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Die Stimme · 1935-03-26 · Heft 437 (26.3.1935) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
8 (1934-1935)
Issue
Heft 437 (26.3.1935)
Date
1935-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Prell dieser Nummer 20 g V. 1». b. Dienstag-Ausgabe JÜDISCHE ZEITUNG Ottern in Palästina EINE HERRLICHE SONDERFAHRT mit dem bekannten Riesenmotorschiff SATURNIA ff ff (36.000 Tonnen Deplacement) 8. April ab Neapel, via Palermo, Athen und Rhodos 14. April an Haifa 89. April ab Haifa, via Santorin und Athen 97. April an Neapel Hin- und RQdtfahrpreis in zwei- und vlerbettigen Kabinen S 588""-— 10% Ermäßigung auf den italienischen Bahnen Gelegenheit zu einem Ausflug nach Aegypten „ITAUA"-„COSUUCH" WIEN, I., Kärntnerring 6 Nr. 437 | Wien, st. März 1935 | Redaktion und Administration; Wion, i„ Mars-Aurol-StraBo #. Tal.: u 22-3-81 .lodsktionaaeftluB Montag und Mittwoch form. | (»a. Adar II 5695) | 8. Jahrgang lieber 5000 Jüdische Palästina- Einwanderer Im Februar Im Verlaufe des Monats Februar 1935 kanten rund 5200 Juden nach Palästina, um sich hier seßhaft zu machen. In den Kreisen, die sich mit der Einwanderung befassen, wird schon jetzt angenommen, daß sich die Zahl der jüdischen Einwanderer im M ä r z j auf mehr als 6000 stellen wird, womit ein Monatsrekord in der jüdischen Pa-j lästina-Wanderung erreicht sein wird, Streichers Gruß an Herbert Samuel Dr* Josef Kastein Alle auswärtigen Vertretungen in Berlin haben dieser Tage ihren Regierungen berichtet, daß für die nächste Zeit eine neuerliche tiefgehende Wirtschaftskrise in Deutschland zu erwarten ist. Mit dieser Sorge steht der überfallsartige Akt der Nationalsozialisten, die plötzliche Proklainierung der allgemeinen Wehrpflicht. Von den im Gefängnis zu Bethlehem^ ursächlichem Zusammenhang. Die Massen wegen illegaler Einwanderung eingesperrt sind wieder in einen patriotisch-natiogewesenen jüdischen Frauen, die nalistischen Rausch versetzt, der sie das kürzlich in den Hungerstreik getreten Eintopfgericht und den Schwindel der so waren, sind soeben die letzten vier gegen berühmten Arbeitsbeschaffung vergessen Geldbürgschaft freigelassen worden.; läßt und ihr Denken auf das Ausland und Gleichzeitig wurden aber vier andere jüdische Frauen wegen illegaler Einwanderung in das Gefängnis zu Bethlehem eingeliefert. Palästina-Einfuhr 1934: 15 Millionen Pfund Aus der soeben veröffentlichten Statistik über Palästinaimporte gebt hervor, daß im Verlauf des Jahres 1934 Waren im Werte von rund 15 Millionen Pfund in Palästina eingeführt wurden. An dieser Einfuhr war, das British Empire mit 3% Millionen Pfund an erster Stelle beteiligt, es folgten Deutschland mit 1,700.000 Pfund und die Vereinigten Staaten Amerikas mit 1,300.000 Pfund. Der Prodnktionswertder palästinensischen Industrie, der nach einer Schätzung der Jewish Agency für das Jahr 1933, soweit die jüdische Industrie in Frage kommt, 5*35 Mill, Pfund betragen hatte, wird für das Jahr 1934 auf 6-5 Mill. Pfund geschätzt. Die Nationalzar anisten gegen Numerus clausus Bukarest, 24. März. Der Vollzugsausschuß der nationalen Bauernpartei hat einstimmig beschlossen, daß die Parteimitglieder, die sich der von dem gewesenen Parteiführer V a j d a- W o j w o d geleiteten Agitation zur Einführung des Numerus clausus, des sogenannten Numerus Walaohicus, angeschlossen haben, automatisch aus der Partei ausscheiden, falls sie nicht binnen einer Woche eine Loyalitätserklärung abgeben. Diesem Beschluß wird in politischen Kreisen die größte Bedeutung beigemessen. Oer Arierparagraph im Lodzer Gemeinderat aufgehoben Der Regierungskommiesa-r der Stadt Lodz hat dem Beschluß der nationaldemokratischen Mehrheit de« Lodzer Gemeinderats, daß cLio städtischen Preise für Kunst, Wissenschaft und Literatur nur an Arier verliehen werden sollen, als verfassungswidrig aufgehoben. Einen zum zweitenmal eingebraohten Antrag der Nationaldemokraten, in welchem die Entlassung aller jüdischem Beamten und Funktionäre des Magistrats und der ßtädfci- — die Juden ablenkt. Es mag dabei sogar wahr sein, daß die Eisenfresserei der Machthabenden nur Bluff ist und daß sie im Herzen die schwerste Angst davor empfinden, daß das Ausland die ewigen Provokationen satt bekommt und das Dritte -Reich eines schönen Tages vor den Emst einer Mobilmachung stellt. Wenn die Millionen deutscher Sklaven Gewehre in die Hand bekommen, so kann die Sache einen ganz anderen Verlauf nehmen, als die großen und kleinen Führer zu glauben vorgebeu. Wie der einzelne, der deutsche Bürger, Bauer, Arbeiter, sich zu den Taten der Regierung stellt, ist nicht erkennbar und die Begeisterung der Versammlungen, das Hurra-Geschrei der uniformierten Presse bietet kein sicheres Urteil. Wohl aber die vorhin erwähnten Berichte der Auslandsvertretungen, von denen insbesondere das im amerikanischen Kongreß bekanntgewordene Referat hervorzuheben ist, das in drei Feststellungen ausklingt: Innerpolitisch hat der Nationalsozialismus noch für einige Jahre Lebenskraft; wirtschaftlich und staatsfinanziell zeichnet sich der Zusammenbruch bereits am Horizont ab. Bedenkt man den Grad der inneren und äußeren Verschuldung des Reiches und seiner Privatwirtschaft, so wird jedem die ängstliche Vorsicht verständlich, mit der alle Mächte das deutsche Problem behandeln. Eine brüske militärische Aktion würde — ganz abgesehen von der fürchterlichen Gefahr eines Weltkrieges — den deutschen Bankerott auf wenige Stunden beschleunigen und den wirtschaftlichen Niederbruch Europas herbeiführen, das einer solchen Belastungsprobe nicht mehr gewachsen ist. Unverkennbar aber ist die neuerliche Vertiefung des Abscheues und der Verachtung der ganzen zivilisierten Welt gegenüber der Praxis des Nationalsozialismus. Solange er wenigstens mit formeller Korrektheit die Verträge einhielt und nur auf ihre Revision hinarbeitete, konnte man da und dort an eine Evolution glauben. Nun aber bat er mit dem beliebten schlagartigen Angriff die. Verträge, -zerrissen und. sich damit für jeden möglichen Partner als vertragsunfähig, ' imtreu und unzuverlässig erwiesen. Darin liegt die Ermunterung für jede innere Opposition, im gegebenen Falle die gleiche Treue zu bewähren, liegt aber auch für das Ausland die Unmöglichkeit, mit diesem System zu irgend einer Verständigung zu gelangen. Wer will, kann diesen Ereignissen den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie studieren. Die deutsche Demokratie hat unter Stresemann die friedliche und feierliche Rückgewinnung des Rhein- und Ruhrlandes erreicht und gelangte unter Brüning bis zur Aufhebung der Reparationen. Die Diktatur hat die ganze Welt gegen das Dritte Reich unter die Waffen gerufen. Überall gibt es neue Militärgesetze, Rüstungen, Kriegsdebatten, überall klirren, als wäre nie im Kellogg-Pakt die Ächtung des Krieges ausgesprochen worden, die Messer. Die Reden der Staatsmänner klingen überall seltsam eindeutig, ob im Großen Rat Mussolinis, in der Pariser Kammer oder Ein jüdischer Arzt in den Tod getrieben Aus Prag wird uns berichtet: Am 20.d. behauptet habe, er sei Hakenkreuzist Dr. Josef Gach, Externarzt auf der 1er. Wiewohl dies sowohl von Dr. Gach, Klinik Schlöffe r, Alter Herr der jü-! als auch von seinem Gesprächspartner dischen Lese- und Rodehalle, freiwillig Abrede gestellt wurde, wurde auf aus dom Leben geschieden. Die dieser Grundlage von dem Vorgesetzten Arzt Umstände, die den begabten Arzt und aus-\ auf der Klinik eine Unterschriftengezeichneten Menschen in den Tod getrieak t i on gegen Dr. Gaeh veranstaltet ben haben, wieder einmal ein krasser Fall und ihm bedeutet, der Klinik feruzubleiben. jüdischer Tragik, zeigen eine bedrohliche In der Verzweiflung, nunmehr um seine Influenz des Hitlerisanus auf der Deutschen Existenz gebracht zu sein, schied Dr. Gach freiwillig aus dem Leben. Der Fall erregt großes Aufsehen, die tschechoslowakische Presse wirft die Frage auf, wie solche Vorfälle auf der Klinik Universität. Dr. Gach war sieben Jahre Externarzt an der Klinik, ein hervorragender Chirurg; er wollte nun Sekundarius werden, um sich dann auf Grund dieses Titels nach Abschied. Schloffer, dem Institut einer tschechoslowavon der Klinik eiuo Privatpraxis eröffnen i kisehen Universität möglich sind. Das antizu können. Da sollte ihm ein a r i s e h e r! semitische Flugblatt, das, wie bereits gemel- Kollego Dr. Marzoll, vorgezogen wer-l det, in letzter Zeit auf der deutschen Uniden. Dr. Gach telephonierte an einen seiner, versität verbreitet wurde, gewinnt im Zu- Bekannten, einen Realschuldirektor, den er samraenhang mit der traurigen Angelegenechen Unternehmungen gefordert wird, ließ j um Hilfe und Intervention ersuchte. Dieses heit eine recht aktuelle Bedeutung. Die Beder Regierungskommiissar als Verfassung«- Telephongespräch, das auf dom amtlichen börden untersuchen vorläufig den Fall widrig zur Abstimmung nicht zu, was von Apparat stattfand, wurde abgelauscht; den Nationaldeinokraten mit Protestrufen e«s wurde Dr. Gacb zum Vorwurf gemacht, aufgenommeo wurde. | daß er von seinem arischen Nebenbuhler Dr. Gach, der ein Fall der Klinik Sehloffer zu werden droht. spricht Samstag, den 30. März, im Mittleren Konzerthaussaal über „Ahasver oder die Über« Windung eines Mythos“. im englischen Unterhaus, und. überall zeigt sich der Zorn über das nichtswürdige Spiel, das die Hakenkreuzpolitik . mit der Sache des Friedens, des Rechtes . und der primitiven bürgerlichen Anständigkeit, mit Treu und Glauben betreibt. Das ist gewiß keine frischgebackene Erfahrung. Man konnte schon seit den ersten Tagen des neuen Systems an der Art, wie mit der wehrlosen jüdischen Minderheit umgegangen wurde, erkennen, was im Dritten Reich unter Recht, Rechtsschutz und Rechtssicherheit verstanden wird. Daß die europäischen Staaten dieses Verhalten ohne-Protest zur Kenntnis genommen haben, hat den Regierenden in Berlin erst den Mut gestärkt, ihren Weg fortzuschreiten. Von dem Recht der Juden, die einfach außer Gesetz gestellt worden sind, hat man dann auf die internationalen. Beziehungen übergegriffen, ohne dabei aber die Juden zu vernachlässigen. Auch jetzt zeigt sich wieder eben in Verbindung mit der Außenpolitik eiu neues Anschwellen der Pogrompolitik. Wieder werden die Juden, um den unausweichlichen internationalen Echec zu verhüllen, dem Pöbel zum Fraß vorgeworfen. Da« Dritte Reic-h hat den Vertrag in Grund und Boden getrampelt und ee kann für niemanden mehr — auch nicht für Polen, das im innersten Herzen zittert — als Freund und Bundesgenosse denkbar sein. Für niemanden? O doch, für Herbert S a m u e 1, dem Führer einer an sich bedeutungslosen Splittergruppe der ehemals so mächtigen englischen Liberalen. Herbert Samuel, derJude, der angebliche Zionist, der erste Oberkommiss ä r Palästinas, hat sich als der einzige englischo bürgerliche Politiker diie Ehre geholt, von der deutschen nationalsozialistischen Presse, sogar von S t. r e i c h e r s „Stürmer“ gelobt zu werden. In der Debatte über MacDonald« Weißbuch, das die deutschen Rüstungen und den Geist der Erziehung der deutschen Jugend als das Unheil der Zeit behandelte, hat Herbert Samuel nicht allein seinen oppositionellen Standpunkt betont, nein, er hat — der

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