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Die Stimme · 1935-04-09 · Heft 441 (9.4.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 441 (9.4.1935)
Date
1935-04-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seit® Z DIE STIMME Nr. Mi — 9. ftprfl im Sf^BSSSBSmSBSSm^SZ Besonders billige Osterfahrten na* Polen und Czernowitz Hinfahrt 14. u. 16. April 1936, RUckkehr 2. Mal Anmalrltuigea, Amkftolte und Kartenverkauf P<dn. Verkehrsbüro „Praacopot*4, Wien, I1L, Rennweg 1 (Geb. des PoLn. Konsul.). Tel. U 18-4-90 l«t«rn. R«l««Mlrt 0«ha«ker US«., Wien, I., Schottenring 9 Telephon R 50-S-10 Serie Fürsorge bestellt wäre. Das verwerfliche Ziel, die jüdische Einheitsgemeinde zu zer stören, wird mit allen Mitteln verfolgt. Da erzähleu Agudisten. daß sie mit der Kanzlei des Kardinals Dr. Innitzer in ständigem telephonischen Kontakt stehen, daß sie beim Bundeskanzler ein- und ausgehen, da mobilisieren sie die „Reichspost“, die sich zum Tagesorgan dieser Gruppe entwickelt hat, und inspirieren zum Angriff der Autoritätsmaeht auf das ..Parteiensystem“ in der Ge meinde, da versenden sie ihre Eingabe an die Führer der Vaterländischen Front und des Heimatschutzes. Ob sie auch an Walther Riehl geschrieben haben, wissen wir nicht. Daß sich das Wiener Judentum über ihre Yerleiiini düngen lind Denunziationen vor Ekel schüttelt, werden sie schon wissen. Die Gemeindßführung tut unentwegt ihre Pflicht. Sie trägt die Bürde der Not und der Krise und steht mit blutenden Fingern am Rad. Sie muß dem Verfall entgegenarbeiten, gegen äußere Feindschaft, Lässigkeit und Unverständnis wirken und den politischen Schutz des schwer bedrohten Rechtes der jüdischen Bevölkerung wahrnehmen. Mehr denn je ist sie heute auf die moralische Unterstützung der Zionisten, die die Mehrheit bilden, angewiesen, und weniger denn je ist Eigenbrötelei heute am Platze. Der Ausschlag der Agudah ist ein Verbrechen. Er muß zuschanden werden vom Standpunkt der Regierung aus, weil die raison d’6tat gegen die Änderung der Gesetzeslage spricht und vom Standpunkt den Judentums aus, weil die Wiener Judenschaft ohne Rücksicht auf ihre differenten politischen Ansichten geschlossen zusammensfceht und die Einheit der Gemeinde verteidigt. Das Judentum verliert an Menschen und Kraft. Soll dae Übel aufgahalt.en werden, dann ist die Mitarbeit aller Pflicht und dann kann e>s keine Abseitsorganisation gehen. Die Aktionskomitee - Taguni Jerusalem, 5. April (2. T. A.) Das Aktionskomitee hat beschlossen, eine Interpellation von Rabbi Meir Berlin betreffend die Liquidation des Jewish Colonial Trust der Bankkommission zur Beratung in geschlossener Sitzung zuzuweisen. Namens dieser Kommission erstattete Dr. R u feisen einen günstigen Bericht über die Lage der Anglo Palestine Bank. Die Bank würde durch die Übernahmt' des Jevvisli Colonial Trust nicht Schaden erleiden, es sei aber notwendig, die Leitung zu erweitern. Die Liquidation des Jewish Colonial Trust habe erfolgen müssen, weil dieses Institut unter der Weltwirtschaftskrise schwer gelitten und seine Funktionon in der Diaspora erfüllt hatte'. Eine weitere Interpellation Meir Berlins befaßte sich mit der mangelhaften Beobaehj tung des Sabbaths in Palästina, insbesondere; in den Arbeitersiedlungen und bei den jüdischen Organisationen. In der Politischen Kommission des Aktionskomitees wurde der Plan der Einführung eines Einbür gerungs- Systems in der Art, wie es in Amerika besteht, für Palästina erörtert, Nach diesem System werden den Einwanderern sofort im Aktionskomitee nach einem Bericht Frumkins über die Lage der jüdischen Arbeit in den Siedlungen. Der Referent forderte Privilegien für die jüdischen Arbeiter in der Landwirtschaft, insbesondere durch Erleichterung der Zertiiikatozuteilung für Angehörige. Ferner verlangte er d i e Entfernung derjenigen Untern e h m e r, d 1 e j ii d i s c h e Ar b e i t b o y< k o 11 i e r e n, a u s all e n ö f f e n t- [liehen. Stellungen. An der Ausj spräche über diese Frage beteiligten sich! Vertreter aller Parteien sowie die Mitglieder der Exekutive. Der rechte Flügel wandte sieh entschieden gegen die Anwendung scharfer Maßnahmen, mit denen nicht mehr als ein moralischer Druck ausgeübt werden könne. Gleichzeitig protestierte die Rechte gegen die Z u s a m m e n f a s s u n g j ü discher und arabischer Arbeit o r in einer gemeinsamen Organisation. Die Entscheidung über die Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen wurde schließlich der Einwanderungskommission überlassen. Die Allgemeinen Zionisten stimmen DiszipHnMausei auf Schekel zu Auf der Tagung am 4. April wurde die Die gletchgeschalteten Wiener Filmgesellschaften pie „Stunde“ schreibt: Montag im Pavillon-Theater in London! Weltpremiere des neuen Bergner-Fiim« „Escape me never“. Außer dem Prinzen Arthur von Counaught und zahllosen Lords und Ladies hatten sich sechs Minister des brltisehon Kabinetts, auch Sir John Simon* vorher Karten gesichert, ferner fünf Botschafter — man weiß nicht, ob der Bot-t achafter jenes Dritten Reiches darunter war, das die Schauspielerin Elisabeth Bergner geächtet hat. Man weiß auch nicht, ob alle diosc Minister und Diplomaten wußten, daß sio gekommen waren, urn einer österreichischen Künstlerin zu huldigen, Die Film- Propaganda, die wir betreiben, ist, im Gegensatz zu jener des Dritten Reiches, wunder« bar diskret. Die Bergner-Filme werden nur iu London gedreht und haben weiter mit Österreich nichts zu tun, es sei denn, daß die Hauptdarstellern und der Regisseur unsere Landsleute sind, D i e j e n i g e n Wiener Filmgesellschaften, die s 1 c h d e n Bedingungen dos Berliner Proi p a g a n d a m i n i s t e r i u m s unterworfen haben, dürften ja einen Bergner-Film gar nicht hersteilen. nach ihrem Eintreffen provisorische Papiere ’ Frage der z i o n i s t i s c li en B a n k e u, ausgehändigt, die vollen Bürgerrechte werj unter anderem auch die Liquidierung dee Jeden nach Ablauf der Einbürgerungsfrist zu-jwish Colonial Trust, erörtert und beschloßerkannt. Besprochen wurde auch die Mög-! gen, eine Sonderkommission zur lichkeit der Regelung des Status der „illega- Ausarbeitung einer entsprechenden Resor Die Zahl der Juden in Österreich Das österreichische Bundesamt für Statistik teilt mit: In Österreich wurden am 22, März 1934 6,112.658 Personen (90o Prozent) römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses, 3242 (01 Prozent) griechisch-katholischen, 350 armenisch-katholischen, 280.333 (4*2 Prozent) evangelischen Glaubensbekenntnisses A. B., 15.119 (Os Prozent) evangelischen Glaubensbekenntnisses H. B„ 36.776 (0’5 Prozent) altkatholischen, 191.481 (2‘8 Prozent) israelitischen, 7105 (01 Prozent) Angehörige anderer Glaubensbekenntnisse, 106.080 (1'6 Prozent) konfessionslose Personen gezählt. Im Jahre 1910 — für 1923 liegen nur Teilergebnisse vor — hat die Zahl der Katholiken (aller drei Bekenntnisse) 6,235.443 oder 937 Prozent, die Zahl der Evangelischen beider Bekenntnisse 206.505 oder 31 Prozent, die Zahl der Israeliten 194.564 oder 2'9 Prozent, die Zahl der anderen 19.052 oder Q'3 Prozent betragen. Gegenüber 1910 habe» somit die Katholiken und die Israeliten sowohl nach Anzahl als auch nach verhältnismäßigem Anteil abgenommen, die Evangelischen und die „anderen“ (darunter besonders die Konfessionslosen) zugenommen. Doch kommen neueste Bewegungsrichtungen in der Konfessionsverteilung in diesen Zahlen noch nicht zum Ausdruck. Von den Israeliten und von den Konfessionslosen entfielen die Hauptmasse auf Wien. Erstere zählen in Wien 176.034 oder 91’9 Prozent aller Israeliten und 9 4 Prozent der Wiener Bevölkerung, letztere 75.906 oder 71’0 Prozent aller Konfessionslosen und 4’1 Prozent der Wiener Bevölkerung. Im Jahre 1923 wurden in Wien 201.513 Israeliten oder 10*8 Prozent der Wiener Bevölkerung, im Jahre 1910 175.318 oder 86 Prozent der Wiener Bevölkerung gezählt. Evangelische A. B. wurden 99.792, Evangelische H. B. 10.629, beide zusammen also 110.421 oder f/9 Prozent der Wiener Bevölkerung gezählt gegenüber 88.508 oder 47 Prozent im Jahre 1923 und 75.854 oder 37 •Prozent im Jahre 1910, len Einwanderer“. Der Leiter des Einwanderungsdepartements der Jewish Agency, Abgeordneter Jizohak Grünbaum. schlug die Einsetzung eines ständigen Gerichts zur Behandlung von Unregelmäßigkeiten bei der Zertifikateverteilung in den verschiedenen Ländern vor. Zu scharfen Auseinandersetzungen kam es lufcion einzusetzen. Der Kommission gehören die Mitglieder der Zionistischen Exekutive, der Vorsitzende des A. C. und Vertreter aller Parteien, auch der Revisionisten, an. Die Allgemeinen Zionisten im Aktionskomitee haben eine Resolution angenommen, in der sie der Disziplinklausel auf dem Schekelformular beipflichten, Hausverwaltungen, Hauskäufe und -verkaufe, Hypotheken, Reparaturkredite, Zinsvorschüsse, fachmännische Beratung Behördlich geprüfter und konzessionierter Gebäudeverwalter und Sensal Oskar Deutsch, Wien, Xv Favorifcenatr. 95, Tel. R 12-606. Erstklassige Referenzen Hitler, der Historiker Die berüchtigte Sonderbeilago des „West* deutschen Beobachters“ „Der Jude in Staat, Wirtschaft und Kultur“ bringt aueb eine! Reihe Aussprüche Adolf Hitlers, darunter den folgenden: „Wo immer wir iu der Welt Angriffe gegen Deutschland lesen, sind Juden ihr® Fabrikanten, gleich wie ja auch im Frieden und während des Krieges die jüdische Börsen- und Marxistenpresae den Haß gegen Deutschland planmäßig schürte, so lange, bis Staat um Staat die Neutralität auf gab und unter Verzicht auf die wahren Interessen der Völker in den Dienst der Weltkriegskoalition eintrat. Adolf Hitler.“ Gründung der Hitachduth Olei Austria in Jerusalem Die bestehenden Organisationen der Hitachduth Olei Austria in Tel-Aviv und Haifa wurden nunmehr in Jerusalem am 30. März l. J. durch eine Nougründung erweitert. Über Einladung des Herrn L. A. Robitschek versammelte sich eine stattliche Anzahl von Personen im Cafe Europe, welche dem Gründungsvonsohlag und Arbeitsprogramm des Einberufers mit großem Interesse folgten Der Sekretär des H. 0. A„ Tel-Aviv, Herr Dr, Walter Eckstein, referierte über die bisherigen umfangreichen Leistungen der Organisation. Bis zur Einsetzung eines Komitees haben die Leitung die Herren L. A. Ro bitsehek, Dr. Rud. Glücklich und Ing. Siegfried Schapira übernommen. Die regelmäßi gen Zusammenkünfte finden jeden Mittwoch abends im Cafe Europe statt, wo sich auch Sitz und Sekretariat (Amtsstundon täglich zwischen 11 üTid 12 Uhr mittags) befinden. Die Leitung würde es begrüßen, wenn alle nach Jerusalem kommenden Österreicher mit der Organisation in Verbindung treten würden. Chalm Leib Juda und die „Neue Wiener Friseur-Zeitung" j Ein Herr Adolf Nefzger gibt in Wien die „Neue Wiener Friseur-Zeitung“ heraus, diej neben Inseraten jüdischer Firmen —- »on| ölet! — antisemitische Artikel enthält. Beides scheint seinen Mann zu ernähren. in Ein dänischer Konsul Jaffa und Tel-Aviv Tel-Aviv, 4. April, ß. T. A.) Der High Commissionor Sir Arthur Wauchopo hat seine provisorische Zustimmung zur Übernahme des Amtes eines dänischen Konsuls für Jaffa und Tel-Aviv durch Herrn Nathan D. Kaplan gegeben. Otter-Sonderfahrt nach Polen und Czernowitz 10, April bis 1, Mai Ralaebureau „JRUT“ l„ Har Up lat« 1. Eck, KgroUfrstraB«, Tel. U 44-8-79 (Referent S. Reaenkwiz) Reisebureau „ORBIS** I., Kfirntnerftlrnfie <tt» Tat. i) 29-1-43 Sonder/,ug & Plnt/U orten A 6«iiu>ic||mll Memel-Prozeß zu Judenhetze ausgenlltzt Das Urteil des Kownoer Gerichte# gegen die P u t s c h i s t e n in Memel, das ra Deutschland unter den Nationalsozialisten Erregung hervorgerufen hat, wird in den Versammlungen und in der Presse auch zu einer Hetze gegen die Juden ausgenutzt. Die „Königswusterhausener Zeitung“ berichtet über eine Rede des Sehu-i lungsleiters Lemke während einer Protestkundgebung in Königswusterhausen. Lemke führte u. a. aus: „Das Memel-Gebiet war deutsch durch Jahrhunderte, aber immer wieder ist es der Jude, der, vaterlandslos und überall Zwietracht säend, auch’ Die Nummer vom 1. April enthält eine Rubrik: „Geschäftsmoral von heute (Nach wahren Begeben h eite n.)“ U. a. finden wir einen Artikel mit der Überschrift: „Der O f f e nb a r ung s o i d.“ Da wird erzählt, wie es einem gewissen Sebastian Hinterleitner ergeht, seines Zeichen „bürgerlicher Bürsten- und Pinselmaoher seit | hier jenseits der Grenzen wütet.“ unvordenklicher Zeit“. In seiner Nähe hatte sich ein „Fabrikant Chaim Leib Juda“ niedergelassen und für entwertete Kronen ein Haus gekauft. Als es diesem Juden dann schlechter ging, gehörte das Haus plötzlich der Frau und alles andere den Söhnen. Chaim Leib Juda machte wieder ein „Ge schäft“, was er „Ausgleich, jeder rechtlich Denkende hingegen Betrug nennt“. Der arme Sebastian Hinterleitner „nagt inzwischen mit den Seinen seit Jahren am Hungertuch“, Chaim Leib Juda aber fährt im Auto, obwohl er erst kürzlich den Oifenbarungseid geleistet hat. Es ist Sache des Herrn Nefzger, was er seinen Lesern znmutet. 'Eine sehr hohe Mob nung scheint er aber von den Friseuren nicht zu haben, wenn er ihnen solche Geschichten „nach wahrem Begebenheiten“ vorsetzt. Das geht uns schließlich nichts an und die Wiener Friseure werden weiter gerne den „Herrn von Kolm“ und die „Frau von Löwy“ als Kundschaften begrüßen. Wir empfehle» aber der jüdischen Kundschaft, bei den Friseuren die „Neue Wiener Friseur-Zeitung“ zu verlangen, die dummdreiste Erfindung der „wahren Begebenheit“ vom Betrüger Chaim handelt Die Saarflüchtlinge dem Nansen-Amt unterstellt Anläßlich der Jännertagung des Völkerbundrates hatte die französische R eg i e r u n g dem Rat ein Memorandum unterbreitet, in welchem sio die Mitarbeit des Völkerbundes für Lösung dos Problems der Flüchtlinge aus der Saar forderte. Der Rat beauftragte seinen Berichterstatter für Flüchtlingsfragen, den Vertreter Mexikos, in Zusammenarbeit mit einem speziell beetelltou Droierkomitee des Rates diese Frage zu prüfen und der nächsten Tagung einen Bericht zu erstatte». Wie der JTA-Vertreter erfährt, hat das Dreierkomiteo seine Vorschläge nunmehr ausgearbeitet und der Generalsekretär des Völkerbundes hat diese Vorschläge den RatsmitgJiedern zur Genehmigung unterbreitet. Das Droierkomitee schlägt, vor, daß der Behüt» der Flüchtlinge aus dor Saar - soweit es sich nicht um vor dem Plebiszit in der Saar angesiodelte und nachher von dort weiter geflüchtete Personen aus dem Reich Leib Juda zu lesen und dann die Geschäfts-1 inlmber zu fragen, ob sio damit einverstanden sind, daß Herr Nefzger solche Propaganda macht, Schließlich eine Frage: Findet) der Herr Staatsanwalt nicht, daß der Artikel j Der Offenbarungseid“ zum Haß und zur) Verachtung aufreizt und daß daher ein | strafbarer Tatbestand vorliegt?. dom der Völkorbundkontfolle unterstellten Nansoit-Amt übertragen werde, Die nach Regierungsantritt Hitlers aus dem Reich geflüchteten, iu der Saar augesiodelten und dann von dort weiter gezogenen Flüchtlinge sollen hingegen dem Schutze des Oborkommissars für Flüchtlinge au» Deutschland, James McDonald, überantwortet bleiben,

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