Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 437 (26.3.1935)
- Date
- 1935-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DII STIMM! Nr. 437 26 März 1935 Judäas zu bauen. Die Gesellschaft, die den Namen ..Chewrat Bäte Kefar“ fuhrt, besitzt ein Grundkapital von 50.000 Pttind. das dazu bestimmt ist, Darlehen für den Bau von 500 neuen Arbeiterwohnhäusem in den jüdischen Kolonien zu gewähren. Große Industriegründungen Rischon-le-Zion in Rischon-le-Zion (Painews). Von den größeren industriellen Gründungen des vergangenen Jahres hat .sich ein bemerkenswert großer Teil in- Rischon-le- Zion niedergelassen. Neben der Schuhfabrik ,.C o r o n a“ und der Glasfabrik „G a v i s h“, die bereits im Betrieb sind, wird in den Weinkellereien von Rischon-le-Zion die! Bierbrauerei ,.Palestine Breweryj L t d." mit einem Kapital von 50.000 Pfund installiert, weiterhin werden in der Umgebung von Rischon-le-Zion zwei neue Silikatfabriken mit einem Kapital von 30.000 Pfund und 20.000 Pfund errichtet. ferner befindet sich die große Möbelfabrik ,,T i r s a h L t d.“ mit einem Kapital von IS.000 Pfund im Bau. Auch die neue große Seifenfabrik Sherf Soap Factory Company mit einem Kapital von 20.000 Pfund und eine Gummi- Aus dem Dritten Reich Pension Eckstein - Warenfabrik ..P a 1 e s t i n e Rubber Co. (>I e g a m e) L t d.“ mit einem Kapital von 5000 Pfund lassen sich in Rischon-le-Zion nieder. Die Konzentration großer industrieller Unternehmungen abseits von Tel-Aviv und Haifa in den Landstädten dürfte auf eine günstigere Bevölkerungsverteilung zwischen Stadt und Land hinwirken. Die Palestine Electric Corporation Jerusalem (Palcor). Von den steigenden Einnahmen der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg- Konzession) geben die folgenden offiziellen Ziffern der Gesellschaft ein deutliches Bild: 1930 betrugen die Einnahmen der Gesellschaft 125.582 Pfund, im Jahre 1931 139.673 Pfund, im Jahre 1932 145.612 Pfund, im Jahre 1933 221.128 Pfund; im Jahre 1934 (betrugen die Einnahmen nach den vorläufigen Berechnungen der Gesellschaft 350.000 Pfund. DeT Reingewinn der Gesellschaft betrug in diesen Jahren: 1930 29.126 Pfund, 1931 44.307 Pfund, 1932 47.705 Pfund, 1933 106.317 Pfund, 1934 betrug der Gewinn nach den vorläufigen Berechnungen 180.000 Pfund. Kinoprogramme der Woche KREUZ*KINO -" Tel. R 24-2-16 Vom 28. bis 28. März 1935 ff Der Schreckensexpreß" Beginn: 4, a/*6, l/,8, Lt10 Uhr Leopoldstädler Volkskino n. Rotensterngasse 7b Telephon R 49-0-23 Vom 26. bis 28. März 1935 Deutsches Recht und deutsche Feme Es gibt immer noch Juden, die glauben, eines Tages würde sich der nationalsozialistische Rassenantiseraitismus abgelaufen haben und dann würde mit der Regierung auszukommen sein. Es gibt in Deutschland wie wiederholt berichtet wurde, die Naumann-Juden, die sioh mit dem nationalsozialistischen Programm einverstanden erklären und die böse Karikatur eines deutschnationalen-jüdischen Demonstrationszuges mit Fahneninschriften: „Hinaus m i t u n s!“ ist nicht durchaus unberechtigt. Es muß anscheinend diesen Leuten gelegentlich vom Nationalsozialistismus selbst zum Bewußtsein gebracht werden, daß sie im neuen Deutschland rechtlos sind. Das i n : K ö 1 n erscheinende Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden im Rheinland und Westfalen ist „wegen einer Kritik des nationalsozialistischen Rassegedaukens verboten und der Chefredakteur in Haft genommen worden. Man kann sich schwer vorstellen, daß ein „Gemeindeblatt*' Kritik am nationalsozialistischen Rassenwahn geübt haben soll. Aber das inacht nichts. Ein Wort, das dem Gauleiter oder einer anderen allmächtigen Amtsperson nicht gefällt, und das Blatt wird verboten und der Jude, der es redigiert hat, ins Konzentrationslager gesperrt. Übrigens — nicht gleich verbrannt.? Aus Straßburg hat man einen aus Deutschland emigrierten jüdischen Journalisten namens Jacob nach Basel gelockt, wo er mit Hilfe eines Schweizer Nationalsozialisten der deutschen Gestapo ausgeliefert wurde. Er ist seither verschwunden. Aus Goebbels Pressetnstruk tionen In den in der Vorwoche in Berlin von der Reichspressekammer an die Zeitungen ergangenen Weisungen, finden sich unter anderem die folgenden Anordnungen: „Über eine Verfügung des Staatskommis särs von Berlin, Dr. L i p p e r t, wonach die Berechtigung von Vermietung von Stühlen auf städtischen Parks usw. von dem Nachweis des Ariertums abhängig ist, soll vorläufig nichts berichtet werden, da diese Verordnung voraussichtlich in etwas abgeänderter Fassung wiederholt werden wird. Es ist dringend unerwünscht, sich mit der Tatsache zu befassen, daß der leitende Beamte der Devisenbewirtschaftungsstelle Wohltat Nichtarier ist, da er sich im Dienste der Nation seit langen Jahren bewährt hat und seine Mitarbeit von dem Reichswirtsohaftsminister Doktor Schacht außerordentlich geschätzt wird.“ Juden durften am Heldengedenktag nicht flaggen Prag, 21. März. (2. T. A.) Wie aus Berlin telegraphiert wird, wurde der jüdischen Bevölkerung der Reichshauptstadt verboten, am deutschen Heldengedenktag zu flaggen. In den Wohnungen der jüdischen Familien, die flaggten, erschienen Polizisten und forderten sie auf, die Fahnen wieder einzuziehen. — Gleiche Meldungen treffen aus anderen deutschen Zentren ein. Juden und Nichtarier vom Schriftstellerberuf ausgeschlossen Berlin, 22. März. (2. T. A.) Sämtliche nichtariechen Mitglieder des Redcheverbandee deutscher Schriftsteller ha.ben von der Reiobssohrifttumkammer die Mitteilung erhalten, daß sie sioh als vom Roiohsverband ausgeschlossen zu betrachten haben. In dem Schreiben heißt ee ferner: „Nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers soll die Verwaltung des deutschen Kulturgutes nur geeigneten und zuverlässigen Volksgenossen Vorbehalten sein. Nur wer sich aus rassischer Verbundenheit heraus seinem Volk verbunden und verpflichtet fühlt, wird es unternehmen, mit einer so tiefgreifenden und folgenschweren Arbeit, wie es das geistige und kulturelle Schaffen darstellt, einen Einfluß auf das innere Leben der Nation auszuüben. Durch Ihre Eigenschaft als Nichtarier sind Sie außerstande, eine solche Verpflichtung zu empfangen und anzunehmen. Die Veröffentlichung schriftstellerischer Arbeiten innerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Reiehssohrift.tumka.mmer ist Ihnen dadurch mit sofortiger Wirksamkeit untersagt.“ GUTEJUDISCHE BÜCHER ZU KAUFEN GESUCHTI Zuschriften an die Administration des Blattes unter „Gute Bibliothek*7 Kultusvorsteher als Nazipropagandist Aus Lissabon wird uns berichtet: In Lissabon gibt es eine kleine jüdische Gemeinde. Ihr Vorsteher ist Professor Dr. Moses Rensabat A m z a 1 a k, der Eigentümer der in Lissabon erscheinenden großen portugiesischen Tageszeitung „O S e c u 1 o“. Es erregte nun unter den Juden Portugals hellste Empörung, als „O Seculo“ mit einer Deutschland-Spezialnummer herauskam. Auf der ersten Seite prangt ein Bild Hitlers und eine Widmung des deutschen Gesandten, und jede Seite ist mit roten Hakenkreuzen geschmückt. Im redaktionellen Teil wird natürlich der Nationalsozialismus über den grünen Klee gelobt und als Abwehrbewegung gegen den übermächtigen Einfluß der Juden auf die deutsche Wirtschaft, Kultur und Literatur hingestellt. Im Inseratenteil macht sich die Initiative des „Seculo“, eine Sondernummer über das neue Deutschland zu bringen, in riesigen Inseraten von Krupp, Büssing und anderen deutschen Firmen gut bezahlt. Solange es solche Juden gibt, wie Professor Amzalak, hat Hitler leichtes Spiel. Hoffentlich raffen sioh die Juden Portugals dazu auf, diesem absonderlichen Kultusvorsteher begreiflich zu machen, wo in der Lissaboner Kultusstube der Zimmerraann da® Loch gelassen hat. Generalversammlung der Mercurbanh Gestern hat die 47. ordentliche Generalversammlung der Mercurbank stattgefunden. Als Staatskommissär-Stellvertreter fungierte Herr Ministerialrat Dr. Hans Nusko. Der vorgelegte Rechnungsabschluß pro 1934 wurde angenommen. Von dem ausgewiesenen Gewinn per S 210.066.46 wird ein Betrag von S 50.000 zur Dotierung des Reservefonds II verwendet und der Rest auf neue Rechnung vorgetragen. In der Generalversammlung wurde die Kooptierung der Herren Dr. Hans Schippel, Mitglied des Vorstandes der Dresdner Bank, Berlin, und Landrat a. D. Tilo Freiherr von Wilmowsky, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Fried. Krupp A. G„ Berlin, bestätigt und die Wiederwahl der Herren Vizepräsident Gabriel Neumann, Arthur Hämmerle, Regierungsrat Fritz Lemberger-Marker und Direktor S. Ritscher vorgenommen. In der im Anschluß an die Generalversammlung stattgefundenen Sitzung des Verwaltungsrates wurde das Präsidum in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung wiedergewählt. E Inland Was geht da vor? Das Bundesininisterium für Unterricht teilt durch die Auslands teile der österreichischen Hochschulen mit, daß die Aufnahme von Ausländern zum Studium an den österreichischen Hochschulen für das Sommerseinester 1935 im Gegensatz zu den letztverflossenen Semestern vom Ministerium aus keiner ziffernmäßigen Beschränkung unterliegen wird. Hiedurch bleibt das Recht der einzelnen Hochschulen, Ausländer wegen Überfüllung einzelner Studienzweige oder aus sonstigen wichtigen Gründen nicht aufzunehmen, unberührt. (Was wird unter „sonstigen wichtigen Gründen“ zu verstehen sein?) Desgleichen entfällt für das kommende Sommersemester die in den letztverflossenen Semestern angeordnete b efristete Voranmeldung der Ausländer. Es wird jedoch den ausländischen Studierenden dringend empfohlen, im eigenen Interesse, womöglich sofort, eine A nfrage über die Möglichkeit ihrer Aufnahme an die betreffende Hochschule zu richten. Auch im kommenden Sommersemeister werden Ausländer nur gegen eine reversmäßige Verpflichtung aufgenommen werden, daß sie sich während der Dauer des Studiums in Österreich jeder verbotenen politischen Betätigung enthalten werden. Kommerzialrat Siegmund Stiassny gestorben In Meran ist Kommerzialrat Siegmund Stiassny im 73. Lebensjahre einem Schlaganfall erlegem. Er war Seniorohef der Modenfiraia Stiassny u. Sohleeiliger in Innsbruck sowie Gründer der Firma Gebrüder Stiassny in Brünn. Der Verstorbene, der sioh in allen Kreisen der größten Wertschätzung erfreute, ist der Vater der Gattin unseres Gesinnungsgenossen, des Staatsrates Dr. Des'kLer Friedmann. Der Zionistische Landesverband und die Redaktion der „Stimme“ drücken hiemit den Hinterbliebenen ihre wärmste Anteilnahme aus. Schlager- Programm Wochentags ‘Aß, V*8, */*10 Uhr, Sonn- und Feiertag */,4 Ubr RemMt-Klno Telephon A 44-0-85 Vom 26. bis 28. März 1935 Don Juan (in deutscher Sprache) Wochentags: 7j6, ‘/48, 9 Uhr, Sonntag: 4, VA '/iß, '/«Ul Uhr Uotivpork-Kino lXTeSmn"8Ar”t8-3(196l Vom 26. bl. 26 Mflra (036 D’e Löwen von Hollywood Täglich: 4, VA V»8* VJ0 Uhr Der „Cherem Sefaard“ nicht mehr in Kraft Warschau, 22. März. (2. T. A.) Im Zusammenhang mit der vor kurzem aufgetauchten Frage, ob Juden im Hinblick auf den vor 400 Jahren ausgesprochenen „Cherem Sefaard“ (der .Juden bei Bann verbietet, nach Spanien zu gehen) an den bevorstehenden Feierlichkeiten in Cordoba anläßlich des 800. Geburtstages des Rambam teilnehmen dürfen, haben die Warschauer Rabbiner entschieden, daß dieser Cherem nicht mehr in Kraft i s t. Schon vor einigen Monaten wurde auf Grund einer Anfrage der Jüdischen Gemeinde in Madrid an daß Warschauer Rabbinat diese Angelegenheit erörtert. Die Madrider Gemeinde hatte die Befürchtung ausgesprochen, daß jeder bei der Feier etwa sich ereignende Unglücksfall mit dem Cherem in Verbindung gebracht werden würde. Daraufhin stellte Rabbiner Salomo David K a h a n e, an den sich die Madrider Juden gewandt hatten, auf Grund von Rückfragen bei den bedeutendsten rabbinisehen Autoritäten fest, daß der seinerzeitige Cherem nicht gegon das spanische Volk, sondern gegen das judenfeindliche Herrscherhaus gerichtet war. Auch seien in keiner Entscheidungs-Sammlung Angaben über diesen Cherem zu finden. Ausweisung polnischer Juden aus Frankreich Warschau, 22. März. (2. T. A.) Die Polnische Telegraphen-Agentur teilt mit, daß der aus Juden bestehende Verein der Markthändler und Hausierer in der französischen Stadt Lille durch Massendeportatioti seiner Mitglieder aus Frankreich alarmiert worden ist. Es hat eine neue Welle von Ausweisungen polnischer Bürger aus Frankreich eingesetzt. Danksagung des Oberrabbiners Dr« Feuchtwang Eß ist mir unmöglich, die mir anläßlich meiner Auszeichnung durch den Herrn Bundespräsidenten augekommenem überaus zahlreichen freundlichen Glückwünsche einzeln zu erwidern. Ich bitte deshalb alle, die mich durch ihre Gratulation geehrt und erfreut haben, auf diesem Wege meinen tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen. Oberrabbiner Dr. David Feuchtwang. Trauung. Im Hietzinger Tempel hat am Sonntag die Trauung des Rechtsanwalts Dr. Emil Fleisch ner mit Frl Edith Klausner, der Tochter des Kommerzialrats Ludwig Klausner, Generaldirektor der „Delka“- Scbuhfabviks-Gesellechaft. stattgefunden. In dom festlich geechmückten Gotteshaus hatte sich ein überaus zahlreiches Publikum eingofunden. Rabbiner Dr. Taglicht, der den Trauungsakt vollzog, betonte in seiner Ansprache. daß auch die Eltern der Braut c'ncrzeit als Brautleute vor ihm gestanden sind und daß alle guten Wünsche, die er ihnen damals mitgegeben habe, in Erfüllung gegangen sind. 9992