Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 8 (1934-1935)
- Issue
- Heft 437 (26.3.1935)
- Date
- 1935-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054140-3054192--4931-3060607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« 2 OIE STIMME 9 Nr. 487 - 26 März 1933 , Aufbau Palästinas teilzuneiimen, keine ver- [ geblichen waren. Es ist auch zu hoffen, daß Österreichs Industrie auf Grund ihrer alten Erfahrungen und mit Rücksicht auf den Weltruf der österreichischen Qualitätsproduktion am weiteren Aufbrau der Wirtschaft Palästinas und der Levante- Länder entsprechend beteiligt sein wird. Jedenfalls besteht auch seitens Österreichs der ernste Wille, die Wirtschaftsbeziehungen zu diesem zukunftsfrohen Lande immer lebhafter zu gestalten.“ Mit Stahlhelm und Tarnkappe In der allgemeinen Verblüffung, die die deutsche Regierungserklärung über die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht hervorrief, hat man einzelnen Details weniger Aufmerksamkeit geschenkt, als sie verdienen. Dazu gehört in erster Linie jener Passus in der Proklamation an das deutsche Volk, der darauf hinweist, daß die Deutschen im November 1918 die Waffen in der Überzeugung gestreckt haben, einer großen Idee zu dienen. Das entspricht zwar ohne Zweifel den historischen Tatsachen, aber nicht der bisher von den Nationalsozialisten geübten Ausdeutung dieser Tatsachen. Die jetzige Regierungeprroklaraation meint mit der großen Idee den Pazifismus, Hitlers Buch „Mein Kampf“ und Rosenbergs ,Mythos des 20. Jahrhunderts“ propagieren aber die Ansicht, daß die große Idee, die dem deutschen Volk die Waffen aus der Hand gewunden habe, der — jüdische Weltbeherrschungsplan gewesen sei. In der jetzigen Hitler-Proklamation wird den früheren deutschen Regierungen das ehrliche Bestreben nachgeriihmt, durch die Abrüstung des eigenen Volkes der allgemeinen Abrüstung aller Mächte den Weg zu bahnen. Bisher aber haben die Hitlerianer diese früheren deutschen Regierungen als Söldlinge der „Weisen von Zion“ angeschwärzt. Haben sich also die Nationalsozialisten von der Unrichtigkeit ihrer bisherigen Geschichtsauffassung, von der Unstichhaltigkeit ihrer judenverleumderischen Propaganda und somit von der Verlogenheit des ideologischen Unterbaues ihrer Partei überzeugt? Das wäre doch ohne Zweifel eine historische Wendung von noch viel bedeutenderem Gewichte, als der Entschluß, die bisher heimlich betriebene Aufrüstung des Dritten Reiches fortab offen und unverhüllt fortzusetzen! Die Proklamierung der allgemeinen Wehrpflicht hat ja weniger durch ihren Inhalt, als durch ihre Offenheit überrascht. Schon vorher hatte sich niemand über den wahren Charakter der von Hitler immer wieder betonten Friedensliebe den geringsten Illusionen hingegeben. Die ganze Welt wußte und das Weißbuch der englischen Regierung hat es unumwunden gesagt, daß die deutsche Jugend systematisch im Waffendienst ausgebildet wurde, obwohl das Ding bisher nicht „allgemeine Wehrpflicht“, sondern bloß „Pflicht zu Loibes- und Geländeübungen“ oder „Arbeitsdienstpflicht“ benamst war. Aber ein nationalsozialistischer Verzicht auf die „Weisen von Zion“, die Erkenntnis der Hakenkreuzapostel über die wahre Natur jener Ereignisse von 1618, die bisher als ein von jüdischen Weltverschwörern gegen die unerachütterte deutsche Armee geführter „Dolchstoß von hinten“ gedeutet worden waren, wäre kein Fortschreiten der Führer auf ausgetretenen Pfaden, sondern eine Umkehr zu Vernunft und Aufrichtigkeit, also eine Sensation ersten Ranges. Hitlers und Rosenbergs Hauptwerke, die in Riesenauflagen .die Seele des deutechen Volkes vergiften, würden zu Makulatur, die Nebel der Judenhetze wichen von den deutschen Gehirnen, der Blick und die Herzen könnten wieder weiter werden — es gäbe eine unblutige, aber wahrhaft glorreiche Befreiungsschlaeht der Deutschen, eine heroische Abschüttelung der Mächte der Finsternis, einen ruhmvollen Sieg de« Geistes über den Irrtum. Goebbels hat anläßlich der Proklamierung der allgemeinen Wehrpflicht die Offenheit und Rückhaltlosigkeit der deutschen Regierung gerühmt. Offenheit und Rückhaltlosigkeit sind gekennzeichnet durch mutiges Einbekenntnis eigener Irrtümer und männliches Ziehen der Konsequenzen aus den neuen Erkenntnissen. Das Einbekenntnis der Falschheit der nationalsozialistischen Thesen von der Schuld der Juden an der unerfreulichen Gestaltung der deutschen Nachkriegsverhältnisse steht in den oben angeführten Stellen der Regierungsproklamation. Aber von männlichem Ziehen der Konsequenzen aus den dort publizierten Erkenntnissen ist verteufelt wenig zu merken. Das Abrücken von der Phantasmagorie der „Weisen von Zion“ und ihrem „Dolchstoß“ hat den jüdischen Opfern der Hakenkreuzmythen bisher nicht nur keine Rehabilitierung gebracht, sondern ist paradoxerweise von einem Anschwellen der von den Führern künstlich geschürten Judenhetze begleitet. Die Boykottpropaganda ist wieder einmal in voller Tätigkeit, der bescheidene Rest jüdischer Existenzmöglichkeiten im Dritten Reiche erfährt eine neue Einschränkung und Verengung. Die Hoffnung, daß die Bewaffnung des deutschen Volkes einen Verzicht auf den weiteren Krieg gegen Wehrlose bringen würde, ist' illusorisch. Die Hakenkreuzler haben sich den Stahlhelm aufgestülpt, aber sie wollen deshalb die Tarnkappe nicht missen. Sie werden den Krieg gegen Kultur und Humanität nunmehr weiterführen mit Stahlhelm und Tarnkappe. Die Schutzpatronin der «bodenständigen* Juden Jude, der angebliche Zionist, der erste Oberkommi^sär Palästinas — sich für ein Bündnis mit Hitler-Deutschland eingesetzt. Herbert Samuel sagte im Unterhaus: „Ich bin weit entfernt davon, allem zuzustimmen, was im heutigen Deutschland geschieht. Aber es hat vor dem Krieg große Parteien in England gegeben, die mit den Vorgängen im zaristischen Rußland nicht einverstanden waren. Trotzdem haben wir ein von allen gebilligtes B ii n d n i e m i t Rußland geschlossen und sind sogar an der Seite Rußlands in den Krieg gezoge n.“ Es ist unnötig zu sagen, daß zwischen den Dingen von heute uud jenen von damals keine Parallelität besteht; daß zur Zeit des Bündnisses der Entente in Rußland die Demokratie eich bereits durohzusetzen begann und daß England schließlich das Bündnis mit dem Zaren bitter bereut hat. Herbert. Samuel, der m Deutschland nicht den Mund auftun dürfte, den R osenberg in dem Kommentar zu den „W eisen von Zion“ blutig beschimpft, und zwar als Juden, als Zionisten, als Qberkommissär von Palästina — Herbert Samuel, der den naturgegebenen Boykott der deutschen Waren bekämpft, ist der einzige gewesen, der ein Bündnis mit Deutschland in den Bereich der politischen Möglichkeit stellt. Aber nicht nur seine menschliche Unzulänglichkeit, auch sein politisches Manko ist auffallend. Er hat seine Rede an dem Tag gehalten, an dem G o e r ing offiziell den Bestand einer vertragswidrigen Luftflotte mitteilte, an dem Goebbels von einer unmittelbar bevorstehenden „großen Sache“ sprach. Niemand war im Zweäfel darüber, was sich zusammenbraute. Nur Herbert Samuel wußte das nicht. Im Jahre 1922 hat er binnen drei Wochen erkannt, daß das Westjordanland für die jüdische Einwanderung genügt und hat Transjordanien abgetreut und mit einem Geschenk von 180.000 Pfund sondergestelilt. Im englischen Unterhaus konnte er die Entwicklung nicht um 24 Stunden vorausberechnen. Keiner der für unentwegten Pazifismus kämpfenden Sozialisten hat es gewagt, sich irgendwie gedanklich auf das Niveau des Dritten Reiches einzustellen. Nur der Jude, der angebliche Zionist Herbert Samuel, der liberale Politiker des Staates, in dessen Städten jüdische Flüchtlinge aus Deutschland umherirren. Der Nazif als Nazi — er verdient es, von Stredchor als Freund und Bruder begrüßt zu werden. Aus dem politischen Judentum wird eT hoffentlich verschwinden. Bundeskanzler Schuschnigg: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte In der von Dr. Josef Gelbard herausgegebenen „Allgemeinen Handels-Zeitung“, deren Sondernummer „Balkan und naher Orient“ soeben erschienen äst, äußert sich der österreichische Bundeskanzler, Dr. Kurt v. Schuschnigg, in einem an leitender Stelle veröffentlichten Beitrag über Probleme des wirtschaftlichen Wiederaufbaues. Der Bundeskanzler schließt seinen Beitrag mit folgenden auch für die Steilung der Juden in Österreich bedeutungsvollen Sätzen: „Wir haben deshalb auch in die neue österreichische Bundesverfassung alle jene Bestimmungen der alten Verfassung übernommen, die sich auf die volle Gleichheit aller vor dem Gesetze beziehen. Gleiche Pflichten bedingen unserer Ansicht nach gleiche Rechte.“ Handeisminister Stockinger über Palästina Auch Handelsminister Stockinger nimmt in der Sondernummer der „Allgemeinen Handels-Zeitung“ das Wort zu einer Betrachtung über „Die wirtschaftlichen Beziehungen Österreichs zum nahen Osten“, wobei er auf Palästina zu sprechen kommt und erklärt unter anderem: „ ... Für Österreich wird Palästina, in dem gegenwärtig neue Städte und Hafenplätze aus dem Boden wachsen, auch in späterer Zeit stets von großer Wichtigkeit für seine wirtschaftliche Ausfuhr sein. Daß Österreich für dieses Land ein großes Interesse aufbringt, hat es bereits durch die Beschickung der Levante-Messe in Tel-Aviv bewiesen. Der Erfolg dieser Veranstaltung hat gezeigt, daß unsere Bemühungen, am Die „Wiener Neuesten Nachrichten“, daß Blatt der betont Nationalen, wendet der „Stimme“ ihre liebevolle Aufmerksamkeit zu. Unser Leitartikel in der „Stimme“ in Nr. 435 vom 19. März 1935 hat es den „Wiener Neuesten Nachrichten“ angetan. Sie zitieren Stellen aus unserem Leitartikel und* behaupten, daß wir den bodenständigen Deutschen Österreichs das Recht auf nationale Gesinnung abspreehen. Das ist natürlich so abwegig wie die woitere Behauptung, daß nach unserer Ansicht nationale Einstellung gleichbedeutend mit Hochverrat ist. Als Hochverrat sehen wir ee nur an, wenn der Versuch gemacht, wird, die Ideen Hitlers unter verschiedenen Tarnungen in Österreich zu verbreiten- Das tun die Menschen, die der Bundeskanzler Schuschnigg „Getarnte Saboteure“ genannt hat. Es ist jedenfalls interessant, daß dio „Wiener Neuesten Nachrichten“ die Rede des Bundeskanzlers ohne Kommentar gebracht haben, daß sie aber, als wir sagten, wer diese Saboteure sind, in Wut gorieteu. Dos betont nationale Blatt versteigt sich sogar dazu, die „Stimme“ zu beschuldigen, daß sie das Ausland gegen Österreich aufwiegelt und sagt weiter: „Wie «Ich Österreichs bodenständige, deutschchristliche Bevölkerung zu den Juden einstellt, welche Maßnahmen zum Schutz gegen Überfremdung gewisser Berufe, also zum Schutz der deutscharisehon Bevölkerung getroffen werden, das ist eine innere Angelegenheit Österreichs, die daß Ausland nichts angoht.“ Hier irren, wie so oft, die „Wiener Neuesten Nachrichten“. Solange Österreich nicht der Gau VHI der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ist und so lange Hitler in Wien nicht regiert, gelten für die Behandlung der Juden in Österreich die Verfassung aus dom Jahre 1934 und die Bestimmungen dos Friedensvertrage8 von St. Germain über den Schutz dor Minderheiten. Wir können den „Wiener Neuesten Nachrichten“ ihren Schmerz darüber nachfühlen. Wir glauben aber, daß sie sich mit diesem gesetzlichen Zustand werden abfinden müssen, und daß es an dor Zeit wäre, daß sie auch von don kompetenten Regierungsstellen darüber belehrt werden. Hatten so die „Wiener Neuesten Nachrichten“ in der Morgenausgabe dieses Blattes vom 21. März ihrem Ärger über den bestehenden rechtlichen Zustand bezüglich der Stellung der Juden Ausdruck verliehen, so glaubten sio es nicht entraten zu können, in der Abendausgabe desselben Tages unter dem Titel: „Wiener Juden gegen Ostjuden“ nochmals Ihrem bedrängten Herzen Luft zu machen. Sio jammern über die starke Zuwanderung von Juden auß dem Osten, die eg gar nicht gibt. Die Zahl der Juden in Wien geht seit Jahren uru mindestens 2000 Personen jährlich zurück. Sie halten sich anscheinend an ---. Dr. IsaJc Teich Edith Teich ßeb. Br&utith&l Vermählte Wien> /iw M&rz ip35 das Sprichwort „Haltet den Dieb“ und sagen, daß die offiziellen jüdischen Stellen keine österreichische Politik, sondern eine rein jüdische Politik machen. Würden alle Österreicher eine Politik wie die „offiziellen jüdischen Stellen“ betreiben, dann gäbe ee keine „getarnten Saboteure“, über welche der Bundeskanzler öffentlich Klage geführt hat. Aber helfe, wa.s helfen kannl Ist die Morgenausgabe der „Wiener Neuesten Nachrichten“ gegen die Juden losgegangen, so muß auch in dor Abendausgabe ein Beleg für die Schädlichkeit der Juden gebracht werden. Da lesen wir nun einen Brief „einer Jüdin“, natürlich einer bodenständigen Jüdin, die schon — man denkel — seit dem Jahre 1905 in Wien ist. Wer kann da noch an der Bodenständigkeit dieser Jüdin zweifeln?“ Die Arme ist gezwungen, „an Hand eines Adressenmaterials verschiedene Häuser und Wohnungen zu besuchen“ und stößt überall auf eingewanderte polnische Juden, die alle mögliche „Schmutzkonkurrenz“ betreiben und dem anständigen jüdischen Kaufmann das Leben schwer machen. Gegen Ende des Briefes hat jedoch die „bodenständige Jüdin“ schon an ihre Hausiertätigkeit vergessen. Nachdem sie sieh noch darüber beklagt hat, daß dio „Polnische n“ für eine Ware nur 25 Groschen verlangen, wenn sie dieselbe Ware für 26 Groschen verkaufen will, erklärt sie: „Ich selbst bemühe mich, einen kleinen Laden zu führen, aber nicht zu machen, am nächsten Tag ist schon ein Jüngel da, der es erreicht hat, wie. das weiß ich nicht. Aber eines weiß ich: Diese zu gewanderten polnischen Juden sind unser aller Ruin. Wann wird man wieder sein Geschäft mit bürgerlichem Nutzen betreiben dürfen, ohne daß ein Gespenst hinter uns steht, das Profite einstreicht, die es durch alle möglichen Wege und Schliche ergattert?“ Die Arme hat also vergessen, daß sie zu Beginn des Briefes gezwungen war, verschiedene Häuser und Wohnungen zu besuchen, also eine Haußiertätigkeit auszufiben, denn gegen Ende des Briefes hat sie schon einen Laden oder hätte ihn beinahe, wenn nicht am nächsten Tage schon ein Jüngel da wäre, „der (!) es erreicht hat.“ Was hat eigentlich „der Jünj gel“ erreicht? Text und Stil dieser „bodenständigen Jüdin“ ist derartig, daß man ruhig annehmen kann, daß er aus „betont nationalen Kreisen“ stammt. Wir registrieren also, daß die „Wiener Neuesten Nachrichten“ die Patronanz über die „bodenständigen Juden“ übernommen haben. Auf diese „nordische List“, die Juden gegen Juden ausspielen will, wird niemand hineinfallen. nach und Polen Czernowitz 14. April bis 1. Mai Reisebureau „ORBIS1* I., KUrnlncrstrnUe 41, Tel. R 26-1-43 Re sebureau „JRUT * IV., Karlsplatz 1, Ecke KärntnerstraBe, Tel. U 44-9-79 Sammelzng Platzkarten £ SammelpaO Für jüdische Schüler keine Schulgeldbefreiung Der deutsche Erziehungsinintoter Rust hat. einon Erlaß über dio Schülorauslese an höheren Schulen hinan «gegeben. Darin heißt es in Punkt 4: „Arische Schüler dürfen hinter .nichtarischen nicht zurückgesetzt werden. Es ist daher nicht angängig, an Nichtarier irgend welche Begünstigungen zu erteilen, wie Sohulgcldbofreiung, freie Lernmittel, Erziehungsbeilhilfen und dergl., solango diese arischen Schülern versagt werden.“ Verband Jüdischer Ingenieure und Techniker für den Aufbau Palästinas. Dor für den 28. März 1. J. angeküiuligto Vortrag dos Ingenieurs Karl Blitz über: „Aus der Werkstätte einos Erfinders“, kann aus technischen Grün-i den nicht stattfinden,