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Die Stimme · 1935-04-02 · Heft 439 (2.4.1935) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 439 (2.4.1935)
Date
1935-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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$t. '430 — 2. 'April 103:1 DIE STIMME ~ Sette 9 IXn.urr unseres Volkes und;m seine Erwähnlieit zu einem vorbildlichen Dasein, mul wir kennen endlich die grundsätzliche Einbeit aller EGtensIjivJiLungcn nl« ihre Unterordnung unter die Gesetze einer ewigen Ethik.“ Dr. Kastein «chloß sei,mm oftdurch Reifla 11 skundgebungen unterbrochenen Vortrag mit den Worten: „Zu diesen Motiven unseres Seins müssen wir zurück. Unser Lohen muß eine Aussage werden für unseren Mythos. Unser Leben muß sich selber als eine Einheit darstellen, von ewiger Gesinnung getragen und nicht vom zeitgeb umieneu Interesse. Wir müssen zurück zum Volkstum und seiner aeit,losen Motivierung, die im tiefsten Sinne eine Motivierung der Gläubigkeit ist. Ob einmal diese Gläubigkeit die des alten Ritus sein wind oder ob sich neues Erleben neue Formen erzwingen wird, das können wir heute noch nicht wissen. Aber der Schritt muß gewagt und der Kumpf ausgo tragen werden. Dieser Kampf wird stehen unter dem Symbol des Namens Jerusalem. Ahasver ist in Jerusalem geboren, und in Jerusalem wollen wir ihn sterben lassen. Lin esclik a c h e c h J e r u s c h u 1 a j i m... wenn ich je dein vergüsse, Jerusalem...“ Die ergriffene Zuhörerschaft dankte Kastein mit minutenlangem Beifall. Der (blendende Schriftsteller Kastehi, der sich wieder als idealer Vortragender erwies, machte den Abend wieder zu einem starken Eriehuiis. Seine von hoher Kultur erfüllte Sprache ist von tiefster Eindringlichkeit und ■prophetischer Kraft. Wenn Kaste in — diese schlanke, hohe Erscheinung mit dom scharf profilierten, durch ge je tilgten Gesicht — oben am Podium spricht, glaubt man die Stimme des Propheten zu hören. Der große Kenner jüdisch-historischen Geschehens, der es so (meisterhaft versteht. Brücken zwischen den Jahrtausenden zu schlagen, war an diesem Abend schonungsloser Kritiker des uns von der Umwelt aufoktroyierten Zerrbildes unseres Sehrs und zugleich Mahner zur Rückkehr zu den Quellen unseres wahren Seins. Dr. G r ü nb a u m gab der Stimmung des 'Auditoriums richtig Ausdruck, als er in seinem Schlußwort sagte: „Wir alle stehen unter dem Eindruck eines großen Erlebnisses. Herr Dr. Kastein hat das Glück, in (len nächsten Tagen nach Erez Israel zu iihersiecleln. Es heißt, daß die Luft Palästinas einen weise mache. Kastein aber gehe schon als Weiser nach Palästina. Dr. Grünhaum gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß Josef Kasteln uns noch viele Offenbarungen des jüdischen Geistes bringen werde. gangonen Herbst in Riesenversammhmgen der Leitung der Kultusgemeinde ihr Vertrauen ausgesprochen hat. Es ist, ebenso unwahr, daß in der Kultusgemeimlo „der Partohmstaat nach bekanntem Muster zur Totalität ausgebaut wird.“ In keinem einzigen Fall ist die Führung der Gemeinde nach anderen Gesichtspunkten als den der Sachlichkeit vorgegnngen. Sie besitzt das rückhaltlose Vertrauen von 90 Prozent der Wiener Judcnsclmft. Es ist nichts als würdelose und ekelhafte Denunziation, wenn die Agudah solche Behauptungen durch die „Reiclispost“ drucken läßt. Der Staatsrat Seeger Die „österreichische Abendzeitung“ berichtet über eine Heimatsehut/Versammlung in Königstetten, in der ein Staatsrat Seeger sich über die Politiker alten Schlages und die jüdischen Großhändler beklagt hat. Er hat die Einsetzung eines Wirtschaftskornmissärs gefordert, der die Preise zu bestimmen lind deren Einhaltung zu überwachen hat. „Das Schicksal einzelner jüdischer Händler läßt uns kalt, weil wir nicht die Interessen einzelner Händler zu vertreten haben, sondern die Interessen der Allgemeinheit.“ Der Staatsrat Seeger, der zu meinen scheint, daß die jüdischen Händler nur zum Steuerzahlen gut sind, sonst aber verhungern können, wäre wahrscheinlich sehr überrascht, wenn man ihm mitteilen würde, daß die Einrichtung des Wirtschaftskominissärs noch immer versagt hat, weil die Preise nicht von den Menschen, sondern von den Verhältnissen gebildet werden. Er weiß nichts von der Welt da draußen und so ist es selbstverständlich, daß er sich an den „jüdischen Händlern“ reiht. Aber die Leitung des Heimatschutzes sollto doch für die Leute, die sie Jiinausscbickt, Lehrknrse in allgemeiner Bildung und in Biirgerkundc efnriohton, damit die Redner wissen, daß die „jüdischen Händler“ eine sehr wichtige Funktion im Staat haben, u. a. die, den agrarischem Großwucherern entgegenzuwirken. Aus dem Krankenhaus der Wiener Kaufmannschaft In allen Kraukensälen des Gremialspitals der Wiener Kaufmaiiinflchaift wurden kürzlich Kruzifixe angebracht. Das Krankenhaus der Wiener Kaufmannschaft wurde 1909 auf Initiative und in der Hauptsache auch aus den Mitteln des bekannten j ti d isclien Philantropen Pollak von Parnegg errichtet. Auch die übrigen Spender und Mitbegründer dieses Spitals waren zumeist Juden. Es ist ja das Gremiakspital der Wiener Kaufmannschaft, Kundmachung Die Wiener Molkerei bringt auch heuer Pessach-Koschermilch in allen ihren Filialen zum Verkauf. Die Pessach-Koschermilch wird in ihren Meiereien in Niederösterreich unter streng ritueller Aufsicht der von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenniann bestellten religiös verläßlichen Organe DTPJttftt erzeugt. Jede Kanne und jede Flasche ist mit einer Plombe, respektive einer Schleife versehen mit dem Aufdruck noo bv nvs abn Vom 17. April bis 25. April In allen Verkaufs teilen erhältlich Wiener Molkerei in deren Reiben die jüdischen Kauf» 1 (» u t e sowohl zahlenmäßig als nach dem Gewicht ihrer Leistungen eine hervorragende Rolle spielen. Die Patienten dieses Spitals setzen »ich überwiegend aus jüdischen Han* delsangestellten und Kaufleufcea zusammen. Makkabiah - Symbol des Friedens und Fest der Jugend Agudah mit „Reichspost" Wie seinerzeit berichtet, hat die Agudah, ein verschwindend kleiner Teil der orthodoxen Judenschaft, in einer Eingabe an die Bundesregierung ihre Konstituierung als selbständige Religionsgemeinde, das beißt den Austritt aus der Kultnegomeinde verlangt. Die „Reichspost“ meldet hiezu, daß das ßunüesministerium (für Kultus und Unterricht), ehe es die Bewilligung erteilt, im Wege des Magistrates hat feststellen lassen, nach welchem Kriterium sich die Zugehörigkeit zur orthodox-jüdischen Religiömsgemeinde bestimmen würde und ob die vom Gesetz verlangten m a t e r i e 11 e n V o ra, u s s e t z u n g e n zur Erhaltung einer Knlliisgemeimlo gegeben seien. Die „Reichspost“, die schon wiederholt von der Agudah sich hat mißbrauchen lasson, fügt ihrer Meldung eine der „Jüdischen Presse“ entnommenen Züiulelei gegen die jüdisch-nationale Landespolitik hinzu und läßt sich auf die Anaehronie himveisen, „daß ein Jahr nach der Abschaffung des Parteienstaates durch die österreichische Verfassung in der Kultusgeineinde noch immer der Parteienstaat fortlebt und n ach b ek a n n to in M unter zur Totalität einer einzigen Partei ausgebaut wird.“ Die zionistische Mehrheit in der Kultusgerneindo ist aus regulären öffentlichen Waiden hervorgegangen, hei denen die Agudah nicht einmal ein einziges Mandat erringen konnte. Die Agudah, deren Angehörige der Mehrzahl nach aus der Slowakei stammen und nicht einmal österreichische j Staatsbürger sind, ist in der Orthodoxie vor-1 cinsamt, deren übergroße Mehrheit im ver- Tlfiiite nimmt die IT. Makkabiah in Tel-Aviv mit einer feierlichen Eröffnun ihren Anfang. „Makkabiah“ — das ist die Bezeichnung de« großen jüdischen Wedtsportfestes, das, vorn Makkabi-We.ltverband organisiert, in diesen ersten Frühlingstagen nunmehr zum zwoitenmale in Palästina veranstaltet wird. Als nationales Pendant zur großen luternationalen Sport-Oy mp iade strömen jetzt auf den verschiedenen Wegen, zu Wasser und 7ui Laude, Vertreter der nationaljüdi.sehen Sportverbiinde aus fast allen Teilen der Erde nach der einzig jüdischen Stadt der Welt, nach Tel-Aviv, um dort vom 2. bis zium 10. April eine Woche lang SpOirtkampf spiele zur Durchführung zu bringen. Zu/m erstenmal in der Geschichte der jüdischen Sportbewegung, die in der körperlichen Ertüchtigung (der jüdischen Jugend ihre wesentlichste nationale Aufgabe betrachtet und so hn Prozeß der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volkes einen äußeret wichtigen Faktor (bildet, hat der Makkabi-W'eltverband mit der hn Frühling 1932 erfolgreich durohguf uhrten I, Makkabiah eine überaus imposante Heerschau seiner jaihre.la.ngen Arbeit abgehalten. Die I. Miakabiah in den Frühlingstagen 1982 war ein gewaltiger Erfolg. Sie war mehr als ein großes sportliches Ereignis dm Leben der palästinensischen Juden. Sie war die erste überstaatliche sportliche Manifestation des nationalen Judentums in der Diaspora u n d in Palästina. Der Makkabi-Weltverbami als Initiator dieser grandiosen Sportveranstaltung, nimmt in der jüdischen Sportbewegung eine hervorragende Stellung ein. Der von II e r z 1 in diic dumpfe jüdische Welt des Ghettos hinauisposaunte Ruf nach der körperlichen Ertüchtigung der Juden, der von Nor (I a u geschaffene Begriff „M u s k e 1ju den tum“ wurde vom Makkabi-Weltvorband in beinahe nun vierzigjähriger emsiger Arbeit, in vielfältigster Form ©einer Realisierung zugefithrt. Der Makkab'i-Welfcvor'bund, eine schöne Schöpfung dee zionistischen Gedankens, der mit Beginn des politischen Zionismus von einer kleinen, verlachten Schar begeisterter Juden geschaffen und heute eine die ganze Welt umspinnende jüdische Organisation bildet, gliedert sich in eine überaus stattliche Anzahl von Verbänden, Kreisen und Gauen. Er umfaßt Verbände in Afrika, Algier und Tunis, in Asien (Ägypten, Palästina, Syrien und Türkei), in Kord- und Südamerika, ln Australien, in Brasilien und schließlich in fast allen Ländern Europas mit über 100.000 aktiven Sportlern. In Österreich gehören dem Makkahi-WeUverband der Wiener Allroirnd- Sportkluib „Hakoah“, die kleineren Wiener Klubs „llamnonita“, „Makkaibi“, die „Ha-, koah“ Graz, sowie die zahlreichen Makkabi- Turnvereine mit vielen Tausend ausübenden Sportlern an. Die I. Makkabiade ln Tel-Aviv war für die jüdische Sportidee, für die Popularisierung des Sportgedankems in der nationaljüdischen Bewegung, aber auch in allen Sportkreisen außerhalb der Juden von ungeheurer p r op agan dis t isol re r Beel e u tung. An ihr Datum knüpft, sich aber auch der Beginn cleis grandiosen Aufschwünge« i/m jüdischen Aufbau des Landes. Seit diesr Zeit haben die verantwort liehen Führer der Makkabi-Weltbowegung in erster Linie der Präsident des Weltverbandes, Dr. Hermann Lehrer, nicht ge ruht, und die jüdischen Sport- und Turn Organisationen aller Welt mit größter Energie und Hingabe ausgebaut. Einer, der sich der Makkiabi-,Sportbewegung mit besonderer Begeisterung annimmt und eie mit größter Hingabe fördert, ist Lord M © 1 c li e 11. Die I. Makkaibiade im, Tel Aviv sollte der Auftakt sein für eine Reihe großartiger Sportcreignisse, die die Aufmerksamkeit auch der internationalen Sportkreise auf die jüdische Sportbewegung lenkten. In der Tat waren zwischen der I. Makkaibiade in Tel-Aviv und der heute im Tel-Aviver Stadion beginnenden II. Makkabiiade eine Reihe von erfolgreichen großen Sportveranstaltungen des Maikikabi-Weltverbandes zur Durchführung gelaugt. Es waren die großen erfolgreichen Makkaibi-Spiele in Delhi in Indien und die Maikkabi-Kampfspiele 1933 in Prag, die alle ein getreues Bild von den gewaltigen Fortschritten der jüdischen Sportbewegung gaben und so günstige Auspizien für die II. Makkabiah in Tel-Aviv zuließen. Der Sport auf der Mahhahiah Übersieht man die heuto definitiv feststehende Beteiligung der aktiven Sportler, kann man schon jetzt mit Bestimmtheit sagen, daß diese II. Makkabiah in Tel-Aviv eine Eliite-Heerecihau von Sportdarbietungen bringen wird, dio nicht nur für das kleine, aber sportlich anspruchsvolle Palästina eino Attraktion bedeuten, sondern ein Sportfest, wie cs in diesem Ausmaß der Orient wohl überhaupt noch nie gesehen und erlebt hat, bieten wird. Aus Amerika kommt eine Reihe ganz ausgezeichneter Sportler. Ebenso aus Australien. Bulgarien und Österreich, die Tschechoslowakei und Polen, Ungarn und Rumänien, Deutschland und Frankreich, England und Holland, Schweden und Dänemark, Jugoslawien und Danzig, Littauen, Lettland und Finnland werden durch besonders starke Gruppen vertreten »ein. Aus dem englischen lmselreicb, dem klassischen Lande des Sports, kommt eine Delegation, die Vertreter von Tennis, Leichtathletik, Boxen und Fechten umfaßt. Die Tschechoslowakei bringt ihre berühmte^ „Hagibor“-Schwimnier an den Start. Österreich auf der MahhabiaH An der Spitze der Teilnehmer an der II. Makkabiah steht Deutschland, da$ eine überaus starke Delegation mit 118 Mitgliedern entsendet, die fast sämtliche Dis®i* plinen des Sportes präsentieren. Schon Aif zweiter Stelle steht Ö 6 t e r r e i c h, dia$ durch die Wiener „Hakoah“ vertreten seid wird. Mit Ausnahme der Fußballimcj, Handballsektion entsendet der große Wiener jüdische Verein die besten Vertrete# seiner sämtlichen Sektionen. 25 Schwing inerinnen und Schwimmer, 20 Turnei^ 15 Hockeyspieler, -14 Leichtathleten, 9 Rin* ger, 7 Boxer, 5 Ping-Pongspieler, 4 Tennis* spieler, 2 Schachspieler und 1 Fechter sind die Hakoah-Starter bei der Tel-Aviv er Makkabiade. Hakoahs beste Leichtathleten, B1 ö d y, Deutscher und Klei n, gehet! an den Start in Tel-Aviv. Die Elite des. österreichischen Schwimmsportes, die Wie* ner Meisterin der Hakoah, Hetdy B ieneiv fei d- Wertheimer, Fritzi Löwy^ Judith Deutsch, werden in der neu> erbauten Schwimmhalle in H a i f a, wo did SchwimmkonkuTrenzen «tattflnden, für di<5 Wiener Farben kämpfen. Die besten Ver» treten der Ringer, Sohlanger, Finsu ß, Gottlieb, Müller und Birnbaum* gehen ebenfalls an den Start in Tel-Aviv* Die Siegesaiusisidhten der Wiener, imsbeßonderS der Schwimmer, an der Makkabiah, sind die denkbar beeten, wenn auch d/ie verändertet Lebensweise, die klimatischen Verhältnisse auf die Leistungsfähigkeit der 'Sportler’ nicht ohne Einfluß sein dürften. Das Zu* sammentreffen der Wiener Schwimmelite mit der Prager „Hagibor“ dürfte jedenfalls den sportlichen Höhepunkt der Makkabiah bringen. Von hervorragenden internationa/leq; 'Sportlern, die an der Makkabiah te&* nehmen, seien noch erwähnt: Ike Duke, der die südafrikanische Union bei den letzten; Olympischen Spielen vertrat. Leon Passy, aus Griechenland. Da© französische Leicht* athletikteam wird sich aus sechs hervorragenden Makkabim zmsammensetzen, die alle auf Bestleistungen hinweisen können,'. Auch für die Teaniskämpfe haben Franzosen hervorragende Vertreter genannt. Im Schwimmen werden die beiden französischen Internationalen Alfred Nakach* und Roger Nathan die französischen, Farben vertreten. Der französische Armeemeister 1933/34, Dr. B er manu, wird im Degen- und Florettfechten antreten. Zum e osten null in der Geschichte des Makkabi wird ein Makkabi-Kricket-Team in Palästina in Erscheinupg treten. Zwei Segelflugzeuge werden Schautlüge veranstalten. Der berühmte englisch-jüdische Flieger L. Llj>-

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