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Die Stimme · 1935-03-29 · Heft 438 (29.3.1935) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 438 (29.3.1935)
Date
1935-03-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Kr. 488 — 39. Mn DU STIMM! gilt« 3 Zur Zehnjahrfeier der Hebräischen Universität Von Viktor Kellner Mämm ’ * *" > mumm Amphitheater mit Orchesterraum Photoaufnahmen durch Dr. Philipp Rezek Als vor zehn Jahren die Hebräische Universität in Jerusalem gegründet wurde, gab es in Palästina und in der Diaspora viele, die von ihrer Notwendigkeit für das Land nicht überzeugt waren. Es schien wohl nicht mit Unrecht, daß das Land in seiner damaligen Beschaffenheit, bei der sozialen und kulturellen Struktur des Aufbauwerkes einer Universität noch nicht bedürfe. Hingegen war es von vornherein klar, daß das Volk die Universität braucht. Das ißt ja überhaupt ein schweres Problem des Aufbaues, daß die Bedürfnisse des Landes vielfach an dere sind als die des Volkes, daß etwas sachlich abzulehnen ißt, was psychologisch notwendig erscheint. Die Idee einer Hebräischen Universität — ■und von ihr, nicht von ihrer Wirklichkeit soll hier vornehmlich die Rede sein — läßt sich am besten erfassen, wenn ßie in ihrer Beziehung zu Land, Volk und Menschheit dargestellt wird. Dem Lande dient die Universität, indem sie es erforscht, Kenntnisse sammelt und vermittelt von Reiner natürlichen Beschaffenheit, seiner Flora und Fauna, seinen geographischen und geologischen Gegebenheiten, seiner Geschichte usw. Hierher gehört die Durchführung von Ausgrabungen und die wissenschaftliche Bearbeitung archäologischer Funde, die etwa gemacht werden. Auf diesem Gebiete gibt es, wie der letzte bedeutende Fund zeigt, noch gewaltige Möglichkeiten. Dazu kommen dann die verschiedenen Zweige der angewendeten Wissenschaften. Es sei hier nur etwa auf die Bedeutung der Naturwissenschaften für die Bekämpfung der Krankheiten und für die Aufforstung des Landes hingewiesen. Darüber hinaus wird die Universität für die Entwicklung der Sprache immer größere Bedeutung gewinnen und das kulturelle Chaos, da6 durch die gesteigerte Einwanderung zu entstehen droht, wirksam bekämpfen. Die Sprache wird durch Erforschung der Literatur, durch Schaffung wissenschaftlicher Termini unter anderem nicht nur in ihrem Gebrauch, der bisher so vielfach schwankt, gefestigt werden, sondern auch dadurch, daß neue Materien auszudrücken, neue Gedanken zu denken sind, in mannigfachster Weise bereichert und erweitert werden. Ferner: Das Bedürfnis nach Bildung ist bei den Juden des Landes ganz ungeheuer. Es gibt wohl kaum ein Volk der Welt, das für geistige Dingo derart aufnahmswillig und aufnahmefähig ißt, wie das jüdische. Der neue Typus Mensch, der in Palästina ersteht, wird, so hoffen wir, gekennzeichnet ßeiu durch die harmonische Vereinigung von Lehre und Arbeit. Die Menßohon, die das Land aufbauen, werden zugleich an der geistigen Kultur ihres Volkes bauen. Hier gewinnt der Gedanke der Volksbildung an ihrem tiefsten Sinne eine ungeahnte Bedeutung: Wenn die Menschen, die an der Universität wirken, in das Volk hxnausigehen und ihm von ihrem Wissen und den Ergebnissen ihrer Forschung mitteilen, wenn eie seinem Bildungshunger entgegenkommen, dann wird ein neues Judentum entstehen, fähig und willig zu realer Arbeit und zugleich aufgeschlossen den ewigen Werten. Die Bedeutung der Universität für das Volk: Durch sie wird die Lehre Achad Haarnß von Palästina als geistiges Zentrum zum Teile lebendige Wirklichkeit. Wir hoffen und wünschen, daß die wissenschaftliche Erkenntnis, die von hier ausgehen wird, belehrend und erhebend hinauswirken wird in die jüdische Zerstreuung. Freilich braucht es, damit diese Wirkung! Universitäts- und Nationalbibliothek am Skopusberg zustandekommt, eine Judaisienmg und Hebräisierung des Diasporajudentums. Je mehr dieses Judentum sich den Quellen seines Wesens und seiner Kultur nähert, je tiefer es eindringt in die Geheimnisse seiner Sprache, desto fähiger und williger wird es sein, jene Wirkung von Palästina zu empfangen, die wir von diesem Lande erwarten. Tn unserer Zeit, hat die Universität einen besonderen realen Wert gewonnen als Zuflucht für Lehrer und Schüler, die anderswo von den Stätten der Forschung und der Bildung vertrieben wurden. Es ist ein erhebender Gedanke, daß diese vielen und gewaltigen geistigen Energien, die unsere Feinde zu vernichten bestrebt sind, in Palästina neu aufleben und daß sie hier vereinigt und gesammelt dem Lande ein geistiges Gepräge geben werden, das es zu einer einzigartigen Erscheinung in der Weit, machen wird. Die lange diskutierte Frage, ob die Universität Forsehungs- oder Lehrinstitut sein soll, ist durch die traurigen Realitäten unseres Lebens entschieden worden: Die Universität muß Lehrinstitut im weitesten Umfange werden, geeignet, all die Lehrenden und Lernenden zu fassen, die zu ihr streben. Und noch eines: Bisher waren die Juden Eingang ins Mathematische Institut der Hebräischen Universität fangen, mit reichen Zinsen zurückgezahlt haben, so wurden doch die Leistungen, die wir vollbrachten, niemals uns als Kollektivum gutgeschrieben, sondern sie gingen ein in die geistige Kultur des Landes, in welchem wir wirkten und schufen. Durch die Hebräische Universität wird die geistige Gleichberechtigung des jüdischen Volkes gewonnen werden. Hier werden zum ersten Male die Völker der Welt bei uns zu Gaste sein und die jüdische Leistung, die hier vollbracht wird, wird eingehen in den Kulturbesitz des jüdischen Volkes. In diesem Zusammenhänge ist es bedeutsam, daß jüdische Forscher der Diaspora die Möglichkeit haben werden, im Anschluß an diese Lehrun.d Bildungsstätte zu schaffen; auch ihre Leistungen werden dem Judentum gutgeschrieben werden. Man könnte einwenden, daß es gleich- Welt zeigen und so den jüdischen Naimed zu Ehre bringen. Nur so, indem wir durch unsere Leistung auf geistigem Gebiet im« die Gleichberechtigung erwerben, wird wenigstens hier eine harmonische Wechselbeziehung zwischen uns und den anderen gegeben sein, ein Austausch der Güter, bei dem wir wieder, wie einst a 1 s V o 1 k, nicht als Einzelne, geben und empfangen, empfangen und geben. Wissenschaft ist für uns Juden kein Endzweck und kann es nicht sein. Das Ziel unseres Volkes ist höher gesteckt; es ist ein sittlich-religiöses Ziel; die Schöpfung, die wir vom neuen Palästina erhoffen, wird wohl eine jüdisch-religiöse Schöpfung sein. Wir glauben daran, daß wiederum von Zion das Wort an die Menschheit ausgehen wird, wie es einst von dort an sie erging. Die Wissenschaft ist nur Mittel zum Zweck, einer der Wege zu jenem letzten sittlich-religiösen Ziel. Die Forschung muß frei sein, aber sie darf nicht verselbständigt, nicht losgelöst sein vom Gesamtleben der Gemeinschaft. Ea gibt für das jüdische Volk noch eine andere und höhere Erkenntnis als die der Wissenschaft, jene Erkenntnis, von der der Prophet sagt: „Und die Erde wird voll sein der Erkenntnis Gottes, so wie die Wasser das Meer bedecken Wir Juden wissen, daß der Geist einer ist, über allen Völkern und Rassen, so mannigfach und vielfältig auch die Formen und Gestaltungen sind, durch die er sich in den einzelnen Völkern, die seine Träger sind, offenbart. Wir vertrauen darauf, daß dieser Geist, mag er auch verdrängt und verdunkelt werden, nicht uutergehen kann. Wir glauben, daß er in unserem Volk und in gültig sei, welchem Volke eine Wissenschaft Hohe" Leistung entspringt, und daß nur die! unserem Land wieder seine Heimat finden Leistung als solche Wert habe. Aber wir .wird. Er wird sich in unserer nationalen Juden brauchen eine solche Sammlung un-, Schöpfung verkörpern. Seine Wirkung auf serer geistigen Energie. Wir müssen vor allem dem jüdischen Volk, dessen Moral durch die steten Angriffe seiner Gegner erschüttert und das in seinem Selbstvertrauen geschwächt wird, zeigen, daß es noch bei allen Völkern zu Gast; mögen wir auch lebt, und daß es Werte zu schaffen vermag, das, was wir an Kultur und Bildung emp-, Wir müssen es aber auch den Völkern der stes, für uns und für die Welt. die Welt wird um so stärker sein, je tiefer er wieder in dem Lande, das ihn erzeugt bat, verwurzeln wird. Die Hebräische Universität sei uns mehr als Lehr- und Forschungsstätte. Sie bedeute uns den Anfang der Erlösung unseres Gei- Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird. Da s 100% reine Kokösn ußfett Nur echt in Originalpackung! Beginn der Maimonides-Feiern in Spanien In Spanien, dem Geburtslande des großen jüdischen Philosophen und Kodifikaters Rabenu Moses ben Mairnon (Maimonides-Rambam), haben die Feiern anläßlich des 800. Geburtstages des Maimonides mit einer großen Festlichkeit in Madrid begonnen. Der Präsident der Republik hatto zu seiner Vertretung seinen Sekretär entsandt. Das Präsidium bei der Feier hatte der Kultus, und Unterrichtsrninister inne. der spanische Charakter von Maimonides und der Einfluß der spanischen Kultur auf sein Denken und Schaffen. Die Redner machten Vorschläge zur Verbreitung des Studiums der Werke des Maimonides und kündigten an, daß unter dem Protektorat der Regierung, die einen Teil der Mittel beistellt, in Madrid ein Maimonides-Institut gegründet werden wird. Am 25. März fand in C o r d o v a, der Ge- Das Hauptthema der Ansprachen bildeten burtsstadt des Maimonides, eine feierliche Gedächtnissitzung der Academia de Ciencias Bellas Letras y Nobles Arte« de Cordova statt. Am Dienstag, den 26. März, wurde in Madrid unter der Patronanz der Philosophischen Fakultät der Universität Madrid eine Konferenz ausländischer Philosophen abgehalten. Zu den Maimonides-Feiern sind tausende Gäete aus der ganzen Welt, insbesondere aus England, Deutschland, den Vereinigten Staaten, Ungarn, Tunis und Marokko, in Spanien eingetroffeu. Die Hebräische Universität in Jerusalem Ist bei den Feiern durch den Leiter des philosophischen Achad Haarn-Lehrstuhls an der Hebräischen Uni-

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