland siegreich, die sämtliche Plätze besetzten; im Handball wurde Syrien von Palästina geschlagen. Da die Kampfbahn sehr darunter elitten hat, daß die große Menge der Besucher am Eröffnungstage den Iijnenraiim passiert hatte, ist es unwahrscheinlich, daß die bestehenden Makkabi-Rekorde gebrochen werden. Der zweite Tag erbrachte zwei Weltrekorde für die südafrikanischen Läufer. Vor mehr als 5000 ihm zujubelnden Zuschauern lief der Südafrikaner Dr. Jack Horowitz die 10.000 m-Strecke in 33.11 Minuten und sicherte so dem Makkabi einen neuen Welt rekord. Der Amerikaner Speier wurde Zwei ter, der Engländer Rayne Dritter, P. Smith ebenfalls südafrikanischer Makkabist, brach den Rekord für Männer im 110 m-Hindernis rennen, das er in 16 Sekunden absolvierte Zweiter wurde der Palästinenser Caspi, Drit ter der Amerikaner Sandler. Der Amerikaner Koff und der Österreicher König kamen im 200 m-Lauf gleichzeitig an. Frewald (Polen) gewann im Weit sprung, wobei der Amerikaner Koff Zweiter und der Österreicher Gottlieb Dritter wurde. Bei den Tumvorführungen zeichneten sich besonders die Polen Rosen berg, Gräber und Kurzfeld aus. Im Fußball Team siegte Litauen gegen England mit 1:0; Palästina echlug Polen 2:0. Ferner be siegte Palästina Rumänien im Handball. Eines der sensationellsten Ereignisse des Tages war der 400 m-Staffettenlauf für Män ner, den das österreichische Team gewann. Eß folgten USA., Deutschland lind Palästina. Im offenen 100-m-Staffettenlauf gewann Südafrika vor Deutschland, Österreich und dem Team des britischen Heeres. Konflikt mit den Revisionisten beigelegt Der unmittelbar vor der Eröffnung der Makkabiah entstandene Konflikt mit den Revisionisten ist b e i g e 1 e g t worden. Def Betar wurde eingeladen, an den Wettkämpfen teilzunehmen. Lord Melchett und der palästinensische Betar-Führer tauschten Briefe aus, in denen auf beiden Seiten die Genugtuung darüber zum Ausdruck kommt, daß der Makkabi nunmehr alle Klassen des jüdischen Volkes umfaßt. Tel-Aviv, 7. April. (2. T. A.) Die Länderkämpfe auf der zweiton Makkabiade nehmen ihren Fortgang. Ara 4. April zeichneten eich Mitglieder der amerikanischen Mannschaft durch besondere Leistungen aus, so daß es ihnen gelang, ihren Vorsprung m der Punktewertung zu halten. Lillian Copeland, eine besonders vielseitige junge Athletin aus Amerika, stellte mit 37*38 m einen neuen Makkabi-Weltrekord im Diskuswerfen auf. Sybil Koff gewann das 100-m-Laufen für Damen und wurde Erste im 60-m-Lauf, dicht gefolgt von Meyer (Deutschland) und Freiwald (Polen). Im offenen Wettbewerb über 100 m für Damen führte Deutschland vor Polen und Österreich. In den leichtathletischen Wettbewerben für Männer siegte Weiß (Tschechoslowakei) im Hammerwerfen. Bernian (Frankreich) gewann den Wettbewerb im Dreisprung, Zweiter wurde Caspy (Palästina), Dritter Sandler (USA). Sieger hn 1500-m-Lauf wurde Rosenkranz (Deutschland). ’ In eindrucksvollem Kampf besiegte Hecht (Tschechoslowakei) den hervorragenden Sportsmann Lanzenberg (Frankreich) im Tennis 6:4, 7:9, 6:3. In einem zweiten, glänzend durchgeführten Match unterlag Cohen (England) gegen Wightman (Polen). Ägypten setzte seinen- Siegeszug im Fechten fort. Es schlug Jugoslawien und Polen Säbelfechten. Sechß Siege fielen bei den im Vorkämpfen im Ringen den Österreichern zu. Im Korbball für Männer schlug die Türkei Palästina, Ägypten be^ siegte Syrien. Tybil Koff (USA) gewann auch das 200-m-Laufen vor Fräulein Gottlieh (Polen) und Fräulein Cohen (Palästina). Fräulein Cohen hat jedoch bei diesem Laufen den bisherigen Paläetinarekord gebrochen. Lillian Copeland (USA) erreichte; im Speerwerfen 36*92 m, ihr folgten die Damen Jacob und Chempin (beide Deutschland). Sandler (USA) st eite einen Makkabi- Rekord im Hoohßprung auf. Zweiter wurde Blanc (Deutschland), Dritter Freiden (USA). Rosenkranz gewann weiters das 400-m-Hindernislaufen vor Deutscher (österi reich) und Rilson (Polen). König (Österreich) gewann das 200-m-La.ufen vor Hoffman (USA) und Schattmann (Deutschland). Finkeistein (USA) wurde Ereter im Scheibenschießen vor Oldschneider (Frankreich) und Weiß (Tschechoslowakei). Wasser (Tschechoslowakei) gewann kn Weitsprung vor Bemian (Frankreich) und Caspi (Palästina). Im Fußball gewann Polen gegen Lettland 3:0. Peter (England, früher Deutschland) schlug im Tennis Polen 6:4, 9:7. Südafrika hat Palästina ausgeschaltet und steht der Tschechoslowakei im Halb-Fhiale gegenüber. Ein tragischer Vorfall Am Montag ist in Tel-Aviv ein Mitglied der französischen Makkabi-Mannschaft, M. J a k o w i t z, beim Baden ertrunken. Ein Araber, der sich bemühte, den Ertrinkenden zu retten, fand gleichfalls den Tod. Das aufopfernde Verhalten des Arabers hat überall im Lande in den jüdischen Kreisen tiefen Eindruck gemacht. 6OOO Dunam neuer Boden vom Keren Kafemeth erworben Jerusalem, 4. April. (2. T. A.) Wie das Hauptbüro des Keren Kajemeth Lej Israel mitteilt, wurden in den letzten Monaten vom Nationalfonds 6000 Dunam Boden neu erworben. Ein Teil hievon entfällt auf städtische Grundstücke. Der Bodenbesitz in Palästina ist somit auf rund 350.000 metrische Dunam angewachseu. Billige Oster- Gesellschaft eise der Czernowitzer Allgemeinen Zeitung nach Polen and Czernowltz mit S8mmelpaB und Platzkarte vom 14. b s 29. Aoril 1935 Anmeldung un» AusUUnfte im Reisebit* o Marienbrücke, Wien, I., Rotenturinstr. SO, Te'. K 21286, R 24287. — Au sl; ü n f t o erteilt »u"b das StadtbUro des »Wiener Tag“, I.. Se'-uhirstraßo 1, Tel. R 21678.