Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 440 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 440 5. April 1935 OIE STIMME Seit« 3 Den zweiten Prozeß führt der Bürsten fabrikant Adler aue Berlin, der eine En Schädigung in der Höhe von 30.000 Mar fordert. In seiner Klage führt Adler gen«, seine Verluste a.n, die durch Übernahme de Fabrik durch die Nationalsozialisten ver unsacht wurden. Einen starken Eindruck vermittelt. Beide Prozesse werden voraussichtlich schon in den nächsten Wochen vor den betreffenden deutschen Gerichten verhandelt werden. Die jüdischen Prügelknaben Der „Arbeiter-Sonntag“, das Organ des Wiener Vizebürgermeisters Dr. Winter, veröffentlicht unter dem Titel „M i ßgriffe“ folgende Meldung des „Berner B u n d“: „Eine Anzahl von Universitätsstudenten ist kürzlich wegen Verdachtes regierungsfeindlicher Betätigung von allen Hochschulen Österreichs bedingt für mehrere Semester relegiert worden, mit dem Beisatz, daß diese bedingte Maßnahme vollzogen wird, wenn die Ruhe an den Hochschulen, durch wen immer, gestört würde. Diese Verfügung geht vom staatlichen Regierungskommissär aus, sie gibt keine Begründung für den ausgesprochenen Verdacht. Es handelt sich bei den betroffenen Studenten um ehemalige Mitglieder des Verbandes sozialdemokratischer Hochschüler, wobei hauptsächlich Juden ausgesucht wurden. Es wird versichert, daß die meisten dieser Jünglinge sich p olitisch niemals betätigt haben... Vor allem stößt man sich an dieser kollektiven Haftung, die praktisch höchstwahrscheinlich dazu führen wird, daß einige jüdische, früher sozialistische Studenten relegiert werden, weil es den Herren Nazis beliebt, neuerdings einen „Wirbel“ zu inszenieren.“ Antl-Pessadikampagne In Rußland Wie alljährlich wird auch heuer in Sowjetrußland von der Gottlosenbewegung eine Kampagne eingeleitet, um die Juden davon abzuhalten, Pessach zu feiern. „E m e s s“, das Organ der jüdischen Kommunisten, schreibt: „Es ist ein schwerer Irrtum, wenn man annimmt, daß Religion und Nationalismus bereits überall liquidiert wurden. Der Klassenfeind ist noch nicht gänzlich besiegt und er will seine Waffen nicht strecken, deren wichtigste die Religion ist. Die antireligiöse Kampagne muß reformiert werden. Es genügt nicht, antireligiöse Versammlungen zu veranstalten; die Propaganda muß von Haus zu Haus und in den Wohnungen der Arbeiter geführt werden. Einige antireligiöse Versammlungen in Häusern, wo die Familien noch letztes Jahr das Haus von Chomez reinigten und wo man sich noch zum Seder setzte, werden einen größeren Effekt haben als ein Dutzend antireligiöser Konzerte. Die Kampagne muß rechtzeitig auch in den Straßen, in den Schulen, in den Bibliotheken, Klubs usw. geführt werden.“ Gleichzeitig wird in der Presse verlangt, daß die Kinder zum Kampf gegen ihre Eltern, die noch den Seder halten wollen, herangezogen werden müssen. Die Zeitung „Ster n“ begründet die Notwendigkeit einer Kampagne unter den Schulkindern damit, daß es noch immer Kinder gäbe, die an Samstagen und jüdischen Feiertagen der Schule fernbleibon und sogar am Gottesdienste mit ihren Eltern teilnehmen. Die Zeitung sagt: Das darf nicht länger geduldet werden. Die Sowjetschule darf in Fragen der antireligiösen Aktivität nicht weiter neutral bleiben.“ John Buchan Ceneratgouverm neur von Kanada London. (2. T. A.) Der berühmte Romanschriftsteller und Mitglied des Unterhauses John Buchan wurde zum englischen Generalgouverneur für Kanada ernannt; seine Erhebung in don Adelsstand 6teilt unmittelbar bevor. Oberst John Buchan ist einer jener Engländer, die sich hervorragend in der Richtung betätigen, daß den Juden Gerechtigkeit widerfahre. Er ist Präsident des Parlamentarischen Pro - Palestin o C o m i 11 e e und hat in dieser Eigenschaft der jüdischen Sache in Palästina wertvolle Dienste erwiesen. Anläßlich der vor kurzem von der Jewish Agency den Palästinafreunden im Parlament gegebenen Dinners ■ hrte Buchan in einer Ansprache unter an- ■rem aus: Wir sehen es a.ls unsere Auftbe an, England und der Welt die mmense Bedeutung der Vervirklichung des zionistischen d e a 1 s vor Augen zuführen. Wird einmal der Engländer dazu gebracht, den Zionismus Jerusalem, 1. April. (2. T. A.) Zu den von Mitgliedern der Zionistischen Exekutive in den ersten Sitzungen der Tagung des Zionistischen Aktionskomitees gehaltenen Referaten ist noch nachzutragen: Dr. Arthur Ruppin gab eineu Überblick über die nationale Kolonisation, ihre Leistungen und Richtlinien und ließ sich eingehender über die Tätigkeit der Arbeiterschaft auf diesem Gebiete aus. Er erinnerte an die einstige starke Gegnerschaft gegen die Formen der „Kwuzoth“ und „Mosohawim“ (ganz- und halbkollciktivisti.sohe Siedlungen) und stellte fest, daß sich diese heute bereits allgemeine Anerkennung erworben haben. Ruppin unterstrich die wirtschaftlichen und die sozialen Erfolge dieser Irgunim und wies darauf hin, daß sämtliche Keren-Hajessod- Kolonien im vergangenen Jahre Überschüsse erbracht haben. Ruppin berichtete über die Bildung einer Gesellschaft für Wasserbohrungen mit Teilnahme der Exekutive und des Keren Hajessod, sowie über den Plan der Schaffung einer speziellen Körperschaft für landwirtschaftliche Kolonisation. Zum Schluß berichtete Ruppin eingehend ülver das Werk der Ansiedlung der in den letzten zwei Jahren in Palästina eingewanrichtig zu verstehen, so werden an die Stelle von Zweifel und Kritik Wohlwollen und Begeisterung treten. Durch die gesamte englische Geschichte läuft eine starke Unterströmung von Sympathie mit den Juden. Niemals werden wir Engländer, wie viele andere Völker, an einem vulgären Antisemitismus Gefallen finden. Arbeitereinwanderung hin und erwähnte dabei die schweren Bedingungen, unter 'lenen die Chaluzim und Chaluzoth in der Hachscharah oft leben. Er kündigte Vorschläge der Exekutive zur Verbesserung der Lage auf diesem Gebiete an und erwähnte ein Abkommen zwischen der Jewish Agency und den Industriellen hinsichtlich der Auswahl fachkundiger Einwanderer. Die Anerkennung der Zertifikate, die dem Landwirte-Verband zur Disposition gestellt wurden, ist bloß ein Versuch, der nur dann wiederholt werden wird, wenn die Resultate befriedigend ausfallen werden. Grünbaum kritisierte sohärfstens die Handlungsweise jener Parteien, die ihr Recht auf Beeinflussung der Einwandererauswahl zu Parteizwecken ausgenutzt haben. Im Namen der Exekutive kündigte er die Anwendung entschiedenster Mittel gegen jede Form parteiischer Ausnutzung der Alija an. Die Generaldebatte Am 29. März wurde die Generaldebatte eröffnet. Berl Locker, Mitglied der Exekutive, machte eingangs noch einige Bemerkungen hinsichtlich des. Verhältnisses des nichtzionistisohen zum zionistischen Teil der Jewish Agency und sagte, die Nichtzionisten stehen nunmehr vor dem P r o b 1 em, neue Wege für die Zusammenarbeit mit den Zioni- Abschiedsvortrag Dr. Kasteins Der letzte Vortrag Dr. Jo s e f Käst e i n s hat in der jüdischen Öffentlichkeit einen gewaltigen Widerhall gefunden und das Landeskomitee wurde aus allen Kreisen der Bevölkerung bestürmt, einen zweiten Vortrag Dr. Kasteins zu arrangieren. Es ist nun dem Zionistischen Landeskomitee gelungen, Herrn Dr. Kastein, der Mitte April endgültig nach Palästina übersiedelt, zu bewegen, einen Abschiedsvortrag zu halten, der Donnerstag, den 11. April, um präzise 'A9 Uhr abends, im Offenbach-Saal, IV., Treitlstraße 3 (Porrhaus, hinter dem Verkehrsbüro), stattfindet. Das Thema lautet: »Der Geist der jüdischen Wirklichkeit.“ Dia Nachfrage nach Karten ist schon jetzt stürmisch. Karten sind erhältlich: Zionistischer Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5, Tel. U 22-2-11, sämtliche Zionistische Bezirks- Sektionen, Wizo, I., Schottenring 25, TeL A 11-6-26, Jüdische Kunststelle, II., Aspernbrüekengasse 2, Tel. R 48-2-91, Bücherstuba M. Rath, II., Taborstraße 20a, Tel. R 45-305, Bücherstube R. Lanyi, I., Kärntnerstraße 44, Tel. B 25-6-75, Bücherstube R. Löwit, I., Wollzeile 6, Tel. R 21-4-25. seien entschlossen, ihre unabhängige Arbeit fortzuführen. Sie würden jeden Versuch der zionistischen Exekutive, die Entwicklung des Allgemeinen Zionismus zu behindern, bekämpfen. Als Vertreter dies Hapoel Hamisr a c h i sprach Mosche S c h a p i r o. Er zollte den politischen und finanziellen Erfolgen der Exekutive Anerkennung, führte jedoch Klage über die Einwanderungspraxis der Exekutive, der . er vorwarf, daß sie nur Angehörigen Die Tagung des zionistischen Aktionskomitees m leichtverdaulich Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Streng* gläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch* und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Das 100% reihe Kokosnußfett K1S Nur echt in Originalpackung! derten deutschen Juden. Die Zahl dieser Einwanderer gab er mit über 20.000 an. Jizchak Grünbaum führte in seinem Referat über Einwanderung und Einwanderungspolitik unter anderem aus: Von Jänner bis März 1933 kamen nach Palästina rund 7000 Juden; in der gleichen Periode 1934 betraf die jüdische Einwanderung bereits 9000, um sich im ersten Jahresviertei 1985 auf rund 14.000 Seelen zu erhöhen, In der Einwanderung der letzten Jahre dominiert das sogenannte Kapitalistenelement, während die Arbeitereinwanderung nicht in gleicher Weise gestiegen ist. Unter den 42.000 Einwanderern des Jahres 1934 waren etwa 22.000, das sind 52%, Arbeitereinwanderer. Grünbau in wies auf die Notwendigkeit erhöhter Anstrengung zur Vergrößerung des Prozentsatzes der sten zu finden. Die Frage des Fifty- Fifty-Piünzips in der Jewish Agency bleibe dem Kongreß zur Erörterung Vorbehalten. Locker befaßte sich sodann mit der Forderung der Allgemeinen Zionisten, einen Separatverband zu bilden, und erklärte es als unzulässig, daß ein allgemeiner zionistischer Landesverband gleichzeitig ehr Separatverband mit eigener Disziplingewalt sei. Diesen Anschauungen trat der Vorsitzende des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Dr. Schwarzbard, entgegen. Er erklärte, der bisherige Standpunkt gegenüber den Allgemeinen Zionisten sei veraltet. Die zionistische Exekutive sollte nicht gegenüber den Allgemeinen Zionisten und dem Haschomer Hazair, gegen den von der Exekutive keinerlei Disziplinarmaßnahmen getroffen wurden, einen verschiedenen Maßstab amvonden. Die Allgemeinen Zionisten i der mit ihr verbündeten Parteien Zertifikate zu teile. Ben Chorin, einer der revisionistischen Vertreter im Aktionskomitee, erklärte: Die politische Arbeit der zionistischen Exekutive setzt sich aus zufälligen Tätigkeiten zusammen, sie besteht aus einer Kette von Improvisationen. Die Exekutive, die kein wirtschaftliches Programm hat, hat sich als unfähig erwiesen, die Entwicklung in Palästina zu leiten und der sich immer wieder ergebenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten Herr zu werden. Die Spekulation hat sich zu der größten Plage des Landes ausgewachsen, sie ist abor nur das Ergebnis des Mangels an Siedlungsland. Wir Revu sionisten, schloß Ben Chorin, treten jeder* zeit für Frieden innerhalb der zionistischen Reihen ein, damit eine Basis für den „großen Zionismus“ geschaffen werde. David R e in o z, einer der Führer der