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Die Stimme · 1935-04-05 · Heft 440 (5.4.1935) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 440 (5.4.1935)
Date
1935-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite Z DIE STIMME Nr. '440 — 5. April 1938 hohe \\ eit hat versagt, hat nicht einmal gewagt daran zu erinnern, daß Deutschland sowohl im Friedens vertrag als auch bei der Aufnahme in den Völkerbund gewisse primitive \ erptlichttuigen auf eich genommen hat. Wortlos sieht die Öffentlichkeit den Krieg von (57 Millionen gegen 500.000 Juden an. nimmt sie die Greuel der Konzentrationslager, die tägliche und .stündliche Beleidigung jedes 'Rechtes zur Kenntnis. Daß Deutschland die Gleichberechtigung, die es fordert,- einer halben Million seiner Einwohner geraubt hat, diese Antithese ist noch nie aufgeworfen worden, auch nicht einmal jetzt, wo ganz Deutschland in Empörung wegen der Gerichtsurteile in Kowno sich überschlägt, wo dio deutsche Presse zu Beschwerden wegen der Leiden der deutschen Minderheiten — in Ungarn und in Rumänien kommandiert wird. Trotzdem wird der Fall Jacob nicht so ohne Wirkung Vorbeigehen können. Die Worte, die der Schweizer Bundes rat Motta am Dienstag gesprochen hat, müssen in jeder Hauptstadt einer von der heldischen Weltanschauung bedrohten Nation wider klingen: ,,Es wäre schnell um lins geschehen wenn wir nicht den Mut hätten, uns gegen wen immer zu erheben, um die Wiedergut •machung zu erlangen!“ Diese Rede ist ge halten worden und sie wird überall gehört wo man an dom Fall Jacob sieht, was das amtliche und das nichtamtliche Dritte Reich sich unterfängt, weil es bisher immer straflos ausgegangen ist. Acht Zertifikate für Österreich Die bestrenommierte orth. "IW Feinwurstu. Selchwarenerzeugung EISEN S HÖNIGSBER INHABER: J. EISEN bringt auch für ÜDjD ihre Spezialitäten. Zu haben in allen ihren Filialen. Fabrik und Postversand: Wien, III., Rabengasse 13, Telephon Nr. U 14-1-68 Frick huldigt Streicher Der deutsche Reichsinnenminister Doktor Frick sprach auf einer Kundgebung in Nürnberg, wobei er auch auf die Judenfrage zu sprechen kam. Er sagte u. a.: Wir haben den Wert von Rasse, Blut und Volkstum erkannt und in die Tat umgesetzt. Es wurde der zersetzende fremdrassige Einfluß ausgeschaltet, weitgehend ausgeschaltet insbesondere auf dem Gebiet der Politik, im Beamtentum, durch die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurden hier diese fremdrassigen Elemente, die nur zum Schaden des deutschen Volkes sich betätigten, ausgeschaltet. Ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere der großen Verdienste unseres Pg. Julius Streicher gedenken, der ge rade auf diesem Gebiet seit über einem Jahrzehnt nicht müde ward, immer wieder hinzu weisen auf diese verderblichen Einflüsse der Rassenmischung, auf das zersetzende Judentum und ich glaube, wir sind seiner Ziel Setzung schon in unserer zweijährigen Regierungszeit doch schon nahegekomraen, auf jeden Fall sind wir weitergekommen. Dr. Frick gehörte bis vor kurzem zu denjenigen Mitgliedern des Reichskabinetts, die die Judenfrage in einem erträglichen Tempo und nach maßvollen Grundsätzen behandelt sehen wollten. Wenn er nun auch in das Lager Streichers übergegangen ist und in diesem die maßgebendste Autorität hinsichtlich der Judenfrage erblickt, so ist das ein weiterer Beweis dafür, daß Julius Streicher in seinem Feldzug gegen die Juden keineswegs Politik auf eigene Faust betreibt, sondern nur der V o 11 s t r e c k e r des Willens seines Führers und besten Freundes Hitler ist. Man wird es nicht für möglich halten: Das Einwanderungsdepartement der Exekutive hat 1150 Zertifikate als Vorschuß für die Frühjahrs-Schedule erhalten und hat davon — sage und schreibe — für die Zionisten Österreichs acht Zertifikate für Österreich überwiesen. Zwei Zertifikate erhielt die Agudas Jisrael! Ist das nicht ein Hohn? Die Sache wird noch dadurch ärger, daß sich unter diesen acht Zertifikaten kein einziges Chaluz-Zertifikat befindet. Nach der Praxis der Exekutive werden die acht Zertifikate wahrscheinlich vom Einwanderungsdepartcment den Handwerksverbänden Haowed und dem Hand werkerverband der Radikalen Zionisten zugewiesen werden. Die Allgemeinen Zionisten, Misrachisten, Revisionisten und Judenstaatsparteiler gehen leer aus. Hierüber herrscht allenthalben Entrüstung und Aufregung. Die Palästina-Amtskommission hat nach einer erregten Debatte folgenden B e s ch 1 u ß gefaßt: Die Palästina-Amtskommission pro testiert gegen die Beteiligung Österreichs mit nur acht Zertifikaten (für 5 Männer und 3 Mädchen) und erklärt die Verteilung dieser Zertifikate auch nach Eintreffen der Weisungen der Exekutive nicht vorzunehmen. Die Palästina-Amtskommission protestiert insbesondere dagegen, daß die Chaluz - Gruppen nicht berücksichtigt wurden. Dieses Vorgehen der Exekutive wird überall als Brüskierung der österreichischen Zionisten und einseitige Bevorzugung der der derzeitigen Exekutive nahestehenden Gruppen aufgefaßt. Herr Jizchak Grünbaum hat sich auch beeilt, den Handwerkerverband der Radikalen anzuerkennen. Mit der Anerkennung des Allgemeinen Zionistischen Hechaluz in Wien hingegen hat er es trotz wiederholter Urgenzen gar nicht eilig. Er findet es nicht einmal für nötig, die Briefe des Landeskomitees zu beantworten. Soll auf diese, Weise der Zionistische Landesverband für Österreich, dessen Delegiertonversammlung gegen die Zertifikatepolitik der Exe lcutive protestiert hat, bestraft worden? Das soll uns nicht hindern weiter gegen das Unrecht anzukämpfen, das in der Aufrechterhaltimg einer Einwanderungspraxis bestellt, durch die eine e i ns e i t i g e Bevorzugung gewisser Grup peil verankert wird. Man spricht jetzt viel von der Disziplin und verdächtigt alle Zionisten der Disziplinlosigkeit, die nicht alles ruhig einstecken. Die zionistische Öffentlichkeit muß sich darüber klar sein, daß es Kampf für die Disziplin bedeutet, wenn man ein System ändern will, das ungerecht und die Quelle ewiger Reibungen ist. Der Schekel gibt jedem Zionisten die Waffe in die Hand, mit der er gegen systematisches Unrecht und für die gleiche Behandlung aller Einwanderungswerber kämp fen kann. Wir hoffen, daß die Österreich! sehen Zionisten vom Schekel den richtigen Gebrauch machen werden. Inzwischen aber verlangen wir, daß das Einwanderungsdepartement der Exekutive endlich den österreichischen Zionisten im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten eine entsprechend große Anzahl von Zertifikaten sofort zuweist. Schelhammer’s Glückslose! Wieder waren es vier II a u p 11 r e f f c r* die in der am 2. April d. J. abgelaufenen' Klassenlotterie mit Schelhammer-Losen ge* Wonnen wurden. Es entfielen in der V. Klasse der Haupttreffer von S 200.000 auf Los Nr. 50.142, der Haupttreffer von S 50.000 auf Los Nr. 50.193, der II a u p t« treffer vonS 40.000 auf Los Nr. 45761, ferner in der III. Klasse der Haupttre ffer von S 50.000 auf Los Nr. 38.333, die' alle nebst vielen Treffern zu S 20.000, 16.000, 12.000, 10.000, 8000, 6000, 4000 und 2000 usw. beim Bank- und Wechsel« haus S c h e 1 h a m m e r & S c h a 11 e r a, Wien, I., Stephansplatz 11, Filiale XIII., Hadikgasso 60 a, gekauft wurden. Schon am 21. Mai d. J. beginnt eine neue Lotterie, bei welcher wieder der größte Haupttreffer eine ganze Million Schilling beträgt. Es empfiehlt sich daher, schon heute Lose durch obiges Bank« haus zu bestellen. Lospreis: Va S 6.—, Vk S 12.—, % S 24.—, */i S 48.—. KS Ermäßigung der Palästina* Touristen^ Kaut ton in Wien Uber Intervention des Palästinaamtes Wien hat das englische Konsulat die Touristen-Kaution von S 2000 auf S 1600 ermäßigt. Diese Ermäßigung tritt ab Montag, den 8. April 1935 in Kraft. Das erste und führende TwD, Wiener und rumänische Restaurant Spritzer (früher im „National“, dann im „Stefanie“) jetzt II., Hammer-Purgstall-Gasse 7 (Nähe Dianabad), bringt vorzügliche, abwechslungsreiche Mittags- und Abend- Menüs schon ab Schilling 1*60. Bekannt gute Wiener Küche und alle orientalischen Spezialitäten B^ am Rost und Spieß “PB Saul Oppermann gestorben Am 2. April erlag unser Gesinnungs« genösse Saul Oppermann in seinen* 39. Lebensjahre einem Schlaganfall, während er von der Rettungsgeseilschaft ins Spital gebracht wurde. Mit Oppermann ist einl braver Gesinnungsgenosse dahingegangen« Er war durch viele Jahre Obmann der Zioni« stlschen Bezirkssektion Zwischenbrücked und hat sich um diese Sektion große Ver« dlenste erworben. Oppermann war auch! Fürsorgerat der Israelitischen Kultus« gemeinde. Das Begräbnis fand am 4. d. M< unter reger Anteilnahme statt. Wir werden) hierüber noch berichten. Warum Togal? Mehr als 6000 Ärzte, darunten viele bedeutende Professoren, anerkennen diel hervorragende und zuverlässige Wirkung deij Togaltabletten bei gichtischen und rheunun tischen Beschwerden sowie bei Efkältüngs« krankbeiten. Die Schmerzen werden -moisfr-so« fort behoben. Togal ist in jeder Apotheke de* In- und Auslandes zu haben. fliegen Settleibißteit überaus totrfjam <JVe&Iauet Saucrbrumt Grobe über die Judenfrage Auf einem Appell der Gauamtsleiter und der Kreisleiter sprach, wie der „Westdeutsche Beobachter“ berichtet, in Köln Gauleiter Grohe. In bezug auf die Judenfrage sagte er nach dem Bericht des Blattes: „Die Juden werden in Deutschlandl langsam wieder frech. Der Kampf ge gen das Judentum wird um so rücksichtsloser geführt werden, je mehr das Judentum offen oder im stillen gegen uns arbeitet. Die Grundsätze der Partei sind unerschütterlich. Und zu diesen Grundsätzen gehört der Antisemitismus. Der Nationalsozia- Ismus ist antisemitisch, weil er dem deutschen Wesen entp r i c h t. Das Judentum bedeutet eine Gefahr für alle arischen Völker. Restaurant Rillet 1I£>3 Bestrenommierte Küche “UP3 Reichhaltige Menüs iS 1*90u.2'60 Schwechater Bräu II., Hammerpurgstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke Telephon A 41-0-25 Jüdischer Betriebsführer durch durch die Straßen geführt Lübeck, 1. April. (2. T. A.) Wie das „Lübecker Volksblatt“ meldet, wurde in Lübeck ein jüdischer Betriebsführer wegen asozialen Verhaltens und wegen Äußerungen gegen das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit mit umgehängten Schildern durch die Straßen geführt. Polizeibearate stellteu sich dem Zug in den Weg und leiteten ihn zur Polizeiwache, wo der Betriebsführer in Sehutzhaft genommen wurde. Danzig, 2. April. (2. T. Ä.) Je näher der Termin der Volkstagswahlen heranrückt, desto mehr wächst bei der jüdischen Bevölkerung die Unruhe. Den oppositionellen Parteien werden jüdische Sym pathien oder Interessen in die Schuhe ge schoben. So schreibt beispielsweise die Pressestelle des Senats in einem amt liehen Kommunique, das für die ausländische Presse bestimmt ist, daß es „bezeichnend ist daß die beiden Spitzenkandidaten der sozial demokratischen Partei jüdisch aus sehe n“. Beide Abgeordnete sind aber weder Juden, noch stammen sie von Juden ab. In den Auseinandersetzungen in der Presse und in öffentlichen Veranstal tungen der Nationalsozialisten spielt das jüdische Moment eine erhebliche Rolle. Sei es, daß gegen den Kapitalismus, sei es, daß gegen die Kunst zu Felde gezogen wird immer wieder fallen die Worte „Jude“ und „Judentum“ in beleidigenden Zusammenhängen. Den Höhepunkt des antijüdischen Feldzuges bildet der Besuch Streichers in Danzig. Bekanntlich ist das Ziel der National Sozialisten, im kommenden Wahlgange die Zweidrittelmehrheit zu erlangen, um dann eine Verfassungsänderung durch- AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER pLiy STOBERLPREISE Alt-Wien im Grinzinger Keller. Täglich Musik der Kapelle Auerbada. Konzert, Jazz, Stimmung. Mitwirkend: Stimmungssänger Hans Blaschek und Violinvirtuose R. Ohlenschläger führen zu können. In jüdischen Kreisen be« fürchtet man, daß bei dieser Änderung defl Verfassung, die zugleich eine Änderung des Danziger Statuts bedeuten würde, die Rechte der Juden, die zur Zeit! wenigstens noch auf dem Papier stehen, rest« los fallen werden, obwohl auch bisher, ohne! offiziellen Arierparagraphen und Rassen« prinzip, Diskriminierungen der Juden un(f deren Verdrängungen aus dem Wirtschafts« leben und aus den freien Berufen an de® Tagesordnung waren. Die ersten Prozesse gegen den deutschen Staat Auf Grund des Gesetzes über Entschädig gungen für nichtdoutscho Bürger für Schä« den und Verluste, diie infolge des national« sozialistischen Umschwunges erlitten wor« den «lind, sind nun die ersten zwei Prozesse! durch Vermittlung der polnischen Konsulate in Berlin und Bayreuth eingeleitet worden. ln dem ersten dieser Fälle handelt es sich um den polnischen Bürger Hermann C z op 0 k, der in Bayreuth ein großes Warenhaus besessen hatte und der eine Entschädigung in der Höhe von 118.000 Mark für den Vorlust seines Unternehmens und fiir dio im Konzentrationslager erlittenen moralischen ’ Leiden fordert. Die Klageschrift beschroilbt ausführlich die Leiden des Auswanderers, nennt die Namen der Personen, die ilim im Konzentrationslager gequält hatton und schiklort die Vernichtung des Unternehmens, das hauptsächlich auf Ratenverkauf beruhte. Nach dem Umsturz konnte Czopek die ausstelienden Beträge nicht mehr ointreibon. TP» ljrhtblldervortrag Dr. Paul Koeier (Prag), Gewerbeverein, 1., Eschenbachgasse II, Samstag, 6. April, 20 Uhr IM AUTO NACH PALÄSTINA _jg, der aioh in allon Städten wiederholt Tat. — kein Werbevortrag — eine hinrelßendo, lebenswanne Reportage mit wirklich herrlichen Idohtblldurn. — Karten von 8 —,80 bis 2‘50 bei der Jüdischen Kulluratelle, II., ABpernbrUokengusse 2 (It 48-2-Dl), VI., Loquaiplatall (B 20-0-81), lX., WÄhrlngerfltrtüSe 48 (A14-400)

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