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Die Stimme · 1935-04-05 · Heft 440 (5.4.1935) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 440 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 440 — 5. April 1935 ABSCHIEDSVORTRAG DR. JOSEF KASTE INS: Donnerstag, den 11. April 1935, ■ ■ ■■■ ■■ ■ Wkmm ■ an ■ ■ ■ 1/fc9 Unr abends, Oftenbachsaal „Der Geist der jüdischen Wirklichkeit" sich rechtzeitig Karten I Smotenskin und die „Kadimah" •lillfflllllffllliiiii* Von Medizinalrat Dr. M. T. Schnlrer Dr. Alfred Landau, gestorben Der Nestor der jiddischen Sprachforschung. Dr. Alfred L a n d a u, ist in Wien im 85. Lebensjahr gestorben. Dr. Alfred Landau entstammte der berühmten jüdischen Patrizier- und Gelehrtenfamilie Landau, der auch der bekannte Verfasser des ,,Noda bej’-huda“, der berühmte Prager Rabbiner Jescheskel Landau, angehört hatte. Er wurde in B r o d y (Galizien) im Jahre 1850 geboren und lebte seit dem Jahre 1865 in Wien. Ursprünglich hatte er sich juristischen Studien gewidmet und war eine Zeit lang Richter, dann Rechtsanwalt. Später gab er jedoch die juristische Karriere auf und wandte sich ganz der jiddischen Philologie und Folkloristik zu, der auch schon früher sein lebhaftes Interesse gehört hatte. Im Jahre 1911 gab er zusammen mit dem verstorbenen Direktor der Kultusgemeinde-Bibliothek, Dr. Bernhard WT a c h s t e i n, die ,.Jüdischen Privatbriefe aus dem 16. Jahrhundert“ heraus. Auch über das bekannte Werk der G 1 ü c k e 1 von Hamei n, über die ..Klesmer-Sprache“ und über die Bibliographie des Jiddisch-Deutsch hat er sehr wertvolle Arbeiten veröffentlicht; ebenso über jüdische Sprichwörter und Redensarten. Sein größtes Werk, die jiddische Wort-Enzyklopädie, ist bisher Manuskript geblieben und wird aus dem Nachlaß veröffentlicht werden. Touristik- und Skiklnb „Hakoah“ Unterhaltungsabend mit Tanz Samstag, den 6. April, 8 Uhr abends Kunstsplelef Wien, I., Riemergasse 11 Faust.Parodie Jazz: Elite Kiddies Entree S 2.— Ent ee S 2. - Notland für Juden in Afrika? In der Märznummer der Wiener Zeitschrift „P aneur op a“, dem offiziellen Organ der gleichnamigen Bewegung des Grafen Coudenhove-Kalergi, veröffentlicht eine Persönlichkeit, die mit dem Pseudonym „Sperro“ zeichnet, einen Artikel, der den Titel „N o t l a n d für Juden in Afrika“ trägt. Die wirtschaftliche Not der Juden, schreibt der Autor, macht sofortige Abhilfe nötig. Die Völkerbundkommission ist machtlos. Massenzuwanderung kann kein Staat zulassen und Palästina kommt als Zufluchtsstätte nur für einen verschwindenden Bruchteil in Betracht. Massenhaft können die Juden nur in Afrika sich niederlassen, und zwar unter Obhut des Völkerbundes. Afrika besitzt gesunde Hochplateaus, auf die sich viele Millionen ansiedeln könnten, ohne Gefahr von Grenzstreitigkeiten oder Rassenkämpfe. Spero plädiert für den folgenden, „unverzüglichen“ Antrag an den Völkerbund: „Der Völkerbund wolle beschließen, den notleidenden oder aus politischen Gründen zum Verlassen der Heimat entschlossenen Juden in Afrika ein g e s c hl o s s e ne s An Siedlungsgebiet mit entsprechendem Klima unter seinem Protektorat zuzuweisen. Die Mittel hierzu werden von den im Völkerbund vereinigten Staaten aufgebracht und als Darlehen an die Ansiedler betrachtet, das diese nach einem bestimmten System, vor edlem durch den Import unter gewissen Bedingungen zu amortisieren haben.“ Spero fügt diesem Plan noch folgendes hinzu: „Jüdisches Kapital ist für diese Aktion nicht in Anspruch zu nehmen. D i e Kraftquellen für den Aufbau Palästinas dürfen unter ihr nicht leiden. Durch eine solche Judenkolonisation sind vielmehr für Palästina die mannigfachsten Vorteile zu erhoffen. Hat doch einst Babylonien neben Palästina als Pflanzstätte jüdischen Geistes und Lebern eine hervorragende Rolle gespielt!“ Alle alten Liebhaber der guten Sprit z e r- Küche (früher im „National“ und dann im „Stephanie“) sind jetzt täglich Gäste iin Restaurant. W. Spritzer, II., Hammor-Purgstall- Gasee 7 (Nähe Dianahad), Bei der kürzlich stattgefundenen Smoletißkin-Gedenkfeier, über die wir in unserer vorigen Freitagnumraer ausführlich berichtet haben, hielt Medizinalrat Dr. M. T. S c h n i r e r eine Ansprache über eeine persönlichen Erinnerungen an Smolenskin. Raummangels konnten wir diese Ansprache in unserem Bericht nicht bringen und geben sie hier wieder. Red. Wenn ich nach den ausgezeichneten, tiefschürfenden und gehaltvollen Reden, die wir soeben gehört, für einige Minuten Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehme, so geschieht dies in Erfüllung einer Pflicht dankbarer Pietät. Als Gründer und Senior der akademischen Verbindung „Kadimah“ ist es mir ein Herzensbedürfnis, am heutigen Tage in Ehrfurcht und Treue des großen Mannes zu gedenken, der der kleinen Schar kühner aber unerfahrener, oder vielleicht besser gesagt, kühner, weil unerfahrener Jünglinge bei den Vorbereitungen ihres nationalen Kampfes helfend und ratend zur Seite stand. In diesem Zusammenhänge muß ich, selbst auf die Gefahr hin, Ihnen Altbekanntes zu sagen, auf ein Ereignis zurückgreifen, das von den meisten Geschichtsschreibern der neueren Geschichte des jüdischen Volkes als historisches bezeichnet wird. Ich meine die Gründung der Kadimah. Es sind jetzt mehr als 52 Jahre, daß einige jüdische Studenten daran gingen, einen Feldzug gegen die volksvernichtende Assimilationslehre und für die Wiederaufrichtung der jüdischen Nation mit allen territorialen und geistigen Attributen zu eröffnen. Der Schwierigkeit und Größe des Unternehmens bewußt, suchten wir nach einer führenden Hand und beschlossen, den Rat eines Mannes einzuholen, dessen ganzes Leben und Wirken jenen Zielen gewidmet war, die wir auf unsere Fahne schreiben wollten. Es war dies der hebräische Dichter Perez Smolensk i n. Die Mitwirkung dieses Mannes r*- schien uns um so bedeutungsvoller, als er, im Gegensatz zu den meisten anderen literarischen Vertretern des jüdisch-nationalen Gedankens, nicht den Antisemitismus zum Ausgangspunkt seiner Bestrebungen nahm, sondern von seinem glühenden, echten Nationalitätsgefühl geleitet, zu einem unerschrockenen Kämpfer für die nationale Wiedergeburt seines Volkes geworden ist. Nicht die Judennot in der Gaiuth. sondern der Lebensdrang des jüdischen Volkes, das innere Bedürfnis nach Erhaltung und Entwicklung der schöpferischen Kräfte dieses unsterblichen Volkes führten ihn auf den Weg zum Zionismus. In seiner, in einem klassischen Hebräisch glänzend geführten und zu hohem Ansehen gelangten Monatsschrift „Haschachar“ führte er einen erbitterten und rücksichtslosen Kampf gegen die Assimilation und für die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes im eigenen Lande. Die völlige Übereinstimmung in Ziel und Motiven ließ uns eine Annäherung an Smolenskin doppelt wünschenswert erscheinen. Glücklicherweise konnten wir diese bald erwirken durch Vermittlung eines Mannes, der sich inzwischen zu uns gesellt hatte und in guten persönlichen Beziehungen zu Smolenskin stand. Es ist dies ein Mann, von dem die wenigsten Zionisten heute etwas wissen, dessen Namen aber als Mitbegründer der Kadimah und als palästinensischer Pionier aus der Geschichto der Bewegung nicht verschwinden darf. Es war dies Israel Niemzowicz, ein selten kluger Kopf, ein glänzender Hebräist, ein Mann von edelstem Charakter und eiserner Energie, der nach dem Tod« Keiner sehr schönen, von ihm angebeteten Frau, seine Bucbdruckerei in Bialystok aufgab, sein Kind bei seinen Schwiegereiitem zurückließ, um in Wien an der Technik Chemie zu studieren und dann in Palästina eine chemische Industrie zu be- Die Berührung mit Smolenskin bildet eine unserer stolzesten Erinnerungen. Als der Dichter unser Vorhaben erfuhr, nahm er sich unser, als getreuer Mentor, wärmstens an und leitete sorgfältig und liebvoll unsere ersten Schritte. Es war rührend, wie der, trotz seiner Kränklichkeit immer tätige und produktive Mann uns zu jeder Tageszeit, ja bis in die späten Nachtstunden unverdrossen zur Verfügung stand. Ob wir ihn in der Druckerei seines Haschachar am Sehlickplatz oder in seiner Behausung aufsuchten, immer legte er sofort seine Arbeit zur Seite und lieh uns ein williges Ohr. Mit seiner reichen Erfahrung, seiner Personalkenntnis in jüdischen Kreisen Wiens, seiner außerordentlichen Klugheit und Menschenkenntnis und vor allem seinem glühenden jüdisch-nationalen Gefühl wies er uns oft den richtigen Weg und ersparte uns manchen Fehlschlag. Noch vor Gründung unseres Vereines riefen wir seine Hilfe an, da es galt dem zu erwartenden Kinde einen geeigneten Namen zu geben. Wochenlang bildete diese Aufgabe Gegenstand unserer ernsten Sorge. Die Fordenungen, diie wir an diesen Namen stellten, waren aber auch schwer zu erfüllen, Er sollte hebräisch, kurz, wohllautend, leicht auszusprechen sein und vor allem unser Programm beinhalten. Smolenskin löste dieses Problem in überaus glücklicher Weise. Von ihm stammt der Name Kadimah, der in seinem dreifachen Sinne: vorwärts, ostwärts und in die Vergangenheit gerichtet das fortschrittliche Streben mit Festhalten an der Tradition und Zionismus beinhaltet. Es sind dies die gleichen Tendenzen, die Smolenskin 14 Jahre vorher in dem Geleitworte zum 1. Hefte seines Haschaehar zum Ausdruck brachte. Dort heißt es: „Lasset uns sein wie alle Völker.. Lasset uns ihnen auch darin gleichen, daß wir uns unseres Ursprungs nicht schämen, daß wir unsere Sprache und die Ehre unseres Volkes hochschätzen. Es ist keine Schande und keine Schmach für uns der Glaube, daß das Ende unserer Verbannung, daß der Tag kommen werde, wo das Haus Israel wieder seine Selbständigkeit verlangt, gerade so wenig sich andere Völker schämen, die da hoffen auf Erlösung aus den Händen der Fremden... Die Liebe zu unserem Volke sei die Leuchte unserer Schritte und unter dem Banner unserer Sprache mögen wir wachsen.“ Die „K a d i m a h“ nahm bald eine schöne Entwicklung und errang sich eine angesehene Stellung im akademischen Leben Wiens. Sie wurde in weiterer Folge zum Ausgangspunkt der modernen zionistischen Bewegung. Leider war es Smolenskin nicht vergönnt, sich an diesem Fortschritte zu erfreuen, denn kaum zwei Jahre nach der Gründung der „Kadimah“ ßtarb er in Meran, wo er auch begraben wurde. Wie merkwürdig, daß einige Jahre später unser schon erwähnte Freund Niemzowicz neben Smolenskin seine dauernde Ruhestätte fand. Die Kampfnatur Smolenskins, die Wucht seines Wortes, die Vehemenz seines Angriffes gegen alles was er als morsch im Judentume ansah, eeine unerbittliche Kritik brachten es mit sich, daß er unter den Machthabern im jüdischen Lager wenig Freunde fand und keine gute jüdische Presse hatte. Bei dieser fand Smolenskin auch nach dem Tode keine Gnade. So brachte Blochs österreichische Wochenschrift die Kunde von seinem Ableben ihren Lesern in zwei Zeilen zur Kenntnis, in welchen sie den Verstorbenen allerdings neration bezeichnete. Ebenso kurz behandelte die „Neuzeit“ den großen Verlust. Sio nannte Smolenskin den Führer einer nationaljüdischen Partei, anerkannte sein bedeut enden kritisches Talent und erklärte sich boreit eine gründen. Für das Pessachfesl jhx mmn Palästina-Mazxoth, Karmel-Weine-Kognak aus Riscon-Ie-Zion, Shemen-Oliven-Salatöl und Seifen, Jaffa-Orangen-Grape Fruit und Orangeade (Asis) Qrangenblüten-Honig, sowie samflidie Scezereiwaren und Sliwowitz riDS W HIPD liefert zu sehr billigen Preisen ins Haus Samuel Halpern, Wien, II., Förstergasse 6, Tel. 46-4-12. Auch Provinzversand als den genialsten Hebraisten der jetzigen Go¬ Ein neuer Wiener Film! Felix Bressart, Otto Wallburg, Oskar Karlweis, Alfred Heugebauer, Fritz Imhoff, Frledl Czepa, Gietl Berndt, Annie Rosar, Hermine SterSer in dem Wiener Lustspiel Alles für die Firma Die lustige Geschichte einer Wiener Kau - mannsfamiile in drei Generationen Nach dem erfolgreichen und vielbelachten Bühnenstück „Schottenring" von Friedmann und Nerz Regie: Rudolf Meinert Ab 5. April: iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiii Imperial-Kino I. Löwen-Klno III. Sdiwarzenbergplatz-Klno lll. Wienzelle-Kino VI. Maria-Theresien-Kino VII. Flieger-Kino IX. Sdiloß-Kino XII. Theater-Kino XVII. ILmmmm Monopol j Huschak & Co. Ges. m. b, H. mJ Biographie und eine geschichtliche Würdigung, des Verstorbenen zu bringen. Dazu ist es aber weder in der „Neuzeit“ noch in der österreii ch Ischen Wochenschrift gekommen. Die Miln weit hatte wenig Verständnis für das Wirken unseres großen Dichters und geistigen Führers. Um so mehr ist es Pflicht der Nachwelt, sein Andenken lebendig und hoch zu halten. Hier gilt das Goethesche Wort: „So feiert ihn! Denn was dem Mann das Leben Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.** 68 Länder der Welt importieren Shemen Oliven >Oel und Toilette- und Haushaltseifen weil die Qualität die beste ist und die Preise billig sind Shemen Salat-Oel geschmack- und geruchlos, In allen Geschäften erhältlich Generalvertretung für Österreich: S. RABINOWITSCH Wien, II., Zirkusgasse 10 :: Tel. R 48-7-38 KUNSTCHRONIK Wachtel’Ausstellung in Warschau Aus Warschau wird uns berichtet: Im Komtursalon des Warschauer polnischen Kunstvereines Zacheta füllt gegenwärtig einen der repräsentativsten Säle Wilhelm Wachtel mit einer Kollektion seiner Palästinabilder aus, die von dem dortigen polnischen Publikum mit lebhaftem Interesse gewürdig wird. Wachtel, der seine gegenwärtige Künstlertour mit Warschau beschließt, kehrt nächsten Monat zurück, um Vorbereitungen zu treffen für seine Übersiedlung nach Erez. „Ohne Zertifikat nach Palästina“. Jüdische Künstlerspiele. Die nationale Revue von A. Mciselß und H. Kon verbleibt wegen des überaus großen Erfolges weiter am Spielplan. Freitag Festvorstellung anläßlich der 25. Aufführung „Ohne Zertifikat nach Palästina“. Sonntag (Nachmittag %4 Uhr bei ermäßigten Preisen und Abend „Ohne Zertifikat nach Palästina“, Mo>ntag „Duwidl“, Dienstag und Donnerstag „Masltow“, Mittwoch „Die Schickorte“. Arien- und Liederabend Oberkantor Postolow. Sonntag, den 7. April 1935, gibt der bekannte Wioner Oberkantor Samuel Postolow im Feetsaal des Iiandelsmuseums, IX., ßerggasse Nr. 16, einen Arien- und Liederabend unter Mitwirkung des Prof. Erich Holländer (Cello). Am Klavier: Kapellmeister Kurt F u c h s g o 1 b. Ein Toi] des Remeriräguisses fließt der Ausspoisoaktion des Jüdischen Witwen- und Waisonhilfsvoroinos dos 9. Bezirkes zu. Verlangen Sie Im Restaurant wio auch :ra Kaffeehaus ausdrücklich Preblauer S a u e r b r u n n“ das geßundheitßfürderude, erfrischende österreichische Mineralwasser,

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