Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 440 (5.4.1935)
- Date
- 1935-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Abschiedsvortrag Dr. Kastelns Donnerstag, den 11. April, präzise Vt9 Uhr abends, im Offenbach-Saal, IV., Treitlstraße 3 (Porrhaus), Uber: „D e r Geist der jüdischen Wirklichkeit.« JÜDISCHE ZEITUNG DER WEG NACH EREZ ISRAEL fuhrt über die PALÄSTINA-EILLINIE des LLOYD TRIESTINO T R I E S T—J AFFA —HAIFA nur S 250-— in der ausgezeichneten louristenklasse in zwei oder vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher und schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) Die großen Schiffe .OALILEA', .GERUSALEMME', .PALESTINA' (je 12 500 Tonnen Deplacement) Verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Ägypten und via Athen- Istanbul. Gelegenheit zu hetrlichen Rundfahrten Im Mitteimeer Für Reisegesellschaften Sonderpreise Lloyd Trlestino, Wien, I., Kärntnerring 6. Tel. U 47-5-60 Nr. 440 | BUHEBBH Wien, 5- April 1935 Redaktion und Administration ■ Wien, u, Mare-Aurol-StraBs o. Tel.: U 22-3-91 .tsdaktionssetiluB Montag und Mittwoch vorm I (2 Nissan 5695) | 8. Jahrgang Nationalsozialistisches Vö Mitten in die Ministerreisen und Konferenzen und Friedienspaktverhandlungen ißt der Fall Jacob hineingeplatzt, der Fall eines jüdischen Schriftstellers, der durch deutsche Lockspitzel aus Basel im Auto nach Deutschland verschleppt worden ist. Es ist nicht der erste Fall dieser Art, aber er ist durch zwei Umstände bemerkenswert: Noch während die amtliche Untersuchung der Schweizer Behörden sich entwickelte, erklärte die deutsche Regierung, Jacob habe illegal die deutsche Grenze überschritten lind sei in Haft gesetzt worden; die Schweizer Regierung erklärt in einer diplomatischen Note an Deutschland, sie habe alle Beweise, daß die Verschleppung mit Wissen deutscher amtlicher Stellen erfolgt ist und sie fordere deshalb die sofortige Zurückstellung des Verhafteten. Es steht nicht Aussage gegen Aussage, sondern es liegt eine amtliche Äußerung der Schweizer Regierung vor, die denn doch ein Recht darauf bat, daß ihre Behauptungen volles Gewicht hahen. Ihi steht eine Behauptung der, nun der deutschen Regierung gegenüber, die in ihrem hergebrachten Zynismus sogar ~u einr'on Teil die Wahrheit sagt. Jacob ist tatsächlich illegal nach Deutschland gekommen;, ohne Paß, gefesselt, in einem rasenden Wagen, für den sogar, welcher Zufall, der Sohlagbaum an der Grenze geöffnet war. Die Affäre ist aufgeflogen während der Zeit, da sich die europäischen Kabinette verzweifelt um die Aufreohterhaltung des Friedens bemühen und eich anstrengen, das Dritte Reich irgendwie in ein Paktsystem zur gegenseitigen Hiife im Falle eines kriegerischen Angriffes einzugliedern. Alle sind im Schweiße ihres Angesichtes daran, die Couösche Formel ,,es geht mir gut“ auf ihre Politik zu übertragen. Sie murmeln in /bis zur Erschöpfung betriebener Selbsthypnose: Deutschland will den Frieden! Aber in Berlin ist iu siebe ns tündiger Rede nachgewicsen worden, daß — die anderen den Krieg wollen und daß da* Dritte Reich die Gleichberechtigung verlangt. Niemals ist seit dem Kriege dem deutschen Volk dif> Gleichberechtigung bestritten worden; trotz fdem ist sogar von. den Mächten der ehemaligen Entente dieses Postulat' der nationalsozialistischen Propaganda förmlich als ein Axiom angenommen worden. Mit dem Erfolg,- daß plötzlich die allgemeine .Wehrpflicht proklamiert wurde. Alle Medizinmänner in den Kabinetten beeilten sich, die Völker zu beruhigen: Deutschland hat ja gerüstet, wir wissen davon und es handelt sich Die jüdische Einwanderung nach Transjordanien Neuestes aus Palästina Zionistenkongreß am 20. August? Jerusalem, 3. April. (2. T. A.) Ein Vorschlag, den 19. Zionistenkongreß für den 20. August einzuberufen, scheint ^Zustimmung im A. C. gefunden zu haben. Uber den Kongreßort liegt noch keine Entscheidung vor. Die . A.-C.-Session dürfte Ende dieser Woche abgeschlossen werden. Die Eröffnung der zweiten Makkabade Tel-Aviv, 3. April. (Z. T. A.) Am Dienstag, den 2. April, wurde im JNeuen Stadion zu Tel-Aviv die II. Makkabiah eröffnet, Es herrschte prachtvolles Sonnenwetter, die Veranstaltung nahm einen erbebenden Verlauf. Mehr als 50.000 Zuschauer füllten das Stadion bis auf den letzten Platz. Vor dem Ehrenpräsidenten des Welt-Makkabi, Lord Melchett, defilierten die Teilnehmer aus 28 Staaten der ganzen Welt. . Vom leichtathletischen Programm des ersten Tages wurde nur die 4X100-Meter- Staffel für Damen durchgeführt, in welcher Deutschland vor Polen und Österreich siegreich blieb. Außerordentliche Überraschung rief die Mitteilung ln der Pressekonferenz hervor, daß der Aufmarsch der Makkabiah-Teilnehmer durch die Stadt Tel-Aviv wegen Gefahr von Ruhestörungen behördlich untersagt worden ist. Der Arbeitersportverband H a p o e 1 und der revisionistische B e t a r nehmen an der Makkabiah nicht teil. Wizo-W eltkonferenz geschlossen Tel-Aviv, 3. April. (Z. T. A.) Die achte Weltkonferenz zionistischer Francin (Wizo) ging zu Ende, nachdem ein Arbeilsprogramm für zwei Jahre und ein Budget für die gleiche Periode in Höhe von 46.781 Pfund beschlossen wurden. Zur Vorsitzenden wurde Imdy Samuel gewählt. Dem Präsidium gehört noch Frau Gaster an. Vorsitzende der Palästina-Exekutive ist Harlassa Samuel. Die Wizo-Tagungen fanden im tschechoslowakischen Pavillon auf •der IjCvante-Messe statt. (Näheres im Innern des Blattes.) Palästina-Anträge Wedgwoods im Unterhaus Colonel Wedgwood hat angekündigt, er werde im Unterhaus eine Resolution einbringeu, ln der das Haus es als wünschenswert bezeichnet, daß entsprechend der Tradition Englands jüdische Flüchtlinge, denen es gelungen ist, nach Palästina zu gelangen, nicht g efangengesetzt werden und die Erlaubnis erhalten, Boden zu kaufen und sich auch in Transjordanien niederzulassen. Auch sollen Maßnahmen getroffen werden, tim Palästina aus einem Mandatsgebiet in ineKronkolonie umzuwandelu. London, 28. März. (Z. T. A.) Im Unterhaus fragte der Abgeordnete Kolonel Wedgwood den Kolonienminister, ob er einen Bericht über die Möglichkeit, Juden die Niederlassung in Transjordanien zu gestatten, erhalten habe oder eine unabhängige Kommission zur Berichterstattung hierüber entsenden werde. Der Kolonienminister verneinte dies. Er erklärte, die Möglichkeit der Ansiedlung von Juden in Transjordanien hänge von den örtlichen Verhältnissen ab, bezüglich derer er sich von den Ratschlägen des High Commissioners leiten lassen müsse. Dieser sei unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, die Ermutigung jüdischer Niederlassung zu empfehlen. In einer zweiten Anfrage verlangte der Abgeordnete Wedgwood Informationen über den Hungerstreik von Frauen im Gefängnis von Bethlehem: ob die Frauen jetzt frei seien, ob die Angelegenheit geheimgehalten wurde und ob der Gefängnisleiter ein Engländer sei. Der Minister antwortete, er sei noch nicht im Besitz der vom High Commissloner eingeforderten Auskunft, habe aber inzwischen unabhängig davon folgende Mitteilung erhalten: Die betreffenden beiden Frauen hätten erklärt, russische Untertanen zu sein, was unrichtig sei. Sie hätten am 4. März einen Hungerstreik erklärt und ihn am 5. März aufgegeben. Dem üblichen Verfahren entsprechend sei ihnen die Freilassung gegen Kaution angeboten worden, doch sei die Sicherstellung nicht hinterlegt worden. Den darapfhin von Kolonel Wedgwood neuerlich eingebrachten Anfragen, ob diese Frauen noch im Gefängnis seien und ob es möglich sei, Instruktionen in dieser Sache telegraphisch statt schriftlich zu geben, schloß sich auch der Abgeordnete Major D a v i e s an. Bodenverkaufsverbot in Transjordanien aufgehoben? Jerusalem, 3. April. (Z. T. A.) Der Tageszeitung „Haare z« wird aus Amman berichtet, daß der unter dem Vorsitz Emir Abdullahs tagende transjordanische Ministerrat die gesetzlichen Be Stimmungen gegen den Verkauf von Grund und Boden an Ausländer abgeschafft hat. Demnächst werde ein Gesetz veröffentlicht werden, demzufolge Grundbesitzer, die mindestens 200 Dunam besitzen, einen Teil ihres Bodeneigentums nach Bewilligung durch den Emir und den Premierminister verkaufen dürfen. Sogar Regierungsboden soll provisorisch bis zu einer gesetzlichen Regelung durch das neue transjordanische Parlament an Ausländer zwecks Anlage von Pflanzungen abgegeben werden können. ACHTUNG HAUSBESITZER! Eure Häuterverwaltungen, Geldbeschaffungen mmmmmmmmmmmmmmmmmmmtmmmmmmmmmmmmm und Reparaturkredhc kulantest nur durch das behördlich Konzessionierte Realitäten-, Hypotheken- und Verwaltungsbüro Tel. A 48-9-22 Sensal R. TAUBMANN Wien, II., Nordpolstraße 2/3 VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 5 doun nur um die Publizierung einer Tatsache. Hitler will den Frieden, er hat es selbst gesagt... Wir wünschen, daß man so tut, als glaubte man ihm. Simon i nd Eden haben die Parole ausgegeben. L nd nun kommt die Anklage der Schweizer Regierung. Gewiß werden jetzt die anderen Regierungen sagen, daß dieser Fall, der doch nur einen jüdischen Schriftsteller betrifft, nichts mit dem Thema der Verhandungen zu tun hat. Sie sagen es, obzwar sie es selbst nicht glauben, und obzwar hier in einem Brennpunkt der politischen Linse alles gesammelt ist, was so deutsches System, was Nationalsozialismus heißt. Aber das Strahlenbündel aus einem Brennpunkt blendet die Augen... In Verbindung mit dieser Affäre, die ja in Kufstein, in Liechtenstein, in Marienbad, in Zahori ihre Vorläufer hat — diese sind bekannt —, ist noch zutage gekommen, daß sich in einem Ort bei Rouen eine Expositur der geheimen Staatspolizei aufgetan hatte, die von dort aus die Rollkommandos in Bewegung setzte. Es ist festgestellt worden, daß auf den Kanarischen Inseln eine deutsche Propagandazentrale arbeitet, die das französische Nordafrika mit dem Geist der Gausaf versorgt, daß in Abessinien sich deutsche Offiziere befinden, die in den Wäldern des schwarzen Reiches l^eoparden jagen und botanisieren; es ist in Prag ein deutscher Journalist verhaftet worden, der — wie hübsch ist doch dieses Detail! — kn „Völkischen Beobachter“ ant-itschechische Artikel schrieb und mit den Gajda-Faschisten auf Du lind Du verkehrte; es ist festgestellt worden, daß in die Wahlen in Holland deutsches Geld eingegriffen hat. Der „Völkische Beobachter“ ist von heiligem 7om gepackt: Wir geben Geld ins Ausland?! Wenn mau dieser Entrüstung das Beispiel Österreichs entgegenhädt, wird das mit einer Handbewegung abgetan werden. Aber alle Feststellungen dieses Unwesens bleiben wirkungslos; blieben es bisher wenigstens. Wird die öffentliche Anklage der Schweiz dieses Eis nicht brechen? Der verschleppte und verhaftete Jacob ist ein Jude, und wenn sein Schicksal vor das Haager Schiedsgericht kommen sollte, so wird er der erste Jude sein, dem ein ordentliches öffentliches Verfahren die Freiheit wieder gibt. Er ist einer von einer halben Million, deren Loedurch kein Gericht geprüft wurde und wird. Die Juden Deutschlands leben in einer Hölle, unter Demütigungen und Qualen, die ihnen nur ihre innerliche Würde, ihre seelische Kraft noch erträglich macht. Die gesamte arisoh-ohrist- Allwöchentliche Fahrten nach Paläftina "V* denLuxmscliiffen der italierWlwlHIig nisclien Linien, billigste Preise. llünstige Arrangements. Auskunft und Anmeldungen: Reisebüro Central, Direktor Otto Hei man, Wien, I., Stubenring 2, Toi. R 27-2-22, gegenüber dem Kriegtministerium